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  • Paläo-Art - Book-Special 11/1217

REVIEWS ARCHITECTURE BOOKS 10-2017

 

ARCHITEKTUR SPECIAL

1. Yevgen Nikiforov - decommunized: ukrainian mosaics

2. Alexander Fthenakis (Hrsg.) - München 50 - 60 - 70

3. Alessandro Biamonti - ArchiFlop - Gescheiterte Visionen

4. Baltic Modernism - Architecture and Housing in Southern Lithuania

5. Katharina Greve - Das Hochhhaus - 102 Etagen Leben

6. Edda Schlager - Architekturführer Duschanbe

7. Niklas Maak/Johanna Diehl - Eurotopians

8. Dominik & Benjamin Reding - Coming Home

 

books ARCH 07 17 Decommunized

decommunized: ukRainian soviet mosaics

Yevgen Nikiforov – DOM Publishers

Fotograf Yevgen Nikiforov beschäftigt sich mit Fassaden. Genauer: mit Kunst an der Fassade. Im Bildband decommunized: ukrainian soviet mosaics präsentiert er rund 200 Mosaiken des Soviet Modernism zwischen 1950 und 1980, die er auf jahrelangen Reisen durch die Ukraine – inklusive der Krim – in 109 Städten gefunden hat. Die Fotos sind eine Auswahl aus seiner Dokumentation von über 1.000 monumentalen Wandbildern aus emaillierten Kacheln in leuchtenden Farben, die zum Teil kurz nach den Aufnahmen zerstört wurden: sie fielen tragischerweise mit ihren gigantischen Darstellungen von Arbeitern, Farmern, Astronauten und Athleten, mit ihren Motiven vom idealisierten Menschen und seiner Taten im Sozialismus später unter das sogenannte „decommunization law", das kommunistische Symbole und Slogans verbietet. Damit hat Yevgen Nikiforov nicht nur viele von Vernichtung bedrohte ukrainische Mosaiken zumindest für das Bildgedächtnis bewahrt, sondern auch ein ganzes Kunstgenre zum ersten Mal umfassend vorstellt. gb / sr

1 slide ArCH Ukraine

 TIPP
 

books ARCH 07 17 Decommunized

https://dom-publishers.com

"We shouldn´t cultivate ignorance and pretend that the Soviet period never existed" gibt der Fotograf & Autor, der auch in den gegenwärtigen Kriegsgebieten im Osten der Ukraine unterwegs war, den Bilderstürmern seiner Heimat im Vorwort mit auf den Weg. Sein ungemein verdienstvolles Standardwerk ist zudem eine stupende Fleißarbeit - Hunderte brillanter Fotos sind mit Details zu Künstlern & Enstehungszeitraum Material und Geodaten versehen. Unser Tipp !!!

München 50 - 60 - 70

Alexander Fthenakis / Oliver Heissner – Dölling und Galitz Verlag

Gewinner des DAM Architectural Book Awards 2017

Alexander Fthenakis (als Autor & Herausgeber) und der Architekturfotograf Oliver Heissner haben für 50 60 70 - Architektur aus drei Jahrzehnten im Münchner Stadtbild vier Jahre lang Bauten und Stadträume aus den 50er, 60er und 70er Jahren in der Münchner Innenstadt untersucht und mit über 600 eigens für diesen Band angefertigten Fotografien dokumentiert. Dabei haben sie nicht nur bekannte und herausragende, sondern durchaus auch alltägliche und umstrittene Zeugnisse jener Jahre berücksichtigt – das ist die Stärke des Buchs. Denn oft stehen diese Nachkriegsbauten ganz selbstverständlich im Stadtraum, ohne groß beachtet zu werden - einige sind gar vom Abbruch bedroht. Dabei prägen sie in München oft ganze Straßenzüge. Wie groß ihr Anteil tatsächlich ist, lässt sich an den Stadtbildkarten ablesen, die Teil einer ins Buch integrierten Studie der TUM zum baulichen Erbe der Jahre 1945-1979 in München sind. Hier werden auch interessante Einzelaspekte der architektonischen Gestaltung jener Zeit behandelt - wie Ecklösungen, Schrift am Bau oder Schaufenstergestaltung. Bei dem in Stadtteilspaziergänge aufgeteilten Hauptteil des Buches hätte es dagegen gerne mehr Informationen zu den vielen schönen Bildern geben dürfen, die gerade die Fassaden oft geschickt in Szene setzen – immer vor einem neutral-hellgrau bearbeiteten Himmel übrigens, der am wenigsten von den Farben und Materialien jener Zeit ablenkt - und diese zur Geltung kommen lässt.

gb / sr - Dölling und Galitz Verlag

 

 

 

 

books ARCH 07 17 Muenchen50 70

Mit einem Geleitwort der Münchner Stadtbaurätin Elisabeth Merk

 

ArchiFlop - die spektakulärsten ruinen der modernen architektur

Alessandro Biamonti – DVA Verlag

DVA/Random House

 

 

 

 

 

 
 

Moderne Ruinen üben oft eine ganz eigentümliche Faszination aus. Beim Titelbild von ArchiFlop ziehen die verlassenen „Ufo"-Häuser von Sanzhi Pod City die Aufmerksamkeit auf sich. Alessandro Biamonti und sein Team haben für die Abteilung Design des Mailänder Polytechnikums versucht, einige dieser modernen Ruinen zu katalogisieren. Und das haben sie ziemlich schlau angestellt, indem keine taxonomische, Klassifizierung vorge-nommen, sondern nach den ursprüng-lichen – trügerischen – Überlegungen und Hoffnungen der Investoren in Kapitel eingeteilt wurde, die da lauten: „Es werden viele Tausend kommen", „Es wird riesige Gewinne bringen", „Sie werden es nicht bemerken", „Sie werden sich bestens amüsieren". Vor 100 Jahren eine quirlige Großstadt in Namibia, heute begraben im Wüstensand. Einst der größte Freizeitpark Ostdeutschlands, heute allenfalls als Filmkulisse genutzt. Für eine Million Menschen geplant, von 30.000 bewohnt. Was ist da schiefgelaufen? Das Tolle am Buch: Man bekommt tatsächlich Antworten auf diese Frage, weil sich die Projektvorstellungen nicht in Bildern erschöpfen. Es gibt Hintergrund-Informationen zu den ehrgeizigen Plänen und gescheiterten Visionen - in unterhaltsame Beiträge gegossen. Ein schaurig schönes Vergnügen. gb

Baltic Modernism - architecture and housing in soviet lithuania

Marija Dremaité – DOM Publishers
Eine Auseinandersetzung mit der sowjetischen Nachkriegsmoderne kommt auch im Baltikum jetzt erst zunehmend in Fahrt. Die in Englisch vorliegende, reich illustrierte Monographie diskutiert die Architektur im sowjetischen Litauen, die auch im Vergleich mit den beiden anderen baltischen Republiken Estland und Lettland als außergewöhnlich angesehen wird. Westliche Kulturmodelle wurden in Litauen um einiges schneller und teils mit Leidenschaft adaptiert - und der Stil der entstehenden Architektur daher bald als "Sowjetischer Westen" bezeichnet. Bei der durchaus schwierigen Identifizierung der spezifischen architektonischen Merkmale, die diese Moderne im Ostseeraum von der anderer Sowjetrepubliken unterscheidet, geht die an der Universität Vilnius lehrende Autorin Marija Dremaité ins Detail und bezieht den offiziellen Architekturdiskurs, sowie Baupraxis und historische Stadtplanung mit ein. 250 Seiten, 300 Abbildungen.  sr

 

books ARCH 07 17 BalticModernism

Das Hochhhaus - 102 Etagen Leben

Katharina Greve – avant-verlag
Über eine Bauzeit von 102 Wochen entstand Das Hochhaus – als collageartiger Webcomic, wo jede Woche eine Etage dazukam. Nun hat Katharina Greve das ganze Bauwerk in einem Buch abgeschlossen, vom Keller bis zum Dach. Auf jeder Seite stapeln sich 2 Stockwerke pralles Leben. Da pöbelt im 1. OG ein Ehepaar über Flüchtlinge – und die Tochter sehnt sich nach politischem Asyl bei den Nachbarn. Im 33. OG entspinnt sich folgender Dialog: Er: „Du hast unsere Tochter bei dieser Castingshow angemeldet?!? Aber sie kann doch gar nichts!!!“ Sie: „Dann müssen nicht WIR ihr das sagen...“ Katharina Greve kommentiert Zwischen- menschliches, Soziales und Politisches mit trockenem Witz – auch über mehrere Etagen hinweg. So erzählt ein Kunde der Domina im 16. OG, er sage seiner Frau immer, er besuche seine Eltern im 7. Stock. Die verrät derweil ihrem Liebhaber in der ehelichen Wohnung im 32. OG sie koche extra schlecht, damit das auch so bleibe. Wie schon in ihrem ersten Comic Ein Mann geht an die Decke, verbindet Katharina Greve in Das Hochhaus die visuellen Möglichkeiten der Kunstform Comic mit den architektonischen Gegebenheiten des Handlungsortes und nutzt dafür ihre Ausbildung als Architektin auf unterhaltsame Weise.  gb

www.avant-verlag.de

 
 

books ARCH 07 17 Hochhaus

Architekturführer duschanbe

Edda Schlager – DOM Publishers

Duschanbe ist ein architektonischer Glücksfall. Die zur Sowjetzeit quasi aus einem winzigen Marktflecken emporgestampfte Hauptstadt von Tadschikistan, zwischen dem kulturell eng verbundenen ewigen Krisenherd Afghanistan und der füheren UdSSR gelegen, ist eine Art Außenposten zum Orient hin. Nirgends in Zentralasien lässt sich so deutlich betrachten, wie sozialistische Pläne urbanen Raum entstehen ließen, dabei aber auch scheiterten. Der von Stalin favorisierte Stil fiel in der Ferne von der Machtzentrale etwas weniger gewaltig aus, die Sowjetmoderne präsentiert sich avantgardistischer als anderswo im ehemaligen Riesenreich. Seit 25 Jahren entsteht in Tadschikistan und natürlich vor allem in Duschanbe eine neue, vom Gigantismus maßgeblich beeinflusste Architektur, die die Abkehr von älterer Baugeschichte sucht. Dementsprechend verschwinden historische Bauten zunehmend (siehe decommunized:) oder sind akut vom Abriss bedroht. Der vorliegende Band, bei dem die in Kasachstan lebende Herausgeberin Edda Schlager auch Beiträge tadschikischer Autor(inn)en zu einem Porträt der Stadt verbindet, ist eine Bestandsaufnahme zwischen persischer Geschichte, Sowjetarchitektur und tadschikischer Moderne - in dieser Form sicher die letzte. 288 Seiten, 400 bilder sr 

http://eddaschlager.com/architekturfuehrer-duschanbe *

https://dom-publishers.com

 
 

books ARCH 07 17 Duschanbe

Eurotopians

Niklas Maak/Johanna Diehl – Hirmer Verlag
In den kommenden Jahrzehnten werden laut einer Studie der UNESCO rund eine Milliarde Menschen in die Ballungsräume ziehen. Die Frage ist, wie sie dort wohnen sollen. Die bekannten Typologien Hochhaus, Einfamilienhausteppiche am Stadtrand oder auch Slums funktionieren angesichts dieser Zahl aus ökologischen, sozialen und ökonomischen Gründen nicht mehr. Dazu kommt: Die Trennung von Wohnen und Arbeiten ist schon jetzt im Begriff sich aufzulösen und längst gibt es andere Lebensformen als Single oder Kleinfamilie, für die immer noch fast ausschließlich gebaut wird. Auf der Suche nach Modellen für eine Architektur, deren Räume auf diese fundamentalen Herausforderungen reagieren können, richtet Niklas Maak den Blick zurück auf die 1960er Jahre. Er porträtiert in Eurotopians sieben nonkonformistische Architekten dieser Zeit und ihre Ideen – in der typisch Maak’schen bildhaften Manier. So beschreibt er die Wohnung von Yona Friedman „wie man sich das vergrößerte Gehirn eines Architekten vorstellt“. Viele der Porträtierten leben immer noch in ihren Bauten: Renée Gailhoustet im Erdgeschoss ihrer begrünten Terrassenstruktur von 140 Sozialwohnungen, die sie für den Pariser Vorort Ivry-sur-Seine entworfen hat, Cini Boeri fährt immer noch auf die Insel La Maddalena nördlich von Sardinien in die Casa Bunker, die wie ein Dorf organisiert ist. Das aufblasbare Haus von Hans Walter Müller demonstriert die Möglichkeiten mobiler Architektur. Und auch die Werke von Antti Lovag, Dante Bini oder Claude Parent zeigen Perspektiven für das Bauen von morgen auf. Johanna Diehl hat fotografiert – viel verrottenden Beton und bemooste Ruinen. In ihren Bildstrecken wird sichtbar, was Niklas Maak mit "Archäologie der Zukunft" umschreibt: Das utopische Potenzial dieser Architektur liegt brach. gb

www.hirmerverlag.de

 
 

books ARCH 07 17 Eurotopians

Coming Home

Dominik & Benjamin Reding – Alexander Koch Verlag
Seit sieben Jahren verfassen die Berliner Filmemacher Dominik und Benjamin Reding allmonatlich einen kurzweiligen literarischen Einstieg in das jeweilige Heftthema der Architekturfachzeitschrift AIT. Zuvor hatten sie sich als profunde Kenner und Sammler der Zeitschrift Innen-Dekoration – dem Vorgänger von AIT – geoutet, nachdem sie in einem Berliner Antiquariat auf eine Ausgabe von 1924 gestoßen waren und, fasziniert von den dort abgebildeten Innenraumszenarien, diese fortan in ihrer Filmarchitektur umsetzen. Wer Drehbücher schreiben kann, dem gelingen offensichtlich auch Kolumnen, und so beglücken die Zwillingsbrüder die AIT-Leser mit ihrem geschärften Blick auf unsere gebaute Umwelt und ihrer unnachahmlich spitzen Rhetorik. Anlässlich des 125. Jahrgangjubiläums der AIT gab der Verlag nun 19 ihrer besten `häuslich-kulinarischen´ Essays als Lesebuch Coming Home heraus. gb

Coming Home

 
 

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