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REVIEWS COMIC 01/02-2018

 


 

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Micky Maus - café "zombo"

Hommage - Régis Loisel - Ehapa Comic Collection 

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Zeichnerisch ein Gedicht. Schon Außen- und Innenseite vom Einband des querformatigen Buches sind eine Augenweide - im Stil der frühen Silly Symphonies der 1920er & -30er Jahre. www.egmont-comic-collection.de

 TIPP
 

Die Disney-Hommage-Reihe bei Ehapa mit Interpretationen von Mick(e)y, Donald & Co. durch namhafte europäische Comic-Künstler geht in die nächste Runde. Café "Zombo" (Bd. 3) von Régis Loisel ist dabei zwischen Mickey´s Craziest Adventures, dem Top-Auftakt von Trondheim & Keramidas und dem etwas gemächlicheren Cosey-Nachfolger Geheimnisvolle Melodie einzuordnen. Mick(e)y, Rudi (Ross), Donald und Goofy müssen sich zur Zeit der Großen Depression gegen die miese Konjunktur und die noch mieseren Machenschaften von Kater Karlo behaupten, als augenzwinkerndes "großes Sozialdrama".

Jamie Hewlett - works from the last 25 years

Jamie Hewlett - Taschen

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Das Erst-Edition (o.r.) war schnell vergriffen - uns gefällt das Cover der Zweitauflage (S.261, Female Freedom Fighters, No.1) aber fast noch besser.


Natürlich sind diverse Tank Girl- und Gorillaz-Seiten enthalten, schließlich sorgten diese Charaktere für den Durchbruch und insbesondere die virtuelle, animierte Popgruppe rund um Damon Albarn für die Etablierung Hewletts im Graubereich zwischen Musicbiz, Illustration und Street Art. Ebenfalls mit Albarn realisierte JH nach Recherche im Reich der Mitte die Auftrags-Oper Monkey – Journey to the West nach dem chinesischen Roman Xi Yóu Ji von Wu Cheng’en, die 2007 in Manchester uraufgeführt wurde. Einige von Hewletts besten Arbeiten aus wechselnden Anlässen sind auch im Kapitel Miscellaneous  (ab S.238) enthalten.

www.taschen.com 

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TIPP
 

comic 01 18 Jamie Hewlett

"Ich wurde nicht so sehr von Comics beeinflusst, eher von Musik, Kunst und den Menschen auf der Straße - abgesehen von Moebius und Liberatore", verrät Tank Girl- und Gorillaz-Schöpfer Jamie Hewlett im Interview mit Modefotograf & Musikvideo-Regisseur Jean-Baptiste Mondino zu Beginn des vorliegenden Bandes. Hewlett hat sich für den Taschen Verlag zu seiner ersten (und erklärtermaßen letzten) großen Werkschau in Buchform überreden lassen. Die präsentiert nun opulente Works from the Last 25 Years - rund 400 Arbeiten auf ebensovielen Seiten. Und das, obwohl laut Hewlett ein erheblicher Teil seines Ouevres ihm im Laufe der Jahre abhandenkam - verschenkt, verloren, geklaut. Die hier präsentierten "Überbleibsel" sind allemal interessant genug - und die Präsentation zwischen den roten, dreisprachig gehaltenen Textseiten tiptop. Allein die 2015 in der Londoner Saatchi Gallery ausgestellte Tarot-Serie (ab S. 315) ist die Anschaffung wert. In der erotischen Serie Honey ist Hewletts Ehefrau Emma de Caunes Motiv einer Reihe von 70´s B-Exploitation Movie-Plakaten nachempfundenen Illustrationen. Auch sehr schön: die auf transparentem Papier präsentierten Sketches im Schlussteil des gewichtigen Bandes, der von einer chronologischen Biografie abgerundet wird. Herausgegeben von Julius Wiedemann.

Glückskind - der anfang einer wunderbaren freundschaft

Flix - Carlsen

"Einer der charmantesten Comics des neuen Jahrtausends." "Glücklich ist, wer Glückskind liest." Geht es auch etwas kleiner, liebe FAZ? Gut, jede Woche seit Oktober 2015 veröffentlicht Flix eine neue Folge seines Comicstrips Glückskind in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung - da kommt so Einiges zusammen. Vor kurzem erschienen rund 90 der Einseiter, zart überarbeitet & zusammengefasst im vorliegenden Band Der Anfang einer wunderbaren Freundschaft. Ob dieser gelingt, muss jede Leserin selbst entscheiden, überdeutlich, fast einer Hommage nahekommend, sind jedoch die Parallelen zum klassischen (in Deutschland ebenfalls bei Carlsen herausgegebenen) US-Zeitungsstrip Calvin und Hobbes von Bill Waterson. Phantasievoll-philosophisch und warmherzig soll es also zugehen beim alleinerziehenden Vater Herrn Glück & seiner Tochter Josi, in deren Leben ein dreibeiniger Waschbär namens Rocco hüpft. Die starke und vielversprechende Ausgangskonstellation (Josi´s Mutter ist viel zu früh gestorben, Schriftsteller Glück zieht samt Nachwuchs aufs Land) wird in vielen der Strips nicht recht eingelöst, obwohl die Beziehung zwischen dem Schreibblockade-gepeinigten, überängstlich-liebevollen Dad und seinem altklug-talentierten Töchterchen funktioniert. Die stärksten Momente gelingen, wenn die beiden Hauptpersonen die verstorbene Partnerin & Mama vermissen. Insbesondere wenn der Waschbär (zuviel) redet (ja - er redet) und schwächelnde zusätzliche Figuren dazukommen (Nackedei-Nachbar Nuding, Klein-Angeber Quentin samt Katze Milou) verliert der Strip aber Einiges von seinem Charme.
www.der-flix.de * www.carlsen.de

 

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Monet - Auf den Spuren des Lichts

Efa / Salva Rubio - Knesebeck

Auf den Spuren des Lichts ist nicht die erste Monet-Comic-Biografie. 2012 erschien im Prestel Verlag im Rahmen der Kunst Comic-Reihe (u.a. Dürer, Van Gogh, Klimt) bereits ein Band der in Bayern lebenden Kunstvermittlerin Mona Horncastle zum Thema. Nun nimmt sich mit dem Hause Knesebeck erneut ein Münchner Verlag einer Graphic Novel zum Leben des berühmten Impressionisten an - in Form des vorliegenden Bandes von Autor Salva Rubio und Zeichner Ricard Fernandez (Efa). Die beiden Spanier gehen in Szenario & Zeichnungen noch etwas ambitionierter ans Werk und bilden den Weg des Menschen hinter dem bewunderten Maler ab, auf seinen tupfenden Zeichenstil Bezug nehmend: vom armen Jung-Künstler bis zum um sein Augenlicht ringenden Großbürger. Die Monets Blindheit hinauszögernde Star-Operation bildet hier eine erzählerische Klammer, dazwischen blickt der bettlägerige Maler hinter dem abdunkelnden Augen-Verband auf sein Leben zurück. Das Schlußbild entspricht in etwa dem Cover. Im Freien, auf einer über den Seerosenteich gespannten Brücke vernimmt man den nach seinen Mal-Utensilien verlangenden Monet: "Nicht mehr lange, dann ist das Licht weg." Auf den letzten 15 Seiten des aufwendigen, lohnenden Bandes werden alle im Buch vorkommenden Bildzitate den Originalwerken von Monet gegenübergestellt. Das gewählte matte Papier trübt die Zeichnungen Efas wie die Leuchtkraft der Originale allerdings etwas ein, der Gesamteindruck gerät - ausgerechnet bei diesem Thema - dergestalt vielleicht etwas zu düster. www.knesebeck-verlag.de

 
 

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Die Alten Knacker - Bd.4 - Die Magierin

Wilfrid Lupano / Paul Cauuet - Splitter

Von wegen abgeschlossen... Nix Trilogie - nach Band 1, Band 2 und Band 3 denken Die Alten Knacker von Wilfrid Lupano & Paul Cauuet, zumindest die Herren Pierrot und Antoine, mitnichten ans Aufhören. In diesem Band rückt des letzteren Enkelin Sophie, die junge alleinerziehende Mutter & Puppenspielerin auf Tournee mit ihrem Theater Der Wolf im Slip (das nach dem Erfolg der Hauptserie aktuell sogar für einen gleichnamigen Comic-Ableger-Band gut ist) gleichberechtigt in die Geschichte. Der dritte alte Knacker im Bunde, Mimile, kehrt erst auf den letzten Seiten aus Schottland zurück (nur, um sich eine veritable Abfuhr von seiner Angebeteten einzuhandeln). Der Titel des vierten Bandes Die Magierin nimmt Bezug auf eine Heuschreckenart, die einem Bauvorhaben der örtlichen Industrie im Weg ist. Die Story um die Querelen zwischen Artenschützern und Landbevölkerung nebst der gewohnten Prise Gesellschaftskritik kommt allerdings für unsere Begriffe nicht recht in die Hufe. Immerhin wird die Frage beantwortet, wer der Vater von Sophies Tochter Juliette ist - bzw. war, während Sophies eigener Vater nur per AB & SMS in Erscheinung tritt - ausgelegte Handlungs-Fäden für Band Nummer 5. www.splitter-verlag.de

 
 

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Long John Silver

Xavier Dorison / Matthieu Lauffray - Carlsen

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Akribisch bis ins Detail & sehr dynamisch gezeichnet, toll coloriert - alles in Eigenregie - eine Meisterleistung von Matthieu Lauffray. www.carlsen.de

 TIPP
 

Die vorliegende, "bescheidene" Schatzinsel-Hommage von Autor Xavier Dorison und Zeichner Mathieu Lauffray setzt nach den von Robert Louis Stevensons Abenteuer-Klassiker her bekannten Ereignissen an. Der berüchtigte Pirat Long John Silver soll mithelfen, für die so verarmte wie durchtriebene Lady Hastings einen versteckten Goldschatz zu finden - auch Hispaniola-Bordarzt Dr. Livesey ist als Chronist wieder mit von der Partie. Vier Paperback-Einzelalben sind daraus geworden, deren hier fehlende bibliographische Einordnung vielleicht das Einzige ist, was an der Ende 2017 bei Carlsen erschienenen Gesamtausgabe zu bemängeln wäre: I-Lady Vivian Hastings II-Neptune, III-Das Smaragdlabyrinth & IV-Guyapanac. Das gelungene Szenario und  die ausgefeilten Charaktere halten den Spannungsbogen bis zum Schluss gespannt, einmalig wird der Prachtband jedoch durch die rund 100 ergänzenden, von 2007 bis 2015 entstandenen Ölgemälde, Tusche-Zeichnungen und Digi-Illustrationen von Matthieu Lauffray im Schlussteil, abgerundet durch einige Hommage-Seiten anderer Zeichner wie etwa Matthieu Bonhomme.

Stern - Bd.2 - Die Stadt der Wilden

Frédéric & Julien Maffre - Splitter

Der starke erste Stern-Band der Brüder Frédéric (Text) und Julien Maffre (Zeichnungen) mit seinem etwas anderen Western-Ansatz ließ die Erwartungen an Band 2 ordentlich steigen. Immer noch bewegt sich der einzelgängerische Totengräber Elijah durch staubig-trockene Erdtöne, die sich auch mal ins bläulich-grünliche verschieben, wenn es notgedrungen heißt, Die Stadt der Wilden zu betreten. Das tut der introvertierte Bücherwurm Stern nur unwillig, und allein, um sich literarischen Nachschub in der einzigen Buchhandlung weit & breit zu besorgen. Prompt gibt es in Kansas City Ärger mit unliebsamen alten Bekannten aus Elijahs Vergangenheit. Anhand von Gene, Elijahs Ex-Frau, erfährt die Leserin noch etwas über die frühere Beziehung der beiden, bei dem maskenhaft-überzeichneten Kleinkriminellen-Mutter/Sohn-Gespann Crazy Maggie & Fergus O´ Brian flacht die Story dann leider merklich ab. Im dünnen Hin & Her, bis Stern doch zu seinem Buch-Shopping kommt (seine Enkaufsliste von Victor Hugo über Charlotte Brontë bis Goethe nimmt die letzte Seite ein), reichen die ansprechenden Zeichnungen nicht ganz aus, um die Aufmerksamkeit durchgehend hoch zu halten . www.splitter-verlag.de

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eternauta 1969

Alberto Brecchia / Hector German Oesterheld - avant-Verlag

Tödlicher Schnee als Auftakt des Ausradierens einer Zivilisation. Der große, Science-Fiction-Polit-Klassiker Argentiniens, Eternauta (im Original von 1957, mit Zeichnungen von Francisco Solano López, in einer opulenten gebundenen Ausgabe 2016 bei avant restauriert), erlebte im Jahr 1969 ein umfassendes Remake. Autor Héctor G. Oesterheld veränderte die Geschichte in Details und des neuen Zeichners Alberto Breccias collagenhafter, teils surrealer Stil erzeugte eine völlig neue, modernere, aber auch noch düsterere, dystopischere Welt in Schwarz und Weiß. Breccias feiner, aufwendiger Strich lässt den Leser auf vielen der Panels lange verweilen, gleichwohl gibt es auch eine recht große Textmenge zu bewältigen. Das etwas irritierende Logo alle drei Seiten ist der ursprünglichen Erscheinungsweise in Fortsetzungen geschuldet, seine Entfernung hätte jedoch ein ganz neues Layout nötig gemacht und einzelne Seiten aus dem Gleichgewicht gebracht. Auch in seiner 1969er Variante ist Eternauta ein spannendes Zeitdokument - allein durch die tragische Geschichte des Szenaristen, der mitsamt seiner Familie von der menschenverachtenden argentinischen Militärjunta der Jahre 1976-1983 entführt und umgebracht wurde. Eine in Bilder gefasste Mahnung an eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Südamerikas.  www.avant-verlag.de

TIPP
 

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Wundervolle Sommer Bd.1 - Ab in den Süden!

Zidrou & Jordi Lafebre - Salleck Publications - Eckart Schott Verlag

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Auch als Sonderedition mit signierten Druck und sieben Bonus-Seiten. Und noch eine gute Nachricht - vom gleichen Autorenteam ist der Serien-Titel 1969, Die Bucht am Meer bei Salleck in Vorbereitung.

 
 

Szenarist Zidrou und Zeichner Jordi Lafebre sind noch von ihrem bemerkenswerten Band Lydie in guter Erinnerung. 2015 lancierte das belgisch/spanische Team beim Originalverlag Dargaud mit dem Band Cap au Sud! ihre Serie Les Beaux Etés, die nun als Wundervolle Sommer bei Salleck erscheint. Anno 1973 zieht es die fünfköpfige belgische Familie Faldèrault wie jeden Sommer mit ihrem R2 Ab in den Süden! Der Vater Pierre ist überarbeiteter Comiczeichner, Mutter Mado ist vom mäßigen Erfolg ihres Gatten gelangweilt (und plant die Trennung nach dem Urlaub), für die meistens streitenden Kinder Louis, Nicole & Paulette ist noch eine Art Harvey, das imaginäre zwei Meter große Eichhörnchen Tschuki, mit an Bord. Die Reise entwickelt sich nicht ganz wie erwartet und schließlich zwingt ein Todesfall die Familie einen gewaltigen Umweg auf dem Weg Richtung Süden in Kauf zu nehmen. Die menschlichen Interaktionen fein beobachtet, die Handlung dabei selten spektakulär. Lafebres lebendige Zeichnungen sind hier das Salz in der Suppe. http://jordilafebre.blogspot.de https://salleckpublications.de

Maggy Garrison Bd.3 - So war das nicht gedacht

Lewis Trondheim / Stéphane Oiry - schreiber & leser 

Wenn das nicht einschneidend ist - der Lieblingspub der Titelheldin muß aktuell dichtmachen. Ansonsten scheinen aller guten Dinge drei zu sein für Maggy Garrison. Nach dem feinen Debut und dem adäquaten Band 2 ist die Londoner Gelegenheits-Detektivin immer noch im Besitz des erklecklichen Sümmchens, das aus durchkreuzten Gaunereien der korrupten Polizistin Sheena stammt. Als die wieder auftaucht und die Kohle zurückwill, gerät Maggy in ernste Schwierigkeiten. Und das gerade, als es doch so gut lief in ihrem Leben - und Miss Garrison privat übermütig genug geworden war, um ihrem Lover Alex Fragen zu Kinderwunsch & Adoption unterzujubeln. Der muss unterdes noch andere Punches einstecken und sich gar eines unliebsamen Mordauftrags erwehren. Es bleibt also spannend bei Maggy & Co. - das Szenario von Lewis Trondheim und Stéphane Oirys routinierter Strich sorgen auch ohne allzu wilde Wendungen über den Kanal hinweg weiter für ausreichend East End-Krimi-Lesespaß.

http://schreiberundleser.de

 
 

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