Reviews Soundtrack 07-12

     

    * soundtrack * crossover * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * audiobook *

     Moonrise Kingdom / Cosmopolis  
     Original Soundtracks - Various Artists - Universal * Howe Records / Harmonia Mundi TIPP  
     
     
     
    Mit den liebevoll versponnenen und detailversessen ausgestatteten Filmen „Die Royal Tenenbaums“, "Die Tiefseetaucher" und „The Darjeeling Limited“ hat Kult-Regisseur Wes Anderson Publikum und Kritik stets auf seiner Seite gehabt. Auch das neue Oeuvre „Moonrise Kingdom“ wartet wieder mit zwei seiner Stamm-Schauspieler, Jason Schwartzmann und Bill Murray, auf - ergänzt um die Stars Tilda Swinton, Bruce Willis, Frances McDormand & Ed Norton. Hauptprotagonisten der Story im Neu-England der 60er sind allerdings zwei zwölfjährige Kinder. Anderson-Filme sind stets von bemerkenswert individuell geprägten Soundtracks begleitet, die sich wenig um eingefahrene Hörgewohnheiten scheren. "Moonrise Kingdom" beschert dem Interessierten u.a. Francoise Hardys Chanson „Le temps de l´amour“, populäre 20th Century-Orchestermusik von Benjamin Britten, hinter der Alexandre Desplats feine Scoreparts aber keineswegs verblassen, sowie drei Songs des Country-Pioniers Hank Williams. Und auch der langjährige Anderson-Kollaborateur Mark Mothersbaugh von Devo ist wieder mit von der Partie. Wieder mal lohnend - während und nach dem Kinobesuch.

    David Cronenbergs in Cannes gelaufener neuester Streich "Cosmopolis" mit Robert Pattinson in der Hauptrolle wird Anfang Juli auch in den deutschen Kinos zu sehen sein. Dass auf dem zugehörigen Soundtrack erneut Cronenbergs Stammkomponist Howard Shore für die musikalische Untermalung zuständig ist, überrascht zunächst wenig - dass die kanadische Band Metric hier nicht nur drei Songs beisteuerte, sondern auch maßgebliche Teile von Shores Score einspielte, dafür umso mehr. Die Musik wurde im November 2011 in den bandeigenen Giant-Studios in Toronto aufgenommen und von Jimmy Shaw produziert. Die Soundscapes aus geschichteten Gitarren und fetten analogen Synthies erinnern öfter an den kürzlichen Überraschungswurf "Drive", machen aber im Vorfeld durchaus Appetit, auch "Cosmopolis" im Kino zu begutachten. Abgerundet wird der Soundtrack vom exil-somalischen Rapper K'Naan mit dem Track "Mekka".
    www.howerecords.com www.ilovemetric.com www.howardshore.com
     






    TIPP
     
     
     Dark Shadows -Songs & Score  
     Original Soundtracks - Various Artists - Sony Classical TIPP  
     
     
    Mit "Dark Shadows" belebt kein Geringerer als Tim Burton die gegenüber der Addams Family stets etwas in die zweite Reihe verwiesene 70´s-TV-Horror -Serie neu. Johnny Depp kann sich einmal mehr austoben, als Vampir, der nach 200 Jahren im Sarg erwacht und mit der Welt der Seventies erst einmal klarkommen muss. Soundtrack-Unterstützung liefern von Executive Producer Burton höchstpersönlich für geeignet befundene tote und untote Größen - von Donovan und Iggy Pop über Barry White und T-Rex bis hin zum gleich zweimal vertretenen Alice Cooper. Ob die Verwendung von "Top of the World" der Carpenters in diesem Kontext als Schändung gelten kann, bleibt dem Geschmack des Hörers überlassen. Zwei Stücke von Burtons musikalischem Schatten Danny Elfman haben es auch auf die Kopplung geschafft, zusätzlich ist sogar der Score als CD erhältlich. Mit Elfmans "The End?" ist aber noch nicht ganz Feierabend. Der natürlich auch auf dem Cover in Szene gesetzte Obervampir Johnny Depp rezitiert einige kurze Zeilen - trotz Brachial-Fadeout mit Kultpotential. "I play my music in the sun."  


     
     
     Marley  
     Original Soundtrack - Various Artists - Island / Universal TIPP!  
     
     
    "Marley" hatte es in sich. Das der Traumjob nicht ganz unheikel war, davon zeugen der Rückzug von zwischenzeitlich mit dem Projekt befassten musikaffinen Regiegrößen wie Jonathan Demme und Martin Scorcese. Kevin MacDonald hat sich bei dieser Auftragsarbeit für die Marley-Familie konventionell, aber achtbar aus der Affäre gezogen, wenn auch unter Vermeidung sensiblen Terrains wie der Spekulationen um Marleys Krebstod 1981. Von einer mediokren Kampagne (u.a. mit inakzeptablem Preseheft) in Deutschland eher behindert, entfaltet die Mischung aus `talking heads´, Archivaufnahmen und neu gedrehtem Ergänzungsmaterial auch in Überlänge von 144 Minuten bei Musikinteressierten ihre Wirkung. Neben Familienmitgliedern kommen Musiker, Baby-Mothers, die Opponenten Bunny Wailer (mehr) und Executive Producer Chris Blackwell (weniger) zu Wort. Der zugehörige, von Blackwell und Barry Cole kompilierte Soundtrack schafft auf 2 Cds (oder 3 LPs) eine ähnliche Gratwanderung. Schon die hörbar aus Einzelteilen rekonstruierte, bisher unveröffentlichte "Jammin"-Aufnahme vom historischen 1978er `One Love Peace´- Konzert, bei der ein geradezu entfesselt wirkender Marley die Hände der erbitterten jamaikanischen Polit-Rivalen Manley und Seaga ineinander legte, lohnt die Anschaffung. Neben bekannten Live-Klassikern wie "War" und "No Woman No Cry" bilden frühe Ska-Tracks wie "Simmer Down" und die von Blackwell produzierte 92er Rebel MC-Dub-Dance-Fassung von "Exodus" die Eckpunkte einer respektablen Compilation auf vermeintlich abgegrastem Terrain. Liner Notes von "Before The Legend"-Buchautor John Farley.  
     
     
     Snow White & The Huntsman  
     Original Soundtrack - Various Artists - Universal  
     
     
    Kaum ist Tarsem Singhs “Spieglein Spieglein“ aus den Kinos verschwunden, da folgt schon die nächste aufwändige Neuverfilmung von “Schneewittchen und die sieben Zwerge“. Statt mit der ironisch angelegten Oberbitch Julia Roberts wuchert diese aufwändige Fantasy-Fassung mit dem Gut-/Böse-Besetzungs-Pfund Kristen Stewart vs Charlize Theron. Auf dem stilisierten Schlachten-Cover a la "Herr der Ringe" sieht die holde Stewart in ihrer dunklen Joan of Ark-Rüstung ihrer Opponentin gar ein wenig ähnlich. Sind wir alle nicht ein bißchen böse Königin? James Horner liefert einen seiner besseren Orchesterscores ab. Florence Welch schrieb einen exklusiven Song für den Abspann ("Breath Of Life") und zwischendurch bleibt man beim zarten "Gone", interpretiert von IO Echo-Sängerin Ioanna Gika hängen.  
     
     
     Sonderdezernat K1  
     Soundtrack Edition - Music by Martin Böttcher - Allscore / Indigo TIPP!  
     
     
    Martin Böttcher hält heute noch große Stücke auf seine Untermalung der NDR-Seventies-Krimiserie „Sonderdezernat K1“. Eigentlich erstaunlich, dass gerade diese Musik, angeführt vom ordentlich groovenden Hauptthema, im Zuge der in den 90ern herrschenden Retrobegeisterung noch von keinem Label vollständig gehoben wurde. Zumal sie, neben vereinzelten Edgar Wallace-Aufträgen, demonstriert, wie gut Böttchers geschmeidiger Markensound, mit Beat-, Jazz- & Bossa-Anleihen kombiniert, auch im Krimi-Umfeld funktioniert. Nun also hat der persönliche Einsatz des Gentleman unter den deutschen Nachkriegskomponisten für eine Veröffentlichung gefruchtet und Martin Böttcher kann rechtzeitig zum 85. Geburtstag am 17. Juni 2012 auch ca. 64 Min. aus dem "SK1" zu seiner Diskographie zählen. Während die Titelangaben hier spartanisch ausfallen, liefern die Serienkenner Christopher Klaese und Volker Rippe zumindest zweisprachige Informationen zu den hervorstechendsten der 31 Tracks. Farbige Filmstills komplettieren eine geschmackvolle Ergänzung im Kanon deutscher Genre-Filmmusik.  
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     Rock Of Ages  
     Original Soundtrack - Various Artists - Sony Classical  
     
     
    Wer die Musical-Vorlage in Toronto (siehe Rezension zum Original Cast Album) oder am Broadway sehen konnte, wusste: dies könnte auch auf der großen Leinwand funktionieren. Mit Spaß & Know-How aufgemotzte und ineinander gemashte Schweinerock-Hits der 80er Jahre, von denen die besten von Journey, Foreigner, Pat Benatar oder (One-Hit Wonder) Quarterflash regelmäßig aufs Neue mitreißen. Zudem punktet die Verfilmung nun mit gekonnten Kamerafahrten und detailverliebten Choreographien, die das sich auch stimmlich durchweg achtbar schlagende Star-Aufgebot um einen manisch bis bizarr agierenden Tom Cruise toll in Szene setzen. Catherine Zeta-Jones, Alec Baldwin, Russell Brand, Paul Giamatti und die Jungstars Julianne Hough und Diego Boneta haben ihre Momente zwischen und mit den clever komponierten Evergreens. Again: Thumbs up.  

     
     
     Avengers Assemble / American Pie - Das Klassentreffen  
     Original Soundtracks - Various Artists - Universal * Sony Classical  
     
     
    Disney mal ganz anders. Auf dem "Music from & inspired by"-Album zum Marvel- Superhelden-Treffen feiert eine in Europa eher totgeglaubte Genrerichtung fröhlich Auferstehung. In den Staaten müssen die Marketingstrategen eine gewissen Affinität der Kinogänger-Zielgruppe zu Crossoverklängen herausgearbeitet haben. Folgerichtig erheben sich hier nicht nur die Grunge-Untoten Soundgarden mit "Live To Rise", auch Rise Against (the Machine) schleudern ein paar passende Gitarrenriffs aus der Gruft. Andere mehr oder weniger harte Rocker - Papa Roach, Bush, Pusherjones, Evanescence (im Photek-Remix), Cherri Bomb oder die Gesellen mit dem schönen Bandnamen Five Finger Death Punch - dürfen bei den Avengers (meist nur auf der CD) mitmischen.

    Eine nicht ganz so heldenhafte Posse findet beim Klassentreffen der mehr oder weniger gereiften "American Pie"-Partykomiker erneut zusammen. Auch der dem Songtrack beigegebene, teils aktuell aufgehübschte Mainstream-Pop & -Rock stammt aus den letzten zehn Jahren und dürfte die Klientel leidlich unterhalten. Wer Stiflers Mum und zweckentfremdetem warmen Apfelkuchen auch Anno 2012 noch viel abgewinnen kann, wird möglicherweise auch zu Musik vom Schlage Pop Levi, Cobra Starship oder The Blue Van in Feierstimmung oder zu Boyz II Men in Schmuse-Laune geraten. Da stechen die Spice (Ex-)Girls fast vorteilhaft aus der Kollateralmusik-Soße incl. zweier Scoretracks von Lyle Workmann hervor.

     



     
     
     Men In Black 3  
     Original Soundtrack - Score by Danny Elfman - Sony Classical  
     
     
    Während der Dark Shadows-Score Danny Elfmans von Sony Classical eher im Verborgenen gehalten wird, traut man der vom gleichen Hollywood-Veteranen geschriebenen orchestralen Backgroundmusik zum dritten "Men in Black"-Streifen offenbar kommerziell mehr zu. In der Verpackung äußert sich das nur bedingt, die zahlreichen Filmbilder der auf Schaueffekte und Will Smiths Sprüche setzenden Alien-Retro-Sause sind in einem Booklet mit einem doch recht dröge geratenen Cover versteckt. Was Regisseur Barry Sonnenfeld von seinem Komponisten erwartete, erfährt man immerhin auch aus den Heftseiten: "Make MIB more manly. More emotional. Don´t help me with the comedy. Please." Und dass demzufolge eine leichtere, heitere Vorabfassung des immerhin vielfach Grammy- & Emmy-dotierten & oscarnominierten Elfman abgelehnt wurde. Dass die beiden sich im Sinne des Chefs zusammengerauft haben, lässt sich dann den 22 Tracks incl. der Main Titles anhören. Den gewohnt draüenden Streicherparts & Chören stehen E-Gitarre & Rhythmussektion bei, auf smarte 60´s-Effekte wartet man leider vergeblich..


    Street Dance 2
    Music from & inspired by - Various Artists - Universal

    Erst spät - nach Kinostart - in der Redaktion angelandet: die CD mit Musik zur `Street Dance meets Salsa´-Sause um den Wettbewerb zwischen Tänzer Ash und dem `Invincible´-Team. Nach viel hüftbewegtem Leinwand-Hin- & Her wird der Name der Konkurrenz-Truppe dann erwartungsgemäß im „Ultimate Dance Off“ von Ash & Posse auf dem Dancefloor widerlegt. Mag das Genre ähnlich dem verwandten Sportfilm stets bekannten Mustern folgen, hier hat die umstrittene 3D-Technik unbestreitbar ihre Momente. Musikalisch erneut ein Mix aus HipHop, Chartspop und Eurodance - unser Soundtrack-Giveaway im Juni:
    www.streetdancethemovie.co.uk www.streetdance2-film.de/
    Gewinnspiel: 2 Soundtrack-CDs zu vergeben...Mails mit drei persönlichen Tanzfilm-Favoriten an info AT cinesoundz.de.
     










    GEWINNSPIEL!


     
     
     Silence, On Joue! - A Time For Us /
    The Film Music Of Arthur Benjamin & Leighton Lucas
     
     Filmmusic - Various Artists - Analekta / Codaex * Chandos / Note 1  
     
     
    Hörenswerte Sammlung von für die in ihrem Heimatland prominente kanadische "Fete de la Musique"-Chefin & Geigerin Angele Dubeau und ihr Ensemble La Pietà umarrangierten Filmmusik-Highlights. Mit von der ganz auf Dubeaus "Des Rosoers"-Stradivari von 1733 zugeschnittenen romantischen Partie sind u.a. meist sehr bekannte Kompositionen von Nino Rota, Ennio Morricone, John Williams, Howard Shore, Gabriel Yared oder der älteren Jahrgänge Erich Wolfgang Korngold und Charlie Chaplin. Aber auch der Japaner Joe Hisaishi kommt mit "Hana-Bi" und "Prinzessin Mononoke" in diesem Rahmen zum Zuge - zwei ehemals von Cinesoundz erstmalig im deutschen Raum auf Tionträger präsentierte Filmmusiken, soviel sei am Rande bemerkt.
    www.angeledubeau.com

    "The Film Music of Arthur Benjamin & Leighton Lucas" führt zwei Komponisten für den britischen Nachkriegsfilm zusammen, deren einzige Gemeinsamkeit daraus zu bestehen scheint, je einmal für Alfred Hitchcock tätig gewesen zu sein. Der gebürtige Australier Benjamin (Tracks 1-7) lieferte 1934 mit seiner "Storm Clouds Cantata" maßgebliche Teile der Musik zu Hitchcocks erster Fassung von "The Man Who Knew Too Much" mit Leslie Banks & Peter Lorre, während Lucas (Tracks 8-21) für "Stage Fright" von 1950 zuständig war. Daraus hat es zwar nur eine kurze, von Philip Lane rekonstruierte "Rhapsody" auf die Cd geschafft, mehr Raum wird den späteren Filmmusiken "Ice Cold in Alex" oder "This is York" eingeräumt. Freunden britischer Filmkunst wird die Sammlung allemal willkommen sein, zumal sich das BBC National Orchestra of Wales unter dem bei Chandos für Platten-Aufnahmen exklusiv unter Vertag stehenden englischen Dirigenten Rumon Gamba ordentlich ins Zeug legt.
     



     
     
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