Reviews Crossover 07-12

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     Tony Banks - Six Pieces For Orchestra
     
      City of Prague Philharmonic Orchestra, Paul Englishby - Naxos
     
     
     
    Tony Banks, meist im Vergleich zu Mike Rutherford und vor allem Phil Collins stilleres drittes verbliebenes Gründungsmitglied von Genesis, hatte mit Solo-Ausflügen und Kooperationen im Popbereich deutlich weniger Erfolg als seine Bandkollegen. Mit gelegentlichen Soundtrack-Arbeiten (u.a. "der immer noch unveröffentlichte "The Wicked Lady") dem für Klassikverhältnisse gut verkauften Orchesterwerk "Seven" konnte Banks sein kompositorisches Können schon eher in den Mittelpunkt stellen. Das Nachfolgewerk besteht nun aus sechs romantisch-konventionellen Movements, die laut Banks (ohne Text) um die großen Themen Versuchung, Aufbruch, Heldentum, Streben, Entscheidung und Ziel kreisen. Zweimal werden dabei zusätzliche Soloinstrumente eingesetzt: In "Siren" führt Martin Robertsons Altsaxophon, in "Blade" übernimmt Charlie Siems´ Violine den Solopart. Das aus Kostengründen für die Londoner Philharmoniker eingesprungene Prague Philharmonic Orchestra spielt unter der Leitung von Orchestrator Paul Englishby. www.tonybanksmusic.co.uk
     

     
     
    Philip Glass - Symphony No.9
     
     Bruckner Orchester Linz, Dennis Russell Davies - OMM / Codaex  
     

    Das Bruckner Orchester Linz unter Dennis Russell Davies spielt die neunte, gänzlich instrumental gehaltene Symphonie des zeitgenössischen Minimalisten - aufgenommen wurde bei den Neujahrskonzerten des Orchesters 2012, zu "Standing Ovations". Dem sehr dynamischen, nach Glass´ eigener Meinung "unerbittlichen", dreisätzigen Werk, das den vollen Einsatz des Ensembles fordert, sind mittlerweile nach "Low" und "Heroes" weitere sechs Symphonien vorausgegangen, von denen die Linzer vor zwei Jahren in europäischer Erstaufführung die 7. und 2003 die 6. Symphonie ebenfalls schon gespielt haben. Zur Eröffnung des neuen Musiktheaters im April 2013 schreibt Glass derzeit gar eine Oper - zu einem Libretto von Peter Handke: "Spuren der Verirrten". Gar nicht verirrt gibt sich Glass im für das Booklet aufgezeichneten Gespräch zu seinen symphonischen Werken. www.orangemountainmusic.com
     


     
     
     Michael Nyman Meets Indian Masters - Sangam
     
     MN Records / Codaex  
     

    Das 16-köpfige Michael Nyman Ensemble trifft auf die indischen Virtuosen U. Shrinivas, Rajan & Sajan Misra. Das 2002 nur für kurze Zeit bei Warner Classics erhältliche Album erscheint nun erneut auf Nymans eigenem Label MN Records. "Sangam", also "Treffpunkt" oder "Begegnung" resultierte aus einem monatelangen Indien-Besuch des Komponisten, der dabei fast den ganzen Subkontinent sah und vielen indischen Musikern verschiedener Traditionen zuhörte. Der Gesang der Misra-Brüger prägt nun die zwischen westlichem Minimalismus und indischer Klassik angesiedelten Stücke. "I was very conscious of not wanting to rip off their culture or to become a musical tourist.", beschreibt Nyman seine behutsame Herangehensweise bei diesem Projekt. www.michaelnyman. www.mmrecords.com
     

     
     
     Misja Fitzgerald Michel - Time Of No Reply
     
     No Format / Alive  
     
     
    Der Mythos Nick Drake. 1974 mit 26 gestorben, ist Drake mit nur drei Alben an Hinterlassenschaft dennoch zu einer Art vielzitierten Säulenheiligen des Folk geworden. Auch der in Holland geborene und in Frankreich sozialisierte Jazzgitarrist Misja Fitzgerald Michel widmet dem Songwriter Drake nun mit "Time Of No Reply" ein ganzes Album. Dabei spielt er ausgerechnet "Black Eyed Dog" zuerst, den letzten veröffentlichten Drake-Track. Ganz in den Dienst von Michels intimer Saitenarbeit stellen sich die Mitspieler Olivier Koundouno (cello), Nicolas Repac (arrangements & progrmming), Hugh Coltman (harm, voc), Florian Monchatre (synth) und Thibaut Mullings (steel g), bis hin zum Stargast Meshell Ndegeocello (voc). Ruhiges Instrumentalalbum zwischen Folk, Jazz und freier Improvisation.
    www.misjafitzgeraldmichel.com/
     

     
     
     
     Stefan Obermaier - Beethoven Reloaded / Mozart Reloaded
     
     Emarcy / Universal
     
     
     

    "Beethoven Reloaded" von 2008 war der Vorbote, der jetzt anlässlich Stefan Obermaiers neuen Mozart-Remixen Mitte Juli, um einen Bonustrack ergänzt und neu verpackt, ebenfalls neu veröffentlicht wird. Die clubaffinen Bearbeitungen klassischer Musik zielen eindeutig auf ein Tanzmusik offen gegenüberstehendes Publikum, Puristen werden für die hier versammelten, meist pulsierenden, seltener schwebenden, vier- bis fünfminütignen Electrotracks mit Beethovenschen Spurenelementen wohl kaum Leidenschaft entwickeln. www.reloaded-project.com
    www.stefan-obermaier.com Play Tracks 2,3,5,7.

    Der "Vienna Sound" hat die vorliegenden Projekte des seit 2001 in der Hauptstadt residierenden Klangtüftlers hörbar geprägt. Der Ex-Vienna-Scientist, der am 15. Juni noch eine "Bagana" betitelte EP ins Rennen schickt, setzt auch in Sachen Mozart mehr auf Dancefloor-Kompatibilität als auf Werktreue. Obermaier ist 1981 in Schwarzach im Pongau (Salzburg) geboren, da liegt es nahe, dass er sich auch Wolfgang Amadé einmal vornehmen musste, auch wenn er es erklärtermaßen lieber "deep" hat und ihm deswegen Beethoven zuerst in den Sinn kam. Die liebe Not mit Wölfels Kompositionen ist hörbar, oft wird nur eine ganze, unverhofft auftauchende Klassiksequenz verhallt. Von Dur („Sonate facile“) bis Moll („Turca“) reicht die Bandbreite, der aus den Archiven der „Deutsche Grammophon“, „Decca“ und „Philips“ gezogenen Originale. "Mein Anspruch war, meine Harmonien und Mozarts Harmonien ineinanderfließen zu lassen." Inwieweit das gelungen ist, mag jeder Hörer für sich beurteilen. Play Track 1.
    www.reloaded-project.com www.stefan-obermaier.com
     




     
     
     Previous Issue: 4/5 - 2012 © cinesoundz 2012

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