Reviews Jazz 07-12

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     Kouyaté - Neerman - Skyscrapers & Deities
     
     No Format / Alive TIPP!
     
     
     
    Wolkenkratzer und Gottheiten, Jazz meets Mandinka-Tradiitionen. Das ziemlich konkurrenzlose Balafon / Vibraphon-Duo Kouyaté-Neerman hat im Vergleich zu den Fingerübungen auf dem Vorgängeralbum Kangaba im Rhythmusbereich noch einmal zugelegt. Auf "Skyscrapers & Deities" werden die beiden Klöppel-Virtuosen, wie auch bei Live-Auftritten, meist von einer sich ordentlich ins Zeug legenden Rhythmustruppe angetrieben, zu der sich neben Antoine Simoni (b, b-synth) und David Aknin (dr) auch David Neerman selbst zweimal am Schlagzeug gesellt. Lansiné Kouyatés Balafon übernimmt weiterhin meist die Führung, anders als bei seinem zahlreichen Sidemen-Einsätzen für westafrikanische Größen wie Salif Keita oder Mori Kante. Das klingt im Zusammenspiel mit Neermans Vibraphon schon spannend, in Kombination mit Anthony Josephs Spoken Word-Tirade auf "Haiti" liefert es einen echten Fusion-Höhepunkt.
     

     
     
     Pat Metheny - Unity Band
     
     Various Artists - Nonesuch / Warner LIVE-TIPP
     
     
     
    "Unity Band" - ein neues Ensemble, gleich neun neue Pat Metheny-Kompositionen und Chris Potters sehr präsentes Tenorsaxophon sind da zuvorderst zu vermelden. Letztere Neuerung ist vor allem deswegen so bemerkenswert, weil Grammy-Sammler Metheny seit über dreißig Jahren mit keinem Saxophonisten mehr zusammengespielt hatte. Nach eigener Aussage, einfach weil ihm nicht der Richtige über den Weg gelaufen sei. Nun lobt der Meister Potter in den höchsten Tönen als "einen der besten Musiker unserer Zeit". Außerdem Antonio Sanchez am Schlagzeug, und der junge Ben Williams am Bass mit von der Partie. Album & Band sind benannt nach der Unity Church in Methenys Heimat Missouri. "Ein extrem gutes Wort, um in die Welt getragen zu werden", meint der Meister und wird selbiges mit einer ausgedehnten Welt-Tour beginnen, die ihn ab Ende Juni auch zu Live-Konzerten nach Deutschland führt.
    www.patmetheny.com/
     

     
     
     Eric Legnini Trio - Ballads
     
     Discograph / Alive  
     

    Das geschätzte Eric Legnini Trio um den 1970 in Huy geborenen belgischen Pianisten legt ein solides Album mit 15 Balladen vor, mit zehn Fremd- und fünf Eigenkompositionen des Bandleaders. An Legninis Seite diesmal ein neuer (Thomas Bramerie am Kontrabass) und ein bewährter Mitstreiter (Franck Agulhon am Schlagzeug). Mal poetisch, mal stoisch arbeitet sich das Trio um die Improvisationen seines Leaders herum in ganz unterschiedliche Klassiker von Antonio Carlos Jobim, Duke Ellington oder James Taylor hinein. "Balladen sind am schwersten zu spielen. Sie lügen nicht, man wird komplett gefordert - jeder Moment erfordert Präzision und Aufmerksamkeit." Und doch klingt das bei Legnini & Co so wunderbar leicht.

    www.myspace.com/ericlegnini
     


     
     
     Cassandra Wilson - Another Country
     
     Neo Membran / Sony
     
     
     
    Auf ihrem neuen Album räumt Cassandra Wilson ihrem italienischen Co-Produzenten, -Arrangeur und Bandleader Fabrizio Sotti an der akustischen Gitarre viel Raum ein. Gerade erst wurde die Wilson mit dem deutschen Echo Jazz Award zur "Sängerin des Jahres international" 2012 gekürt. "Another Country" enthält nun -quasi als kleines Dankeschön- nur auf der in Europa verbreiteten Fassung- eine weiteres Mal "O Sole Mio" als Bonustrack...beide amerikanisierten Versionen des neapolitanischen Klassikers sind allerdings gewöhnungsbedürftig - was fasziniert Diven beiderseits des großen Teichs derzeit nur so an Neapel? (siehe auch "Noapolis" in der World Music-Sektion).
    http://ojahmediagroup.com/Cassandra%20Wilson
     

     
     
     Avishai Cohen - Duende
     
     Jazz / EMI
     
     
     
    Der von der Jerusalem Post zum `erfolgreichsten Jazzexport Israels´ ausgerufene Avishai Cohen hat für sein aktuelles Album "Duende" den Blick von New York City wieder auf die Heimat gerichtet. In Tel Aviv fand er ein Talent, dass ihn nicht nur dazu brachte, seine Leidenschaft für Standards von Thelonious Monk oder Cole Porter wieder zu entdecken - die Besetzung besteht diesmal allein aus Cohens Kontrabass und dem Klavier des 24-jährigen Israeli Nitai Hershkovits. "Die Verbindung zwischen Nitai und mir war so stark, dass ich befürchtete, ein weiteres Instrument würde sie vielleicht gefährden." Die musikalische Anziehungskraft zwischen den beiden Künstlern wird im Zusammenspiel des vielseitigen "Seven Seas"-Jazzvisionärs und des gefragten Stipendiaten der israelisch-amerikanischen Musikstiftung deutlich. Ihre Instrumente umspielen und verbinden sich, um sich dann wieder energetischen Soli hinzugeben.
    www.avishaicohenmusic.com/
     

     
     
     Jürgen Friedrich - Monosuite / SWR Bigband - Die Besten Aus Südwesten - Jazz
     
     Pirouet * Content Records / beide: Edel
     
     
     
    Fast lieblich fängt Jürgen Friedrichs "Monosuite" an, dieser neunteilige Zyklus für Streichorchester und Soloinstrumente. Doch für Breaks und weniger harmonische Sequenzen ist bei den Streicherteppichen des mehrfach preisgekrönten deutschen Pianisten & Komponisten ebenfalls Raum. Die Strenge der Komposition mit freier Improvisation zu verbinden, war offenkundig das Ziel des Unternehmens mit dem speziell zusammengestellten, 20-köpfigen Sequenza String Orchestra. Durchkomponierter Part und Soundscapes bilden den Rahmen für jazzige bis freie Soloausflüge. Für das interessante Ergebnis gibt Freigeist Friedrich Minimal & Ethno, Bela Bartok, aber auch Außermusikalisches wie den Maler Mark Rothko oder den Big Wave Surfer Laird Hamilton als Einflüsse an.
    www.juergenfriedrich.net/

    Was den Jazz angeht, gehören die Musiker der SWR Big Band sicher zu den "Besten aus Südwesten". Zum 60jährigen (Kultur-)Jubiläum Baden-Württembergs wrd nach den üblichen Mannheimer Pop-Verdächtigen um X. Naidoo nun den Jazzern eine Plattform in Form einer Veröffentlichung geboten, die mit "der höchsten Dichte an Landesjazzpreis-Trägern, die jemals auf einer CD versammelt waren" aufwartet. Derer Zehn - um genau zu sein. In Baden-Württemberg sieht man sich gern als kultureller Dreh- und Angelpunkt mit Einfluss weit über die Landesgrenzen hinaus, prägend auch im Bereich der Hochkultur. Im Ergebnis ein solides Big Band-Album, das solche im Booklet reihum verteilten Eigen-Elogen nicht unbedingt nötig gehabt hätte. www.facebook.com/swrbigband
     



     
     
     Previous Issue: 4/5 - 2012 © cinesoundz 2012

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