Reviews Soundtrack 08-12

    * soundtrack * crossover * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * audiobook *

     Merida (Brave) / Chico & Rita
     
     Original Soundtracks - Various Artists - Disney / EMI * Calle 45 / Sony Classical
     
     
    GEWINNSPIEL!
     
     
    "Brave" bzw. hierzulande "Merida - Legende Der Highlands", 3D-Trick-Teamwork der Pixar-Regisseure Mark Andrews (The Incredibles, Ratatouille) & Brenda Chapman (Der Prinz von Ägypten), überzeugt mit seineretwas anderen Prinzessinenstory bei Kritik & Publikum. Der musikalische Background stammt vom Oscar-nominierten schottischen Routinier Patrick Doyle, der auf eine überraschungsfreie Mischung aus Orchester & einer Vielzahl traditioneller keltisch anmutender Instrumente: Laute, schottischer Dudelsack, Celtic Harp , Flöte & irische Bodhrán-Trommel aufbietet - ergänzt von fünf Liedern, vorgetragen von den (Original-)Synchronsprecherinnen Emma Thompson & Peigi Barker, Julie Fowlis & UK-No.1 Newcomerin Birdy sowie Mumford & Sons. Gewinnspiel: 2 Soundtrack-CDs zu vergeben an Mails mit Nenung der letzten drei Patrick Doyle-Filmmusiken an info (@) cinesoundz.de.

    Seit der Zusammenarbeit für den Soundtrack zu "Calle 54" bestand zwischen Regisseur Fernando Trueba und Designer Javier "Chavi" Mariscal der Plan, einmal einen ganzen Film gemeinsam zu gestalten. Es hat lange gedauert, aber bald ist es doch soweit: der mehrfach dekorierte & oscar-nominierte spanische Animationsfilm "Chico & Rita" von 2010 wird endlich auch in deutschen Kinos gezeigt. Wer sich noch nicht auf Festivals, im letzten Jahr in Schweizer Kinos oder über die im UK bereits erhältliche englischsprachige DVD ein Bild dazu machen konnte, ob die inhaltlichen Fehler der bestechend animierten Liebesgeschichte zwischen Barpianist Chico und Sängerin Rita so gravierend sind, wie Onilne-Kritiker Jewdar konstatiert, kann dies nun ab Ende August tun. Der zugehörige Latin-Jazz-Soundtrack jedenfalls lohnt in jedem Fall - die letzte Arbeit des 92-jährigen Pianisten Bebo Valdés, der Trueba bei diversen Filmen begleitete - und steckt zudem in einem exquiist designten Leporello-Digipak.
    ww.chicoyrita.es/home.html UK-Website & Hörproben
     


    TIPP!


     
     
     Batman - The Dark Knight Rises / The Amazing Spider-Man
     
     Original Soundtracks - Various Artists - beide: Sony Classical  
     
     
    "The Dark Knight Rises", der letzte (gleichwohl mit offenem Ende ausgestattete) Film der Batman-Trilogie von Regisseur Christopher Nolan, verlässt sich wieder auf die Routine von Remote Control-Teamchef Hans Zimmer, der auch bei den beiden Vorgängern (wenn auch dort noch gemeinsam mit James Newton Howard) "Batman Begins" & "The Dark Knight" für den düster-orchestralen Donnerhall zuständig war. Mehr als das dunkel-dräuende, von gelegentlichen (Sprech-)Chören, für die Zimmers Handlanger die Stimmen von über 100.000 Fans gesampelt haben, noch gesteigerte Tongebräu wird der Komponist von seinem Regisseur im Booklet diesmal dafür gelobt, einen entscheidenden Einfall eingebracht zu haben: nur eine einzelne zittrige Jungenstimme in der Szene im Football Stadium einzusetzen - bei der US-Nationalhymne. Nun spätestens weiß auch der letzte Comicnarr, wo Gotham & sein dunkler Ritter im Anti-Terroreinsatz zu verorten sind. Bonus-Inhalte mit der CD im Computerlaufwerk auf www.dkr-soundtrack.com
    Dass sich auch der neuerdings nur mit Zusatz "amazing" noch wirklich echte Marvel-Spinnenmann durch New Yorks Wolkenkratzerschluchten schwingt. stand nie in Zweifel, schließlich wurde er dort zuletzt sogar zum Musical-Helden. Regisseur Marc Webb generalüberholte die Figur des jungen Peter Parker (Andrew Garfield) und konnte im musikalischen Background auf keinen Geringeren als den oscarprämierten Routinier James Horner zurückgreifen. Trotz aller orchestralen Finesse verstärkt sich auch hier der Eindruck, dass Hollywood derzeit keine innovation im Subgenre Superheldenfilmmusik hinbekommt, sondern im eigenen Saft immer das gleiche, längliche, in Spannungspassagen mit Computerbeats etwas aufgepeppte Spätromantik-Orchestergedöns aufkocht.
     




     
     
     Prometheus
     
     Original Soundtrack - Composed by Marc Streitenfeld - Sony Classical
     
     
     
    Das mit Spannung erwartete und gerade in den deutschen Kinos gestartete "Alien"-Prequel enttäuschte trotz der Besetzung mit u.a. Charlize Theron und Michael Fassbender durch Längen und allzuviele tricktechnische Deja-Vu´s. Auch der Score setzt bei diesem Film keine entscheidenden memorablen Akzente. Komponist Marc Streitenfeld war kürzlich zur "filmtonart" des BR eingeladen, aber wegen Krankheit verhindert. Der zunächst als Musik-Editor gestartete junge Münchner (aus dem Zimmer´schen Umfeld), der hier kurz auf Jerry Goldsmiths "Alien"-Thema und zwei Sequenzen aus der feder von Harry Gregson-Williams zurückgreift, hat sich durch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Ridley Scott bei Filmen wie "Ein Gutes Jahr", "American Gangster" und "Robin Hood" aber immerhin in die Oberliga bei der Vergabe von lukrativen Hollywood-Projekten (und an die Seite von Julie Delpy) manövriert.
     
     
     
     Bavaria - Traumreise Durch Bayern
     
     Original Soundtrack - Music by Haindling - Sony  
     
     
    Miit dem HTM-Chef-Piloten Hans Ostler hat sich der notorische Regie-Bajuware Joseph Vilsmaier für dieses Landesporträt auf die Reise durch die Lüfte über bayrischen Bergen, Städten & Kulturlandschaften gemacht. Die 500.000 Euro teure Cineflex-Kamera aus den USA lieferte dabei - zumindest bei der Projektion während der Münchner Pressevorführung - nicht durchweg in der Schärfe überzeugende Bilder - vielleicht begleitet Vilsmaier den Film derzeit auch deshalb vorsichtshalber selbst auf der Kinotour durch Bayern. Neben einer dreisten Industrie-Werbesequenz fällt auch der großteils auf Bibliotheksmusik-Niveau dahinplätschernde Soundtrack von `Haindling´ H.J. Buchner bei dieser Bavariarolle negativ auf. Ob bei "Maultrommel", "Stramme Wadln" & ähnlichen Scoretracks oder den eingemeindeten Texten aus "Bayern" von 1998 ("Bayern & des bayrische Bier, jawoll des samma mir...") - Buchner (& Vilsmaier) ist offenbar wirklich kein Klischee zu platt.
     

     
     Pop! Goes The West
     
     Various Artists - Él / Cherry Red
     
     
     
    Der windschiefe All-Time-Westerner John Wayne höchstselbst begrüßt die Hörer mit der 1958er-Ansage für seine sangesmäßig vorbelasteteren "Rio Bravo"-Co-Stars Dean Martin & Ricky Nelson mit "My Rifle, My Pony & Me". Dann folgen u.a. noch zwei weitere Songs aus Howard Hawks´ Erfolgswestern von Komponist Dimitri Tiomkin, der später noch mit zwei von Frankie Lane intonierten Titel-Songs aus den Genre-Klassikern "Gunfight At The O.K. Corral" und "High Noon" gefeatured wird. Hier zeigt sich auch der einzige Makel dieser willkommenen Genre-Hommage. Es wurden -etwas wild- Originalsongs aus Filmen, sowie Neuaufnahmen einiger Stücke von den gleichen oder anderen Interpreten durcheinandergemischt. Weder in den unsignierten Liner Notes, noch im Tracklisting wird diesbezüglich Klarheit geschaffen. Der flüchtiger Interessierte wird dennoch an der Auswahl auf "Pop! Goes The West" seine Freude haben - auch wenn der Anspruch, den Einfluss des `Wilden Westens´ auf die Populärkultur der späten 50er & frühen 60er zu dokumumentieren, hier mit 29 Tracks & ein paar wenigen Posterabbildungen im Booklet nicht umfassend eingelöst werden kann.
     
     
     
     The Last Picture Show / Beat Girl
     
     Original Soundtracks - Re-Issues - Various Artists - beide: Él / Cherry Red
     
     
     
    Peter Bogdanovichs in Texas angesiedelte Coming-of age-Story von 1971 mit Cibyll Shepherd, Ellen Burstyn, Jeff Bridges, Timothy Bottoms & Ben Johnson hatte keinen für den Film geschriebenen Score. Die Songs im mit zwei Oscars (bei acht Nominierungen) prämierten s/w-Film werden sämtlich als `source´-tracks eingesetzt, sie kommen aus Radios, Autoradios, Plattenspielern oder Jukeboxen und ihre Texte liefern mittelbare Kommentare zum Filmgeschehen - wie Hank Williams´ "Why don´t you love me like you used to do?" in der ersten LKW-Szene des Films, dem diese überfällige Sammlung des Él-Teams eine späte Ehre erweist. Unter den 28 hier versammelten Tracks finden sich außerdem Künstler wie Frankie Laine, Eddy Arnold, Kay Starr oder der heute, mit über 85 Jahren immer noch auftretende Tony Bennett.

    "Beat Girl" von 1960 (mittlerweile auch zerstückelt auf Youtube in Erinnerung zu rufen) hat seinen Regisseur Edmond T. Grévelle auch wegen John Barrys Beatscore überdauert (s. opening sequence). Der Soundtrack zum Film mit Adam Faith, Christopher Lee, Oliver Reed und Gillian Hills, in dem sich ein Drama in der frühen Londoner Beatnik-Szene entspinnt, gewissermaßen das englische Pendant zum erstaunlicherweise in Deutschland bereits vier Jahre früher entstandenen "Die Halbstarken", war auch einer der ersten britischen Soundtracks, die komplett auf LP veröffentlicht veröffentlicht wurden - das Album erreichte schließlich die Position 11 in den UK-Verkaufscharts.
    www.elrecords.co.uk
     



     
     
     Charlie Chaplin´s City Lights
     
     Filmmusic - Carl Davis & City Lights Orchestra - Threefold / Codaex
     
     

    "Charlie, you taught us all.", schließt Carl Davis seine kurze Chaplin-Hommage im Booklet der vorliegenden Cd ab. Seit den späten 80ern erleben Charlie Chaplins Werke eine Renaissance und werden wieder vermehrt zu Live-Musik aufgeführt. Davis transkribierte u.a. für eines der ersten Events im Londoner Dominion Theatre aus dem "City Lights" Originalscore von 1930. An diesem für Chaplin essentiellen Projekt arbeitete dieser damals von 1928 bis 1931, inmitten des Übergangs vom Stumm- zum Tonfilm. Chaplin hatte sich lange gegen den "Sprechfilm" gesträubt - war doch seine pantomimische Komik sein Kapital - nun begann er sparsam, komische Toneffekte im immer noch ohne Dialog konzipierten "City Lights" effektiv einzusetzen. Wie wichtig gerade auch die Musik innerhalb seiner Gesamtkunstwerke war, wird anhand dieser liebevollen Neuaufnahme des erstmals vom (notenunkundigen) Chaplin selbst komponierten Scores zu seinem größter Triumph deutlich. Ausführliches Booklet mit vielen Fotos aus dem Film. www.carldaviscollection.com


    Sparkle
    Original Soundtrack - Various Artists - Sony

    Erst im Oktober im deutschen Kino, aber jetzt bereits (zum US-Filmstart) auch hierzulande als Soundtrack erhältlich: "Sparkle", der letzte Film unter Beteiligung der im Februar verstorbenen Whitney Houston. Im musikalischen Vorder- und Hintergrund des in Detroit zu Zeiten der goldenen Motown Records-Ära spielenden Streifens befinden sich mit den Songs "Celebrate" und "His Eye On The Sparrow" die nun letzten Aufnahmen der Ausnahmesängerin. Das Duett mit der 22-jährigen Jordin Sparks (No Air) unter der Regie von R. Kelly. Sparks triit noch auch acht weiteren Songs des Soundtracks in Erscheinung, da bleiben nur noch kleinere Parts Cee Lo Green, Carmen Ejogo, Tika Sumpter, Goapele - und eben Whitney (R.I.P.).

     
    TIPP










     
     
     The Flowers Of War
    Snow Flower And The Secret Fan
     
     Original Soundtracks - Various Artists - beide: Sony Classical
     
     
     
    Zweimal aufwendige Filmmusikproduktionen aus dem mittlerweile recht reichhaltigen Sony Classical-Fundus, deren zugehörige Filme es in Deutschland bisher nicht auf die große Leinwand geschafft haben.
    Im Fall des Historiendramas "The Flowers Of War" mit US-Star Christian Bale in der männlichen Hauptrolle war die Mitwirkung von Star-Violinist Joshua Bell der Firma Argument genug, den fernöstlich-exotischen Score des chinesischen Komponisten Qigang Chen, immerhin musikalischer Direktor der Olympischen Spiele 2008 in Beijing, auch ohne Filmstart hierzulande zu veröffentlichen. Es spielt das China Philharmonic Orchestra, die weiteren Solisten (an den traditionellen chinesischen Instrumenten Erhu & Pipa) sind Yan Jiemin & Li Jia, die im Pingtan-(in der (süd-)chinesischen Oper vorkommende Performance) Künstlerin Xu Huifen sowie Sopranistin Chen Xiaoduo.
    Und noch einmal wird es blumig: Der auf dem gleichnamigen Bestseller-Roman von Lisa See basierende Film "Snow Flower and the Secret Fan" beschreibt die Geschichte zweier chinesischer Frauen, die mittels eines selbstentwickelten Geheimcodes ihre im China des 19. Jahrhunderts problematische Freundschaft aufrecht erhalten können. Der zugehörige Score wurde von der britischen Oscar-Gewinnerin Rachel Portman "Emma" komponiert, der ersten Frau mit dieser Auszeichnung überhaupt, die hier ebenfalls mit den obengenannten Instrumenten für chinesische Klangfarben sorgt. Wie erwähnt Grund genug für den Soundtrack-Release, aber nicht auch für den Kino-Filmstart des ansonsten in chinesischer Regie & Produktion entstandenen Streifens.

     



     
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