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reviews 1-09 jazz Drucken E-Mail

     * soundtrack * filmmusic * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * x-mas *         

Marianne Faithfull - Easy Come Easy Go
Naive / Indigo
 
   
 
Hal Willner produziert Marianne Faithfull. Das sind musikalische Schlagzeilen. Nach den mannigfaltigen Kollaborationen der ehemaligen Drogen-Diva mit dem New Yorker Produzenten Enfant Terrible seit Mitte der Achtziger durfte man auch auf die neuen "18 Songs for Music Lovers" gespannt sein (von denen dem Rezensenten nur die 10 Stücke der Basisversion vergönnt waren).  "Easy Come, Easy Go" vereint ohne grössere Brüche Dolly Parton-, Randy Newman-, Duke Ellington-, Morrissey- und Brian Eno-Kompositionen, öfters mit dem von Faithfull patentierten Hang zur Dunkelheit. Illustre Gastmusiker wie Antony Hegarty, Rufus Wainwright, Marc Ribot oder Sean Lennon lassen zusätzlich aufhorchen. Den Schlußpunkt der ersten CD setzt Merle Haggards "Sing Me Back Home", eine alte Country-Nummer, die die  Faithfull nun zusammen mit Keith Richards intoniert. Die sogenannte "DeLuxe"-Fassung, ein opulentes Dreifach-Album beinhaltet acht weitere Tracks (auf einer zweiten CD) und ein Interview (auf DVD) - Abstriche an der Basis.  I´ll be seing you...


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  Jenny Evans - Lunar Tunes
 
  Enja – Soulfood
 
   
 
Jenny Evans, die in Deutschland lebende Britin, hat sich für dieses willkommene Konzeptalbum ihre ganz persönliche Mondlandschaft zusammengestellt. Im reichhaltigen, sich dem bleichen Himmelskörper widmenden Repertoire hat sie u.a. Stings "Sister Moon", das dutzendfach interpretierte "Moonlight in Vermont" von 1943, Erik Saties "Hymn to Selene", aber auch Antonin Dvoráks "Song to the Moon" ausgesucht. Ehemalige Welthits wie Glenn Millers  "Moonlight Serenade" treffen auf Unbekannteres,  von Dusko Goykovich beispielsweise. Solide, wenn auch überraschungsarm begleitet von Walter Lang am Piano, Thomas Stabenow am Bass, Rudi Martini an den Drums und Márcio Tubino (der auch die wenig aufregenden Streicher arrangiert hat) an Tenorsaxofon und Flöte macht Evans damit vertretbaren Mainstreamjazz - zu einem schier unerschöpflichen Sujet. 

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  Afonso Trio - Subsequencias
 
  Enja – Soulfood
 
   
 

Das vorliegende, bereits 2006 aufgenommene Album bedeutet das internationale CD-Debut für den 1979 geborenen portugiesischen Gitarristen Afonso Pais. Seine beiden Mitstreiter an Bass und Schlagzeug, Carlos Barretto und Alexandre Frazao begleiteten sein amerikanisch geprägtes Spiel bereits beim Debut in der Heimat, dem 2004 veröffentlichten "Terranova". Für "Subsequencias" gesellt sich noch der bekannte Brasilianer Edu Lobo für zwei Gesangs-Performances (eine von ihm selbst, die andere von Pais komponiert) hinzu. Lobo sagt dem aufstrebenden Performer und Komponisten eine strahlende Zukunft voraus. Man wird sehen. Die Eigenkompositionen von Pais,  wissen in ihrer stilsicheren, entspannten Art jedenfalls zu gefallen.


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  Refuge Trio
 
  Winter & Winter / Edel

 
 

"Expect the unexpected" uteilte der "New Yorker" kürzlich. Sänger und Performance-Künstler Theo Bleckmann und sein mit den hochdekorierten John Hollenbeck (dr, perc) und Gary Versace (p, keyb) bestehendes Trio gelten als einigermaßen unberechenbar. In ihrem virtuosen Zusammenspiel treffen Stimmakrobatik und instrumentale Improvisationen für gewöhnlich auf Kompositionen aller drei Musiker. Gerade am 6. Dezember wurde in der Münchner Unterfahrt ein Mitschnitt des Bayrischen Rundfunks produziert, so dass Interessenten, die die eben abgschlossene kleine Europa-Tournee des Refuge Trios verpasst haben, sich demnächst auch im Radio noch einen Live-Eindruck  verschaffen können. Die Gestaltung des hochwetigen Karton-DigiPaks durch die norwegische Künstlerin und Musikerin Sissel Vera Pettersen ist hervorzuheben.


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  Lukas Ligeti - Afrikan Machinery
 
  Tzadik / Sunny Moon
 
   
 

Elektronik-Avantgarde auf John Zorns Label für jüdische Musik aller Genres, Tzadik. Die Afrikan Machinery, die Percussionist und Komponist Lukas Ligeti hier zu Gehör bringt, reproduziert taditionelle afrikanische Muster und setzt sie in Beziehung zu westlicher Technologie. Ligeti fasziniert seit langem das Potenzial an der Musik Afrikas: Ihre oft vertrackte Multirhythmik, ihre häufigen Tempiwechsel und vielfältigen Klangfarben, die europäische Hörgewohnheiten schon im Original oft irritieren und aufbrechen. Umsomehr sind die von Ligeti abgeleiteten Strukturen, die auf diesem vom Pyrolator produzierten Album stehenbleiben, härterer Tobak. Die elektronisch verfremdeten, polyrhythmischen Cluster bedeuten eine anspruchsvolle Hörreise bis hin zum Krach.



Travis & Fripp - Thread

Galileo MC

Avantgarde anders: "Thread" ist eine Sammlung von neun großteils improvisierten Stücken, eingespielt  von einem bemerkenswerten Duo:  Theo Travis (Altflöte, Sopran- Saxophon) und der alten E-Gitarrenbastler-Ikone  Robert Fripp (Gitarre, Soundscapes). Ihr sehr ruhiges Klangflächen-Album wurde von David Singleton im DGM Soundworld Studio aufgenommen und von Steven Wilson (Porcupine Tree) gemischt und gemastert. Ambient, Experiment und Improvisiertes fliessen hier angenehm neben- und ineinander.
www.theotravis.com     
www.dgmlive.com


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  Introducing: Joris Roelofs
 
  Material Records – Harmonia Mundi
 
   
 

Der 24jährige Saxophonist und Klarinettist Joris Roelofs macht  bereits in seinem jugendlichen Alter durch Reife, Gelassenheit und eine präzise Kontrolle des Tons nicht nur die Stereoplays dieser Welt auf sich aufmerksam. Sein Altsaxophon hat bereits einen schönen warmen Ton entwickelt und strahlt Eleganz und Reife aus, auch auf seiner ersten Einspielung, dem 2007 aufgenommenen und nun von Wolfgang Muthspiel gemischten und produzierten "Introducing"-Album.  Im Zusammenspiel vor allem mit Drummer Ari Hoenig zeigt sich ein ausgeprägtes Gespür für Rhythmus und Timing. Ein vielversprechendes Debüt.

www.jorisroelofs.com


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  Tom Gaebel - Don´t Wanna Dance
 
  Telemedia / Indigo
 
   
 

Tom Gaebels derzeitiges 'Don't Wanna Dance' ist wohl mehr Koketterie. Zu wohl fühlt sich der junge Entertainer in mehreren Stilen, die auch mal das tanzbein zucken lassen. Auf seinem dritten Album reicht diie stilistische Bandbreite seiner Eigenkompositionen von Bar-Jazz über Swing bis hin zu eingängigen Soul-Stücken, Easy-Listening und Motown-Anklängen. Klassiker wie 'Satisfaction', 'My Baby Just Cares For Me' und 'Am I The Same Guy' werden effektvoll eingestreut. Lillo Scrimali , Produzent u.a. für   die  Fantastischen Vier, Joy Denalane, Nils Landgren oder Max Herre & Freundeskreis hatte einen nicht unerheblichen Anteil an der Auswahl und Umsetzung der Stücke des Albums, mit dem  Gaebel sich 2009 von Januar bis in den April hinein auf grosse  Deutschland-Tournee begeben wird. Daten:  www.tom-gaebel.com


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  Jazzymental Softmix
 
  Various Artists / Edel Entertainment
 
   
 

Über 40 Stücke zwischen Jazz und Pop bieten die zwei mit einer grösseren Edel-Werbekampagne angeschobenen Cds des "Jazzymental Softmix".  Al Jarreau  (siehe sein aktuelles Weihnachtsalbum bei x-mas) gesellt sich zu Rebekka Bakken, Pink Martini zu Bob James oder Till Brönner, Agnetha Fältskog zu Nils Wülker feat. Silje Nergaard und James Taylor zu Jeff Cascaro. Darüber hinaus liefert Gordon Haskell mit einer bislang unveröffentlichten Interpretation des Klassikers „Take My Breath Away" einen Bonustrack, von dem die Macher so begeistert waren, dass sie ihn gleich als Opener auf Cd 1 einsetzten. Die Titel sind im Gegensatz zum Vorgänger "Jazzymental Mood" sanft ineinander gemischt, um fließenden Hörgenuss ohne störende Pausen von der ersten bis zur letzten ( jenseits der 150.) Minute zu garantieren. Vertretbar gelöst.



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  Randy Crawford & Joe Sample - No Regrets
 
  /EmArcy /  Universal
 
   
 

Randy Crawford und Joe Sample sind ein Jahr nach dem erfolgreichen "Feeling Good" zurück und bereuen nichts - "No Regrets".  Elegante Interpretationen  einiger ihrer Lieblingsstücke aus dem amerikanischen Jazz-, Soul- und Pop-Kanon des 20. Jahrhunderts. haben sich die "Streetlife"-Soul-Diva und der Crusaders-Gründer auch diesmal vorgenommen und beweisen sich an diesen zwölf oft fast vergessenen Songperlen einmal mehr als versierte Traditionalisten, unlängst im November auch live bei einigen deutschen Konzerten.  Kenner werden sich über den frischen Sound der Versionen freuen, Novizen vom Repertoire überrascht sein. Produziert wurde das Album übrigens von einer weiteren Legende, Verve-Chairman Tommy LiPuma.
www.crawford-sample.de


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  Arne Jansen Trio - Younger Than That Now
 
  Traumton / Indigo
 
   
 

Der Berliner Jazz-Gitarrist Arne Jansen spielt sein Instrument verhältnismäßig sparsam und fast rockig rauh. Mit Eva Kruse (b) (die unlängst auch bei Nils Landgrens Christmas-Projekt dabei war,
siehe x-mas) und Eric Schaefer (dr) hat er für "Younger Than That Now" acht Instrumentals eingespielt, denen man die Vorbilder John Scofield, Pat Metheny oder Bill Frisell hin- und wieder anhört, die aber mühelos eine eigenem Linie, mal balladesk, mal dynamisch bis hin zu Rockimprovisationen finden. Dabei geht es nicht um die Zurschaustellung technischer Fertigkeiten, Jansen ist stolz darauf, mittlerweile komplizierte Dinge auf einfache Strukturen herunterbrechen zu können.

www.arnejansen.com   www.myspace.com/arnejansen


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  NDR Big Band - The Martin Luther Suite – A Jazz Reformation
WDR Big Band feat. Cecile Verny - Celebrating Billie Holiday
 
   SJ Enttertainment / Edel - CMO Jazz / Caracalla Media
 
   
 
Zwei ambitionierte öffentlich-rechtliche Big-Band-Projekte am Ende unserer Jazz-Rubrik: Nach dem Hörbuch „The Martin Luther Suite – A Jazz Reformation“, das erst im Februar im nächsten Audiobook-Update gewürdigt werden kann, erscheint bei Edel , auch die Musik allein, gespielt von der NDR Bigband unter Leitung von Lucas Markus Schmid.  Als Reaktion auf das 1996er Lutherjahr befasste sich Schmid eingehender mit der Geschichte der Reformation und mit der zeitgenössischen Musik. Der rebellische Geist der Epoche inspirierten ihn zu  eigenen Jazz-Arrangements , die die NDR Bigband und ihre ausgezeichneten Solisten nun mit der  „Martin Luther Suite“ umsetzen. Der Geist Luthers wird stellvertretend für jeden Reformator oder Erneuerer musikalisch beschworen. Die Ansätze zu den einzelnen Stücken werden im Booklet detaillierter dargestellt. Ein anspruchsvolles Groß-Projekt.


Auch das zweite Unterfangen hat es in sich, obwohl es um einiges zuänglicher daherkommt. Unter der musikalischen Leitung ihres New Yorker Leiters Michael Abene nimmt sich die Kölner WDR Big Band die bekanntesten Songs aus dem 'Lady Day'-Repertoire vor - "Celebrating Billie Holiday". Orchesterchef und Ensemble kassierten unlängst einen Grammy für das Patty Austin-Album "Avant Gershwin". Den Gesangspart diesmal übernimmt mit  Cécile Verny "eine der profiliertesten Stimmen der deutschen Szene" ( laut Berthold Klostermann von der Fachzeitschrift "Stereo"). Weniger als ein direkter Vergleich mit der tragischen Gesangsikone Billie Holiday soll hier der Tribute-Gedanke mit einem eigenen Ansatz der in Abidjan, Elfenbeinküste geborenen Sängerin kombiniert werden, denn die Verny geht durchaus ihren eigenen Weg. Das Projekt wird 2009 bei diversen Gelegenheiten live zu sehen sein. Termine:      www.wdr.de/radio/orchester/bigband/index.phtml 


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