Die französische Phase von Mary Roos offenbart, was aus Mary Roos alles hätte werden können. Die ihr anfangs völlig fremde französische Sprache meisterte das Gesangstalent aufgrund Ihres brillianten Gehörs bis zur Perfektion. Das französische Publikum feierte in den frühen 70ern keine Exotin, sondern eine ihren besten Chanteusen durchaus ebenbürtige Künstlerin. 18 der 21 Stücke sind hier erstmalig auf CD erhältlich. Die Ausstattung, Digipak mit 20-seitigem Booklet, Fotos sowie einem Begleittext von taz-Redakteur Jan Feddersen lässt kaum Wünsche offen. Außer diesem vielleicht: Für Götz Alsmann ist Mary Roos die deutsche "Dionne Warwick". Herr, wirf also Songschreiber und Produzenten vom Himmel - für ein längst überfälliges Reife-Album unserer mit 60 leider weiter im Schlagereinerlei abgetauchte Mary, die doch so viel mehr kann.
Disco Diva Delights Vol.1TIPP! Various Artists - Ambassadors Reception - Groove Attack
Es soll eine Serie werden. DJ und Kompilator Stevie Kotey präsentiert Disco Divas der noch nicht zu abgenudelten Sorte. Schon der Einstieg mit der Wonderband zeigt die Richtung an. Kotey rückt mit leicht ironischem Blick und Liebe zum Detail, tanzflurgetestete und offiziell bisher dennoch wenig gewürdigte Perlen des Genres ins Licht der Discokugel. Schon die Titel sind aufschlussreich: "Heīs Dyn-o-mite", "Lovetrip", "Top Secret", you name it- die Projektnamen nicht weniger: "Spectacular", "Hot Sauce" oder ja, "Black Hole". Und noch ein Anspieltip: Venise mit dem melodischen "The Mystery With Me". Leider fehlt der Rezensen-Version das Booklet mit Koteys Kommentaren zur Auswahl. Dennoch gern mehr davon..
Die Deluxe-Version des Wave-Klassikers aus dem unfassbaren Jahrgang 1979 verdient sich ihr Gütesiegel redlich. Nicht nur wurden die 10 Originaltitel des Slits-Debüts mit dem berühmten barbusigen Schlammcover von Pennie Smith ("London Calling"!) geremastert und die tolle, bisher nur als Import erhältliche Coverversion von "I Heard It Through The Grapevine" sowie zwei ganze Peel-Sessions und ein 28-seitiges Farb-Booklet beigegeben, eine zweite CD enthält zudem Demos, Rough Mix-Versionen und Instrumentals. Auch das Timing stimmt, Post-Punk wird wieder gewürdigt und der Re-release steht pünktlich zum neuen Release "Trapped Animal" der wiederformierten Band um Ari Up und Tessa Pollitt in den Regalen (Dritte im Mudwarrior-Bunde Anno ī79 war Viv Albertine). Catalog at itīs best!
Fehlfarben - Es Geht Voran VINYL-TIPP bureau b - Indigo
Ausnahmsweis auch mal ein kleiner Vinyl-Schatz in dieser Sektion: Der epochale Funk-Smash der Fehlfarben, der erst gar nicht auf "Monarchie und Alltag" berücksichtigt werden sollte, stach immer schon aus dem Repertoire der Band heraus und wurde ja nach NDW-Vereinnamung live lange von der band verweigert. Umso begrüssenswerter nun diese 7-Zoll-Single Auflage als nachträgliche Würdigung eines Highlights deutscher Musikgeschichte. Gekoppelt auf der B-Seite mit dem von Thomas Schwebel gesungenen "Feuer An Bord" vom dritten Album der Band (ohne Hein), in einer seltenen Alterniv-Version.
Die vorliegende "Very Best of.."-Sammlung spannt den Bogen von der heisse Sommernächte hindurch maxi-, bass- und anderes kickenden Frühachtziger-Waverock-Gipsy bis hin zu späteren Musicalerfolgen. Auf die Gefahr hin, dass damalige und heutige Fans die jeweilige Früh- oder Spätphase der weiterhin recht aktiv tourenden Frau Schneider deutlich weniger interessiert. Drei bis vier hübsche Titel aber wird jede der Fraktionen auf dieser CD entdecken. Wir halten es da mit dem Bonustrack aus den Tagen der inyl-Maxi-Single...
So einfach geht das: eine Michael Jackson-Silhouette vorm palmengesäumten Sonnenuntergang und jeder weiss Bescheid. Reggae-Verbeugung vor Prinz Michael. Auf dieser vom japanischen Sony-Ableger Ki/oon (noch zu MJ-Lebzeiten) für den dortigen, lebendigen Reggae-Markt produzierten Tribute-Kopplung für den King of Pop traut sich allein Tarrus Riley -obgleich als einer der gegenwärtig erfolgreichsten Inselstars selbst hochkommerziell unterwegs- sachte gegen das Kalkül für Nippon anzusingen. Der R&B-Entwurf zu "Rock My World" von MīLonie geht auch in Ordnung. Ansonsten fallen die meisten Titel reichlich brav, clean und auch zu dicht am Original aus, um wirklich Feuer zu entfachen.
Whisky & Blues Wine & Vocals beide: Various Artists - In-Akustik
Etwas Etikettenschwindel ist schon im Spiel bei der neu aufgelegten In-Akustik Genuss-Serie, deren ersten beiden, den alkoholischen Gesprächsverflüssigern Whisky und Wein gewidmeten Folgen wir uns an dieser Stelle kurz widmen wollen (Tee & Kaffee wollten wir uns im neuen Jahr widmen). Wer beim Blick auf die Cover eine amtliche Songsammlung zum jeweiligen Getränk erhofft, wird nämlich enttäuscht. Auf "Whisky & Blues" finden sich wenigstens zu Beginn noch thematisch passende Titel wie "Whisky Tears", "Somebody Buy Me A Drink" oder "Crazy When She Drinks". So könnte es weitergehen. Mit diesen dreien, von denen zwei sich auch nur um Alkohol allgemein und nicht um Whisky drehen, ist diesbezüglich aber leider schon Schluss. Beim "Wine & Vocals"-Sampler wird erst gar nicht versucht, auch nur einen relevanten Weingesang aufzubieten. Die mit kurzen Texten zum jeweiligen Spirit und den damit verbundenen Fach- und Genussfragen ausgestatteten Cds bieten außer der Tracklist (und auch auf der findet sich zwischen stimmigen Titel nicht nur Exquisites, wie einige der Live-Versionen wenig genießerisch klarmachen) keinerlei Informationen zur Musik, die quer durch den Katalog von In-Akustik und verbundenen Labels ausgesucht wurde. Schade um die vergebene Möglichkeit. Gute thematische Sampler bleiben rar.
Moebius, Plank und Neumeier - Zero Set Cluster & Eno - Cluster & Eno Eno Moebius Roedelius - After The Heat
alle: Sky / bureau b - Indigo
Sehr modern wirkt das, was Dieter Moebius, Guru-Guru-Mastermind
Mani Neumaier und Kult-Produzent Conny Plank da mit Zero Set im Jahr
1983 auf dem Feld der Elektromotorik angerichtet haben. Das Ergebnis
ist nicht zuletzt Planks Studiotechnik zu verdanken, die den
Produzenten hier in der Tat zum federführenden Künstler macht. Die
vielfältigen Live- und Studioverbindungen zwischen den drei Akteuren
schlagen sich hier in Spielfreude und Präzision nieder. Moebius war
hier übrigens auch am Cover beteiligt.
Das Meiste, was das Büro im Norden der Republik aus dem Sky-Catalog
derzeit dankenswerterweise wieder zugänglich macht, wirkt ja recht
zeitlos. Die zweiteilige Cluster & Eno-Kollaboration aus den Jahren
1977/78 ist da gleich das nächste Beispiel. Während auf der
entsprechend betitelten ersten Platte Eno sich noch etwas zurückhält,
übernimmt er beim folgenden Album "After The Heat" mehr die Führung.
Die vom Trio gemeinsam produzierten, niemals kalt oder kalkuliert
wirkenden frühen Ambientklänge stammen natürlich auch aus Planks
"Connys Studio". Die empfehlenswerten Finished-Alben enthalten
zudem ausführliche Liner Notes von Insider &
Heimelectronica-Pionier Asmus Tietchen.