The Afro Sound of Colombia Anibal & Su Conjunto Velasquez - Mambo Loco
Vampisoul / Analog Africa - Groove Attack
The Afro Sound of Colombia ist eine ganz heisse 60s & 70s-Melange aus den Archiven des Discos Fuentes-Labels. Seit den unseligen Zeiten der Sklaverei hat afrikanische Kultur in grosser Bandbreite Anteil am Leben in Kolumbien. Aus der Musik des Landes sind Afro-Einflüsse nicht wegzudenken, was sich schon des öfteren auch auf diesen Seiten niedergeschlagen hat. Die hier versammelten Beispiele für die damals in den Clubs von Medellin und Bogotá populären Hybride aus Salsa, Antillen-Afrosound, Musica Triopical und Latin Rock lassen den später modernen irren Champeta-Sound nachvollziehen. "Cumbia en Moog", "El Vampiro", "Fiebre de Lepra", "La Trompeta Loca", "Combate a Kung-Fu"...ein Fülhorn an verrückten und funkigen Ideen wird da ausgeschüttet. www.vampisoul.com
Colombia Numero Dos: "Mambo Loco" - eine relativ un-afrikanische Ausgrabung des Analog Africa Labels, doch nicht umsonst treibt sich AA-Gründer Samy Ben Redjeb des öfteren in Kolumbien herum. Die Afro -Einflüsse im tropischen Sound von Anibal Velasquez sind unüberhörbar. Der Akkordeonist & Bandleader aus dem Schmelztiegel Barranquilla gilt als einer der produktivsten Musiker Kolumbiens, dessen
Ruf auch bis nach Venezuela & Mexiko reicht. Neben Guaracha, Pompo, Guarija, Cumbia fliessen immer wieder jedoch auch schnellere afrikanische Beats in das Repertoire von `El Mago´, dem Zauberer, ein. Grund genug also für AA, hier zuzuschlagen. Der Latin-Retro-Fan dankt es ihnen.
TIPP!
Zelia Fonseca - Impar
Enja – Edel
Die beiden über Finnland nach Deutschland eingewanderten Musikerinnen Rosanna Tavares und Zélia Fonseca spielten jahrzehntelang zusammen, in ihrer Musik fand sich der ganze Klangreichtum ihrer Heimat Brasilien: vom Bossa Nova bis hin zu
afro-brasilianischen und indianischen Elementen. Insbesondere die Hi-Fi-Presse hatte die ausgefeilten Produktionen des Duos ins Herz geschlossen. Nachdem Rosanna Ende 2006 an Krebs starb, nahm sich Zelia Fonseca die nötige Auszeit. Nun ist "Impar", was mit "ungerade, ohne Partner" übersetzt werden kann, fertig. Rosanna wird nicht ersetzt, vielmehr wurde in der Anpassung von Zelias Gesangs-Arrangements, filiigranen Instrumentalbeiträgen hochkarätiger Begleitmusiker und sorgfältigem Songwriting versucht, eine künstlerische Antwort auf den Verlust zu finden. Liveauftritte von Ende April bis Mitte Mai.
LIVE!
Stacey Kent - Raconte-Moi
EMI
Die bei Publikum und Kritik beliebte amerikanische Jazzsängerin und Frankreich haben sich gegenseitig ins Herz geschlossen. Ihr Debut für Blue Note erzielte 2007 links vom Rhein Platin und die Kultusministerin liess es sich nicht nehmen, der Künstlerin eine Orden an die Brust, pardon, vielleicht auch woanders hin zu heften. Schon damals waren drei Songs in Französisch enthalten. Da ist es fast zwangsläufig, dass Kent und ihr Produzent, Arrangeur & Ehemann Jim Tomlinson nun mit "Raconte Moi" aufs Ganze gehen - en francais. Die Fremdsprache scheint Madame Kent keinerlei Probleme zu bereiten und auch sonst ist der Flow der Produktion bemerkenswert, deren grosse Stärke auch die feine Repertoireauswahl ist. www.staceykent.com
Lionel Loueke - Mwaliko
Blue Note - EMI
`Mehr Afrika als Jazz´ ist der erste Eindruck - schon der erste Track dieser "Einladung" (Mwaliko auf Suaheli) des Gitarristen aus Benin ist ein Standard aus Kamerun, gekennzeichnet von Klicklauten und Angelique Kidjos bemerkenswerten Vocals. Die Jazzanteile in Louekes von Mentor & Musikerkollege Herbie Hancock hoch gelobtem Gitarrenspiel kommen später bei drei Stücken mit seinem Trio aufgenommenen Stücken zum Tragen. Des weiteren gibt es je zwei Stücke mit den Vokalisten Richard Bona und Esperanza Spalding und die Interpretation der Wayne Shorter-Komposition "Nefertiti" mit dem jungen Ausnahmeschlagzeuger Marcus Gilmore. Ein sehr kollegiales und abwechlungsreiches Album, das an keiner Stelle enttäuscht. www.lionelloueke.com/
TIPP!
Lokua Kanza - Nkolo
World Village - Harmonia Mundi
Lokua Kanza, geboren im Kongo und mittlerweile zwischen Paris und Rio pendelnd, gibt als einer der etablierten afrikanischen Stars der Diaspora in größeren Abständen substantielle Lebenszeichen. "Nkolo" ist wieder so eines, das in seiner Geschlossenheit an Kanzas Klassiker "Wapi Yo" heranreicht. Die filigranen, fein arrangierten Kompositionen, ganz überwiegend in Lingala, der Sprache des Kongo, gesungen, nehmen sachte brasilianische und europäische Elemente auf, ordnen sich aber der sanften und dennoch tragenden Stimme Kanzas unter, der seinem Publikum Besinnung bietet. "Ich wollte einen Baobab pflanzen, unter den man sich setzen kann, wenn man nicht ganz auf der Höhe ist oder nach seinen Wurzeln sucht." www.lokua-kanza.com/ myspace.com/kanzalokua
2007 kehrte die Sängerin und Weltbürgerin Razia Said auf ihre Heimatinsel Madagaskar zurück, die sie als 11-jähriges Mädchen verlassen hatte. Auf einer sechswöchigen Reise erfuhr sie von den massiven Problemen des Landes, hervorgerufen durch Klimawandel und Umweltzerstörung. Insbesondere die Praxis, abgeerntete Felder abzubrennen, richtet täglich verheerende Schäden an, was Razia im Track "Slash & Burn" thematisiert. Das gesamte Album "Zebu Nation", eine Song-Sammlung, in die verschiedene Folktraditionen Madagaskars einfliessen, ist als internationaler Weckruf zu verstehen, um mit künstlerischen Mitteln eine breite Öffentlichkeit für die fatale Entwicklung auf der Insel zu sensibilisieren und ihren Bewohnern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. myspace.com/raziasaid www.raziasaid.com Hoher Stylingaufwand für das neue Album von Carmen Consoli , nie sah die italienische Cantautrice besser aus als auf den Fotos für "Elettra". Über diverse Auftritte beim San Remo-festival und diverse erfolgreiche Alben seit 1996 hat sich die Consoli in der italienschen Oberliga für Anspruchsvolles etabliert, nur in Rest-Europa kennt sie noch kaum jemand. Was sich möglicherweise so schnell nicht ändern wird. So schön Italienisch im Allgemeinen und der Gesang dieser "Elettra" im Besonderen klingen -leider gibt es keine mehrsprachigen Texte im Booklet, was insbesondere bei einer Art Konzeptalbum - zum Thema Liebe im weiblichen Universum - für ein Publikum außerhalb Italiens nicht ohne Sinn gewesen wäre. www.carmenconsoli.it Manou Gallo von der Elfenbeinküste ist vor allem als dynamische Bassistin bekannt, auch ihr neues Werk "Lowlin (was "Reise" auf Dida, der Sprache der Djiboi im Westen des Landes bedeutet) erweckt zunächst rein optisch diesen Eindruck. Das Album der ehemaligen Zap Mama Mitstreiterin ist dann aber eher von einem zwar verhalteneren, aber stimmigen Vokalsound geprägt. Dafür verantwortlich waren neben Manou Gallo ihre langjährige Mitarbeiterin Lene Norgaard Christensen sowie die bekannte Sängerin Khadja Nin aus Burundi. Die selbsternannte "Afropäerin" Gallo zwischen westafrikanischen Tradiionen und Balladen nach westlichem Muster. www.myspace.com/manougallo
Dirt Music - BKO
Glitterhouse - Indigo
BKO, das ist die Abkürzung für den Senou International Airport, den Flughafen von Bamako, der Hauptstadt von Mali, dem Zentrum für westafrikanische Musik schlechthin. Dorthin, genauer in das von Ali Farka Touré erbaute Bogolan-Studio, zog es das Trio von Dirtmusic zur Aufnahme des vorliegenden Albums. Chris Eckman (The Walkabouts, Willard Grant Consiracy), Chris Brokaw (Lemonheads, Liz Phair) und Hugo Race (True Spirit, The Bad Seeds), drei Veteranen des Indiefachs, die beim 2008er Festival au Desert in den Dünen von Essakane Blut geleckt haben. In diversen Jam Sessions mit der jungen Tuareg-Band Tamikrest reifte die Idee, zusammen ein ganzes Album in Mali einzuspielen. Kommuniziert wurde in auf Englisch, Französisch und in der Tuareg-Sprache Tamashek, das Ergebnis ist schlicht überzeugender kontinentalübergreifender Wüsten-Rock. Mitte Mai sind beide Bands in Deutschland auf Tour, weitere Termine (u.a. München) folgen im Juli - looking forward! myspace.com/dirtmusicband
TIPP! & LIVE-TIPP!
Sioen - Calling Up Soweto
Kabron - Mms - Supermusic - Alive
Trotz der zeitlichen Nähe zur Fussball-WM gibt es hier keine inhaltliche Verflechtung - der 30-jährige Singer/Songwriter Frederic Sioen ist in seiner Heimat Belgien sehr erfolgreich. Die
Hilfsorganisation Oxfam wählte ihn daher für ihre „One Day for
Another World“-Kampagne 2008 aus, um in Soweto mit
einheimischen Musikern zu spielen. Die Aktion und das folgende Konzert in Belgien waren ebenfalls ein voller Erfolg, Grund genug für
Sioen & Band, nach Soweto zurückzukehren, um vorliegendes gelungenes Album einzuspielen - im gleichen Studio, in dem Paul Simon einst sein "Graceland" abschloss. Seitdem immer wieder regelmässig in Südafrika, hat der Belgier hier erklärtermaßen eine neue Familie gefunden. Musikalisch sind das vor allem Kora-Virtuose Pops Mohamed und Khaya Mahlangu am Saxophon. Die Fusion bleibt rockgeprägt und eher nachdenklich im Ton. www.sioen.net
Gentleman - Diversity
Island - Universal
Deutschlands bekanntester Reggaemusiker veröffentlicht sein teils in Jamaika entwickeltes und aufgenommenes fünftes Album., bei dem der Titel natürlich Programm ist. Nach der umstrittenen Zusammenarbeit mit Sizzla wird sehr auf Toleranz, Solidarität und gegenseitigen Respekt als Botschaft geachtet. Der Heisshunger von Tillmann Otto aka Gentleman auf neue Kollaborationen hat sich in Begegnungen mit Patrice, Cassandra Steen, Red Roze oder Sugar Minott niedergeschlagen, was für die nötige Abwechslung am Mikro sorgt. Und auch die aktuellen Entwicklungen auf der Insel finden in R&B sowie Dancehall-Anklängen ihren Niederschlag auf "Diversity". Ab Ende April tourt Gentleman in Deutschland, München ist nun erst am 30.5.dran, leider weiterhin im ungemütlichen Zenith, da lockt der Auftritt im August beim Chiemsee Reggae schon eher. www.myspace.com/gentleman
LIVE!
Ragga Ragga Ragga! Sound Iration
Various Artists - Greensleeves - Groove Attack / Year Zero - Rough Trade
Etwas dürre für jamaikanische Verhältnisse. Das bezieht sich als allererster Eindruck auf das über das 2010er-Booklet verteilte Model Samantha D. Williams. Musikalisch beginnt es gleich mit dem die Schlagzeilen der Insel im letzten Jahr beherrschenden Entertainment-Thema, dem Schlagabtausch zwischen den Dancehall-Grössen Mavado und Vybz Kartel. An deren Charts- imd Ragga Ragga...-Dominanz (je zwei weitere Tracks) können im aktuellen Jahrgang am ehesten Gappy Ranks, Twin of Twins und mit Abstrichen Routinier Bounty Killer kratzen. Im Übrigen verdeutlicht dieser Sampler den wachsenden Einfluß von R&B, Hip Hop und Rock im Dancehall Jamaicas. Monstertrack (hier leider nur kurz): "My Money (Ha Ha)".
Mit "Sound Iration in Dub" geht es dagegen zurück in die Reggae-Vergangenheit der Diaspora. Das von 1986 bis -89 iin einem kleinen 8-Spur-Studio in Hounslow, West London aufgenommene und auf dem von Killing Jokes Youth und The Orbs Alex Paterson gegründeten `WAU! Mr. Modo´-Label veröffentlichte `Roots in Dub´-Album des Notting Hill Carnival-gestählten Manasseh Sound System (Nick Manasseh & Steve `Scruff" Guilder aus der Gegend von Shepherd´s Bush) markierte die Grenze zwischen roots-basiertem, der spirituellen Dimension noch nicht verlustig gegangenen Reggae und dem Aufbruch des mit der digitalen Technologie abhebenden, gimmick-verliebteren Dancehall. Die zweite CD des Doppelpacks enthält für ein nie realisiertes Nachfolgealbum gedachte, bisher unveröffentlichte Tracks, Demos und alternative Mix-Versionen.
Ayobaness! – The Sound of South African House
Various Artists - outhere - Indigo
Ayoba - im Johannesburg-Township-Slang ein Ausdruck für Begeisterung , aktuelle Zustandsbeschreibung für weite Teile Südafrikas kurz vor der Fussball-WM. Rechtzeitig für das zu erwartende gesteigerte Interesse an allem Südafrikanischen hat sich Georg Milz vom Münchner Outhere-Label mit der seit einiger Zeit vitalisierten House-Szene Johannesburgs befasst. Schon die vorausgesandte, optimal verpackte 4-Track EP "Ayobaness!" machte Laune auf mehr - obwohl sie trotz DJ Mujava-Beteiligung keinen neuen "Township Funk" bieten konnte. Den hat auch die für Anfang Mai angekündigte gleichnamige, ihren Titel beim EP-Opener des verrückten Afro-Pastors Mbhobho borgende Compilation nicht in petto. Dennoch wird hier ein lebendiger Querschnitt durch den aktuellen Kwaito-Nachfolge-Kosmos geboten, der auch - darin der westlichen Pop- und Clubszene nicht unähnlich - ein Stück weit Rückbesinnung auf die 80er ist, in denen in Südafrika gerne Chicago-House aufgelegt wurde. So konnte der lange Jahre in den Hintergrund gedrängte House-Stil mit seinen gleichwohl bekannten Pattern zur Basis für die neuen Clubmusik-Spielarten in den Townships anno 2010 werden. Des weiteren mit am Start: DJ Cleo feat. Bleksem, Aero Manyelo, Mgo (mit dem von der Hamburger(!) Bongo Disco-Crew gemixten "Yes"), DJ Steavy mit Disco-Vibes und aus Durban an der Südostküste DJ Klock feat. Big Nuz und L´Vovo Derrango, der Kwaito mit House mixt. www.myspace.com/ayobaness
TIPP!
Latin Party / Arabic Lounge / World Music For Children
Various Artists – Putumayo - Exil - Indigo / World Music Network
Die Putumayo-Latin Party gibt zunächst Gelegenheit zu einem Wiederhören mit alten Bekannten, den vielseitigen New Yorker Weltbürgern der Brooklyn Funk Essentials, um dann verschiedene Latin-Stile durchzudeklinieren. Der Latinophile wiegt sich zu Son (de Nueva York), Boogaloo, Salsa französischer oder peruanischer Machart, Kolumbianischem Salsa-Ska oder mexikanisch-karibischer Cumbia. Quantic mischt auch mit. Lohnender Streifzug durch die Vielfalt des latingeprägten Musik-Kosmos. Von Kairo nach Casablanca soll die musikalische Reise mit Rough Guide durch loungekompatible arabische Klang-Sphären gehen. Das Unwort mit dem L ist zwar völlig irreführend und zudem untauglich als roter Faden durch den Gemischtwarenladen, den die Cd anbietet. Was so gestreift wird auf der Tour lohnt aber das Hinhören, begegnet man doch u.a. Natacha Atlas, Rim Banna oder einem irakischen Johnny Guitar, Munir Bashir. Schon munterer geht es auf der "World Music for Children" zu, der fröhliche Charakter der versammelten Stücke ist die Klammer für einen bunten Reigen von Brasilien über Istanbul (pas Constantinople!) bis in die Mongolei. Mission accomplished, junge und junggebliebene Hörer werden sich ausreichend amüsieren. Viel mehr ist an dieser Stelle kaum zu berichten. Bonus-CD sowie ein reguläres Booklet werden dem Rezensenten neuerdings auch bei Rough Guide/WMN leider nicht mehr zugedacht.