Reviews 4-5-10 Filmmusic

    * soundtrack * filmmusic * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * audiobook *

     Dalindeo - Soundtrack For The Sound Eye
     
     Ricky Tick - Groove Attack  
     

    Das neue Album des finnischen Sextetts um Komponist, Gitarrist, Organist und Produzent Valtteri Pöyhönen soll erklärtermassen als imaginierter Soundtrack funktionieren. Und das nicht nur, weil der sechste Track des Albums nach Kult-Komponist Bernard Herrmann benannt wurde. Unabhängig vom Kontext ruft der in Richtung Soul, Balkan und Afrobeat offene `Cinematic Jazz´ des Ensembles, das sich diesmal bei zwei Stücken auch der Stimme der Berliner Weltbürgerin Bajka (u.a. Zusammenarbeiten mit Beanfield oder den Whitefield Brothers) bedient, öfter den eigenen Film vor dem Auge des Hörers ab. Pöyhönen nennt den Film Noir, Stanley Kubrick, Takeshi Kitano und seinen Landsmann Kaurismäki als cinematische Einflüsse und fährt zur Umsetzung, wenn nötig zusätzlich Bläsersätze und weitere instrumentelle Verstärkung bis hin zur Orchesterstärke (im letzten Track) auf. Spannend. www.dalindeo.com
     TIPP!

     
     
     The Lowshoe Orchestra - Bored Of Earth? - Come to Space
     
     Highscore Music
     
     

    Das Mainzer Musiker- & Produzentenduo Robert Mansfield und Manuel Lohnes mischt auf seinem zweiten Album alte Sci-Fi-Soundtrack-Schnipsel mit Electronica- & Lounge-Klängen. Womit sie beim selbsternannten Kultlabel Highscoremusic (of "Space Night" fame) schonmal an der richtigen Adresse waren. Entsprechend hoch greifen die Vergleiche im Waschzettel: Kraftwerk, Air oder Portishead werden genannt. Eine etwas flacher gewählte Umlaufbahn durch den anvisierten Kosmos hätte es angesichts solider, aber keineswegs revolutionärer Klang-Frequenzen erstmal auch getan. Auch das Debüt "Through The Black Hole" wurde gerade digital wiederveröffentlicht.
    www.tlso.de myspace.com/thelowshoeorchestra
     
     
     
     Hegemund - Nuit Blanche
     
     Rebecca & Nathan - Intergroove
     
     

    Ralf Hildenbeutel (s. auch aktuell OST "Vincent Will Meer") aus dem Umfeld von Sven Väth hat sich, zunächst für das Album "Nuit Blanche" mit Gottfried Tollmann zu einem Projekt namens Hegemund zusammengetan. Die beiden Eye Q- und Recycle Or Die-Recken erneuern hier ihre erste Zusammenarbeit von 1995 und haben ruhige Aufnahmen mit neist meditativ-cinematischem Charakter aus den letzten 10 Jahren zusammengesetzt und hier und da mit Bossarhythmen oder Reiner Winterschladens Trompete garniert. Das Artwork des Albums stammt übrigens von Fotograf Robin Derrick, seines Zeichens Kreativdirektor der britischen "Vogue".
    www.hegemund.com
     

     
     
     Philip Glass - Itaipu
     
     Various Artists– Orange Mountain Music - Codaex
     
     

    Das Philip Glass-eigene Label Orange Mountain Music veröffentlicht munter weiter aus dem weitverzweigten Katalog, wie es sich der Meister (& Ko-Produzent) so vorstellt. Diesmal steht "Itaipu" im Mittelpunkt, das 1989 (anonym!) im Auftrag des Atlanta Symphony Orchestra entstandene Chor- und Orchesterwerk über den gleichnamigen gewaltigen Staudamm am Parana-Fluss zwischen Brasilien und Paraguay. Dirigent Grant Gershon, Los Angeles Master Chorale und ein extra für diese Aufnahme zusammengestelltes Orchester aus Studiomusikern interpretieren diese symphonische Arbeit erstmals auf CD. Ergänzt werden die vier Sätze durch drei Songs zu Texten von Leonard Cohen, Raymond Lévesque und Octavio Paz. Für Glass-Fans kaum verzichtbar.
     

     
     
     Serj Tankian - Elect The Dead Symphony
     
     Original Soundtrack – Composed by Clint Eastwood
     
     

    System Of A Down-Frontmann Serj Tankian bläst sein Grammy-dekoriertes Solo-Album "Elect The Dead" mit Hilfe des neuseeländischen Komponisten John Psathas Auckland Philharmonia Orchestra (dessen Direktor John Ure sich als SoaD-Fan outet) zu einer Pomp und Pathos nicht scheuenden und vom Live-Publikum hörbar frenetisch gefeierten Symphonie auf. Als Mixer musste dann noch Junkie XL ans Pult. Das Ganze ist overseas so erfolgreich, dass majorseitig im März sogar republikweit flächendeckende Release-Screening Parties angesetzt wurden und die CD im Doppelpack mit der DVD des Konzerts erscheint. Wer mit Tankians Vortrag und dem ganzen Getöse weniger warm wird, kommt freiwillig nicht mal bis zur Hälfte der CD.
    Spätestens bei "Baby" rollen sich dem nämlich die Fußnägel hoch. www.serjtankian.de
     

     
     
     The Pacific
     
     Original TV Soundtrack – Composed by Hans Zimmer, Geoff Zanelli & Blake Neely - Rhino - Warner
     
     

    Neue, im dem USA gerade gestartete, zehnteilige Miniserie des amerikanischen Pay-TV-Senders HBO. Schauplatz ist der Pazifikraum während des Zweiten Weltkriegs. Wie auch beim Vorgänger Band of Brothers sind Tom Hanks & Steven Spielberg an der Produktion beteiligt. Umrahmt werden die autobiographischen Elemente aus den Memoiren zweier Kriegsveteranen des Pazifikkrieges natürlich von grossen Schlachten wie denen um Guadalcanal, Peleliu und Okinawa. Die bisher teuerste in Australien gedrehte Fernsehserie verlangte auchnach einem Top-Komponisten, wobei Hans Zimmer sich offenbar auf das Hauptthema konzentrierte und seinen beiden Gefolgsleuten bei 23 der 25 hier versamelten Tracks weitgehend freie Hand liess.
    www.hbo.com/the-pacific/index.html
     

     
     
     Angelo Badalamenti - For The Record
     
     Ghent Film Festival
     
     

    Nach Mychael Danna und Craig Armstrong wird in der Serie des (in diesem Jahr vom 12.-23.Oktober stattfindenden) Ghenter Festivals für Filmmusik nun der Komponist geehrt, der vielen stets als musikalischer Partner von david Lynch gewärtig ist. Die Zusammenarbeit der Beiden begann, als Badalamenti bei "Blue Velvet" zunächst nur als Vocal Coach für Isabella Rosselini angeheuert wurde. Bekanntermaßen schrieb er schließlich diesen und viele weitere Scores für Lynch. Darüberhinaus hat Badalamenti für Filme wie "City of Lost Children", "The Beach", "Wicker Man" oder die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona Musik komponiert und mit Popgrößen wie David Bowie, Paul MCCartney, Marianne Faithfull oder den Pet Shop Boys kooperiert. Eine Aufnahme des Brussels Phiharmonic Orchestra unter Dirk Brossé. www.filmfestival.be/ www.worldsoundtrackacademy.com
     



     
     
     Movie Themes Go Disco!
     
     Various Artists – Boutique - Universal
     
     

    So machen Billigserien Spaß - neu im Boutique-Programm: Eine runde Packung von in den 70ern discofizierten Filmthemen. Dabei finden hier keine schmierigen Tanzklitschen-Combos Einlaß, sondern nur Meister der Arrangierzunft vom Schlage Giogio Moroder. Nach dem Auftakt mit Domenico Monardos (aka Meco) "Star Wars"-Version kommen weitere durchaus seltene Genreperlen zum Einsatz, wie "Also sprach Zarathustra" vom Galactic Light Orchestra unter der Leitung des seligen Peter Herbolzheimer oder der Schifrin - "Bolero" von einer seltenen Single. Erwähnt sei noch, dass auch Barry Whites Love Unlimited Orchestra zweimal vertreten ist.
    Unschlagbarer `Value for money´- Koeffizient.
     

     
     
     Love Never Dies / Hairspray - Das Musical
     
     Original Musical – Composed by Andrew L. Webber / German Musical Score - Vertigo - Universal
     
     

    Sir Lloyd Webber hat seinem höchst lukrativen "Phantom of the Opera" einfach ein Sequel verpasst und die Fangemeinde (in London, denn nur dort läuft das Stück bisher) nimmt es dankbar an. Das neue Stück greift Ideen aus einem von Frederick Forsyth 1997 verfassten Roman auf und kombiniert diese Grundzüge mit einem Plot von Ben Elton: Ein Jahrzehnt nach den Ereignissen aus dem "Phantom", genauer im Jahr 1906, ist der Maskenmann nach Amerika ausgewandert, wo er unter fremdem Namen auf Coney Island lebt und - jawoll - eine Freakshow unterhält. Nachts himmelt er im Verborgenen einen Automaten an, der wie seine geliebte Christine aussieht... Musikalisch scheint sich trotz Überlänge jedoch keine Melodie so festzusetzen, wie das bei den Höhepunkten des ersten Teils der Fall war .

    Währenddessen ist Marc Shaimans Musical nach dem Baltimore-Kultfilm von John Waters über Broadway und West End bis in den Musical Dome von Köln gewandert, wo seit Dezember letzten Jahres in der deutschen Version Uwe Ochsenknecht (jawoll, der Uwe Ochsenknecht) in weichgespülte Divine-Version in der Rolle der Edna Turnblad reüssiert. An seiner Seite spielen & singen Maite S- Kelly, Leon van Leeuwenberg, Daniel Berini und viele andere. "Wir werden breit, blond und blendend sein...Glocken klingen hell..Mama ich bin nicht mehr klein - Von wegen Hamburg oder Stuttgart - Busreiseveranstalter, auf nach Kölle!
    www.hairspray.de
     


     
     
     Barbara Sukowa & The X-Patsys - Devouring Time
     
     Winter & Winter – Edel
     
     

    Sie singt, sie rezitiert, rezitiert, mal poetisch-leise, mal düster, laut oder zornig. Wenn Schauspielerin & Sängerin Barbara Sukowa mit den X-Patsys ein rockbasiertes Programm aufführt, ist das keine leichte Kost. Ihre Band, mit Ehemann & Regisseur Robert Longo und Künstler Jon Kessler ursprünglich zur experimentellen Interpretation von Patsy Cline-Repertoire gegründet, arbeitet daneben ohne Bedenken Kunstlied, Blues, Monologe und Shakespeare-Sonette, deutsche Barockdichtung, Heine, Schumann, Waters, Waits & Weil ohne Unterschied in ihren dunkel-dramatischen Art-Sound ein. Pianist Anthony Coleman, Schlagzeuger Anton Fier, GitarristKnox Chandler und Sean Conly am Bass komplettieren die fordernde, namhafte Besetzung.

     

     
     George Gershwin - American Classics
     
     Various Titles – Various Artists – EMI Classics
     
     
     In die verdienstvolle Midprice Serie "American Classics", die sich umfassend der Vielfalt der modernen amerikanischen Musik widmet und dabei aufzeigt, woher bei den meisten Orchesterscores Hollywoods die maßgeblichen Ideen stammen, werden weitere Gershwin-Titel eingearbeitet, u.a. (von den Labeque-Schwestern interpretierte) Piano-Duette, einige seiner weltberühmten Songs (nur für Solo-Piano) oder wieder mal eine lediglich optisch erneuerte `Rhapsodie mit Amerikaner in Paris´ (die gerade erst Anno 2008 in der gleichen Serie dran war) . Auch wenn das öfter keine neuen Aufnahmen sind, Gershwin, der mit seiner Verbindung von typisch amerikanischer Musik ("An American in Paris", "Porgy & Bess") mit europäischer Klassik zum populärsten amerikanischen Komponisten überhaupt wurde, kann auch diese optisch schlicht gelungene X-t-Verwertung aushalten. Americana at its best.
     
     
     

     
     

     
     Previous Issue: 2/3 - 10 © cinesoundz 2010

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