COMIC Special 03-04-12

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    Aufzeichnungen aus Jerusalem Guy Delisle - Reprodukt

    Die -erst recht nach der Prämierung beim diesjährigen Comic-Festival von Angoulême- mit Spannung erwartete deutsche Ausgabe der neuen Chronik von Guy Delisle. Der 46-jährige frankokanadische Comic-Reporter folgt weiter seiner für "Ärzte ohne Grenzen" tätigen Frau an deren Einsatzorte. Nach Pjöngjang und Birma führt er diesmal Tagebuch über ein Jahr Siedelei in Israel. Unbescholtene erfahren so Einiges über das Leben im einzigen jüdischen Staat der Welt, das nicht aus den Nachrichten ins Auge springt. Und wer schon in Jerusalem - und auch in den östlichen, bis zu einem gewissen Grad unter palästinensischer Aufsicht stehenden Teilen der Stadt war, für den erzeugen die zwischen alltäglichen Spaziergängen und den Besonderheiten der NGO-Szene im umkämpften Heiligen Land wechselnden Beobachtungen ein mehrfaches Déjà-Vu. Dennoch bleibt es großteils kurzweilig, denn obwohl auch den "Aufzeichnungen aus Jerusalem" vielleicht ein paar weniger als die 334 Seiten bekommen wären, vermeidet Delisle allzu ermüdende Investigativ-Wiederholungen und vermerkt einmal sogar augenzwinkernd, "Hat man mich etwa mit Joe Sacco verwechselt?". Dennoch scheint das Nah-Ost-Feld, nach "Gaza", "Waltz With Bashir" und "Israel Verstehen" nun thematisch gut bestellt. Wieviele Ägypten-, Libyen- oder Syrien-Comic-Projekte werden wohl derzeit gezeichnet? Und der Künstler Delisle wird sich überlegen müssen, ob trotz der vielen Fans seines stets um die eigene Figur kreisenden Stils das nächste Projekt nicht einmal aus diesem Rahmen ausbrechen sollte. www.reprodukt.com


    Koma - Band 1 & 2 Pierre Wazem / Frederik Peeters - Reprodukt

    Schmutzig-grüne Rauchschwaden schlängeln sich aus den Schloten einer Industriestadt - irgendwann in der Zukunft oder Vergangenheit. Addidas ist klein und ihrem Vater, einem Schornsteinfeger, damit unentbehrlich, denn nur sie gelangt in die schmalsten Röhren. Das Geld ist knapp, der Vater ob des mysteriösen Verschwindens seiner Frau depressiv und Addidas hat mit plötzlich auftretenden Ohnmachtsanfällen zu kämpfen, während derer ihr schwarze Ungeheuer erscheinen, die tief unter der Erde an bizarren Maschinen arbeiten... Viel mehr passiert zumindest im Band 1 – „Die Stimme der Schlote“ - eigentlich nicht. Aber das macht gar nichts, denn Autor Pierre Wazem und Zeichner Frederik Peeters schaffen es, mit charmantem Zeichenstil, genau beobachteten Szenen und nuancierten Texten Interesse an ihren Figuren zu wecken. Gerne lässt man sich auf ihre Milieustudie in dieser eigentümlich poetischen, von Albertine Ralenti braun-grün kolorierten Welt ein. Eine Ahnung, was es mit Addidas' Aussetzern und den alptraumhaften Erscheinungen auf sich haben könnte, bekommt man in Band 2, „Das große Loch“. Eines sei vorweg verraten: zwischen Menschen, Monstern und Maschinen besteht eine lebenswichtige Verbindung... Wir sind gespannt, wie es in Band drei bis sechs weitergeht, die Reprodukt auf Deutsch im dreimonatlichen Rhythmus vorlegt. Das französische Original erschien bei Les Humanoïdes Associés.

    www.reprodukt.com Text © Gabriela Beck

     


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    Die Geheimnisvollen Städte - Brüsel
     
     Francois Schuiten / Benoit Peeters - schreiber&leser
     
     

    Seit 1983 entwerfen François Schuiten (Zeichnungen) und Benoît Peeters (Szenario) fantastische Metropolen in ihrer Reihe "Die geheimnisvollen Städte" – allesamt längst Klassiker des Genres. Mit der Neu-Edition des hierzulande 1995 erschienenen Albums 'Brüsel' ist ein Schlüsselband des Zyklus nun endlich wieder erhältlich. Darin geht es um die Stadt im Wandel des Fortschritts, um architektonischen und städtebaulichen Größenwahn, zerstörerischen Fortschrittsglauben und Kulturverdrängung – Themen, die nur schwer in Worte zu fassen sind, was auch in 'Brüsel' nicht so recht gelingen mag. Die Story pendelt zwischen Intrigen und Klüngeleien von Politikern, Baulöwen und Stadtplanern und kommt einfach nicht in Fahrt. Trotzdem fesselt das Album. Und zwar das Auge des Lesers. François Schuitens leidenschaftliches Verhältnis zur Architektur – er entstammt einer angesehenen Brüsseler Architektenfamilie – schlägt sich in seinen virtuosen und detailfreudigen Zeichnungen nieder, die den Betrachter unnachgiebig in eine eigentümliche Steampunk-Welt ziehen. Im Stil von Werbeplakaten der 1920er sind die Titelblätter der Kapitel gehalten. Keinesfalls überspringen sollte man das Vorwort. Die Stadtentwicklung des realen Brüssel, die ebenfalls skurrile Auswüchse hervorgebracht hat, wird hier in Beziehung zum fiktiven Brüsel gesetzt – inklusive realer historischer Persönlichkeiten, deren Doppelgänger im Album agieren. Fazit: Für grafisch wie architektonisch Interessierte gibt es in 'Brüsel' viel zu entdecken.

     


    www.schreiberundleser.de

    Text © Gabriela Beck



     
     American Vampire 3
     
     

    Scott Snyder / Rafael Albuquerque / Danijel Zezelj - Panini

     
     

    Das Konzept, Skinner Sweet - das erste Exemplar einer neuen Rasse amerikanischer Vampire - auf seiner Zeitreise durch die amerikanische Geschichte zu begleiten, setzt sich nach den 1920er Jahren in Hollywood (Band 1) und den 1930ern in Las Vegas (Band 2) mit dem Zweiten Weltkrieg 1944 fort. Kampfplatz ist eine abgelegene japanische Insel im Pazifik, auf der nicht nur US-Truppen gegen die Armee des Kaisers kämpfen, sondern auch Vampirjäger gegen eine bisher unbekannte -bezeichnenderweise gesichtslose- Vampirspezies. Es erstaunt, dass Autor Scott Snyder nach den beiden vielversprechenden ersten Bänden keine originellere Story bereit hält. Rafael Albuquerques mit lockerem Strich hingeworfene Zeichnungen haben dagegen nichts von ihrer Lebendigkeit eingebüßt. Dazu passend, aber flächiger gehalten ist das Artwork von Danijel Zezelj im gelungenen Prequel, das in diesem Band die Klammer zwischen dem Wilden Westen und der Hauptgeschichte schafft. Thema: Die Alterslosigkeit der Vampire versus die Vergänglichkeit derer Geliebter. Das verleiht beiden Episoden einen melancholischen Zug Und eine Überraschung gibt es dann doch zum Schluss: Skinner Sweet stirbt. Wir fragen uns, wie die Reihe ohne die Hauptfigur weitergehen soll - aber das wird sie: bei Vertigo in Amerika, später auch auf Deutsch bei Panini als Sammelband 4.

    Für das Imperium III Schicksal Merwan & Vivès - Reprodukt

    Die Veröffentlichung von "Schicksal", ursprünglich schon für den Herbst letzten Jahres vorgesehen, hatte sich erheblich verzögert. Nun schließen Merwan & Vivès ihre imperiale Trilogie - und bieten neben bekannten Genremustern auch Überraschendes. Versunkene Städte, Bestien diverser Gattungen, eine leere Bibliothek im Untergang. Während sich erwartungsgemäß die Schar der diesmal individuell etwas eingehender gezeichneten Legionäre um Hauptmann Glorim Cortis Seite für Seite, Prüfung für Prüfung dezimiert, wartet in der für die Seelen der Eroberer bestimmten diffusen Vorhölle des Limbus nicht nur die Konfrontation mit inneren Schrecken, Leere und Gedärm, sondern auch ein totes Imperium. Die Welt, wie die Helden sie kannten, ist vergangen, die Zukunft ungewiss. Einer Handvoll Überlebender bleibt die Zuversicht. Und dem faszinierten Leser ein Hintertürchen der Hoffnung auf eventuelle, willkommene weitere antike Ausflüge des begabten (Autoren-)Duos. www.reprodukt.com

     


    www.paninicomics.de
    Text © Gabriela Beck



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