reviews crossover 02-03 - 2013

     

    * soundtrack * crossover * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * audiobook *

     
    Petra Haden - Petra Goes To The Movies
    Anti - Epitaph / Indigo TIPP!
     
    "What I remember most about the earliest movies I ever saw was how the music of those films made me feel." Petra Haden (That Dog, The Decemberists), Tochter des renommierten Jazz-Bassisten Charlie Haden und eines von vier musikalischen Geschwisterkindern, nimmt ganz unverkrampft die Position des normalen Kinogängers ein und wagt sich, mit 41, dennoch fast naiv & ohne Angst vor den ganz großen Namen an ein Themenalbum mit Soundtrack-A-capella-Versionen. Am besten funktioniert das, wenn sie mit ihrer mehrfach übereinandergelegten und modulierten Stimme die verschiedenen Orchesterstimmen lautmalerisch nachahmt und sogar Morricone-Vorlagen wie "Cinema Paradiso" & "A Fistful of Dollars" oder Bernard Herrmanns "Psycho" & "Taxi Driver" neue Facetten hinzuzufügen vermag. Aber auch wenn die Haden bei "It Might Be You" ("Tootsie") oder "This Is Not America" ("The Falcon & The Snowman") näher am Original & im Text bleibt, hört man gern zu. Schließlich wirken keine Geringeren als ihr Dad am Bass, Bill Frisell an der Gitarre oder Brad Mehldau am Klavier mit. Garniert wird das von einer über Digipak & Foldout-Poster verteilten Fotosession, in der die Sängerin in bekannten Filmposen von Golden Girl bis Superman herumalbert.
     
     
     Stephan Matieu / David Sylvian - Wandermüde  
     Samadhisound / Galileo MC  
     
     
    An seine introspektiven Alben mit zeitlichem Abstand noch einmal Hand anzulegen/anlegen zu lassen, das hat bei David Sylvian seit "Blemish" von 2003 & "The Good Son vs. The Only Daughter", den ersten "Blemish"-Remixes also, Tradition. Auch "Manafon", Sylvians kunstvolle & in die Tiefe gehende Beschäftigung mit freier Improvisation von 2009, wurde als "Died In The Wool" erneut verarbeitet. Sylvian-Fans werden durch diese Praxis regelmäßig gespalten - in die ermattete & die dankbare Fraktion (neben einer dritten, die auf die zugänglichere Vocal-Seite Sylvians hoffen, die er zuletzt 2010 mit "Sleepwalkers" doch wieder offenbarte). "Wandermüde" indes sind rein instrumentale Bearbeitungen des "Blemish"-Materials durch den elektroakustischen Ambient-Künstler Stephan Mathieu, der mit Sylvian erstmals 2011 beim Punkt- Festival in Kristiansand kollaborierte. Im Ergebnis eine Weiterführung der offenen "Blemish"-Klangarchitektur - ein meditationsgeeigneter Flow. Wie stets ist hier auch die Verpackung Teil der Kunst, das einfache Digipak mit Fotografien von Vincent Fournier wurde unter Sylvians Ägide von Chris Bigg designt. www.davidsylvian.com  
     
     
     The Joe Lock Quartet - Wish Upon A Star  
     Various Artists - Motema / New Music Distribution  
     
     
    ''Wish Upon A Star'' ist das erste Album des Jazzquartetts von Vibraphon-Virtuose Joe Locke (53) (Duzzy Gillespie, Mongo Santamaria, Grover Washington Jr. oder Dianne Reeves) mit einem Symphonieorchester. Das Lincoln´s Symphony spielt nun unter der Leitung von Edward Polochick die Arrangements vom Londoner Tim Garland, seines Zeichens Grammy-Gewinner und Ryan Cohen, Pianist & Komponist aus Chicago. Der bei Disney entliehene Album-Titel verrät es schon: für Locke ging damit ein länger gehegter Traum in Erfüllung. Gegeben werden hier also neben dem namengebenden "Pinocchio"-Songklassiker zwei Originalkompositionen von Locke, eine von Tim Garland (''The Moon For Her'), Henry Mancinis Evergreen ''Moon River'' sowie "Where is Love" aus dem Musical "Oliver" von Lionel Bart. Die beiden Klangkörper ergänzen sich auf der vorliegenden, von Aufnahme bestens, die vom ebenfalls Grammy-dekorierten Jeff Jones co-produziert & aufgenommen wurde. Ein Blues- und Balladen-orientiertes Album des Joe Locke Quartetts ist noch für 2013 angekündigt.  

     
     
     Peter Madsen´s Seven Sins Ensemble - Gravity of Love  
     Playscape / Boomslang  
     
     
    Der in Höchst, Vorarlberg,Österreich wirkende Jazz-Pianist und Komponist Peter Madsen Madsen ist für sein Collective of Improvising Artists (CIA) und deren rege Konzerttätigkeit in ganz Europa bekannt. Aus dem Wunsch Madsens, auch für Streicherensembles zu arrangieren, entstand das Seven Sins Ensemble, eine Kombi von Jazz- & Streichquartett. "Gravity of Love" ist inspiriert von Dante Alighieris Renaissance-Dichtung zu den sieben Todsünden (hier für die weniger kirchlich Gefestigten vorsichtshalber notiert: Stolz, Geiz, Neid, Zorn, Wollust, Maßlosigkeit, Faulheit - in dieser Reihenfolge) von Madsen in den 3 Kategorien `excessive love´, `deficient love´ & `Malicious love´ als Suiten zusammengefasst. Daran arbeiten sich neben PM die Musiker(innen) Herbert Walser (Trompete, Horn, Elektronik) , Dominick Neunteufel (Kontrabass), Alexandra Lartseva & Monica Tarcsay (Violine), Simon Frick (Viola, Elektronik), Bianca Riesner (Cello) und Schlagzeuger Alfred Vogel ab. Als Zuckerli & Trostpflaster gibt es am Ende noch "Swiss Chocolate". www.petermadsen.us  
     
     
     Duke Ellington - Black, Brown and Beige  
     Various Artists - Naxos  
     
     
    Erst 2011 wurde die von Duke Ellington selbst mit Mahalia Jackson eingespielte (unvollständige) Version von "Black, Brown & Beige" im Sony- Katalog wiederveröffentlicht. Die vorliegende, neue Instrumental-Einspielung von 2012 mit dem Buffalo Philharmonic Orchestra unter der auf amerikanische Musik spezialisierten, aufstrebenden Dirigentin JoAnn Falletta bietet da reizvolle Vergleichsmöglichkeiten. Ellington hat einige Suiten (eine weitere, "The River", und das Ballett "Three Black Kings" sind hier zusätzlich enthalten) geschaffen, allerdings mit BB&B als seinem einzigen symphonisch durchkomponierten Werk. Wer den Duke bisher `nur´ als einflußreichen Pianisten & Big Band-Leader kennt, kann hier die Gelegenheit ergreifen, auch den für diverse Theaterformen schreibenden Komponisten Ellington kennenzulernen.  
     
     
     2 Cellos - In2ition  
     Sony Classical LIVE-TIPP  
     
     
    Die klassisch ausgebildeten kroatischen Beaus Luka Sulic und Stjepan Hauser führen auch auf ihrem Nachfolger zum Debüt von 2011 das bewährte Rezept weiter: für ihre "2Cellos" umarrangierter Pop- & Rock-Mainstream, diesmal garniert von diversen Stargastauftritten. Zum Auftakt schaut gleich Elton John vorbei, der die beiden ja bereits auf seiner Tournee 2012 zu Gast hatte. Bei "Highway To Hell" ging es nicht ganz ohne Gitarre, daher griff man auf Steve Vai zurück, Piano-Virtuose Lang Lang ist bei "Clocks" mit von der Partie und Zucchero singt "I Libro Dell´Amore". Das wirkt nicht allzu entschieden, eher wie ein Teller Buntes, immerhin: Eine Eigenkomposition gibt es auch: "Orient Express". Vier Deutschland-Konzerte stehen im März an, u.a. in der Münchner Freiheizhalle am 13.3.2013. www.2cellos.com
     
     
     
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