electro 02-2014

    * soundtrack * crossover * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * audiobook *
     Elaste Vol.4 * film * comic * book * 
     Various Artists - Compost / Groove Attack VINYL-TIPP 
     
     

    Von Super Motion zu Meta-Disoc & Proto House - Dompteur Mooner führt nach dem Durchmessen kosmischen Discoterrains auch auf der mittlerweile vierten Elaste-Folge seine Dancefloor-Trüffelsuche fort - diesmal mit dem Fokus auf elektronischen `Vintage Futurism´-Tracks, die Ihrer Zeit jeweils voraus waren. Bei Charanjit Singhs 1982er Album "Ten Ragas To A Disco Beat" wird er für den Opener fündig, lässt mit C Cat Trance Tribal-Wavefunk und driftet mit Cybotrons "Mumbo Jumbo" in progressive Spacegefilde ab. Dabei reichen die Produktionsdaten von 1978 bis 1996, doch dadurch, dass manche frühen Nummern futuristisch und manche jüngere sehr retro klingen, hält sich der Flow. Genres wie Fusion, New Wave, Italodisco, Jazzrock & Electro werden touchiert, House-Anfänge veranschaulicht. `Originals Ahead Of Their Time´ - auch als Doppel-Vinyl. www.mooner-industries.de www.compost-records.com

     


     
     Gabi Delgado - 1 
     

    GoldenCore / Zyx LIVE-TIPP

     
     
     
    "Neue Heimat, Baby..." Mit dem alten Räuber Gabi Delgado wagt die einstige Stimme der Deutsch Amerikanischen Freundschaft nach über 30 Jahren (zählt man das 2003 untergegangene Reunion-Album "15 Neue DAF Lieder" nicht) ein Comeback. Stimmt nicht ganz, denn erstens ist das sein erstes Soloalbum und natürlich war Delgado inzwischen nicht völlig untätig, sondern schraubte immer mal wieder im Hintergrund diverser Tech-House-Labels. Ganz unbescheiden "1" betitelt, versucht Pionier Delgado, der alle Musik & Texte selbst fabriziert hat, gleich mit dem Opener "Neosexi", der uptempo um das "neue deutsche Mädchen" herumraunt (und noch mehr mit "Tanzen Brutal"), an legendären Wave-Stoff wie "Der Moussolini" anzuknüpfen: "Du bist so schön virtuell." Das überschaubare Soundkonzept mit Kraftwerk-Reminiszenzen, DAF-Zitaten, House- und Electro-Beats, und Delgados gern kontroversen Texte zuckt zuweilen ganz hübsch unterm Stroboscop und dürfte so manche Gay Disco aufmischen. Zuweilen schmiert GDs Puppenheim aber auch in bemühte Selbstkopie ab, insbesondere in den 2 nervigen Bonus-Remixen. Doch der alte Räuber braucht nun mal das Laserlicht: "Ich glaube an Science Fiction-Liebe" - auch live: 5 Termine Anfang März von Krefeld bis Dresden. www.goldencore.com 

     
     
     Debukas - I Am Machinery 
     20:20 Vision / Rough Trade  
     
     

    "This is neither house music nor techno, though you can certainly dance to it" gibt sich sogar der Plattenfirmen-Waschzettel ein wenig ratlos bei diesem Electro-Novizen aus Glasgow, der (hörbar) Einflüsse von Thomas Dolby bis Gary Numan, von Cybotron bis Clark Craig reklamiert. Das `one man synth orchestra´ John Clark aka Debukas veröffentlicht nach drei EPs nun auch sein Debüt auf dem britischen Label 20:20 Vision. Das Solo-Album fällt erstmal ein wenig unspektakulär aus - "I Am Machinery" bewegt sich auf angestammten Terrain zwischen House und Techno, mal pop-affin, mal deep, mal leftfield. Den obengenannten Einflüssen nachzuspüren macht einen CD-Durchlauf leidlich Laune, aber dann ist das Ganze auch schon wieder vergessen. Oder welchen Track würden Sie nochmal einlegen? Den Opener? Track 3 "How Did You Find Me?", den Uptempo "Shake", das solide drehende "Rings" oder das sich veritabel aufbauende "Minus 24"? www.2020recordings.com/artists/debukas

     

     
     
     Ensemble Du Verre - The Light Gets In  
     Compost / Groove Attack  
     
     

    "There are cracks in everything - that is how the light gets in!" Batterie-Betreiber Sönke Düwer liefert mit seinem Compost-Debüt nicht etwa ein schlagzeug-lastiges Album. Der vielbeschäftigte Hamburger Multiinstrumentalist, Komponist & Produzent hat alle 11 Stücke des vorliegenden Kaleidoskops bis ins Detail selbst konzipiert und setzt dem gedanklichen Ausgangspunkt Spiritual Jazz der späten 60er & frühen 70er entsprechend stark auf meditative Atmosphäre. Sein Netzwerk-Ensemble Du Verre, mit dem Düwer namentlich auf seine exil-hugenottischen Vorfahren Bezug nimmt, entfaltet ein stimmiges Kaleidoskop aus Perkussion, Bass (Jacob Dreyer), Saxophon (Stefan Kuchel), Gitarre und Fender Rhodes, nebst Samples und passenden Vokalpassagen von Sängerin Schirin Al-Mousa. Compost hat anscheinend wieder einen Lauf...fast wie in alten Zeiten. Geplante Live-Termine (als Trio mit Back-up Drummer Oiver Sonntag und Al-Mousa am Mikro zuerst auf: www.ensemble-du-verre.com/

     

     
     
     Brandt Brauer Frick - DJ Kicks 
     Various Artists - K7 / Alive 
     
     

    Wenn Menschen auf Maschinen treffen...Das Berliner Trio Brandt Brauer Frick widmet sich - auch an dieser Stelle kontinuierlich beobachtet - den Grenzräumen zwischen computer- und handgemachter Musik. Mit dem Debüt "You Make Me Real" bemühte man sich, Techno und klassische Musik zu verschmelzen, auf dem 2011 nachfolgenden "Mr Machine" spielten die drei mit einem zehnköpfigen klassischen Ensemble live Dance Music und auf "Miami'" schlossen sich Neue Musik & Uptempo-Songs nicht aus. Für ihren DJ-Kicks-Ausflug wollten Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick den Charakter einer Live-Session - der Mix wurde an nur einem Tag nicht im Studio, sondern im Berliner Watergate Club aufgenommen. Dabei kamen nur Vinyl und Dub Plates zum Einsatz. Fehler und rohe Übergänge sind bei diesem Live Mix kein Beinbruch: "Das ist menschlich. Man spürt dann, dass hinter dem Mix keine Maschine steckt." Drei Tracks sind von BBF selbst, mit dem übrigen, eklektischen Material, auf das sich die drei verständigen konnten, will man der Klientel auch Ungewohntes bieten. Theo Parrish findet hier ebenso statt wie exklusive Tracks von Dollkraut oder James Braun & Troels Abrahamsen oder das Afro-Fragezeichen William Onyeabor. www.brandtbrauerfrick.de

     

     
     
     Animal Trainer - Wide  
     Stil Vor Talent / Rough Trade LIVE-TIPP 
     
     

    Das seit 2008 auch auf Stil vor Talent veröffentlichende Schweizer Duo mit den schönen Namen Adrian Flavor & Samy Jackson, das gerade im Rahmen seiner aktuellen internationalen Tour auch in der Münchner Roten Sonne gastierte, demonstriert mit den dreizehn Tracks seines Debütalbums gleich eine veritable Bandbreite. "Wide" bietet ganz souverän: Dancefloor-Tracks mit beachtlicher Popaffinität, etwas Deep-House & R&B-Vocals, Downtempo- & Chillout-Electronica. Am Mikro die Gäste Natasha Waters, Jan Blomquist, Annek und Otoridia. Und der letzte Track mit dem Manu Chao-artigen Pling kann gar als Polka durchgehen. Am besten mal selbst reinhören... www.facebook.com/AnimalTrainerMusic Weitere Live-Dates, u.a. am 28.2. in Berlin, am 11.4. in Rosenheim und am 12.4. in Halle.

     


     
     
     A Forest Mighty Black - AFMB 
     Compost / Groove Attack  
     
     
    Ein ganz alter Bekannter stösst neu zur Drumpoet Community. Seit dem letzten Album von A Forest Mighty Black und der Trennung von Partner Rainer Trüby sind mittlerweile siebzehn Jahre ins Land gegangen, im Electro-Genre mehr als eine Ewigkeit. Bernd Kunz, der seitdem als AFMB firmiert, und zwischenzeitlich nur immer mal wieder mit vereinzelten Remixen (auch bei Compost) Lebenszeichen von sich gab, knüpft nun sowohl musikalisch als auch mit dem Albumtitel wie selbstverständlich da an, wo der Downbeat-Klassiker "Mellowdramatic" Ende der 90er eine Menge Fans gewinnen konnte. Die nach dreijähriger Produktionszeit veröffentlichten, zwölf neuen und anderweitig unveröffentlichten Schwarzwald-Tracks nehmen sich meist Zeit und bewegen sich weniger im House-Bereich, als man das nach Kunz´ zwischenzeitlichen Solo-Aktivitäten erwarten konnte. Den DJ-Kollegen gefällts schonmal - Release als Dreifach-Vinyl (incl. der hier vorliegenden, nicht separat erhältlichen Cardboard-CD) & mp3.
    www.soundcloud.com/afmb
     

     
     
     Previous Issue: 12 - 20103 © cinesoundz 2013

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