pop - rock 02-2014

     

     Neneh Cherry - Blank Project  
     Smalltown Supersound / Rough Trade  
     
     

    "I hit the ground hard." Musikalische Selbsttherapie nach persönlich schwieriger Zeit. Reduziert & poetisch, verletzlich und: `blank´ zeigt sich Neneh Cherry auf ihrem ersten Soloalbum seit 16(!) Jahren. Auch die aktuelle Kollaboration mit dem mit Producer Four Tet befreundeten Electro-Duo Rocketnumbernine bleibt Cherrys Linie treu, stets etwas abseits des Mainstream zu navigieren. Beat-Poetry, Avant-Soundesign & Electrobeats wechseln sich mit soulful-zarten Gesangslinien ab - insbesondere wegen der herausragenden ersten vier Tracks: a record to stay. Neneh Cherry zieht auch live ´blank´: 3 deutsche Daten - in Hamburg, Berlin und Köln vom 3. bis 7. März. Wenn es gerecht zugeht, dürften Uebel & gefährlich, Berghain und der Stadtgarten dann aus allen Nähten platzen. https://twitter.com/misscherrylala

    Boy George -This Is What I Do Very Me

    Rough Trade

    Auch von der 80er Ex-Culture Club-Stilikone Boy George hat man länger nix vernommen - zumindest das letzte Studioalbum als Pop-Artist liegt schon fast 10 Jahre zurück. Als House-DJ dagegen ist George ja in den letzten 20 Jahren regelmäßig präsent. Sein Paradiesvogelimage driftet schon auf dem Cover diesmal etwas mehr in Richtung herkömmlich-bärtige Männlichkeit. Georges Stimme hat jedoch immer noch den androgynen, leicht heiseren, Trademark-Schmelz. Musikalisch passiert auf "This Is What I Do) wenig Überraschendes, BG segelt insbesondere bei den Balladen zuweilen hart am Mainstream, am angenehmsten zu vermelden ist die abschließende 5-Track-Reggae- & Dub-Sektion von "My Star" bis "Feel The Vibration". Mit angestammtem Autorenteam John Themis, Kevan Frost und Richie Stevens (Soul II Soul, Culture Club u.a.) geschrieben, von Richie Stevens & Martin Glover alias Youth (Killing Joke) produziert und von Dave Bascombe (Tears For Fears) gemixt. www.boygeorgeuk.com

     TIPP

     

     

     

     

     
     Kylie Minogue - Kiss Me Once  
     Parlophone / Warner  
     
     

    Auch Kylie Minogues Anfänge liegen bekanntermaßen in den 80ern. Fast 30 Karrierejahre und über 70 Millionen Tonträger später ist für "Kiss Me Once" heuer gleich eine ganze Produzentenriege angetreten. Pharrell Williams, Mike del Rio, Mark Taylor, Peter Wallevik & Cutfather, MNEK, Ariel Rechtshaid, Jesse Shatkin, JD Walker & GoodWill oder Monsters & Strangerz steuern die Songs für das mittlerweile 12. Studioalbum der Australierin bei, u.a. den Dreier "Sexy Love", "Sexercize" & "Les Sex". Das Produkt Kylie weigert sich zu altern und stürzt sich mit buntem Shallow-Dance-Pop munter auf die üblicherweise von halb so alten Acts vollgepackten Charts. KMs verregneter Hinter-Glas-Kußmund und das gewohnte, über das Booklet verteilte Hochglanz-Foto-Styling werden die Fans dabei mit dem einen oder anderen Hänger schon versöhnen. Play Tracks 3 "I Was Gonna Cancel" & 7 "If Only".

    George Michael - Symphonica

    EMI - Universal

    Auch von einem weiteren 80er-Säulenheiligen und kommerziellem Schwergewicht ist demnächst Neues zu erwarten. Der zuletzt wieder zwischen Highs (Londoner-Olympiade-Abschluss) & Lows (Autounfall) pendelnde George Michael schiebt jedoch vorab noch das während der prestigeträchtigen Live-Tournee von 2011/12 aufgenommene und mit dem legendären, 2013 verstorbenen Phil Ramone produzierte "Symphonica" ein, um Fans die Wartezeit auf frisches Studiomaterial zu verkürzen. Im Programm nun ausgewählte Songs von GM-Lieblingskünstlern wie Nina Simone, Terence Trent D'Arby oder Elton John - in titelgemäß orchestralem Gewand, mal versetzt mit Swing, öfter mal mit Drama. Einmal gibt es auch Filmmusik zu hören: das von Dimitri Tiomkin (& Ned Washington) für das gleichnamige 57er-Drama geschriebene "Wild Is The Wind" wurde auch schon von David Bowie gecovert. www.georgemichael.com

     

    www.kylie.com

     

     

     

     

     

     
     
     Christa Bell - This Train  
     Qq5 - Jsm / Rough Trade   
     
     

    Das war Arte jüngst schon einen Tracks-Beitrag wert: "Chrysta Bell sieht aus wie ein Traum, und Chrysta Bell singt wie ein Traum. Und der Traum wird Wirklichkeit." Kult-Regisseur David Lynch hat wieder eine Muse. Das texanische Teilzeit-Model & Schauspiel-Talent mit dem Puppen-Namen Chrysta Bell verlegt sich in Lynchs momentan eh musiklastigen Protegier-Schatten ganz aufs Singen. Das tut sie auf dem vom Meister nach sporadischen Kollaborationen nun endlich auf ihren Luxuskörper produzierten und eingespielten Album "This Train" ausgiebig. Noch dazu wohl ganz so wie in dessen Träumen - getragen, ätherisch und unglaublich eindimensional. Eine Twin Peaks-Blaupause in der Endlosschleife, noch dazu 20 Jahre zu spät. Nach kurzen Festivalauftritten ist eine große Deutschlandtour für Anfang April 2014 in Vorbereitung (Hamburg, Köln, München, Berlin, Stuttgart).

     


    www.chrystabell.com

     
     
     Algebra Blessett - Recovery / Hartley & Wolfe - Bespoke Future / Lady Daisey In My Headphones / Slakah The Beatchild - Soul Movement Vol.2  
     alle: Bbe / Alive  
     
     

    1 BBE vergrößert sein Soul-Roster. Algebra Blessett aus Atlanta kommt als schillernder R&B-Schmetterling ins UK eingeschwebt. Auf ihrem zweiten Album "Recovery" hat sie den Hit "Forever" im Programm - und 13 weitere Tracks - keine Spur von "Writer´s Block". Mit Bilal, India.Arie, Esperanza Spalding und Anthony David war Algebra bereits in Projekten oder auf Tour, nun macht sie den nächsten Schritt, ihren Produzenten Bryan-Michael Cox, Kwamé Holland und Shannon Sanders zu erklären, wo´s langgehen soll. www.algebrablessett.com 2 Lady Daisey aus Brooklyn gibt's nur im Doppelpack mit Ehemann & Producer Britt Traynham aka Batsauce aus Florida, das dynamische Duo schickt ihren Fans jetzt ein rundes funky Album mit 13 Tracks auf die Kopfhörer, bei "Get Got" ist gar George Clinton als Gast dabei. Lady Daisey bedankt sich denn auch ganz artig bei allen, mit jeder Menge Echo. "Thank you".

    1 Hip Hop DJ & Soul-Sänger Greg Blackman tun sich regelmäßig als Hartley & Wolfe zusammen. Auf ihrem ersten gemeinsamen Album "Bespoke Future" haben sie mit "You´ve Got Nothing" gleich einen feinen, reggaefiziert-seelenvollen Opener am Start. Abseits von Genre-Schubladen geht es hier urban, funky, via R&B, Hip Hop und Dub - alles durchaus mit Pop-Appeal - zur Sache. www.soundcloud.com/hartley-wolfe 2 Nach "Something Forever" von 2011 hat sich Neo-Soul-Brother Slakah The Beatchild aka Byram Joseph aus Toronto, Kanada für sein anstehendes Album zunächst einfallen lassen, titelmäßig direkt an sein Debüt "Soul Movement Vol. 1" aus dem Jahr 2008 anzuknüpfen. Gäste diesmal: Kollege Glenn Lewis, Rapper Spek Won und die Sängerinnen Ayah & Tanika Charles (Featured on "Love Fool). Again: Slakadeliq! Play Tracks 6,7,13 . www.beatchild.com

     

     

     

     
     
     Dum Dum Girls - Too True  
     Sub Pop / Cargo  
     
     
    Schon beim letzten Album “Only In Dreams” gab es weniger diffusen Surf- & Fuzz-Garagensound, nun geht es noch mehr in Richtung Indiepop, teils an der Grenze zum Mainstream. Ober-Dum-Dum Dee Dee scheint die restlichen Staffage-Girls einmal mehr beurlaubt zu haben (ggf dürfen sie sich für die anstehenden Live-Aktivtäten ja wieder einfinden) für das hochglanzverpackte Wall of Sound-Album "Too True" mit den Baudelaire- und Rimbaud-Kokettierereien in den Lyrics, brauchte die Sängerin & Songschreiberin Gundred vorerst nur Multiinstrumentalistin & Co-Produzentin Sune Rose Wagner (gemeinsam mit Richard Gottehrer an den Reglern). Chrissie Hynde lässt weiter deutlich grüßen (insb. beim Pop-Ohrwurm “Are You Okay”), etwas Siouxsie & Cure dürfen auch anklingen. Very 80´s, das Ganze. Für Mai stehen Deutschland-Konzerte im prall gefüllten Dum Dum-Tourkalener, auch in München.  


    http://wearedumdumgirls.com

     
     
     William Fitzsimmons - Lions  
     Grönland / Rough Trade TIPP & LIVE-TIPP  
     
     

    Melancholisch. So klingt einer, der mit der Musik von James Taylor, Joni Mitchell oder Leonard Cohen aufgewachsen ist. "Lions", das von Chris Walla (Decemberists, Postal Service) produzierte aktuelle, sechste Album von Folkpoet & Ex-Psychotherapeut William Fitzsimmons, beschreibt der Künstler selbst als intimes, inniges, intensives Werk. Glücklicherweise kleidet der Paddy McAloon stimmlich & optisch immer ähnlichere Rauschebart-Barde aus Pittsburgh, PA seine textlichen Introvertiertheiten in ein optisch (Cover-Löwengemälde vom französischen Romantiker Théodore Géricault) und melodisch recht atttraktives, vornehmlich akustisch-sanftes Singer/Songwriter-Gewand. Kollege Sufjan Stevens steuerte die Aufnahmen von Rosie Thomas´ vereinzelten, kongenialen Background-Vocals bei. Ende Februar auf Deutschland-Tour, u.a. am 26.2. in Münchner Feierwerk! http://williamfitzsimmons.com/

     

     
     
     Suzanne Vega - Tales From The Realm Of The Queen Of Pentacles  
     Cooking Vinyl / Indigo  
     
     

    Einen dem langen Titel entsprechenden Anlauf hatte sie genommen: nach siebenjähriger Pause meldet sich auch Suzanne Vega mit einem neuen Werk zurück. In ihrer kreativen `Auszeit´ hatte Vega auf vier thematisch getrennten Alben (Close Up, Vol. 1-4) ihr Songoeuvre einer Revision unterzogen. Das in einem aufwendigen Hochglanz-Digipak steckende "Tales From The Realm Of The Queen Of Pentacles" enthält zehn Songs, auch mal mystisch und düster ("I Never Wear White"), aber überwiegend von einer optimistischen Stimmung und der weiter mädchenhaft-hellen Trademark-Stimme der mittlerweile 54-Jährigen geprägt. Die dreimal um die Streicher des Prager Smichov Chamber Orchestra erweiterten Aufnahmen entstanden in Chicago, London, Prag, Los Angeles und New York City, sowie einem alten Bahnhof in Norden des Bundesstaates New York - ein hoher Aufwand für die 10 Tracks. Bei knapp 37 Minuten Spielzeit hätten es in dieser Form ruhig noch 1,2 mehr sein dürfen. www.suzannevega.com

    TIPP

     
     
     Steve Nieve - Together  
     Edel  
     
     

    Steve Nieve ist einer dieser `Musician´s Musicians´. Ständig mit den ganz Großen unterwegs, doch den Namen kennen nur die Eingeweihten. Bei Elvis Costello (u.a. bei dessen Ensembles The Attractions & The Imposters) & Sting ist Nieve kaum wegzudenken. Als Mitglied der Rock Hall Of Fame hat er auch bereits mit Bono oder Bruce gespielt. "Together" aber ist sein Solo-Debüt. Illustre Gäste wie Vanessa Paradis, Laurie Anderson (best track), Elvis Costello, Robert Wyatt Glen Tillbrook von Squeeze oder Ron Sexsmith leisten Schützenhilfe. Auch Sting war dabei, ein zweites (& drittes) Duett mit Stings Sohn Joe war allerdings Teil des Deals. Bei aller Manpower und Finesse macht das Ergebnis einen etwas altbackenen und unentschiedenen Eindruck. Nieve selbst ist trotz der vielen Gaststimmen noch zu oft selbst am Mikro und warum auch partout auf französisch gesungen werden muss (nicht von Paradis!)? Nieve lebt wohl dort. www.stevenieve.com

    Lake - Wings Of Freedom

    Mad As Hell / Cargo 

    Das ein echtes Westcoast-Highlight nicht notwendigerweise aus den Staaten kommen muss, bewiesen Lake vor Urzeiten mit ihrem Juwel "Hopeless Love". Ein solcher Hochkaräter ist auf diesem sehr respektablen `Wieder-mal-Comeback´-Album zwar nicht auszumachen, es gibt aber doch einige passabel-eingängige Titel. Bandleader & Gitarrist Alex Conti ist immer noch, Ian Cussick wieder am Mikrofon dabei. Auf "Nightbirds" ist gar der in den 90ern schon an einer Überdosis Heroin verstorbene James Hopkins-Harrison als Hommage auf der Gesangsspur des sonst überarbeiteten Tracks zu hören. Play Tracks 1,4,6,8,10.

    Derzeit auf "Wings of Freedom"-Tour in D. www.lake-music.de

     

     

     

     

     

     

     
     
     The Rifles - None The Wiser  
     Cooking Vinyl / Indigo  
     
     

    Brit-Popper entdecken America(na). Mit ihrem vierten Studioalbum "None The Wiser" verfeinern die Rifles ihren angestammten Mod-Indie-Rock um mal folkige, mal angefunkte Töne und nennen folgerichtig extrem unterscheidliche Einflüsse: "Bob Dylan, Talking Heads, ein bisschen Clash und - wie immer - die Beatles". Bis auf die Clash nachvollziehbar - The Jam zählen nicht, weil die im bisherigen Schaffen schon allgegenwärtig waren. "None The Wiser" wurde im reformierten Original-Line-up - Joel Stoker und Lucas Crowther (beide Gitarre, Gesang), Robert Pyne (Schlagzeug) und Grant Marsh (Bass) - aufgenommen und von Dave McCracken (Ian Brown), Jamie Ellis und Chris Reece in Paul Wellers(!) Black-Barn-Studio produziert. Play Track 6 "Catch Her In The Rye". Haut sonst aber nicht vom Hocker, zuviel Mittelmaß. www.therifles.net

     

    La Femme - Psycho Tropical Berlin

    Disque Pointu / Groove Attack

    Psychotropische French-Waver über Deutschland. Gerade haben La Femme aus Paris ihre erste Deutschland-Tour achtbar hinter sich gebracht. Die Franzosen spielen eine recht bunte Mischung aus LoFi-Electro Indie-Pop mit gelegentlichen Surf- & Twang-Gitarren, Space-Sounds und 60s YéYé-Retro-Touch. Nach drei EPs erscheint passenderweise gerade das erste Album "Psycho Tropical Berlin" auch in Deutschland - (als Deluxe-Version mit Bonus-CD). Dafür haben die fünf Jungs um die Gründer Sacha Got & Marlon Magnée aus Biarritz, in Erinnerung ihres Bandnamens gleich vier Sängerinnen um sich geschart, die nun die gewünschte Stimmlage zwischen France Gall & Francoise Hardy intonieren. www.facebook.com/lafemmeressort

     


     

     

     

     


     
     
     Katzmann / Roberts Band - Lo-Fantasy / Fanfarlo - Let´s Go Extinct  
     Various Artists - Gim / Soulfood * Paper Bag * New World / beide: Rough Trade  
     
     1 Nosie Katzmann war in den 90s an schamlosem Chartsfutter wie Culturebeat & Cpt. Hollywood maßgeblich beteiligt - ähnlich plumpe Relikte hätten bei erstem Durchhören fast verhindert, dass der Hörer hier zu in der Tat funktionierenden Songs wie "I Am Me" oder "The Rope" vordringt. Seeehr heterogen. Play Tracks 3,6,8-11. www.katzmann.de/
    2 "Fundamentally different from anything we´ve ever done." Das neue Album des Kanadiers Sam Roberts & seiner Band wurde von Martin Glover aka Youth (ex-Killing Joke) produziert, der auf "Lo-Fantasy" mit Elementen aus Funk, Electronica und Afrobeat einen Arcade Fire nicht unähnlichen, tanzbaren Sound hinbekommen hat. Noch mehr `dance-oriented´ kommen Youth´s Remixe auf der beigefügten Bonus-CD daher. http://samrobertsband.com/news
    3 Auch Fanfarlo wird ja gern mit Arcade Fire verglichen - wenn etwas vom Erfolg der Kanadier auf das dritte Album des Londoner Ensembles um ihren schwedischen Kopf Simon Balthazar abfärben würde, könnte das "Let's Go Extinct" kaum schaden. Der gebotene hymnische Indiepop mit einfallsreichen Einlagen, gern auf obskuren Instrumenten wie Mandoline, Trompete oder Klarinette, mit einem Schuß Westcoast-, Krautrock oder 50er Space-Electronica ist in jedem Fall hörenswert. Gerade in Deutschland auf Tour, am 28.2. im Münchner Ampere. http://fanfarlo.com/ LIVE-TIPP!
     
     
     
       

     
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