crossover 02-2014

    * soundtrack * crossover * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * audiobook *
     William Shatner - Ponder The Mystery * film * comic * book * 
     Cleopatra / H`Art  
     
     
    "A part of me needs to be saved..." Das Space Cowboy William Shatner auch im mittlerweile hohen Alter vor wenig zurückschreckt, war spätestens seit der bemerkenswerten, kruden Raum-Odyssee "Seeking Major Tom" klar. Stimmlich fit ist er ohne Zweifel. Auf dem aktuellen Nachfolger "Ponder The Mystery" deklamiert Captain Kirk a.D. seine Oddity-Lyrics zu einem vom (auch gesangsmäßig leider überpräsenten) Produzenten Billy Sherwood im Stil von Yes oder Pink Floyd angerührten Progressive-Gebräu, das die Kurve öfters nicht mehr wirklich kriegt. Genre-Fans können sich an Alt-Rockstar-Cameos von Mick Jones (Foreigner), Steve Vai, Edgar Winter, Edgar Fröse (Tangerine Dream) oder Robby Krieger (The Doors) wärmen. Auch Al di Meola, George Duke (R.I.P:) & Dave Koz pondern genreübergreifend along - und das "Changes"-Solo von Ex-Yes-Keyboard-Wizzard Rick Wakeman birgt alles an fußnägelaufrollend-pseudoklassischem Tastengegniedel, worüber sich schließlich in den späten Seventies Punk erbrechen musste. Aus der Zeit gefallene, bizarre AOR-Bruchlandung - doch Shatner geniesst nun mal Narrenfreiheit. http://williamshatner.com/ws/
     

     
     
     Katey Sagal - Covered
     
     Membran  
     
     
    Katey Sagal, mittlerweile (je nach Altersgruppe) wohl eher als weibliche Hauptdarstellerin der US-Motorrad-Club-TV-Serie "Sons Of Anarchy" denn als Al Bundys auftoupierte Ehefrau Peggy aus der Sitcom "Eine schrecklich nette Familie" bekannt, hat der Musik seit ihren Tagen als Backgroundsängerin für Bob Dylan, Tanya Tucker oder Etta James nie ganz abgeschworen. Alle 10 Jahre, 1994, 2004 und eben heuer erscheint auch ein Album der mittlerweile 59-jährigen Kalifornierin - diesmal, einer Schreibblockade geschuldet, mit Coverversionen von Westcoast-Songs aus der Feder von Joni Mitchell, Laura Nyro, Ryan Adams, Tom Petty oder Ray LaMontagne. Einige dieser Songs kennen die Fans bereits aus dem o.a. im Soundtrack zu "Sons Of Anarchy" - nun kam noch eine Handvoll dazu - wie ein Steve Earle-Song, im Duett mit keinem Geringeren als Jackson Browne. Gemeinsam mit Bob Thiele Jr., dem Music Supervisor und Soundtrack-Komponisten der Serie, wählte Katey Sagal die Songs für das Album aus. "Ich hoffe, dass dieses Album einige Zuhörer auf Künstler aufmerksam machen wird, die sie vielleicht vorher noch nicht kannten." Das nennt man wohl gesundes Selbstbewusstsein. 

     
     
     Gem Club - In Roses
     
     Hardly Art / Cargo VINYL-TIPP 
     
     

    Chamber Pop mit schwer melancholischer Note. Gem Club-Mastermind Christopher Barnes hat sich und seinen Mitstreiterinnen Ieva Berberian (voc., synth) & Kristen Drymala (Cello) ein zweites Album abgerungen, das gerade noch rechtzeitig vor irgendwelchem Frühlingserwachen auf dem Sub Pop-Sublabel erschienen ist. Explizit `schön und traurig´ soll es sein, wenn sich Barnes stark an Antony Hegarty erinnernder, fragiler Gesangsvortrag über die getragen-verhallten Arrangements seiner Kompositionen legt. Textlich wird es auch nicht unbedingt farbenfroher, wenn sich Barnes in "Soft Season" mit dem Tod des schwulen, passiven 90´s-Porno-Darstellers Joey Stefano oder in "Polly" mit dem Verhältnis zu seiner verstorbenen Tante befasst. Das ist für den introvertierten Barnes bereits ein Schritt: "The new album, is about me looking out, relationships I´ve had or wish I´ve had." Play Track 9, "Braid. . http://iamgemclub.com/

     

     
     
     Bohren & Der Club of Gore - Piano Nights
     
     PIAS / Rough Trade
     
     
     

    "Ganz leise kommt die Nacht" - Erhabene Langsamkeit... Mit noch etwas komplexeren "Piano Nights"-Zeitlupenklanggebilden als zuletzt meldet sich das eigenwillige Sounddesign-Ensemble Bohren & Der Club of Gore aus den Kölner Dark Victory Studios zurück. Nach der "Beileid"-Kollaboration mit Grenzgänger Mike Patton war auch Schrägeres als der vorliegende lange ruhige Fluß an Vibraphon-Mellotron-Organ-Piano-Sax-Double Bass -Sounds denkbar gewesen. Christoph Clöser & Co halten "Piano Nights" selbst ganz unbescheiden für ihr bestes Album seit "Black Earth" - trotz des nicht näher beschriebenen Clayderman meets Heim-Musizierkeller-Covers zu ernsthaft für eine Persiflage. Musikalisches Slow Food, "Bei rosarotem Licht", angedüstert.

    www.bohrenundderclubofgore.de

     

     
     
     Hands On Strings - Prometheus
     
     Dr. Heart Music / In-Akustik 
     
     
    Wenn Thomas Fellow und Stephan Bormann Hand anlegen, findet das Gehör in der aktuellen Gitarrenszene - und zwar international. Ihre Hands On Strings stehen für eine unterhaltsame Mischung aus Konzertmusik, (arabischen und lateinamerikanischen) World Music-Einflüssen und Jazz. Keine Aneinanderreihung von technischen Höchstleistungen und Soli, die Virtuosität am Instrument (meist Holger Reuning Octave & verschiedene Yairi-Modelle) verkommt auch auf dem neuen Album "Prometheus" nicht zum reinen Selbstzweck. Die gelegentliche Erweiterung um Sopran-Saxophon, Mandoline oder Akustikbass setzt zusätzliche Akzente. Mit "Schindler´s List" von John Williams ist auch ein Filmmusik-Cover enthalten - eine von nur zwei Fremdkompositionen. Auch auf die Verpackung legen die Künstler Wert - das Saitenspektrum auf dem Digipak-Cover durchschneidet im UV-Glanzlackdruck die matt laminierte, unscharf verwischte Fotografie von Ralf Menze. www.handsonstrings.com 

     
     
     Mehliana - Taming The Dragon
     
     Nonesuch / Warner 
     
     

    Der renommierte Jazz-Pianist & Bandleader Brad Mehldau, noch in guter Erinnerung von seiner Kollaboration mit Pat Metheny ist weiter offen für das gleichberechtigte Zusammentreffen mit anderen Musikern. Hier bannt er seine Kollaboration mit dem ihm schon vertrauten Schlagzeuger Mark Guiliana (auch langjähriger Partner von Avishai Cohen) auf Longplayer - jeder der beiden steuert dabei jeweils sechs Kompositionen zu "Taming the Dragon" bei. Das folgerichtig "Mehliana" betitelte Mash-up-Experiment auf Nonesuch ist nun ein eher gemischtes Vergnügen geworden. Da jazzrocken und improvisieren sich die beiden durchaus virtuos an Synthies & Fender Rhodes, bzw. an Gretsch-Drums, Sabian-Becken & Evans-Fellen durch großteils anstrengende 70 Fusion-Minuten. Dass Experimente auch danebengehen können, war Mehldau wohl bewusst, deklamiert er doch "You don´t wanna kill the Dragon, you wanna tame him - but if you don´t watch out he´ll bite your ass real hard..." www.bradmehldau.co www.markguiliana.com www.nonesuch.com

     

     
     Bryce Dessner - St. Carolyn by the Sea
     
     

    Deutsche Grammopohon / Universal TIPP & LIVE-TIPP !

     
     
     
    Der Synthese von Klassik & Rock haftete lange nicht das beste Image an. Die vorliegende Kombination von drei 13- bis 17-minütigen Orchesterwerken des New Yorker Komponisten Bryce Dessner mit einer exklusiven Suite aus Jonny Greenwoods Score zu "There Will Be Blood" führt aktuell vor, wie eine solche Verbindung abseits von Symphonic Rock-Bombast gelingen kann. Dessner, der auf dieser Aufnahme des Copenhagen Phil unter André de Ridder mit seinem Bruder Aaron an den E-Gitarren als Interpret mitwirkt, ist auch bekannt als Kopf der US-Rockband The National, Greenwood als Mitglied von Radiohead. Beide sind in den Seventies geboren und machen sich mit ihren symphonischen Werken auf, Klassik aus stilistisch breit aufgestellter Rockperspektive neu anzugehen. In den USA steht die Aufführung der hier enthaltenen Stücke auch live an - etwa am 7.3. im New Yorker Le Poisson Rouge und auf dem praktischerweise von Dessner kuratierten MusicNOW-Festival in Cincinnati am 21.3. Gäste: u.a. Jonny Greenwood & Nico Muhly. www.brycedessner.com www.musicnowfestival.org
     

     
     
     Johan de Meij - The Symphonies
     
     Naxos  
     
     

    Neben den Scores zu den filmischen Umsetzungen von J.R.R. Tolkiens "Herr der Ringe"-Trilogie Shore von Leonard Rosenman oder Howard Shore (zählt man weitere obskure finnische oder japanische Versuche nicht), scheint es weiteren Bedarf für orchestrale Mittelerde-Klänge zu geben. Von 1984 bis ´87 hat sich auch der belgische Dirigent und Komponist Johan de Meij für seine erste Symphonie dem Tolkien´schen Epos zugewandt. Die in fünf Porträts und Szenen aufgeteilte Tondichtung über den Kampf des Guten gegen das Böse wurde 2001 sogar vom Rotterdam Philharmonic aufgeführt sowie vom London Symphony Orchestra aufgenommen. Die zweite hier enthaltene Symphonie de Meijs ist als (an Copland & Bernstein anknüpfende) Ode an die Symmetrie der New Yorker Wolkenkratzer-Architektur konzipiert, während Numero 3 eine epische Hymne auf die Schönheit des Planeten Erde darstellt. Es spielt The Peabody Conservatory Wind Ensemble unter Dirigat von Harlan D. Parker.

     

     
     
     Pierre et le Loup
     
     Chant Du Monde - Harmonia Mundi TIPP  
     
     

    "Serge" Prokofievs überragende Tondichtung "Peter & Der Wolf" ist auch in Frankreich ein gern aufgeführter Klassiker. Der bereits vom Jazz beeinflusste Komponist hatte, angeregt von der Leiterin des Moskauer Kindertheaters, Anno 1936 damit im Sinn, Kinder mit den Instrumenten des Symphonieorchesters vertraut zu machen. Folgerichtig wird anhand von Prokofievs musikalischem Märchen mit der vorliegenden, 2012 vom Wiener Jazzfestival beauftragten Produktion in die Geschichte und Funktionalität der Big-Band im Jazz eingeführt. Instrumente, Improvisation und die verschiedenen Genres werden derart spielerisch-spannend präsentiert, dass Hörer aller Altersgruppen ihren Spaß haben dürften. Die Prokofiev´sche Instrumentalverteilung wird dabei nicht sklavisch beibehalten, sogar Funk- & Hip-Hop-Anklänge finden statt. Auch wenn hier alles, sowohl der Erzähl-Dialog zwischen Denis Podalydès & Leslie Menu als auch die Booklettexte rein auf Französisch stattfinden - selbst für weniger Frankophile lohnen schon die charmanten Booklet-Illustrationen von Martin Jarrie und natürlich die Performance der Amazing Keystone Big Band die Beschäftigung!


    Tomo Ungerer - Tremolo
    CMO/ Alive

    Auf ganz ähnlichem Terrain tummelt sich Caracalla Media mit seiner an dieser Stelle schon verschiedentlich vorstellten, feinen "kultfürkids"-Reihe - (u.a. Erwin mit der Tröte oder "Reineke Fuchs"). Wie passend für die vorliegende dritte Folge, dass Herr Tremolo Instrumente sammelt. Diese spielt er dann auch gern, tags wie nachts und sehr zum Leidwesen seiner buntgewürfelten Nachbarn, der hysterischen Madame Astra Lunatika und Familie `Brumpf´. Das phantasievolle Bilderbuch von Tomi Ungerer ist die Steilvorlage für Jochen Malmsheimers Erzähl-Performance zur von Dave Horler komponierten Musik, die die WDR Big Band Köln am 19. Mai 2012 für eines der beliebten Familienkonzerte in gewohnter Brillanz einspielte. Bearbeitung von Ulla Illerhaus. www.cmo-music.de

     




     
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