Reviews Pop - Rock 8/9 - 2014

     

     Tricky - Adrian Thaws  
     !K7- False Idols / Alive TIPP & CD-GEWINNSPIEL!  
     
     
    Ein respektabler Nachfolger für das großartige "False Idols" - schon ein Jahr nach seinem Comeback legt Tricky mit dem zweiten ohne Major im Rücken produzierten Longplayer nach: "I don´t give a fuck what the labels do" - klare Ansage an die Musik-Industrie. Für den neuen Albumtitel wählte Bristols rebellische Trip Hop-Ikone einfach seinen bürgerlichen Namen: "Adrian Thaws". Einmal mehr sind die "False Idols"-Fachkräfte Nneka und Francesca Belmonte mit von der Partie, außerdem am Mikro: Mykki Blanco, Tirzah, Blue Daisy und Oh Land. Diese beachtliche internationale Gästeriege sorgt denn auch für ausreichend Abwechslung inmitten von Trickys notorisch intensivem Midtempo-Triphop-Geraune. Uptempo kann Mr. Thaws aber auch - wie das knallige Hip Hop-Retropiece "Gangster Chronicles" mit Grime MC-tress Bella Gotti (ex-Nolay) beweist. Von trauriger Aktualität: das von Luftsirenen eingeleitete "My Palestine Girl". www.trickysite.com Tricky-Preisfrage: Drei Sängerinnen, mit denen der Mann schon in seiner Pre-Adrian-Periode in den 90´s zusammengearbeitet hat? 2 CDs warten auf richtige Einsendungen bis Anfang September an: info @ cinesoundz.de.  
     
     
     Rhonda - Raw Love  
     Pias Germany / Rough Trade LIVE-TIPP  
     
     
    Beachtliche (nord)deutsche Neuentdeckung: das erst im Mai 2012 gegründete Bandquintett mit dem schönen Namen Rhonda. Milo Milone (Vocals), Ben Schadow (Gitarre), Jan Fabricius (Bass), Offer Stock (Orgel) und Gunnar Riedel (Drums) vereinen zu vier Fünfteln Expertise aus einer früheren Schaffensphase bei der Indieband Trashmonkeys mit einer Menge neugewonnener Spielfreude. Das Ensemble um die frühere Bassistin Milo klingt ausdrücklich retro, aber frisch, klar nach Vintage, aber mit Pep. Auf dem Debut "Raw Love" lassen Vorbilder von Dusty Springfield bis Amy Winehouse, von Duffy bis Adele grüßen. All music & lyrics written by Rhonda... Respekt, auch wenn noch kein richtiger Hit dabei ist. Nach Auftritten im Vorprogramm von Paul Weller steht im September eine eigene Deutschland-Tour an, u.a. im Nürnberger Club Stereo (11.9.) und im Münchner Atomic Cafe (15.9.). www.rhondamusic.de  

     
     
     Sinéad O´Connor - I´m Not Bossy, I´m The Boss  
     Nettwerk / Soulfood  
     
     
    "Nothing Compares 2 U" - dieser unvergessliche Song war 1990 Segen & Fluch zugleich für Sinéad O´Connor. Gelungene Alben wie der Roots Reggae-Wurf "Throw Down Your Arms" wechselten seither mit weniger gelungenen öffentlichen Einlassungen & manisch-depressiven Episoden. In welcher Phase der seither andauernden Selbstfindung die irische Sängerin sich aktuell befindet? Schwer zu sagen. Zunächst stutzt der Betrachter anhand der Latex-Gitarrenpose auf dem Cover - und der Hörer aufgrund des wie ihr letztes Album betitelten Openers, "How About I Be Me" - das erklärtermaßen einzige autobiografische Stück des Albums. Obwohl SO´C ab dann in verschiedene Rollen schlüpft, verbreiten ihre Protagonisten eine ähnlich manische Sicht auf Unstimmigkeiten zwischen den Geschlechtern. Musikalisch ist das meist Pop der wenig aufregenden Sorte, die ganze erste Hälfte des Albums dengelt einfallslos dahin, "The Voice of my doctor" wirkt angestrengt - erst der mit Seun Kuti eingespielte, Uptempo-Track "James Brown", "8 Good Reasons" und das vorletzte Stück "Where Have You Been" gehen irgendwie in Ordnung. Das macht in der Summe noch kein gutes Album.  


    www.sineadoconnor.com

     
     
     Robin Thicke - Paula  
     Interscope / Universal  
     
     

    "I never should´ve raised my voice , I should´ve kissed you longer, I should´ve held you stronger"... Robin Thickes siebtes, erneut selbst geschriebenes & produziertes Album "Paula" hat nur ein Thema: "Get Her Back". Der US-R&B- & Mainstream-Star, spätestens seit "Blurred Lines", der Pharrell Williams-Hit Coop auch beim deutschen Ableger seiner Plattenfirma eine Hausnummer und als Songwriter bereits für Michael Jackson, Pink oder Christina Aguilera tätig, warf sich bis vor kurzem noch voll ins Zeug, um seine Ex-Frau, Schauspielerin Paula Patton zurückzugewinnen. Davon konnte sich heuer auch das Publikum beim Soul Beach Music Festival auf Aruba überzeugen, wo Thicke als Headliner eine schweisstreibende Soul-Show ablieferte, aber auch Balladen und Herzschmerz-Schwüre von der karibischen Bühne sandte. Auf dem Album dominieren denn auch langsamere Songs - auf die Lady-Fraktion zielend. Allzu große Sorgen muss man sich wohl dennoch nicht um Rob machen - er wurde mittlerweile sommers schon wieder in trauter weiblicher Begleitung gesichtet. 

     

    www.robinthicke.com

     

     
     
     Jennie Abrahamson - Gemini Gemini / Ekat Bork - Veramellious / La Roux - Trouble in Paradise  
     Trickser / Broken Silence * Radar - Comet Records (Collectors Mine) * Polydor / Universal  
     
     

    Ein Triple ganz unterschiedlicher Pop-Chanteusen, die uns jüngst ins Haus geflattert sind: 1- Die manchen aus der Peter Gabriel-Entourage (wo sie die auf "Gemini Gemini" ebenfalls auftauchende Kollegin Ane Brun ersetzt) bekannte schwedische Sängerin Jennie Abrahamson vermengt auf ihrem vierten Soloalbum Electronica & Indie-Pop mit sachten Folk-Anklängen. Aus diesem von Produzent Johannes Berglund (u.a. Owen Pallett) angerichteten Wall of Sound sticht Abrahamsons.etwas schneidender Gesang hervor. Auch ein Hit fehlt ihr noch. Ab 20.9. drei Live Dates in D. http://jennieabrahamson.com/ 2- Den hätte aka Ekat Bork aus Sibirien in die Schweiz übergesiedelt eigentlich - mit "Gyps", dem in Streichern schwelgenden Uptempo-Opener ihres Albums "Veramellious". Der zwischen Artrock, Progrock und Sigur Ros-artigen Klangen oszillierende Rest der Tracks schafft allerdings keine ähnlichen Aufmerksamkeitswerte. "On My Moon" Video. Vereinzelte Live-Dates: www.ekatbork.com 3- Eine entscheidende Stufe weiter ist Elly Jackson aka La Roux nach 2 Mio verkauften Tonträgern ihres Debüts. "Trouble in Paradise", das zweite Album, mit Co-Produzent Ian Sherwin eingespielt, der den bisherigen Partner Ben Langmaid ersetzte, ist weniger synthie-wavig, aber immer noch so schamlos poppig, dass es fast an die frühe Kylie Minogue erinnert.

    Im Dezember stehen wieder Live-Dates in D ins Haus. http://laroux.co.uk/

    Mirel Wagner - When The Cellar Children See The Light Of Day

    Sub Pop / Cargo

    Ein Kellerkind findet ans Licht. Auf dem schwarz-in-schwarzen Webportal der in Äthiopien geborenen und in Finnland aufgewachsenen Mittzwanziger-Songwriterin lauft noch das textlich wie optisch düstere Video zu "No Death" aus dem Debütalbum von Mirel Wagner. Das Cover des neuen, als CD & LP erscheinenden Albums ist weiss. Gloomy Passagen gibt es zwar weiterhin, aber doch auch lichte Momente in den ruhigen, minimalistischen Akustik-Balladen wie "Ellipsis" oder "The Devil's Tongue", die der Sängerin seit ihrem 16.Lebensjahr zuzufliegen scheinen. Manches davon klingt wie Lana del Rey minus allem Produktions-Bombast. Erst einmal stehen live andere Territorien im Vordergrund, aber am 30.8. gibt es zumindest einen Gig in Berlin.

     

    LIVE-TIPPS

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    VINYL-TIPP, LIVE-TIPP

     
     
     Grant Nicholas - Yorktown Heights  
     Popping Candy / Rough Trade  
     
     
    Ein Herbstalbum im Sommer. Grant Nicholas, Songwriter & Frontmann der platinum-verwöhnten UK-Rockband Feeder fand es an der Zeit für ein akustischer geprägtes Solo-Album - Ergebnis ist das 2013 auf beiden Seiten des Atlantik aufgenommene "Yorktown Heights". "I actually never really planned on making a solo record because I wrote all the songs in Feeder myself. But increasingly I realised I wanted some time out from the band, and to do something completely different." Da spaziert der auch schon 46-jährige also im Video des Album-Openers zur Gitarre durch teilentlaubten Queens Wood im Norden Londons, auf der Suche nach "Soul Mates". "I definitely had a 70's vibe in my head for this record", meint GN & hat dabei konkret Nick Drake oder James Taylor im Kopf. Apropos Herbst - den September & Oktober hindurch ist Nicholas mit Touren beschäftigt - allerdings nicht in unseren Breiten, sondern im UK & im fernen Japan.
     



    http://grantnicholas.net

     
     
     The Kilaueas! - Wiki Waki Woooo  
     Allscore Media / Indigo VINYL-TIPP  
     
     
    Es wurde Zeit für einen Reverb Drenched Magmaphonic High Energy Instrumental Surf Music Update. Ganze neun Jahre, selbst im um sich selbst wellenkreisenden Surf-Genre eine halbe Ewigkeit, ließen sich die unterdes selbstredend fleissig im In- & Ausland tourenden Kilaueas Zeit für den Nachfolger ihres 2005er-Albums "Profesor Volcanova". Die Stuttgart-Connection wurde nicht gekappt, das neue Opus "Wiki Waki Woooo" mit seinen 16 Eigenkompositionen erscheint wieder auf Dietmar Boschs kleinem feinen Allscore Media-Label - nur der Lebensmittelpunkt der Lava-Mannen verlagerte sich vollends nach Berlin. Auch dort gedeiht nun hörbar instrumentale Surfsound auf Weltniveau. Genrevorlieben teilen sich weiterhin über Titel wie den wikiwaka durchs Coverbild hastenden "Surf Demon", "Planet Olga", "Taste of Bikini" oder "Universal Spy" mit. Derzeit tobt sich 'Germany's premier surf band' auf einer Westcoast-Tour aus. Mehr dazu: . facebook.com/thekilaueas  

     
     
     Eric Clapton & Friends - The Breeze - An Appreciation of JJ Cale  
     Various Artists - Polydor / Universal  
     
     

    "They Call Me The Breeze" - Rund 40 Jahre nach dieser wichtigen Single und rund ein Jahr nach dem Tod der Tulsa-Legende war die Zeit reif für ein umfassendes Tribute, mit dem sich nun Eric Clapton & einige illustre Freunde vor dem stilprägenden Gitarristen und Sprechsänger J.J. Cale verneigen. Im Verlauf seiner Karriere hat Clapton, der "Cocaine", "After Midnight" und andere Stücke Cales coverte, immer wieder betont, wie wichtig dieser für die Rockhistorie sei. Eine Meinung, die er offensichtlich nicht exklusiv hatte. Die Riege der ihren Beitrag leistenden Künstler wird natürlich von Dire Straits-Mastermind Mark Knopfler, der vielleicht am meisten von Cales Stil verinnerlicht hatte, angeführt. Willie Nelson, Tom Petty, Derek Trucks, John Mayer oder Don White tragen nun zu den 16 Neuinterpretationen und 3 bislang unveröffentlichten JJ Cale-Tracks bei. "Ich wollte dafür sorgen, dass die Leute das Werk von J.J. Cale kennenlernen und daran anknüpfen – darum ging’s mir in erster Linie“, so Clapton bescheiden. Mission accomplished.

     

     
     
     Hundred Waters - The Moon Rang Like A Bell True Ingredients - Through The Lens  
     !K7 / Alive * Bbe / Alive  
     
     
    K7? Nicht 4AD? Tatsächlich hat das mit den DJ-Kicks-Samplern grossgewordene Berliner Label aktuell mit Hundred Waters ein für das Roster eher untypisch ätherisches Ensemble unter Vertrag genommen. Deren Album "The Moon Rang Like a Bell" kommt grossteils in getragener Zeitlupe daher, verhallt, melancholisch & introvertiert. Fast ist der Hörer froh, wenn es mit Track 9, "Animals", dann ausnahmsweise percussiv & melodisch-munter wird. Das unter einem Dach lebende Quartett (ausgerechnet aus dem 'sunshine state' Florida), namentlich Nicole Miglis, Trayer Tryon, Paul Giese & Zach Tetreault, spielt schon seit Schulzeiten in verschiedenen Formationen zusammen - und haucht aktuell als "hundert Wasser" (fast geht das Albumcover in die Richtung des österreichischen Künstlers) den Mond an. Im Oktober stehen Live-Termine im deutschsprachigen Raum an.


    "Made with 100% imagination" nimmt die Londoner Band True Ingredients gern seit dem dergestalt betitelten Release für ihren eklektischen Stilmix in Anspruch. Der Albumtitel des Nachfolgers "Through The Lens" hat besondere Bedeutung, waren es doch die Ingredients, die auf die Idee gekommen waren, ihr Debüt als Downloadcode auf Brillengestellen unterzubringen. Die 'album shades' fanden dann spontan bei Celebrities wie Sean Paul oder Snoop Lion-Dogg Anklang, die sich publikumswirksam damit ablichten liessen. Album Numero Zwo soll nun vor allem eines sein: interaktiv. Zusammengetan mit Künstler Pkuczy und der Tech-Platform Immersive wird das Werk dem Fan per Download für Remixe an Sound & Optik zur aktiven Auseinandersetzung & Veränderung überlassen. Ein paar Tunes könnten das Handanlegen der Gemeinde durchaus vertragen - nach dem dynamischen Opener "Smile" geht bei Angela, BluRum13, Fenna, Josh Wah, Millzy, Mireilla, Mr Basista, Mr Milk, NattySpeaks & Steve O'G. etwas der Faden verloren. Vorerst nur Live Dates im UK.
     



    www.hundred-waters.com

     



    http://trueingredients.com/immersivealbum

     

     
     
     Dan Croll - Sweet Disarray / Neon Trees - Pop Psychology / Ghost Beach - Blonde  
     Decca * Island / beide: Universal * Nettwerk / Soulfood  
     
     

    1- Dan Croll wird ja nach einigen Festivalauftritten im letzten Sommer auf einigen Portalen gehypt, wird gern medial verkoppelt und hat auch schon wohlwollende Kommentare etwa von Sir Paul McCartney auf sich gezogen. Sein zuweilen auch dem Off-Beat nicht abgeneigter Wall of Sound-Pop bringt auch auf dem aktuellen Album "Sweet Disarray" wieder zwei, drei nette Nummern hervor - nur: ist das nicht ein Album? Play Tracks 1, 2, 6. www.dancroll.com/
    2- TIPP "Text Me In The Morning" - da sind wohl Songs für "Love In The 21st Century", unser aller digitales Zeitalter. "Pop Psychology",das neue, dritte Studio-Album des Quartetts Neon Trees aus Provo, Utah, will nix andres, als Tyler Glenns hymnisch-melodische Refrains hinaus in die Welt befördern. Uptempo-Tracks wie "Foolish Behaviour", "Unavoidable" oder "Living In Another World" sind klar eine Bereicherung für diesen doch sehr mauen Sommer, mit kleinen Abstrichen auch die etwas dick aufgetragene erste Single „Sleeping With A Friend“. Produziert & gemischt von Co-Songwriter Tim Pagnotta, kommt klanglich eine Mischung der beiden Vorgängeralben des Quartetts heraus, dem Gitarrenpop geprägten "Habits" (2010) und New Wave-igen "Picture Show" (2012). Play Tracks 1,3,6,8,9. www.fameisdead.com 3- 'Tropical Grit Pop' soll es sein, was hier aus den Boxen perlt. Bei erklaerten Vorbildern wie Tears For Fears oder gar den Talking Heads greift das New Yorker Duo Josh Ozean und Eric Mendelsohn reichlich hoch - Die Thompson Twins treffen es da schon eher und deren Kopie - braucht man die? Wenn man eher neuzeitliche Vergleiche ziehen will - nichtmal MGMTs kompromisslose Melodienseeligkeit erreicht Ghost Beachens retrogetriebener Synthiepop-Sound auf Albenlänge - für mehr als ein paar nette Momente reicht es auf "Blonde" selten. Play Tracks 1,6,7. http://ghostbeachmusic.com