Reviews Catalog 04-2015

    * soundtrack * crossover * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * audiobook *
      * film * comic * book *
     Popul Vuh - Kailash
     
     Soul Jazz / Indigo  
     
     
    Der 2001 in München an einem Schlaganfall verstorbene Florian Fricke hatte zuletzt vor allem das Problem, seine Kompositionen aus den Klauen eines französischen Verlages & Labels zu befreien. Der Autor sieht ihn noch vor sich im Cinesoundz-Büro, verbittert & auf der Suche nach neuen Verbündeten. Tragischerweise setzte erst nach seinem Tod die große Retrospektive des Schaffens von Werner Herzog ein, mit der auch Frickes Filmmusik zu "Aguirre","Nosferatu", "Fitzcarraldo" oder "Cobra Verde" auf neues Interesse stiess. Auch das schließlich 2001 von anderen realisierte Remix-Projekt spiegelt Einiges von der späten Wertschätzung wieder, die der Krautrock-Impulsgeber mittlerweile international unter Musikern genoss. In den 60ern als Nachbar von Eberhard Schoener auf dem Stadlberg oberhalb von Miesbach experimentierte Fricke als einer der Ersten mit dem Moog-Ursynthesizer. Nun würdigt auch Soul Jazz den tragischen Pionier. Wir sind gespannt - die Cd ist immer noch nicht eingetroffen...
    www.popolvuh.it/ www.popolvuh.nl/
     

     
     
     Hanoi Masters
     
     Various Artists - Glitterbeat / Indigo
     
     
     
    Der Untertitel dieser Compilation bringt es auf den Punkt: "War is a wound, Peace is a scar". Der unlängst auch auf Arte wieder untersuchte Stellvertreter-Krieg in Vietnam, der alles in allem über zwanzig Jahre andauerte, hat das Land nachhaltig traumatisiert. Die auf "Hanoi rocks" versammelten Feldaufnahmen vermitteln eine Ahnung, welche Narben bei den Überlebenden, heute alten Menschen in Hanoi und Umgebung geblieben sind. Im Sommer 2014 machte sich der Grammy-prämierte Produzent Ian Brennan (u. a. Tinariwen) daran, Lieder von Kriegsveteranen und halbvergessene Instrumente wie Dan Tranh (eine Zither), Dan Nguyet (eine halbmondförmige, zweisaitige Laute) aufzunehmen, von traditioneller Percussion begleitet. In den Linernotes schildert Brennan seine Erfahrungen bei den Aufnahmen in Vietnam. Hidden music... erster Titel einer neuen Reihe auf Glitterbeat. http://glitterbeat.com/
     

     
     
     Highlife on the Move
     
     Various Artists - Soundway / Indigo  
     
     
    Der westafrikanische Highlife strahlte in den 50er & 60er Jahren bis nach London, vor allem durch Clubs von Exilanten aus Afrika. Ghana und Kenia wurden unabhängig, ähnlich wie in der Karibik folgte zunächst eine enthusiastische, lebensfrohe Stimmung, die in der Populärmusik der früheren Kolonialterritorien ihren Niederschlag fand. Das Genre saugte Einflüsse wie Calypso, Mambo und Jazz auf und transportierte ein Quentchen afro-karibisches Flair nach Europa. Die Compilation ist Highlife-Forscher Dr. Markus Coester zu verdanken, der neben vielen nur Insidern bekannten Namen auch zwei 50 Jahre verschüttete frühe Aufnahmen von Fela Kuti ausgegraben hat. Zur Ausstattung und Dokumentation der 38 Stücke kann wenig vermeldet werden, bisher liegt nur eine Promofassung ohne Booklet vor. Auch als (Dreifach)-LP im Handel. www.soundwayrecords.com
     

     
     
     Next Stop Soweto Vol. 4
     
     Various Artists - Strut / Alive  
     
     
    Nachdem die Etikettierung der Julian Bahula-Strut-Compilation "Spirit of Malombo" als vierte Folge der 2010 aufgelegten "Next Stop Soweto"-Reihe für Verwirrung sorgte, folgt jetzt die offizielle vierte Folge von Musik aus Südafrikas legendärem Township bei Johannesburg. Diesmal wird es ausgesprochen tanzbar. Zulu Rock, Afro-Disco und Mbaqanga aus den Jahren 1975 bis 1985 stehen auf dem Archiv-Spielplan. Unter anderem wird das Apartheid-Regime vom Ensemble Saitana angezählt. Der insbesondere von südafrikanischen Klängen befeuerte Weltmusik-Boom der 80er-Jahre hatte hier seine Wurzeln. Salz in der Suppe einmal mehr das informative Booklet mit diversen Bandfotos und einem 70´s-Plakat vom `South Africa Freedom Day´. Kompiliert von Duncan Brooker mit Linernotes von Francis Gooding. Auch als (von CD komplettiertes) Vinyl. www.strut-records.com
     

     
     
     Diana Ross & The Supremes - Number 1´s
     
     Motown - Music on Vinyl/ Cargo  
     
     
    Diana Ross & The Supremes-Kopplungen sind nicht gerade selten. Dies ist zudem eine zehn Jahre alte, in der Tracklist unveränderte Motown-Zusammenstellung mit den remasterten Versionen von 2003, die auch noch Supremes-Highlights mit der Solo-Karriere der Ross, einer Soundtrack-Schnulze und einem nervenden Remix zusammenrührt. Der Marketing-Ansatz war allein, Chartstopper zu vereinen. Optisch wurde immerhin das Cover aufgemotzt und ein tolles Foto (ohne Credit) der klassischen Besetzung Diana Ross, Florence Ballard & Mary Wilson auf dem Beiblatt beigegeben, das ahnen lässt, welche Sensation die Supremes als größte Girlgroup ever in den Sixties darstellten, bevor die personellen Querelen überhand nahmen. Schade nur, dass die Macher offenbar meinten, Vinylfans würden keinen Wert auf kommentierende Liner Notes legen. www.rockhall.com/inductees/the-supremes


    Robert Palmer - Sneakin´ Sally Through The Alley
    Island - Music on Vinyl/ Cargo

    Wiederhören mit dem 2003 zu früh verstorbenen Robert Palmer ist stets willkommen. "Sneakin Sally...", das jetzt als Vinyl wiederaufgelegt wird, war der Solo-Start für den Blue Eyed Soul-Sänger nach seiner Frühzeit mit Vinegar Joe, inklusive zweier Allen Toussaint-Kompositionen und dem groovendem New Orleans Funk der Meters (u.a. Art Neville), ergänzt um Little Feat-Gitarrist Lowell George, im Rücken. Auch Steve Winwood war hier einmal am Piano mit von der Partie. Aufgenommen wurde in den legendären Compass Point Studios in Nassau auf den Bahamas, Robert Palmers späterem Wohnsitz von 1977 bis 1987. Das Island-Album war in den USA weit erfolgreicher als im UK & beförderte Palmers zwischenzeitlichen Umzug in die Vereinigten Staaten. Bleibt zu hoffen, dass auch die ab 1975 folgenden hochkarätigen Alben Palmers als Vinyl-Reissue folgen werden...
     
    No.1's-24tr- [Vinyl LP]




    VINYL-TIPP

     
     
     Sergio Mendes - Brasileiro
     
     Music on Vinyl/ Cargo  
     
     
    Sergio Mendes, einer der erfolgreichsten Orchesterleiter weltweit, hat seinen Status vor allem mit den ausgefeilten Easy Listening-Tracks der Brasil´ 66- und, mit Abstrichen, Brasil´77-Ära erarbeitet. Seine späteren Arbeiten waren in den USA durchaus erfolgreich, kamen bei der Kritik aber weniger gut an. Der Keyboarder, Arrangeur und Produzent versuchte sich 1992 an einem Konzeptalbum: "Brasileiro" bietet die musikalische Vielfalt Brasiliens feiernde Batucada-Trommelwirbel, Funk-Nummern, Brasil-Reggae oder Samba-Rap. Carlinhos Brown, damals noch relativ unbekannt, ist hier der Wichtigste der musikalischen Gäste, der gleich fünf Kompositionen beitrug und das Werk prägte, das den Grammy als bestes World Music-Album gewann. Liner Notes von Billboard-Kolumnist Chris McGowan. www.sergiomendesmusic.com
     

     
     
     Siouxsie & The Banshees - The Scream
     
     Polydor / Universal
     
     
     
    Die unlängst aus dem Polydor-Katalog wiederaufgelegten Alben von Siouxsie & The Banshees wären unvollständig ohne das Debüt "The Scream". Ende 1978, nach dem Erfolg der vorab gelaunchten, auf dem Album nicht enthaltenen Single "Hong Kong Garden" (hier in zwei Versionen) veröffentlicht, gilt es mit seiner Punk-Energie Fans der ersten Stunde immer noch als essentiell. Aus Susan Ballion wurde Siouxsie Sioux, deren Gesangsstil u.a. Lene Lovich & Nina Hagen beeinflusste. Neben dem regulären Album befinden sich auf der zweiten CD gleich zwei John Peel Sessions mit jeweils vier verschiedenen Tracks, des weiteren fünf frühe Demo-Aufnahmen und die zwei Singles-Auskopplungen ausserhalb von "The Scream": neben "Hong Kong Garden" nämlich "The Staircase (Mystery)". All das gab es allerdings bereits 2006 - und 2013. So geht Katalog-Marketing...


    The Rough Guide to Blues Legends : Blind Boy Fuller / Unsung Heroes of Country Blues beide: Various Artists - World Music Network / Harmonia Mundi

    Zwei Rough Guide-Compilations mit frühen Blues-Klängen: Die "Country Blues-Zusammenstellung versucht, weithin unbekannten Künstlern der 1920er & -30er Jahre Gehör zu verschaffen, von denen nur wenige Aufnahmen existieren, etwa Kokomo Arnold, King Solomon Hill, Freddie Spruell, Lottie Kimbrough, Hambone Willie Newbern oder Blind Willie Joe Reynolds. Ein weiterer blinder Blues-Artist wird mit der zweiten Veröffentlichung geehrt: Blind Boy Fuller aus North Carolina, 1941 mit 33 bereits verstorben, dessen Ragtime-Stil auf der National Steel Guitar weit besser durch eine ganze Reihe von Thirties-Aufnahmen überliefert ist, insgesamt über 120. Seine leider kurze Karriere übte einigen Einfluß auf die Blues-Szene der Ostküste aus. www.worldmusic.net/blindboyfuller www.worldmusic.net/unsung-blues
     







     
     
     Serge Gainsbourg - His First Four Albums / Burt Bacharach - The Story of My Life Lalo Schifrin - The Bossa Nova & Latin Albums TIPPs
     
     Jackpot * Hoodoo * Malanga / alle: In-Akustik
     
     
     Zuguterletzt: Doppel-CD-Reissues dreier Großmeister vergangener Jahrzehnte, allesamt empfehlenswert. 1 Serge Gainsbourgs erste vier Phillips-Alben von 1958-62! Das Enfant Terrible der französischen Populärmusik legte mit seinem Orchesterleiter & Arrangeur Alain Goraguer, den Alben "Du Chant a la Une!", "No.2", "L´ettonant Serge" & "No.4" und einer ganzen Reihe Genre-Fingerübungen ("Requiem pour un twister") zwischen Jazz, Pop & Chanson den Grundstein für spätere Großtaten mit seinen Musen Brigitte Bardot & Jane Birkin. Alle 4 Originalcover auf Seitengröße im 16-seitigen Booklet. 2 Keine Wiederveröffentlichung sondern eine achtbare Compilation (Santi Comelles) mit 60(!) pre ´63-Tracks aus der Feder der lebenden Legende Burt Bacharach. Hal David & Dionne Warwick als wichtigste langjährige Kollaborateure sind auch auf dem Coverfoto mit von der Partie, die Reihe der Künstler, denen Bacharach & David aus ihren Räumen im Brill Building Songs auf den Performer-Leib schneiderten, ist auch in diesen frühen Jahren Legion, u.a. Timi Yuro, Chuck Jackson, The Shirelles, Dick van Dyke & Sophia Loren. 3 Das Lalo Schifrin-Reissue umfasst gleich 5 frühe Alben mit deutlichem Latin- & Bossa-Touch, die der argentinische Pianist, Komponist & Arrangeur einspielte, bevor er zur bedeutenden Filmmusik-Größe avancierte. Im 24-seitigen Booklet neben allen Originalcovers neue & alte Liner Notes und Fotos einiger Mitstreiter. www.schifrin.com 
     
     
      

     
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