Chiemsee Reggae Summer 2006

     
    Cinesoundz @ Chiemsee Reggae Summer 25.-27.8.06  
     
    Licht & Schatten - ein durchwachsener Jahrgang 2006, Chiemsee Reggae Summer .
    Das potentiell schönste deutsche Reggaefestival Anno 2006 in Schwierigkeiten
    musikalischer und organisatorischer Art. Wohin geht die Reise ?
     
     
     
    Wenigstens bieb es trocken. Trotz imposanter Wolkengebrige am Himmel, hatte Petrus ein Einsehen
    und ließ einen durchwachsenen Festivaljahrgang nicht im Schlamm-Areal versinken, in das sich Landwirt
    Rudi Steiners Almauer Wiesen nach mittleren Regenfällen unweigerlich verwandeln. War die einleitende
    Chiemsee Reggae Cruise am Donnerstag mit Jahcoustix & Dubios Neighbourhood noch feucht
    von allen Seiten, blieben weitere befürchtete Schauer an den nächsten drei Tagen aus, sodaß es
    nur am ersten Tag links der Bühne schwer morastige Verhältnisse gab.
    Gleich mit dem Opener am Freitag hatten die Veranstalter diesmal einen Coup gelandet: Matisyahu,
    New Yorks neuer Hasidic Reggae-Star, eröffnete auf eigenen Wunsch zu früher Stunde das Festival,
    um nicht mit dem Sabbat in Konflikt zu geraten. Letztendlich blieben sowohl der -zwischendurch
    immer für lyrische Passagen auf Hebräisch gute- Frontmann als auch seine sich vor
    Unterforderung in nicht allzu zündende Instrumental-Soli werfende Band Roots Tonic die
    Rechtfertigung für soviel Hype irgendwie schuldig. Gleich im Anschluß nutzten
    die von den Jungferninseln stammenden US-Rootsler Bambu Station das große
    Podium mit feiner mehrstimmiger Gesangs- & Instrumentalarbeit besser.
    Trotz und anlässlich des Todes von Culture-Sänger Joseph Hill, gab es eine sich der üblichen 
    Kritk entziehende Memorial-Show, bei der u.a. Hill-Filius Kenyatta sich am Mikro bemühte. Seeed
    schliesslich liessen den dicken roten Vorhang sich zum ägyptischen Sandalenfilm-Intro heben
    und brachten in der Folge ihre solide 06-er Show in grauen & roten Designer-Anzügen - beim
    nächsten Mal -live und im Studio- wird von den stagnierenden Berlinern dennoch mehr als solide
    Ragga-Remixversionen von Pop-Gassenhauern wie "Tainted Love" gefragt sein. Der Freitag liess
    es schon ahnen - trotz vielversprechenden Bookings zuwenig wirkliche Konzert-Erlebnisse.

    Samstag & Sonntag bestätigten diesen Eindruck dann auch: Positiv-Überraschungen wie
    Newcomer Martin Jondo im Zelt oder die französische Dub Corporation auf der
    Hauptbühne konnten nicht den Blick dafür verstellen, daß das Festival mittlerweile
    doch unnötig aufgebläht wirkt.
    Vor allem in den auch als Wetter-Absicherung aufgebotenen zwei Zelten manifestierte sich
    zuviel Mittelmaß, vor allem aus deutschen Landen. Bands und DJs mit unter anderem eben
    auch Reggae, aber wenig Substanz & wirklich guten Songs im Gepäck, die den
    Musikfan schnell langweilten und auch bedröhnte Camp-Rastas schnell wieder auf
    die Wiese trieben. Fiel die Tiroler Ache ja bei den diesjährigen Temperaturen als Sammelpunkt für
    badewillige Twens aus, war es auf dem weitläufigen Gelände dennoch deutlich leerer.
    Erheblich weniger Fans als in den letzten ausverkauften Jahren hatten den Weg nach Übersee
    gefunden, was auch das zudem von technischen Schwierigkeiten gebeutelte Presseteam zu
    bedrücken schien. Nicht nur liessen sich weniger Künstler & Berichterstatter in das
    ungemütliche Journaille-Zelt locken, Abschluss-Fazit und -Pressekonferenz fielen ganz flach,
    stattdessen rieb man sich wie in diversen Rasta-Foren an der traditionellen Polizeipräsenz.
    Ob diese nun wirklich massiv Fans weg aus Bayern und trotz im Festival-Ticket enthaltener
    Bahnfahrkarte in die Arme von Konkurrenz-Festivals im In- und Ausland treibt -
    die Frage muss erlaubt sein, ob sich das Ganze wirklich notwendigerweise über
    drei ganze Tage und Nächte erstrecken muss.

    Stimmt die Mischung aus jamaicanischen (Roots-)Bekannten wie Eek-A-Mouse,
    Israel Vibration, dem ollen Dub-Freak Lee Perry oder Burning Spear und wichtigen
    kaleidoskopischen Ergänzungen wie dem die Afro-Reggae-Fahne hoch haltenden
    Tiken Jah Fakoly, Ska und Latin, Hip Hop, Pop und exotischen Farbtupfern
    wie diesmal dem ganz in Pink gewandeten Tokyo Ska Paradise Orchestra
    zwar grundsätzlich noch - weniger Masse bei gleicher Vielfalt wäre mehr gewesen.

    Noch am ehesten früheres Headliner-Feeling aufkommen liess die Tanzmischung der
    gutgelaunten Quasselstrippe Jan Delay & seiner tatsächlich die Chartsspitze toppenden
    Mercedes Dance - Disko No. 1 am Samstag, während sich am abschliessenden Sonntag
    einfach schon Zuviele auf den Heimweg gemacht hatten, um Bouzou Bajou im schnöden
    Zero-Atmosphere-Coke-Zelt oder Joy Denalane, geschweige denn die legendäre
    UK-Roots-Formation Steel Pulse zu würdigen.

    Gesamt-Programm 2006 Fazit-Text 2005
        
     



    fotos (C) cinesoundz 2006