REVIEWS POP / ROCK 02/03-2018

 

 

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SIMPLE MINDS - WALK BETWEEN WORLDS

BMG Rights / ADA

"Minimalistischer und emotionaler" wollte Jim Kerr nach den Akustik-Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit auf dem neuen Simple Minds-Album klingen, "so, als wären wir eine ganz neue Band". Das hat nicht so ganz hingehauen, dazu bedienen sich die Simple Minds Anno 2018 zu großzügig in der eigenen Band-Historie. Dafür ist Kerr und dem anderen verbliebenen Originalmitglied, Gitarrist Charlie Burchill, mit dem in den Abbey Road-Studios aufgenommenen Walk Between Worlds - durchaus überraschend - noch mal ein Album gelungen, mit dem auch der Paläo-Fan solcher Großtaten wie New Gold Dream oder Sparkle In The Rain zumindest teilweise leben kann. Gegen Ende der 80er im Mainstream abgetaucht, waren dem millionengesättigten Band-Torso druckvoll-eingängige Wave-Retro-Tracks wie Magic oder Summer kaum mehr zuzutrauen gewesen. Doch Kerr ist hier stimmlich auf der Höhe, Burchills Gitarren hallen hymnisch und auch, wenn es im Laufe des Albums dann immer voller wird auf den Tonspuren - Tracks wie das opulente The Signal and the Noise oder das streicherverstärkte Barrowland Star mit Sarah Brown & Catherine AD im Background sind ebenfalls gelungen. Sollte man es gar wagen, live nochmal einen Blick auf die unverhofft wiedererstarkten alten Jugend-Helden zu werfen? Ende Juli bis Anfang August Festival-Auftritte in Deutschland.

TIPP &
LIVE 
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www.simpleminds.com

JOAN AS POLICE WOMAN - DAMNED DEVOTION

PIAS / Rough Trade

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TIPP
 

Damned Devotion: Dark Soul-Indie-Polizeifrau Joan Wasser mit ihrem nunmehr fünften, wohl geschlossensten Studioalbum. Die klassisch ausgebildete New Yorker Violinistin, längst auch firm an Gitarre, Klavier und Wurlitzer, legt hier genau ein Dutzend rhythmisch eigenwilliger, melodisch starker, maximal in den Midtempo-Bereich vordringender Tracks vor, die den Hörer zunehmend in ihren Bann ziehen. Produziert mit Keyboarder Thomas Bartlett plus Drummer & Co-Autor Parker Kindred, sind die nachtschattigen Songs meist dominiert von Wassers, auf mehrere Spuren verteiltem, minimalistisch-beseelten Gesang. Drumherum ein stimmig variiertes Geflecht aus Bass, oft bearbeiteten Beats und sparsam garnierenden Akzenten, wahlweise von Piano, Synthie, Orgel oder Gitarre. Textlich ist eine breite Palette geboten - Liebeslyrik, Autobiografisches, aber auch Sozialkritik. Zum Immer-wieder-hören. Play Tracks 1-7,10,11. Tell Me - Video http://joanaspolicewoman.com Ab 30.03. bis Mitte April Konzerte in Deutschland, Österreich & der Schweiz.

FIRST AID KIT - RUINS 

Columbia / Sony

First Aid Kit, das Duo der Schwestern Klara und Johanna Söderberg aus Enskede, Stockholm, fährt für seinen ausgefeilten Harmoniegesang auf bislang drei Longplayern meist einiges an Lob ein. Zwischen Indie-Radio-Pop, Folk und Country siedelnd, oft mit Emmylou Harris im Blick, so ist auch ihr neues Werk Ruins ausgefallen. Für unseren Geschmack aber gelegentlich etwas zu glatt poliert, bis hin zum Kitsch. Textlich dominieren Grautöne, es geht um Enttäuschungen, Einsamkeit, falsche Hoffnungen und die zurückgelassenen Ruins im Leben. Bevor es zu trist wird - bei Songs wie Rebel Heart, It´s a Shame oder dem extrem eingängigen My Wild Sweet Love stimmt die Dosierung aller Stilmittel sowie die Instrumentierung mit Piano, Pedal Steel Guitar und sparsamem Bläser- oder Streicher-Einsatz. Andere Tracks mit ebenfalls melancholischem Tenor wirken im Aufbau zu vorherhersehbar, sind bei beinharten Countryfans besser aufgehoben oder setzen allein auf überstrapazierte Singalong-Refrains. Gelegentlich wäre weniger mehr gewesen, wie beim theatralischen Hem Of Her Dress oder dem abschließenden Nothing Has To Be True - dies beginnt sachte, endet aber im überbordenden Bombast. Play Tracks 1,2,6,7. www.firstaidkitband.com Im Rahmen der Europa-Tour zwei Konzerte in Deutschland: am 08.03. in Berlin & am 10.03. in Hamburg.

 LIVE 
 

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LEYYA - SAUNA

Las Vegas Records / Universal

In Austria nach Album-Debüt, FM4 Award & ersten Auslands-Festival-Lorbeeren als `next big thing´ gehandelt, macht sich das oberösterreichische Duo Leyya auf ihrem zweiten Longplayer Sauna nackig. Im Sinne von pur, unverhüllt und rein - erklärtermaßen. Sängerin Sophie Lindinger & Gitarrist Marco Kleebauer, die beide gleichberechtigt auch an diversen Syntie- & Keyboards hantieren, spielen einfallsreichen und poppigen Trip-Hop, der weniger alpenländisch als international klingt, manchmal gar exotisch bis hin zu YMO-Anleihen im Track Drumsolo. Lindingers stimmliche Bandbreite ist begrenzt, wird jedoch recht clever eingesetzt. Das Vorbild Portishead spukt gelegentlich herum, dann sorgen kleine Soundspielereien wieder für Abwechslung. "Wir möchten nicht immer dasselbe machen. Und wir haben durchaus den Anspruch, auch Inspirationsquelle für andere zu sein." An Selbstbewusstsein mangelt es den beiden nach Wien übersiedelten, live um das Rhythmusgespann der Gebrüder Wöhrer aufgestockten Regenbogen-Tüftlern nicht. Play Tracks 1-5,9,12. Im Februar auf Deutschland-Tour - u.a. am 24.02. im Nürnberger club stereo. Check out: http://leyya-music.com

LIVE
 

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JUSTIN TIMBERLAKE - MAN OF THE WOODS

RCA / Sony

US-Superstar Justin Timberlake wirft sich für sein neues Album Man Of The Woods und das gleichnamige Video ins Holzfällerhemd, persifliert und tanzt sich durch ein nordamerikanisches Nationalpark-Ambiente. Vereinzelten Spott dafür kann der Grammy-/Emmy-Millionär an sich abperlen lassen, verkauft doch jedes seiner Alben, gleich welchen Inhalts, platineske Stückzahlen. Immer schon ging der kommerzielle Erfolg des talentierten Entertainers & Schauspielers (zuletzt in Woody Allens Wonder Wheel) mit höchst durchwachsenen Tonträger-Veröffentlichungen einher und auch der mittlerweile vierte Longplayer macht da keine Ausnahme. Einmal mehr unterstützt von den langjährigen Mitstreitern Pharell Williams & Chad Hugo (aka The Neptunes) oder Timbaland und gewürzt mit zwei Gastauftritten (vom langbärtigen Sanges-Cowboy Chris Stapleton und R&B-Kollegin Alicia Keys) gibt sich Timberlake musikalisch zunächst auf einer Linie mit dem SexyBack-Œuvre der letzten beiden Alben: der Opener Filthy, das vor sich hin pumpende Midnight Summer Jam, Prince-Reminiszenzen wie in Sauce und die auf den Titeltrack folgende Handvoll Füller. Inhaltlich dagegen als neugeborener `family man´: Frau Jessica (Biel) Timberlake und Söhnchen Silas liefern O-Töne, u.a. für das abschließende Young Man. Als man das Album schon abgehakt hat, kommt mit Flannel ein altmodisches, gospel-beeinflusstes Stück daher, das melodisch verfängt und auch das nachfolgende Montana schafft es noch auf die Habenseite. Ende Juli & im August Großkonzerte: Köln 22.07., Hamburg 09., Berlin 13., Frankfurt 22. 08. www.justintimberlake.com

 LIVE 
 

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CALEXICO - THE THREAD THAT KEEPS US / THE JAMES HUNTER SIX - WHATEVER IT TAKES

City Slang / Universal * Daptone / Groove Attack

Calexico melden sich aktuell statt aus Tucson, Arizona zur Abwechslung aus dem Norden Kaliforniens, wo das neue Album aufgenommen wurde. Auf dem lebendigen The Thread That Keeps Us verstärken Joey Burns, John Convertino & Co. die anglo-amerikanische Komponente ihres Schmelztiegel-Sounds (gegenüber den Tex-Mex- & Latin-Elementen). Der Sound darf wieder etwas rauer sein, es rockt - von Blues bis Stoner-Geschrammel - andererseits klingt Burns Gesang stellenweise (etwa auf Voices In The Field oder dem funkigen Another Space) fast irritierend nach Bono Vox. Inhaltlich werden Ängste in turbulenten Zeiten thematisiert, doch Calexicos Protest gegen die Verhältnisse in den USA wird eher in Song-Geschichten gekleidet. Gemeinsam mit Craig Schumacher produziert, wird es hier keinesfalls eintönig, etwa schwingt ein Unconditional Waltz durch den Raum. Hier ist dann doch noch Platz für ein paar Mariachi-Trompeten, ebenso im Cumbia-Hybrid Under The Wheels. Und Flores y Tamales ist gänzlich auf spanisch gesungen. Play Tracks 1,2,5,6,8,12. Am 09.03. in Hamburg, am 10.03. in Hamburg, am 11.03. in der Münchner Muffathalle. www.casadecalexico.com

TIPP & LIVE 
 

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"The one and only... Mr. James Hunter". Wer den Album-Vorgänger, Hunters Daptone-Debut Hold On mochte, wird im Digipak-Klapp-Cover von Whatever It Takes durch Liner Notes-Autor Sam Boncon vorgewarnt. Viel Neues sei vom britischen Rhythm & Soul-King hier nicht zu erwarten, "Just the same rhythms that made you shake. The same poetry that made you swoon. And of course the same smokey voice that made you shiver." Alles wie gehabt also - was wollte man auch anderes von `another Bosco Mann Production´ erwarten? James Hunters seelenvolles Reibeisen wärmt und drumherum grooven die Saxophone, Tasten und Gitarrenseiten seiner Sidemen auf den zehn Eigenkompositionen so verlässlich, dass es auch Gabriel Roths Dap-Kings nicht zwingender hinbekämen. Bald sind die James Hunter Six wieder in Deutschland - not to be missed. www.jameshuntermusic.com
Ab 13.03. (Ampere, Muffatwerk München fünf Konzerte in Deutschland.

 LIVE
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MGMT - LITTLE DARK AGE / ORPH - THE PYRAMID TEARS OF SIMBA

Columbia / Sony * Kick The Flame / Broken Silence 

1- "Are you ready to have some fun?" Die New Yorker-Elektropop-Querköpfe biegen wieder auf die Songwriting-Spur ein. Gleich mit dem Opener ihres vierten Albums Little Dark Age beenden MGMT die zwei psychedelisch-krautig-verspulte Alben (Congratulations & MGMT) währende Hitflaute. Die witzige Call & Response-Nummer She Works Out Too Much ("the only reason it never worked out was he didn´t work out enough") vermengt Buggles- und YMO-Anklänge in RAH Band-Manier zu einer Zitatpop-Meisterleistung. Mit dem folgenden Titeltrack geht es solide weiter, Human League oder Heaven 17 lassen grüßen. Auch die Numero 3, das vom stärksten ihrer drei LDA-Videos begleitete When You Die, zeigt Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser von ihrer besten Seite. Das folgende Me And Michael treibt die 80´s- Verliebtheit dieses hittechnisch an ihr Debut Oracular Spectacular anknüpfenden Longplayers gar noch mehr in Richtung eines, sagen wir, Thompson Twins-Tracks. Das mit einem verfremdeten Flamenco-Solo aufwartende TSLAMP (Time Spent Looking At My Phone) markiert den Wendepunkt des Albums (auch wenn sich One Thing Left To Try noch einmal aufbäumt). Obwohl im Song-Modus verbleibend, ist ab jetzt das Single-Potential erstmal verbraucht - und Wyngarden/Goldwasser schnaufen durch. Und dürften eine Menge Fans zurückgewonnen haben. Play Tracks 1-5. http://whoismgmt.com

 TIPP

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2 - In ganz ähnlichem Fahrwasser unterwegs (nicht nur wegen der Großbuchstaben im Bandnamen): die Art-Popper von ORPH. Mit ihrem zweiten Album The Pyramid Tears of Simba, sechs Jahre nach ihrem Debut Poems For Kui gelauncht, liefert das Weimarer Sextett aktuell einen ebenfalls stark auf 80er Jahre Wave-Elemente setzenden, opulenten, gleichwohl im Vergleich weniger raffinierten, selten lässigen Dreampop, der nach ein paar Nummern schon reißbretthaft wirkt. Zuweilen versinkt dann das sich immer wieder gleichende Songwriting in Beliebigkeit, die Musik in metaphern-überladenen Texten und Wall of Sound-Produktion. Bis in das surrealistisch anmutende Cover-Artwork wird hier überdeutlich mit der Kunst-Ambition gewunken. Play Tracks 1,2,11.

www.orphmusic.com 

Die große Deutschland-Tour von ORPH läuft noch bis zum 09.02. 

 LIVE 
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THE HAGGIS HORNS - ONE OF THESE DAYS / D/TROIT - SOUL SOUND SYSTEM

Haggis Records / Groove Attack * Crunchy Frog / Soulfood

One Of These Days... An einem dieser Tage im Winter 2017 war es soweit und das neue Album von The Haggis Horns trudelte ein. Zwangsweise redaktionsintern ins neue Jahr geschoben, da momentan keine Auftritte der Northern Funk-Routiniers um das Musiker & Produzenten-Trio Ben Barker (git), Atholl Ransome (Tenor sax, flutes) & Malcolm Strachan (Trumpet, Ventilposaune) in unseren Breiten anstehen. Dabei ist die eigentliche Domäne dieser Kapelle natürlich das Live-Konzert, wo sich die Groove-Komponente des mit Zutaten aus Hip Hop, Jazz & Soul angereicherten Funksounds noch besser als auf einem Tonträger entfalten kann. Den Gesang beim Septett aus Leeds (auf sechs der neun Titel) teilt ebenfalls ein Trio (aus Gast-Vokalisten) unter sich auf: Lucinda Slim, Doc Brown & John Mc Cullum. Auf drei Titeln kommen zusätzlich (von Phil Steel arrangierte) Streicher hinzu. www.thehaggishorns.com



 

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Noch deutlicher die 60´s-Retro-Karte spielt die dänische Combo D/Troit mit ihrem aktuellen Longplayer Soul Sound System aus. Aus Mitgliedern der Bands The Breakers & The Magic Bullet Theory rekrutiert, zelebriert das live & im Studio mit Bläsern und Backing Vocals aufgestockte Quintett um Sänger Toke Bo Nisted eine stimmige Mischung aus Garage-Elementen, Mod-Sound und viel Soul. Das Daptone Recordings-Logo, das man da fast instinktiv zu suchen beginnt, prangt zwar nicht auf der Coverrückseite, doch agiert Mastermind Gabriel Roth aka Bosco Mann tatsächlich als `Chief Mic Consigliere´. Aufgemerkt also - feiner Stoff. Und für Fans von Acts wie Lee Fields, Nick Waterhouse oder des seligen Charles Bradley († 2017) dürften die anstehenden Live-Auftritte ein gefundenes Fressen werden: Vom 15.02 bis 24.02. sind D/Troit live in Deutschland unterwegs, am 23.02. im Orangehouse, München. https://www.fb.com/dtroit 

 LIVE
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NICK J.D. HODGSON - TELL YOUR FRIENDS / SONGS OF BODA - IAGO

Prediction Records / Rough Trade * Adore / Broken Silence

1- "I had mainly written with someone else´s voice in mind." Nick J.D. Hodgson, bis 2012 immerhin Gründungsmitglied, Drummer & Haupt-Songwriter der Kaiser Chiefs, hatte nach seinem Ausscheiden zunächst keine Solokarriere-Ambitionen, sondern vertrieb sich die Zeit mit der Arbeit für Acts wie Mark Ronson, John Newman oder Hurts. Zumindest zehn in jüngerer Vergangenheit entstandene Songs mit intimeren, persönlicheren Texten hat Hodgson aber zurückgehalten und für das nun erscheinende Tell Your Friends eingespielt - fast im Alleingang. Ergänzende Beiträge kommen von Kaiser Chiefs-Gitarrist Whitey, Anna C Hodgson (Violine) und Backgroundsänger Rob Harvey (The Music). Als Co-Produzent neben Hodgson agiert Dave McCracken (Ian Brown, Depeche Mode). Wie so oft heute versammeln sich die stärksten Tracks Honest Face, Tomorrow I Love You oder I Love The Way Your Mind Works in der ersten Album-Hälfte - die ist sehr stark, der Rest immer noch passabel. Play Tracks 1-6. https://de-de.fbcom/nickjdhodgson

 TIPP

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2- Außerhalb Schwedens mag der Name des Göteburger Singer/Songwriters Daniel Boda Skoglunds nur Wenigen etwas sagen, beschränkten sich dessen musikalische Aktivitäten doch während der letzten zehn Jahre zumeist auf die Indieszene seiner Heimatstadt (Daniel Norgren, Gus By Heart, Daniel Johnston). Umso bemerkenswerter ist Skoglunds erstes Full-length Songs of Boda-Album (nach der EP Loophole 2015) ausgefallen, das meist entspannt & laid-back daherkommt, auf amerikanischen Folktraditionen aufbauend. Mit dem Titel Iago ist nicht die Shakespeare-Figur aus dessen Othello gemeint, sondern ein Wortspiel aus den schwedischen Wörtern für "I" & "Ego". Der Redaktion hat es insbesondere der lässig groovende Track Numero Zwo Hardball (auch die erste Single) angetan.

Play Tracks 1,2,4,6-8.

www.fb.com/songsoboda

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BEATCHILD & THE SLAKADELIQS - heavy Rockin´ steady / KYLE CRAFT - FULL CIRCLE NIGHTMARE

Bbe / Alive * Sub Pop / Cargo

1- Der Mann hinter den Projektnamen Slakah the Beatchild oder The Slakadelics hat seine Pseudonyme neu sortiert: Der kanadische Produzent Byram Joseph firmiert aktuell (bis auf weiteres) als Beatchild & The Slakadelics. Auf dem vorliegenden, in Eigenregie arrangierten, produzierten und im eigenen Studio in Toronto aufgenommenen Album Heavy Rockin´ Steady fusioniert Joseph einmal mehr recht gekonnt Soul-, Hip-Hop-, Bluegrass-, Indie-Pop-, Rock- und Psychedelic-Elemente. Hier bei der Fülle der Einflüsse den Überblick nicht verloren zu haben, ist die erste Bravourleistung Josephs, die zweite, dass sich nach und nach auch eine Reihe hochwertiger Songs wie Giants & Monsters, Bottom of You oder The Only Difference aus dem Gesamtwerk herausschälen - in so stimmigen wie abwechslungsreichen Arrangements. Play Tracks 1,2,4,6.

www.beatchild.com * www.bbemusic.com

 TIPP

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2- Mit Full Circle Nightmare, seinem zweiten, von Decemberist Chris Funk in dessen Halfling Studios produzierten Album, setzt Kyle Craft trotz punkigem Äußeren in Instrumentierung & Songwriting auf guten alten Rock'n'Roll, mal mit ländlichem Einschlag, mal mit Garagen-Attitude. Der Mann aus Louisiana, gerühmt für seine Bühnenpräsenz, widmet das Werk mit den zehn innerhalb des letzten Jahres entstandenen Songs seiner momentanen Wirkungsstätte Portland, Orgeon. Die Wertschätzung einer Ballade wie Slick & Delta Queen, ja des gesamten vorliegenden Longplayers, steht und fällt mit Crafts durchgehend präsentem Stimm-Pathos - irgendwo zwischen Garland Jeffreys und Meatloaf - love it or hate it. 

Play Tracks 1,7,8. www.fb.com/kylecraftmusic

Emsig auf Tour (aber b.a.w. nur in den USA).

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SKIDS - BURNING CITIES / THE LIMIÑANAS - SHADOW PEOPLE

Nobad Records / Rough Trade * Because / Alive

1- Etwa so lange wie ihre schottischen Landsmänner von den Simple Minds (s.o.) sind (The) Skids im Geschäft, mal mehr, mal weniger. Denn nach dem Weggang ihres Frontmanns Stuart Adamson, der mit seiner neuen Band Big Country ab 1981 noch größere Erfolge feierte, ging den Original-Skids bald die Luft aus. Rund 35 Jahre ruhten die Aktivitäten gänzlich, bis der nach Adamson zum Sänger & Songschreiber beförderte Richard Jobson Bassist Bill Simpson und Drummer Mike Baillie reaktivierte und in der schottischen Heimat ein zunehmend erfolgreiches Live-Comeback initiierte. Bis zum jetzt vorliegenden (fünften) Longplayer (vier Jahrzehnte nach Gründung & Hype durch den seligen John Peel) dauerte es dann noch ein paar Jährchen. Mittlerweile spielt auch der Ex-Big Country Gitarrist Bruce Watson mit Sohn Jamie bei den Skids. Burning Cities wurde von keinem Geringeren als Youth (Killing Joke) produziert und bietet elf neue, zu zwei Dritteln passable Kompositionen, in denen sich die Vergangenheit der Bandmitglieder, (Post-)Punk, Rock und schottische Folklore-Zutaten wiederfinden. www.the-skids.com  Emsig auf Tour (aber b.a.w. nur im UK).

 

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2- The Limiñanas - bitte wer? Das französische Garagen-Pop-Duo aus Perpignon unweit der spanischen Grenze dürfte hierzulande nur wenigen bereits ein Begriff sein. Allerdings konnte das Paar mit der Vorliebe für Psychedelic, New Wave, Shoegaze und Yé-Yé für ihr aktuelles Album Shadow People illustre Gäste wie Ex-New Order-Bassist Peter Hook, den bretonischen Chansonnier Bertrand Belin oder Schauspielerin Emmanuelle Seigner für Gast-Beiträge gewinnen. Im Berliner Cobra-Studio des hier kräftig mitmusizierenden Brian Jonestown Massacre-Masterminds Anton Newcombe wurden kurzerhand wesentliche Teile des Longplayers aufgenommen. Der vollbärtige Multi-Instrumentalist Lio(nel) & Drummerin (sowie manchmal auch Sängerin) Marie fühlen sich offensichtlich wohl mit undergroundig-verwaschen produziertem Vintage-Gitarrensound. Italo-Western-Soundtracks, Serge Gainsbourg oder Velvet Underground wehen als weitere Einflüsse an der einen oder anderen Stelle durch die Szenerie. www.theliminanas.com Emsig auf Tour (aber b.a.w. nur in Frankreich).

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I´M NOT A BLONDE - the blonde album / PHOTOTAXIS - NEVERLANDER

INRI Records * Backseat / Soulfood

1- I´m Not A Blonde(but I´d love to be Blondie) sind ein italienisches Indie-Elektro-Pop-Duo, das sich nach drei EPs gerade zu ihrem Longplayer-Debüt aufgerafft hat. Camilla Matley und Chiara Castello fallen auf The Blonde Album dann auch gleich mit der Tür ins Haus - zum eingängigen Uptempo-Opener Daughter wurde mit Regisseur Davide Marconcini ein Video produziert, mit dem der Wunsch zur Flucht aus festgefahrenen Gewohnheiten & Routinen thematisiert wird, stellvertretend für das gesamte Album. Einen Track ähnlichen Kalibers sucht man unter den neun Stücken der offenkundigen Wave- & Eighties-Fans aus Milano dann trotz gefälligen Ansätzen allerdings vergeblich, mit Abstrichen wird die wohlwollende Interessentin noch beim ebenfalls videoversorgten A Reason fündig.

I´m Not A Blonde-Webpräsenz 

www.inritorino.com 

 
 

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2- Die israelische Pop-Band Phototaxis begibt sich mit ihrem neuen, vierten Album Neverlander im Gepäck Anfang Februar auf eine Tour durch Deutschland. Das seit acht Jahren tätige Ensemble, im Wesentlichen das Songwriter-Duo aus Sängerin & Texterin Yael Feldinger und Musikdirektor Itai Tsuk aus Tel Aviv, hat sich mit dem aktuellen Werk für ein aus Video, Digipak-Artwork und Songwriting bestehendes Konzeptalbum entschieden, in dem die Neverlander aus dem eingängigen Titelstück (Video, R:Kobie Flashman) durch ein irdisches Setting wandelnde Engel mit dem Glauben an das Gute sind, die versuchen, in schwierigen Zeiten dennoch sie selbst zu sein. Erklärtermaßen inszeniert für "all jene, die sich nicht dem gesellschaftlichen Konformismus beugen", sondern auf ihre innere Stimme hören. Mit dem titelgebenden Opener liegt die Latte allerdings zu hoch für die meisten folgenden Tracks, bis zum abschließenden Annie The Ripper werden nicht alle Hörer(innen) durchhalten. Play Track 1. Anfang Februar eine Handvoll Gigs in D & der Schweiz. Check out: www.phototaxis.co.il

LIVE

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