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Medientage München 2013

Cinesoundz-Nachlese: 27. Medientage München 2013

       
       
fotos © cinesoundz 2013        

Mobile Life: Herausforderungen für Medien, Werbung und Gesellschaft...

Online-Inhalte, vom Text bis zum Bewegtbild, lassen sich dank mobiler Endgeräte inzwischen immer & überall nutzen, sämtliche Lebensbereiche sind vernetzt: Die Transformation von Medien, Wirtschaft und Gesellschaft durch das (mobile) Internet waren – mal wieder – das Thema zahlreicher Veranstaltungen während der diesjährigen Medientage München. In Seehofer-Abwesenheit plädierte Bayerns Vize-Ministerpräsidentin Ilse Aigner zum Auftakt für diskriminierungsfreien Zugang zum Netz. Sie sehe sich als neue Medienministerin in der Tradition einer Politik, „der es immer darum ging, zu ermöglichen, nicht zu verhindern.“ Freie Bahn für neue Ideen, sozusagen.

Beim anschließenden, von taz-Chefredakteurin Ines Pohl souverän moderierten, Mediengipfel waren sich alle einig: Das Internet wird nicht wieder verschwinden. Das ist nach drei Jahrzehnten Web dann doch durchgesickert. Kein Grund für nennenswerte Änderungen - das klassische Geschäft läuft noch ganz gut. „Die Medienlandschaft ist in Ordnung“, fand Verleger Dr. Dirk Ippen. Selbst wenn viele Zeitungen ihr Alleinstellungsmerkmal verloren hätten. ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut: „Unser Urgeschäft hat sich nicht verändert. Die Gesamtnutzung des Mediums TV ist unverändert hoch.“ Dazu formulierte Konstantin Neven DuMont auf der Clap-Couch treffend: „Was wir heute auf der Elefantenrunde gehört haben, hätte so auch schon vor zehn Jahren gesagt werden können.“ Interessantere Denkansätze gab es dennoch auch auf den diesjährigen Medientagen wieder zu entdecken.

Interessanter die digitalen Geschäftsmodelle, die der kalifornische Medienanalyst Ken Doctor in seiner Keynote zum Publishing Gipfel präsentierte - mit optimistischem Blick in die Zukunft. Bezeichnenderweise handelte es sich hier ausschließlich um US-Unternehmen. Wie die kürzlich auch hierzulande gestartete Huffington Post, deren Editorial Director Cherno Jobatey beim Publishing-Gipfel zwischendurch der Kragen platzte: „Wir machen keine Lust auf den Job, haben keine Leidenschaft mehr, wir sind abgegessen und abgehangen.“ Warum erst eine Frau aus den USA kommen müsse – gemeint war Arianna H. – damit die deutsche Branche in Bewegung komme, sei ihm unklar. Von da weg lief das Panel rund. Er werde lieber in Würde sterben, als für die HuffPost zu arbeiten, die ihre Blogger nicht bezahlten, schoss ausgerechnet der Chefredakteur der Springer´schen Welt-Gruppe, Jan-Eric Peters, zurück. „Man muss den Leuten klarmachen, dass Journalismus einen Wert hat. Die HuffPost macht das Gegenteil."

Alternative Strategien zur Finanzierung von Online-Journalismus waren das Thema beim Panel 'Stiftung, Crowdfunding, Kulturabgabe'. Hier wurde das genossenschaftliche Modell der taz ebenso vorgestellt wie die Querfinanzierung durch Verkauf branchenfremder Produkte wie Kaffee, die Finanzierung einzelner Projekte durch Crowdsourcing wie die Plattform www.lobbyplag.eu oder das Modell Bezahlung-durch-Aufmerksamkeit wie beim kontrovers aufgenommenen neuen Player HuffPost. Deren Interimsmanager Thomas Schmidt wehrte an anderer Stelle Nachfragen zu den abenteuerlichen Konditionen, mit denen sein neuer Arbeitgeber Autoren sämtliche Rechte abnimmt, ähnlich abenteuerlich ab. "Alles nicht branchenunüblich, das ist eben ein amerikanisches Unternehmen."

Den Blick eher rückwärts richtete der fürderhin mit noch mehr Steuergeldern gepamperte BR auf seiner Bühne im firmenstandtechnisch diesmal etwas dünner besetzten Erdgeschoss - mit einer bunten Gäste-Mischung von AZ-Klatschkolumnisten-Urgestein Michael Graeter bis zum FDP-Absturzmanager & Ex-Vizekanzler Philipp Rösler. Ganz anders das gelungene Panel 'Wie verändert die Sharing Economy unser Konsum- und Medienverhalten?', das sich gar mit einem neuen Gesellschaftsmodell auseinandersetzte. Unter lebhafter Beteiligung des Publikums wurde der These des Wandels vom Kapitalismus hin zu einer Gemeinschaft des Teilens nachgegangen, vom Chefredakteur des Burda(!)-Mags "Share", Spotify-GF Stefan Zilch & Buchautor Raphael Fellmer ("Glücklich ohne Geld").

Die Zukunft – vor allem die des journalistischen Nachwuchses – sorgte auch auf dem MedienCampus, dem kostenfrei zugänglichen Branchenforum (nicht nur) für Berufsanfänger, für Gesprächsstoff - wobei Podiumstitel wie 'Das wird schon gut gehen!', 'Freigeist oder Freiwild?', 'Neugierig, ledig, jung ... sucht Aufgabe im Medienbusiness' zunächst nichts Gutes verhießen. Doch die Stimmung auf den Panels & im Publikum blieb optimistisch. Das Fazit von Blogger und Journalist Richard Gutjahr: „Die Jugend ist nicht das Problem.“ text & fotos © gb / sr