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Medientage München 2014

Cinesoundz-Nachlese: 28. Medientage München 2014

       
       
fotos © cinesoundz 2014        

Kein Spaziergang... Wege zur digitalen Selbstverständlichkeit" Unter diesem Motto diskutierten über 400 Referenten in 90 Einzelpanels während der diesjährigen Medientage München. Mehr als 6.000 Teilnehmer aus dem In- und Ausland besuchten vom 22.-24. Oktober Europas größten Medienkongress. Die ewig-gestrige Diskussion „Online versus Print“ trat dieses Jahr endlich in den Hintergrund, stattdessen wurde ernsthaft nach funktionsfähigen Geschäftsmodellen gesucht, die beide Publikationswege vernünftig nutzen. Die entsprechenden technischen Möglichkeiten waren ein Schwerpunkt-Thema.

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Algorithmus schlägt Redaktion?
Wobei sich über die Gewichtung der Technik trefflich disputieren ließ – zum Beispiel auf dem „Publishing-Gipfel“. Stefan Zilch provozierte die Runde mit seiner These: „Der Algorithmus schlägt die Redaktion. Inhalte gibt es überall, es ist das Produkt wofür die Leute zahlen.“ Der Geschäftsführer des Musik-Streamingdienstes spotify Deutschland bezog sich damit auf (s)eine technisch ausgereifte Plattform, welche die digitalen Möglichkeiten inkl. Auswertung des Userverhaltens per Algorithmus zu nutzen weiß. Interessiert an einer Verlagsplattform nach dem Vorbild von spotify zeigte sich Laurence Mehl, Geschäftsführer Neue Osnabrücker Zeitung: „Wir haben zwar das endgültige Geschäftsmodell noch nicht gefunden, aber es gibt bei uns nichts mehr, was wir völlig kostenlos abgeben.“ Zilch erwiderte, dass ein solches Modell nur funktionieren könne, wenn es nicht von den wenig-programmieraffinen Verlagen selbst komme. Sonst wäre es doch nicht so, „dass Google und Facebook immer noch mehr über die Spiegel-Leser wissen, als der Spiegel selbst.“ Woraufhin sich die Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau Bascha Mika energisch gegen „den digitalen Imperialismus“ verwahrte. Viel wichtiger sei doch, dass jede Zeitung eine gewachsene Beziehung zu ihren Abonnenten und inhaltlich "ihren eigenen Sound" habe. Prof. Dr. Martin Balle ödete die Technik-Diskussion an: „Das Leben beginnt doch dort, wo es sich dem Messbaren entzieht.“ Der Verleger des Straubinger Tagblattes, der erst kürzlich die Münchner Abendzeitung (AZ) übernommen hatte, wollte sich im Anschluss an das Panel erstmal einen Whiskey gönnen. Was die Diskutanten nicht bemerkten: sie verglichen Äpfeln mit Birnen. Musikvermarktung unterliegt anderen Zyklen als journalistische Themen.

`First Man´-Kameramann Felix Meinhardt fotos © cinesoundz 2014

Roboter oder Redakteur?
Noch radikaler wurde die Frage nach Algorithmen auf dem Panel „Zur Zukunft des Journalismus“ gestellt. Nachrichten, die von Robotern erstellt worden sind – eine Schreckensvision? Für die Panelteilnehmer überraschenderweise nicht. Christoph Dernbach, Leiter der dpa-Redaktion Netzwelt & Geschäftsführer von dpa-infocom, sieht in Robotern ein Hilfswerkzeug. Als Beispiel aus dem eigenen Haus nannte er das maschinelle Erstellen der Sportgrafiken an Bundesliga-Spieltagen. Algorithmen böten bei der Auswertung von unterschiedlichsten Datenbeständen eine große Chance. „Dank Robotern haben Journalisten dann mehr Zeit für kreative Prozesse“, ergänzte Sebastian Matthes, Chefredakteur der HuffPo Deutschland. Dass dieses Mehr an Zeit von Verlegerseite häufig zum Schrumpfen der Redaktion genutzt wird, wurde leider nicht angesprochen. Joachim Knuth, NDR-Programmdirektor Hörfunk, schränkte ein: „Maschinen können für den Journalismus zwar eine Ergänzung sein, wir dürfen es mit der Vermaschinisierung unseres Berufes aber nicht zu weit treiben.“ „Eine Einordnung der Ergebnisse durch Journalisten ist immer noch nötig“, fand auch Dernbach. Unternehmer Dr. Dirk Ippen, der u. a. den Münchner Zeitungsverlag besitzt, kommentierte nüchtern: „Ein Journalist muss neugierig und kreativ sein. Das können Roboter nicht leisten.“ Auch in Zukunft werde sich die Automatisierung in Grenzen halten - da waren sich die Panel-Teilnehmer einig.

Zukunftstechnologie wird Massenware
Einen Blick auf den Lifestyle in naher Zukunft bot der dritte und finale Kongresstag mit der neu eingeführten Schiene „Technik und Innovation“. So wurden u. a. die – heute schon realisierbaren – Möglichkeiten des 3D-Drucks vorgestellt, vom Kleid aus dem Drucker bis hin zum Haus aus einem Guss, ebenso wie die Vorteile mobiler Steuerung der Technik im vernetzten Haus über Smartphone-Apps - von unterwegs und zu jeder Zeit. Fazit: Angesichts 24 Milliarden vernetzter Geräte weltweit und 48% „always online“-Konsumenten wird es für die Branche allerhöchste Zeit, sich zukunftsfähige digitale Geschäftsmodelle zu überlegen. Der Weg war ein langer - aber die Medien-Entscheider haben die digitale Welt als Selbstverständlichkeit akzeptiert.

Die 29. MEDIENTAGE MÜNCHEN finden vom 21. bis 23. Oktober 2015 statt. text & fotos © gb / sr

fotos © cinesoundz 2014