Die solide zusammengestellte & verpackte Blue Note-Trip-Reihe geht auch schon in die zehnte Runde. Der holländische Kurator DJ Maestro hat wieder tief in den Blue-Note-Katalog gegriffen und für die Stunden zwischen den `Early Mornings´ und den `Late Nights´ einige Schmankerl ans Licht befördert. Neben bekannten Jazz-Namen wie Donald Byrd, Horace Silver, Nina Simone, Marlena Shaw und Grant Green , David Axelrod, Julie London, Lee Morgan, Lou Rawls oder Dinah Washington sind es diesmal auch Grenzgänger verschiedener Couleur wie Meister Herbie Hancock, die vielseitige Songwriterin Peggy Lee, Exotica-Legende Martin Denny oder (s.o.) Sinatra-Arrangeur Billy May mit von der Partie. Das gibt es dann auch auf 180 Gramm audiophilen Doppel-LPs mit aufklappbarem Cover. myspace.com/musicadimaestro
EMI Music Belgien präsentiert zeitgleich die dritte Compilation in der Serie
“Blue Note Trip Tease”, erneut zusammengestellt von dem in Brüssel lebenden
Jazz-Afficionado Werner Boyens, alias DJ2Sounds. Ähnlichkeiten zum Schaffen von Maestro sind rein beabsichtigt – neben bekannten Standards gibt es hier ebenfalls einige mehr oder weniger neue Entdeckungen und die beiden Seiten heißen diesmal `The Awakening´ und `After Hours´. In den internationalen Katalogen von Blue Note, Capitol,
Pacific Jazz und Roulette tummelt sich genug erstklassiges Material, um mehr als derzeit vier, möglicherweise konkurrierenden Cds zu versorgen, da hätte die wirklich kuriose Überschneidung von Lou Rawls „Lifetime Monologue“, der jeweils als Opener(!) eingesetzt wird, von den Benelux-Spezialisten vermieden werden können. Tracklist
Keb Darge & Little Edith – Legendary Wild Rockers 2 Snowboy presents New Vintage Various Artists – beide: BBE / Alive
`Shite music´ ist auf dem absteigenden Ast, davon ist Vintage-Digger- Veteran Keb Darge überzeugt. „Die Jungen interessieren sich wieder für den guten, handgemachten Stoff.“ Die zweite Folge seiner mit Ehefrau Little Edith gemeinsam herausgegebenen „Wild Rockers“ ist wieder die erwartet solide „collection of rare rockabilly & surf
from the 50s & early 60s“. Rund 20 seltene Aufnahmen von Künstlern wie Jackie
Gotroe, The Swanks, The Tempests, Larry Donn, Don Willis, den Rockin
Continentals, Hank Le Gault, Allen Page, den Rhythm Rockers oder Dub
Pritchett and the Rock-A-Taires, die allzuoft deren einzige Veröffentlichungen überhaupt geblieben sind. Dafür ist das Niveau bestens. Das ganze gibt es auch als LP (mit Klappcover). Unsere Favoriten: der Opener der Skee Brothers, die ultrarare B-Seite, „While I´m Away“ sowie die wilde „Gorilla“-Nummer der Shandells. Apropos Familienunternehmen – die Kinder von Keb & Edith haben nach eigener Einschätzung in den gegenseitigen Lobpreisungen im Digipak ebenfalls einen guten Musikgeschmack – die Wild Rockers-Nachfolge scheint gesichert.
Seine breitgefächerte Passion schildert der Musikverrückte Mark
‚Snowboy‘ Cotgrove, seines Zeichen Journalist & Festivalkurator, ausführlich im Booklet. Auf der ersten britischen Compilation
dieser Art versammelt er Nu-Rockabilly,
-Swing, R&-B, -Northern Soul, -Latin oder Rock’n Roll – weniger `retro´/rückwärtsnostalgisch als `new vintage´, im Sinne von old-school-today: mit Kitty, Daisy and Lewis, Imelda May, dem James Taylor Quartett, Sharon Jones & The Dap Kings, Crazy
Cavan & The Rhythm Rockers oder Havelka, Ondrej & His Melody Makers aus der Tschechei. Selbst vor einer Cliff-Richard-Tribute Band macht Snowboy nicht Halt – schließlich spielen Rich Clifford &
The Saddows hier eine astreine Version von „Find Me A Golden Street“, die Sir Cliffs Original
alt aussehen lässt.
Doo Wop / The Story Of Vernon Garrett Various Artists – Various Artists – Futurenoise * Tramp / Kudos
Fast
100 Doo Wop-Hits aus den Jahren 1957-1961 prasseln mit dieser
Dreifach-CD auf dem Hörer ein – und mal ehrlich, 90% rekrutieren sich
aus einer sehr überschaubaren Bandbreite, was Performance, Songwriting,
Texte und Melodie angeht. Über die immergleichen, braven Zutaten hinaus
funktionieren in der Rückschau nur noch Highlights wie „Since I Don´t
Have You“ der Skyliners (mit Kopfstimme!-CD1), „Rockin´In The Jungle“
der Eternals (CD2) oder „Bristol Stomp“ der Dovells sowie Dions HIts
„Teenager In Love“, „Runaround Sue“ & „The Wanderer“ (CD1, bzw CD3),
die beim R´n R´ andocken. Widmete sich der Vorgänger „Doo Wop: The R&B Vocal Group Sound“ noch dem Sound der schwarzen Doo-Wop Formationen, so widmet
sich der vorliegende zweite Teil den Trios, Quartets und Quintets
bestehend aus weissen und lateinamerikanischen Teenagern, die ihren
Vorbildern nachahmten. Zwei Mixed Race-Formationen machen die Ausnahme: die Crests & die Impalas. Austattung passt: 4-Panel
Digipak mit umfangreichem Booklet inkl. Linernotes, Fotos & Coverabbildungen.
Kurzer Hinweis noch auf die verdienstvollen Aktivitäten bei Tobias Kirmayers Tramp-Label: Mitte
Mai bereits widmete man sich mit einer Compilation einem der Fußsoldaten der
Soulmusik: „The Story of Vernon Garrett“ bietet 12 Songs & 3
Bonustracks und wird in ausführlichen Linernotes im Booklet nachgezeichnet, vom Gospelchor über die zu einem tragischen gekommene Geschichte des Duos Vernon and Jewell bis bis in die späten (erfolglosen) 70er. Auch als auf
500 Exemplare limitierte LP erhätlich. www.tramprecords.com
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