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Wer den Stil einer Stadt erfassen möchte, darf sich mit Sightseeing allein nicht zufrieden geben, sondern muss buchstäblich einen Blick in ihr Inneres werfen. Die Autorinnen der styleguide Reihe, allesamt in den jeweiligen Städten ansässig und in kreativen Berufen tätig, haben Touren zu liebevoll bis skurril eingerichteten Läden, innovativen Cafés und extravaganten Restaurants zusammengestellt, in denen Spezialitäten, Kuriositäten und schöne Dinge die Herzen all jener höher schlagen lassen, die das Besondere lieben. Allein schon die Bücher selbst sind – passend zur Thematik und für Reisefhrer eher ungewöhnlich – aufwendig gestaltet: Die Einbände machen mit Reliefstruktur das Straßenraster von New York, das U-Bahn-Liniennetz von Berlin und das Kreuz der britischen Flagge haptisch erfahrbar. Im Inneren erinnert die Kollagegestaltung an beklebte Reisetruhen, mit Tickets und Quittungen unterlegte Reisetagebücher oder zerknitterte Luftpostbriefe. Zusammen mit dem dicken rauen Papier, welches Farben nur gedämpft wiedergibt, entsteht ein sinnlicher Rahmen im Vintage-Look für einen visuellen Einkaufsbummel vorab. Der Fokus liegt bei den styleguides tatsächlich auf den Bildern, der Text beschränkt sich auf Kurzbeschreibungen der Locations. Wobei es Designjournalistin Sibella Court schafft, ihre New York-Tipps mit einem persönlichen Schreibstil aufzupeppen. Allerdings teilt sie – anders als die Autorinnen der übrigen Städte – ihre Shopping-Trips nach Themen ein wie `Mode & Textilien´ oder `Kunst & Design´ – und jagt ihre Leser damit mehrmals quer durch die Stadt. Bei einer Metropole von der Größe New Yorks doch ein eher zweifelhaftes Vergnügen. Praktikabler und in der Umsetzung schlussendlich auch interessanter ist die Gliederung in Stadtbezirke bei den Bänden London und Berlin, wo die Autorinnen ihren Lesern innerhalb eines Tourenvorschlags den Weg zu den unterschiedlichsten Läden und Pausenstationen weisen. gb www.nationalgeographic.de
Josef Zotter – Kopfstand mit frischen Fischen Zotter Schokoladen Manufaktur
Ohne Frage ein Erlebnis, mit dem überbordenden Phänomen Josef Zotter in
seinem Schokoladewerk in Bergl bei Riegersburg in der Steiermark
zusammenzutreffen. Der sprudelt vor sich hin – nicht nur zu Feinheiten
der
Schokoladenproduktion, sondern auch zu Fair Trade &
Biolebensmitteln, Salat & Glitzerwelt, Penisverlängerung &
Rente. Der Schober und der Wildner Wolfgang, erklärtermaßen langjährige
leitende Redakteure renommierter steirischer Business-, People- und
Lifestyle-Magazine, schaffen es als Interviewer und Ko-Autoren des seit
2013 vorliegenden Bandes selten, den Rede- und Ideenfluß Zotters in
kompakte, lesefreundliche Bahnen zu lenken. Irgendwo auf den fast
dreihundert, im gelb-schwarzen Schutzumschlag verpackten Seiten, in
einem der mehr als drei Dutzend Kapitel, mit denen die Wolfgangs im
Wortsinne vorm Zotter Sepp kapituliert haben, klingt das resigniert
´Zotter gegen den Rest der Welt´, oder wirr, wie im Titel „Kopfstand mit
frischen Fischen“. In der Tat muss der Leser das Buch alle paar Seiten
auf den Kopf stellen (wie es Chocolatier Z mutmaßlich mit den
Konventionen des Marktes macht), will er in der `Zotter-Pedia´ mehr über
die Zulieferer und Sortimente der Manufaktur, den Schoko-Schocker, den
Essbaren Tiergarten oder Zotters Leib- & Magen-Grafiker Andreas h.
Gratze lesen. Die letzten 20 Seiten sind (dann wieder `richtig herum´)
dem Zotter´schen Ideenlabor gewidmet, mit dem sich der Mann wohl vor
allem aus der zwischenzeitlichen Krise manövriert hat: u.a.
Himbeer-Tittis & Eierstöcke, Schoko-Börgler oder Glaskonfekt,
hauchfeines Chocolin oder Schoko-Zahncreme aus der Tube. Was davon auf
dem selbstironisch inszenierten Ideenfriedhof von Bergl landet, wird die
Zukunft weisen – Big Z sucht die zunächst (auch) in China. www.zotter.at
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