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BOOKS: Information Graphics

Information Graphics Wie komplexe Ideen durch Grafiken erklärt werden
Sandra Rendgen / Ed. Julius Wiedemann - Taschen Hardcover

„Wenn man etwas nicht einfach erklären kann,
hat man es nicht verstanden.“
Albert Einstein



Ein Blick durchs visuelle Makroskop...
Text: Gabriela Beck


 
Beim Betrachten all der bunten und zum Teil erstaunlich komplexen Bildtafeln in diesem kiloschweren Buch mag man kaum glauben, dass bis vor nicht allzu langer Zeit der Begriff Infografik vorzugsweise mit einfachen Diagrammen in Balken- oder Tortenform in Verbindung gebracht wurde. Zwar basieren die visualisierten Informationen auch hier auf "schnöden" Daten, Zahlen, Fakten und Statistiken, die heute sekundenschnell und von beinahe überall abrufbar sind, doch reicht der Zugriff auf diese Rohdaten an sich nicht mehr aus, um die Welt zu verstehen. Ob Klimawandel oder Weltwirtschaftskrise, die Zusammenhänge werden in Zeiten der Globalisierung immer komplexer – zu vielschichtig, um sie noch in Balken oder Tortenstücken darzustellen.

Infografiken dienen heute als „visuelles Makroskop“ wie es Paolo Ciuccarelli, Wissenschaftlicher Direktor des Mailänder DensityDesign Research Lab, in seinem im Buch enthaltenen Essay fordert: „Hinter diesem Ausdruck steht der Gedanke, Visualisierung als Hilfsmittel zu betrachten, welches es den Menschen ermöglicht, das unendlich Komplexe zu sehen und nicht, wie bei einem Mikroskop oder einem Teleskop das unendlich Kleine oder das unendlich Ferne.“

Der vorliegende Band dokumentiert den jüngsten Aufschwung von Informationsgrafiken seit der Jahrtausendwende. Der moderne Anspruch an die Datenvisualisierung generierte eine neue Bildsprache: Information darf bildhaft und humorvoll sein. Denn Untersuchungen haben gezeigt, dass man sich Informationen länger merken kann, wenn man sich Bilder dazu einprägt. Und so macht das Schmökern in dem farbenfrohen Schwergewicht nicht nur Spaß, es bleibt nebenbei auch einiges hängen: Zum Beispiel das Bild des menschlichen Fußabdrucks von Stanford Kay, der sich aus Kreisen unterschiedlicher Größe zusammensetzt – den CO2-Ausstößen der einzelnen Staaten. Das sieht auf den ersten Blick aus wie eine Schaubild zur Fußreflexzonenmassage. Dass die USA die gesamte "Ferse" bedecken und China den "Ballen", behält man aber sicherlich besser im Gedächtnis als eine einfache Zahl in einer Tabelle.

So unterschiedlich – und manchmal mehr visuell ansprechend als leserlich – die neue Generation von Infografiken auch sein mögen, sie haben alle dasselbe Ziel: Ein Stück der Welt erklären. So veranschaulicht die Grafik „Body Parts“ von Peter Grundy, wie viel die Körperteile eines Menschen wert sind. Oliver Reichenstein und Takeshi Tanka haben für „Cosmic 140 – Art for Geeks“ die 140 einflussreichsten Twitterer auf einer Sternenkarte verortet. „The Digital Dump“ von Andrew Effendy geht der Frage nach, was mit unserem Elektroschrott passiert und David McCandless nutzt für „The Billion Dollar Gram“ skalierte Farbfelder, um die Größenordnung einzelner Geldbewegungen in der internationalen Politik und Wirtschaft zueinander in Beziehung zu setzen.

Ein Einführungsteil mit vier Essays beschäftigt sich mit Hintergrundinfos und der geschichtlichen Entwicklung der Informationsgrafik. 64 historische Beispiele begleiten den Text als visuelle Timeline von 1144 bis 2010 n. Chr. – darunter die berühmte Zeichnung, in der Leonardo da Vinci Ende des 15. Jahrhunderts die idealen menschlichen Proportionen visualisiert oder die erste diagrammatische Darstellung eines U-Bahn-Netzes (London) 1933 von Harry Beck.

Im Hauptteil werden 200 Grafik-Projekte mit über 400 Infografiken vorgestellt, inklusive jeweils einer kurzen Erläuterung und einem Fact-Sheet mit Infos zu Designer und Datenquelle. Das Feuerwerk an Farben, Icons, geometrischen Formen und kalligrafischen Ornamenten lässt niemanden unbeeindruckt und ganz nebenbei erfährt man Erstaunliches über das Leben im 21. Jahrhundert – denn schließlich wollen die vielen Bilder im Buch ja nur eines: Informationen vermitteln.

Autorin: Sandra Rendgen ist Kunsthistorikerin und freie Bildredakteurin u.a. für TASCHENs Interiors Now!. Sie entwickelt interaktive Medien-Installationen für Museen und Institutionen.

Herausgeber: Julius Wiedemann zog nach seinem Grafikdesign- und Marketingstudium nach Japan und arbeitete in Tokio als Kunstredakteur für digitale Medien und Designmagazine. Er ist Editor zahlreicher TASCHEN-Titel aus der Digital- und Medienreihe. www.taschen.com

Essays: von Informations-Architekt Richard Saul Wurman, Guardian Datablog Editor Simon Rogers, Paolo Ciuccarelli und Sandra Rendgen.

480 Seiten, im Format 24,6 x 37,2 cm, ISBN 978-3-8365-2879-5,

Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch

Ein paar Cinesoundz-Favoriten auf den folgenden Seiten: 112,142/143, 152/153, 180f, 202/203, 223, 270, 287, 332/333,342/343, 410, 434, 466.

 






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