Reviews 1-09 Soundtracks

     

    * soundtrack * filmmusic * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * x-mas *

     

    Waltz With Bashir

    Original Soundtrack – Composed by Max Richter - EMI
     
     

     
     
    Die Mischung aus Fiction und Dokumentation allein wäre es wohl noch nicht, die Ari Folmans "Waltz with Bashir" seit seiner Cannes-Premiere soviel Lob bei Kritikern und Festivalpublikum eingebracht hat. Durch die an Richard Linklaters Rotoskop-Filme "Waking Life" und "A Scanner Darkly" erinnernde Animationstechnik wird die von Traumbildern durchsetzte Spurensuche im nichtendenwollenden Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zum bemerkenswert dichten Ausnahmefilm. Szenen aus dem Libanonkrieg von 1982 bis zum Massaker von Sabra und Schatila werden nach und nach in der verschütteten Erinnerung der Soldaten freigelegt. Max Richters, um das intensive Fragment "The Haunted Ocean" herum gebauter Soundtrack bewältigt mit hohen Streicherklängen, Synthesizer-Wänden und sparsamem Klavier Gesprächsszenen und Traumsequenzen. Der deutschstämmige, Im UK arbeitende klassische Pianist Richter macht derzeit mit genreübergreifenden E- und U-Kollaborationen auf sich aufmerksam. Sicher wird dies nicht sein letzter Score bleiben. Mit auf die 80´s-Zeitreise nehmen einen die in zwei Rückblenden sehr präsenten Songs "Enola Gay" von OMD und "This Is Not a Love Song" von P.I.L. - nur der auf Beirut umgetextete Cake-Song "I Bombed Korea Today" aus dem Film fehlt - leider. www.maxrichter.com http://waltzwithbashir.com  

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    Preisfrage: Für welches Werk von Steve Reich gründete Max Richter sein Piano-Ensemble?
     
     
     

    Palermo Shooting

     
     Original Soundtrack – Various Artists - City Slang / Universal  
     
     
    Der aktuelle Film von Wim Wenders spaltet die Geister. Einerseits schwelgt der Film in morbide-schönen Palermo-Bildern und räsoniert ausgiebig über den vom amerikanischen Freund Hopper dargestellten alles-endenden Gevatter Tod. Andererseits gibt es wieder mal Passagen akuter Langeweile, unfreiwillig komischer Dialoge, Casting- und Drehbuchschwächen. Bei seinen Soundtracks wiederum hatte Wenders ja des öfteren ein Händchen für passende Tracks bewiesen, diese Hoffnung blieb also zumindest nach dem geteilten Vergnügen im Kinosaal. Zunächst ist man überrascht, dass die während der Post-Production komplett der Schere zum Opfer gefallene Patti Smith auch hier nicht auftaucht. Dann aufgrund der Penetranz des sich bei U2´s "One" bedienenden Openers von Grinderman (aka Nick Cave´s Bad Seeds). Es folgen diverse Wenders-Favoriten, teilweise mit für den Film geschriebenem Material: zweimal Beth Gibbons (bzw Portishead & Rustin' Man), Beirut, Get Well Soon, Calexico, Bonnie Prince Billy, eine Velvet Underground Rarität (Lou Reed hat einen Cameo im Film) und CAN´s Irmin Schmidt mit einigen Scorepassagen. Auch - strictly old school - als Gatefold Doppel-180g-Vinyl erhältlich (während der Rezensent mit einer schmucklosen Vorab-Promo abgespeist wird). Wenders einmal mehr als legendärerer Kameramann mit Musik-Gespür für einige atmosphärische Momente - das Format Spielfilm aber scheint ihm abhandengekommen zu sein.  

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    Quantum of Solace

     
     Original Soundtrack – Composed by David Arnold - j records / SonyBMG  
     
     
    Der neue Bond regierte den November an der Kinokasse und kann doch erst jetzt an dieser Stelle gewürdigt werden. Nachdem die -einem erneuten Ausfall von Amy Whitehouse geschuldete- Kollaboration von White Stripes-Mastermind Jack White und Alicia Keys wohl als miesester Bond-Song der Filmgeschichte bezeichnet werden kann, war eine Sonderbehandlung des aktuellen Bond-Scores auch nicht gerechtfertigt. Dem Briten David Arnold scheint zum Thema nur noch wenig Neues einzufallen. Sein fünfter Bond-Score für das insgesamt 22. Abenteuer der Serie bietet etwas Elektronik, Flamenco-Gitarren oder das natürlich gelegentlich eingewobene Monty-Norman-Thema, hechelt aber im Wesentlichen der Action ohne Wiedererkennungswert hinterher. Vielleicht würde ein Wechsel an Regie- und Komponistenpult dem Unternehmen gut tun... www.007.com  

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    Vicky Cristina Barcelona

     
     Original Soundtrack – Various Artists - Tel Arc / In - Akustik  
     
     
    Woody Allen setzt erneut junge Frauen in Szene und an seiner Stelle darf sich Javier Bardem als glutäugiger Latino-Künstler mit (in filmischer Reihenfolge) Scarlett Johannson, Rebecca Hall und Penelope Cruz amüsieren. Trotz gewisser Allenscher Vorhersehbarkeiten in der Entwicklung von Figuren & Handlung ist das Ganze aufgrund der guten Besetzung und der ins rechte Licht gerückten geldgebenden Kommune Barcelona als Background recht vergnüglich anzusehen - und zu -hören: Der zugehörige Soundtrack speist sich zwar ebenfalls aus einigen Klischees, wie spanischen Albeniz-Klassikern wie "Asturias" oder "Granada", wird aber stimmig kombiniert mit modernen Stücken von Paco de Lucia, Juan Serrano oder dem Stephane Wrembel Trio. Der Titel-Song „Barcelona“ von Giulia y Los Tellarini ragt aus mehreren Gründen besonders heraus, betont er doch auch auf der Tonspur noch einmal die katalanische Komponente. Zudem gibt Allen im Booklet der CD die hübsche Anekdote preis, wie er zu diesem so passenden Stück gekommen ist... http://vickycristina-movie.com   

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    Verlsoung - Preisfrage : Wie kam Allen an seinen Titelsong?
     
     
     

    Brideshead Revisited (Wiedersehen in Brideshead)

     
     Original Soundtrack – Composed by Adrian Johnston
    Chandos / Codaex
     
     
     
    Julian Jarrolds Filmversion von Evelyn Waughs 1945 veröffentlichtem Roman „Wiedersehen mit Brideshead“ versucht sich daran, eine plausibel komprimierte Version der hochgelobten 11-teiligen TV-Verfilmung von 1981 zu realisieren. Zumindest ein gediegenes Stück britisches Ausstattungskino mit guter Besetzung ist dabei herausgekommen, wenngleich Kenner im direkten Vergleich Buch- und TV-Version wohl immer noch den Vorzug gegeb werden. Das homogene Ensemble und die Opulenz des Castle Howard in North Yorkshire macht das wörtlich zu nehmende Kino- „Wiedersehen in Brideshead“ aber allemal zum lohnenden Ausflug vor die große Leinwand. Daran hat auch der stimmige Orchester-Score von Adrian Johnston (in einem früheren Leben tatsächlich als Drummer bei den Waterboys!) bei dessen erneuter Zusammenarbeit mit Jarrold seinen Anteil. Zwischen minimalistischen und impressionistischen Elementen vernachlässigt Johnston erfreulicherweise nicht das melodische Element. Terry Davies dirigiert das BBC Philharmonic (Orchestra).  

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    TIPP!
     
     
     

    Im Winter Ein Jahr

     
     Original Soundtrack – Composed by Niki Reiser - Königskinder / Soulfood  
     
     
    Ein Portait ihres toten Bruders hat ihre Mutter in Auftrag gegeben. Als Lilli, zunächst lustlos, zu Sitzungen im Studio des Malers erscheint, entsteht eine vorsichtige Annäherung zwischen den beiden und nebenbei das Psychogramm einer wohhabenden, gleichwohl beschädigten Familie. Am Ende wird das Bild der Geschwister nicht allen gefallen... Caroline Link besann sich nach einigen Kontaktversuchen in Hollywood daheim auf ihre Stärken. Für die Verfilmung des eigenen Drehbuchs konnte die Oscar-Preisträgerin nicht nur eine Wunschbesetzung gewinnen (Karoline Herfurth, Josef Bierbichler, Corinna Harfouch, Hanns Zischler und Dominik Graf-Favorit Misel Maticevic) sondern auch einmal mehr Niki Reiser für die musikalische Begleitung, dessen Soundtrack das gelungene Drama um Sprachlosigkeit, den Verlust von Nähe und die Unfähigkeit zu trauern nun abrundet. Reiser hat seine, zwischen minimalistischen ruhigen Piano- und Gitarrenfarben, Harfentupfern und einem groovenden Electro-Tango ("Tango für Max") gekonnt wandernde Musik auch orchestriert und die CD selbst produziert, der man allein die kurze Spielzeit vorhalten mag. Immerhin erfährt man im Booklet interessanterweise mehr von Regisseurin und Komponist zur jeweiligen Herangehensweise und ihrer langjährigen Zusammenarbeit. www.imwintereinjahr.film.de  

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    VERLOSUNG ! Mail an: ALL GONE Drei weitere Zusammenarbeiten von Niki Reiser & Caroline Link?
     
     
     

    Inkheart (Tintenherz)

    Original Soundtrack – Composed by Javier Navarrete - Decca / Universal (Digital only - Release)

    Journey To The Center of the Earth

    Original Soundtrack - Composed by Andrew Lockington - Silva Screen / Edel
     
     
     
    1 Nicht gerade die Regel, daß eine deutsche Bestseller-Autorin direkt Filmangebote aus Hollywood erhält. Cornelia Funke lieferte jedoch, anders als bei ihren "Wilden Hühnern" mit dem ersten Band ihrer märchenhaften "Tintenwelt"-Trilogie auch einen internationalen Bucherfolg, der nun mit ihrem Wunschkandidaten Brendan Fraser in der Hauptrolle verfilmt wurde. Obwohl durchaus ein gewisser Aufwand betrieben wurde, der sich auch im oftmals pompösen Abbey Road-Orchesterscore des zuletzt mit "Pans Labyrinth" und "Fireflies in the Garden" auftrumpfenden Spaniers Javier Navarette widerspiegelt, vermag es die holprige Verfilmung nicht, das Publikum in andere Welten zu entführen - dunkle Chöre & 1001-Nacht-Anklänge hin, Kusntschnee & Feuerschlucker her. Wie war es doch Helen Mirrens Charakter Elinor in den Mund gelegt? "Ich bevorzuge Geschichten, die so vernünftig sind, auf den Seiten bleiben, wo sie hingehören..." www.Tintenherz-derFilm.de  
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    2 Während Navarettes Score nur als Digialrelease vorliegt, gibt es den musikalischen Background zum zweiten großen Brendan Fraser-Vehikel in diesem Winter noch quasi altmodisch auf CD. Als erster Langfilm in Digital 3-D-Technik aufgenommen, bietet das lose auf Jules Vernes Roman basierende Actionabenteuer einige (3D-)Schauwerte, die Andrew Lockington mächtig und groß-orchestral verwaltet. Leider verliert der Streifen in herkömmlicher Technik viel von seinem Reiz. Lockington ist derzeit auf dem Sprung -mindestens- in die zweite Komponistenreihe Hollywoods und schafft bisher dennoch den Spagat zwischen L.A. und seinem Wohnsitz Toronto. In Deutschland ab 1.1. im Kino. www.journey3dmovie.com  

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    Sex and the City - The Score

     
     Original Soundtrack – Composed by Aaron Zigman - Decca / Universal  
     
     
    Nachdem unvermeidbaren Erfolg der länglichen Kinoversion der TV-Erfolgsserie und zwei Song-Kompilation schafft es rechtzeitig zum Fest auch noch der komplette Score, d.h. die meist kurzen instrumentalen "Sex & the City"-Brücken des vielbeschäftigten jüdischen TV-Komponisten Aaron Zigman ins Plattenregal. Der bisherige Stammkomponist von Regisseur Nick Cassavetes mit Jahrgang 1963 hatte sich in Kalifornien als Song-Schreiber für Phil Collins, Tina Turner, Seal oder Christina Aguilera verdingt, wechselte aber schwerpunktmäßig ins Film-Business. Routiniertes, im US-TV schon so oft gehörtes Piano-Pizzicato-Glockenspiel-Allerlei. Nicht gerade unverzichtbar, selbst für ausgesprochene Carrie und Konsorten-Fans.
    www.aaronzigman.com

     

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    Animals in Love

    Original Soundtrack - Composed by Philip Glass - OMM (Import)

    Anlässlich des deutschen DVD-Starts der sehenswerten Dokumentation vom Team der "Nomaden der Lüfte" sei hier auch auf den hierzulande leider nur als teuren Import erhältlichen Soundtrack hingewiesen. Rechtliche Gründe verhindern einen Release über den Codaex-Vertrieb. Anders als in Frankreich sind die mit den bekannt repetitiven Minimalklängen verwobenen Tierstimmenexperimente von Altmeister Philip Glass in diesem Fall nur direkt über das amerikanische Orange Mountain Music-Label des Komponisten erhältlich. www.lesanimauxamoureux.com
     

     

     


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    Die Eylandt-Recherche

     
     Original Soundtrack – Composed by Eric Babak - Babak Music / Alive  
     
     
    "Blair Witch" im Ruhrpott ? Der Duisburger Produzent Michael W. Driesch, aka Don Migue, seines Zeichens auch Regisseur und Autor des Projekts, eiert mit seiner Mystery-Doku „Die Eylandt Recherche“ unentschieden zwischen X-File-Atmo und Mockumentary herum. Hier ist nichts clever genug gefälscht, nichts wirklich spannend, nichts richtig komisch. Auch der dank funktionierender Russland-Connection vom belgischen Warner-Chappell-Fliessbandkomponisten Eric Babak mit Moskauer Orchester und Chor eingespielte Score macht es nicht erträglicher. Da raunt und dräuht es über Albenlänge in einem fort so düsterlich schlimm aus dem Keller, dass man die ganze Chose bald nach Duisburg-Rheinhausen zurückwünscht. Wenn zuunguterletzt tatsächlich noch der krude "Josefine Eylandt´s House Clubmix" eines Jean-Claude Ades über den Hörer kommt, hat sich diese schmerzfreie Produktion die goldene Zitrone des Jahrgangs wirklich verdient. www.eylandt.de/  

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    Nights in Rodanthe (Das Lächeln der Sterne)

     
     Original Soundtrack - Various Artists - Decca / Universal  
     
     
    Das "Unfaithful"-Traumpaar Richard Gere und Diane Lane, mittlerweile aparte 50somethings, wird in dieser, auf einer Romanvorlage von Nicholas Sparks basierenden Edelschnulze in der beiderseitigen Krise zufällig in einer kleinen Pension im Küstendorf Rodanthe im Sturm zusammengeführt. Das Haus knarzt und quietscht an allen Ecken, das Drehbuch ebenfalls und die leider etwas breitgetretene zweite Liebes-Chance für die beiden Ehe-Opfer wird auf der Tonspur von einer Mischung gut abgehangener Klassiker verschiedener Genres flankiert. Blues, Country, Swing und die "Goldbergvariationen". Emmylou Harris, Dinah Washington, zweimal Count Basie, Ruth Brown und natürlich Glenn Gould sorgen zumindest für eine abwechslungsreich-solide Nachlese des Kinobesuchs  

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    Angus, Thongs and Perfect Snogging (Frontalknutschen)

    Original Soundtrack - Various Artists - Columbia / Sony BMG

    Aus unerfindlichen Gründen bekommt der im Herbst leidlicherfolgreiche Teenie-Spaß der "Kick it like Beckham”- Regisseurin Gurinder Chadha hierzulande erst jetzt seinen Soundtrack in Form einer munteren Song-Kopplung nachgereicht. Vielleicht können The Rumble Strips, Liliy Allen, Kate Walsh, The Pipettes , The Ting Tings oder die bewährten Peter Bjorn and John ja noch den DVD-Start anschieben. Chadha hatte sich bei der Vorbereitung des Films vom (2007er) Glastonbury-Festival inspirieren lassen und fand tatsächlich noch genügend unschuldiges Audio-Material für ihre heiteren Geschichten um versehentliches Augenbrauenabrasieren, völlig unnötige Büstenhalter und professionelles Kusstraining mit dem Nachbarjungen. Die Expedition in den Kosmos pubertierender Mädchen hebt sich trotz des wenig subtilen deutschen Titels wohltuend vom Gros dessen ab, was Mainstream-Hollywood zuhauf so zum Thema einfällt.
     

     

     


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    Four Christmases (Mein Schatz, Unsere Familie & Ich)

    Various Artists - Decca / Universal

    Dieser Soundtrack zur Romantic Holiday Comedy mit komplett weihnachtlichen Klängen von Dean Martin (im Elvis-like nachgeschneiderten Duett mit Martina Mc Bride), Tom Petty, Ferrante & Teicher, Bobby Helms oder Sarah McLachlan an dieser Stelle als Hinweis auf die - alle Jahre wieder im Dezember extra eingerichtete - Cinesoundz - Weihnachts - Rubrik - die in diesem Jahr aus allen Nähten platzt !
    Zum Nikolaus ... Check it out - Live Tips & Verlosungen !
    Link : * X-MAS *

     

     

     


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