reviews 12-09-01/10 world

    * soundtrack * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * audiobook * x-mas *

     
     
    BK-One with Benzilla - Rádio Do Canibal TIPP!
    Rhymesayers - Rough Trade

    Oswald de Andrades Gedicht "Cannibal Manifesto" von 1928 beschrieb, wie der Vielvölkerstaat Brasilien seine Kraft der Absorption verschiedener Kulturen verdankt. Eine ähnlich kraftvolle Fusion stellen jetzt Brother Ali-DJ & Produce BK-One und der Twin Cities-Mastermind Benzilla mit Gästen wie Raekwon vom Wu-Tang Clan, Black Thought von den Roots, Scarface oder Blueprint auf die Beine. Schon allein ihr Instrumental "Tema do Canibal" mit einem entfesselten Hypnotic Brass Ensemble im Rücken wäre die Anschaffung wert. MPB-Grössen wie Caetano Veloso oder Tom Zé konnten für kurze O-Ton-Interludes gewonnen werden. Sonderpunkte für die besonders schmucke Digipack-Sonderverpackung ! Hip Hop hugging Brazil Negra . "I need the whole avocado. I´ll be on that sugar hill. Let´s go!" Play Tracks 1, 3, 6, 7, 12, 13.

    Shafiq Husayn - Shafiq en' a-Free-Ka TIPP!
    Rapster - Alive

    Eine ähnlich starke, innovative Hip Hop Fusion gelingt mit 'En'-A-Free-Ka', dem Solo-Debütalbum des Sa-Ra Creative Partner-Mitglieds Shafiq Husayn. Elemente der traditionellen äthiopischen Musik, westafrikanische Trommeln , Sun Ra-Jazz, Soul der Marke Isaac Hayes, Funk a la George Clinton, Old School Sounds von Afrika Bambaataa oder Egyptian Lover und sogar Jimi Hendrix' 'Electric Ladyland' und 'Abbey Road' von den Beatles haben hier Spuren hinterlassen. Als Gäste: Bilal, Fatima, Jimetta Rose, Sonny Goates & Count Bass D, sowie Om'Mas Keith & Stephen 'Thundercat' Bruner.
    www.sa-ra.net/ Play Tracks 2-5, 9, 13.
     



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    Bebel Gilberto - All In One
    Verve - Universal

    Die Tochter von Joao Gilberto holte sich für ihr neues Album diverse Produzenten & Mitstreiter an Bord: u.a. Didi Gutman, Carlinhos Brown und Mark Ronson (letzteren für Stevie Wonders hier etwas unentschiedenes "Real Thing"). Brasilianischer als auf ihren letzten Produktionen, zeigt sich die Dame dennoch einmal mehr als Kosmopolitin. Aufgenommen wurde in Rio, Bahia, New York, sowie in der offensichtlich inspirierenden Atmosphäre der zu Chris Blackwells Island Outpost-Hotelkette gehörenden Gee Jam-Musik-Studios, Port Antonio, Jamaica: Dem abgelegenen Geheimtip an Jamaicas Ostküste widmete Gilberto das letzte Stück ihres Albums. Der richtige Ort für Honeymooner - Bebel wird ihren Engineer & Executive Producer bald heiraten. All In One.

    Céu - Vagarosa TIPP!
    Six Degrees / Exil - Indigo

    Maria Do Céu Whitaker Pocas aus Sao Paulo ist so schön und eigenwillig wie ihr Name - und ihre Musik. Das Debutalbum der klassisch ausgebildeten Tochter aus gutem Hause wurde 2007 insbesondere in Deutschland von Kritik und Publikum ausgesprochen freundlich empfangen. Dass die Deutschlandkonzerte im Oktober teilweise nur mässig besucht waren, kann nicht am neuen Album der 29-Jährigen MPB-Prinzessin liegen. Ein Duett mit Luiz Melodia würdigt die Bossa-Tradition, während sonst jazzige oder verhaltene Reggae-Grooves, etwas Dub, Triphop & Electronica und Soundextras wie Orgel oder Mellotron eine faszinierende, entschleunigte Mixtur ergeben, die sich von abgenudelten Brazil-Lounge-Klischees wohltuend abhebt. www.ceumusic.com
     



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    Abaji - Origine Orients
    SMD Neo SD

    Der lange im Pariser lebende Libanese Abaji triit bei seinem fünften, selbstproduzierten Album als Multi-Instrumentist und Sänger auf. Alle 14 Titel wurden im Studio in nur einem Take, quasi in Live-Atmosphäre eingespielt, zudem singt Abaji in allen fünf Sprachen, die in seiner Familie gesprochen werden: französisch (seine Muttersprache), arabisch, griechisch, türkisch und armenisch. Nach 33 Jahren kehrte er in den Libanon zurück und gab dort sein erstes Konzert, im Land seiner Geburt. "Origine Orients" thematisiert die vielfältigen Traditionen, die dieses nahöstliche Land und seine Menschen prägen.


    Rachid Taha - Bonjour
    RCA Victor - Sony

    Rai-Rocker Rachid Taha legt drei Jahre nach „Diwan 2", der ruhigeren Hommage an arabische Künstler wie Mohamed Mazouni oder Oum Kalsoum. mit „Bonjour" erneut ein auch für die westliche Klientel attraktives Album vor. Aufgenommen wurden die bei Paris entwickelten Demos im New Yorker Alices Restaurant-Studio. Zusammen mit dem befreundeten Gaetan Roussel, Sänger der Band Louise Attaque, schrieb Taha zehn neue Songs - wie die folkige Begrüßung „Je t' aime mon amour", das folgende, elektronisch geprägte „Mokhtar" oder „Ha Baby", eine flotte Kombination aus Country und algerischem Chaabi-Pop. Im Titelstück „Bonjour", einem Duett mit Roussel ist (Nouveau) Chanson-Einfluss spürbar, während er Exil Song Nr.8 auch von Manu Chao sein könnte. Auffällig auch das hypnotische, sich steigernde und ungewohnt elektronisch gefärbte "Ila liqa".
     

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    Baaba Maal - Television
    Because - Alive

    Baaba Maal profitiert bei "Television" von einer überraschenden, belebenden Zusammenarbeit: neben dem bereits für Bebel Gilberto tätigen Didi Gutman ist hier auch seine Brazilian Girls-Kollegin Sabina Sciubba mit an Bord, neben "Funky Nassau"-Legende Barry Reynolds als Produzent, während Maals langjähriger Mentor Mansour Seck für die traditionelle Komponente in einem erfrischend poppigen Album sorgt. Baaba Maal, nach Youssou N'Dour wohl der bekannteste Musiker des Senegal, ist kein Griot, beschritt also mit der Entscheidung für eine Musik-Karriere schon früh eigene Wege abseits der westafrikanischen Tradition. Hier hört man es. Nur sein erstes , mehr oder weniger englischsprachiges Stück "Dakar Moon" klingt unfreiwillig komisch.
     



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    Gilles Peterson presents Havana Cultura
    Various Artists - Brownswood - Rough Trade

    Nun ist auch Gilles Peterson (Talkin' Loud, Brownswood) in Kuba gelandet. Mit Unterstützung von Roberto Fonseca hat er die vorliegende Doppel-CD “Havana Cultura – New Cuba Sound” zusammengestellt, die mit opulenten 28 Tracks von über 20 Interpreten wohl als bedeutendste Kollektion zeitgenössischer kubanischer Musik seit dem legendären “Buena Vista Social Club” Anfang der 1990'er gelten kann. Dabei wurden die 12 neuen, exklusiven Tracks der ersten CD von der flugs ins Leben gerufenen `Gilles Peterson Havana Cultura Band´ in den weltberühmten Egrem Studios in Havanna aufgenommen: Latin, Afro-Jazz & Fusion, HipHop, Funk, Reggaeton und R&B mit vielen neuen Talenten im Einsatz. Auf CD2 lässt Gilles Peterson dann 14 seiner persönlichen Kuba-Favoriten folgen. Ein lohnender Trip.
     




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    Rupa & The April Fishes - Este Mundo
    Cumbancha / Exil - Indigo

    Der Zirkus ist wieder in der Stadt. Rupa Maryas Debut "Extraordinary Rendition" wurde im letzten Jahr als Sensation gefeiert. Der indischstämmige Darling der Weltmusikszene aus San Francisco setzt beim nun zügig folgenden Folgealbum "Este Mundo" neben drei französischen Chansons vermehrt auf spanisch gesungene Roma- und Balkan-Grooves. Tex-Mex , Reggae & Indisches, Cumbia & Klezmer haben hier außerdem ihren Platz - ein friedliches Neben- und Miteinander, das wieder genügend Interessen zu bedienen weiss. www.aprilfishes.com
     

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    Jesse Cook - The Rumba Foundation
    EMI

    Der kanadische Gitarrist Jesse Cook steht für die südamerikanisch-spanische Mischform Rumba Flamenco und bindet auch auf seinem siebten Album vielfältige Einflüsse wie kubanischen Son oder etwas Pop in dieses Grundgerüst ein. 1964 in Paris geboren, wuchs Cook in der Camargue auf, zog später nach Kanada und landete schliesslich in Kolumbien: Dort wollte er mit den ihre Vallenato-Instrumente mit eigenen Händen fertigenden Latin-Grammy-Preisträgern Los Gaiteros de San Jacinto aufnehmen. Dazu unternahm die Gruppe eine lange Busreise, der nun der Opener der Cd Referenz erweist: "Bogotá by Bus". Die Version von Simon & Garfunkels "Cecilia" hätte es dagegen eher nicht gebraucht. www.jessecook.com
     


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    Mercedes Sosa - Cantora
    RCA Victor - Sony

    Mercedes Sosa am 4. Oktober in Buenos Aires verstorben. Wie krank die or allem in Lateinamerika und Spanien verehrte, stets sozial & politisch engagierte "Grande Dame" Argentiniens zuletzt war, kann man anhand letzter Fotos erahnen. V wird sie zutiefst verehrt. Auf ihrem letzten Album "Cantora" singen unterschiedliche Größen wie Shakira, Joan Manuel Serrat, Daniela Mercury, Lila Downs oder Caetano Veloso mit der Säulenheiligen im Duett. Neben der dominierenden lateinamerikanischen Folklore werden Bossa Nova, Pop, Schlager, Chanson, Blues und sogar Hip Hop gestreift, während natürlich Sosas geschwächte, aber noch immer charaktervolle, warme Stimme den roten Faden des Albums bildet.


    Giora Feidman & Gershwin Quartett -
    Klezmer & Strings
    Pianissimo - Edel

    Giora Feidman & das Gershwin Streich-Quartett um Leader Michel Gershwin spielen sich hier wie gewohnt virtuos und mit hörbarem Engagement durch neun speziell für das Ensemble komponierte oder arrangierte Stücke, von Klezmer über Tango bis hin zu einem abschließenden, zwölfminütigen Gershwin-Medley (diesmal ist der große Namensvetter George gemeint).
    www.giorafeidman-online.com
    Anfang Dezember, sowie im Januar & Februar 2010 auf Tour: Daten
     


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    Orchestre Polyrhythme de Cotonou - Vol.2
    Echos Hypnotiques
    Various Artists - Soundway - Groove Attack

    Dies ist die zweite CD mit lange verschollenen Aufnahmen der Benin-Afrofunk-Pioniere des Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou. Widmete sich die erste Compilation den Aufnahmen aus deren Heimatland, geht es diesmal in die Archive der EMI Studios in Lagos, Nigeria, wo Vodoun-Tradition und moderne Einflüsse mischende Aufnahmen für das Albarika Store-Label des Produzenten Adissa Seidou entstanden. Der Finished Version liegt ein opulentes, 44-seitiges Booklet bei - der Rezensent muss sich einmal mehr mit den lohnenden Musikentdeckungen der Jahre ´69 bis ´79 begnügen. www.myspace.com/analogafrica
     


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    Pink Martini - Splendor In The Grass
    Heinz - Naive - Indigo

    Eigentlich gäbe es auch auf dem vierten Album des zwölfköpfigen Multikulti-Nostalgie-Orchesters Pink Martini genug, um beim Rezensenten Punkte zu sammeln - Lalo Schifrin- oder Moondog-Reminiszenzen, eine generelle Retroverliebtheit, die sich auch in der Covergestaltung niederschlägt oder ...ja ganz so viel war es dann doch nicht. Denn irgendetwas an Auftritt & Musik der Portland-Amis um Thomas Lauderdale hat schon immer gelangweilt und tut es diesmal erst recht: Der Gesang von China Forbes ist wenig ausdrucksstark - und zwar egal in welcher Sprache; die Eigenkompositionen bleiben beliebig - alle Versatzstücke, die andere Kulturen betreffen, wirken konstruiert; die Innenseiten des Booklets sind an Langeweile nicht zu überbieten. Wenn die 90-Jährige, mexikanische Folk-Legende Chavela Vargas zu uninspirierter Begleitklimperei singen muss oder unvermittelt Tchaikovskys Piano Concerto No.1. in eine klebrig zusammengeklaubte Nummer von Lauderdale & Co. hineinschwelgt - nee! Der PM-Splendor mag in den USA als "so European" beklatscht werden, entlarvt sich anderswo aber allzuschnell als zweitklassig.

     




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    Tumbélé - Sounds from the Frenchcarribean
    Panama! 3
    Ghana Special
    Various Artists - alle: Soundway - Groove Attack

    Seit seiner Gründung im Jahr 2002 steht das UK-Label Soundway Records für die Veröffentlichung hochwertiger Compilations & Künstleralben und die Wiederentdeckung längst verloren geglaubter musikalischer Schätze aus Afrika, Südamerika oder der Karibik. "Tumbele!" präsentiert nun seltene mid-60s bis 70s-Klänge von den Kleinen Antillen, namentlich den wichtigsten französischsprchigen Inseln Guadeloupe und Martinique. Hier werden Afro - und Latin-Einflüsse deutlich. So mischt sich Rumba aufs Trefflichste mit dem einheimischen Biguine-Stil. Kreolische, congolesische, haitianische und puertoricanische Rhythmen machen die 20 von Kompilator und Liner Notes-Autor Hugo Mendez ausgewählten und im Booklet liebevoll dokumentierten Tracks zu einem Vergnügen.

    „Panama! 3“ bietet wie seine beiden Vorgänger (siehe Panama 2) eine lohnende Auswahl seltener, diesmal auch älterer Stücke von 1960 bis 1975, die die musikalische Vielfalt des lateinamerikanischen Landes widerspiegeln. Ob Calypso Panameño, Guajira Jazz oder Cumbia Tipica, die Compiler Will Holland (Quantic!), Miles Cleret und Roberto Ernesto Gyemant , der für die Linernotes und Abbildungen vieler rarer Cover im Booklet gesorgt hat, werden einmal mehr der musikalischen Faszination der Vergangenheit Panamas gerecht.

    Nach dem beachtlichen Erfolg von „Ghana Soundz“ und „Nigeria Special“ präsentiert Soundways Afrika-Auskenner Miles Cleret nun die Compilation „Ghana Special" mit dem Fokus auf die Stile Modern Highlife, Afro-Sounds & Ghanaian Blues von 1968 bis 1981. Das Material hat Cleret wie bei Soundway üblich persönlich auf Reisen durch Westafrika zusammengetragen. Herausgekommen ist wieder eine umfangreiche Sammlung seltener und in Europa bisher kaum veröffentlichter Stücke. Die Doppel-CD erscheint als Hardback Package inkl. eines farbigen 44-seitigen Booklets mit vielen Informationen, originalen Coverabbildungen und Fotos (letzteres fehlt bei der Promo-Fassung leider...).

     

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     Kottarashky - Opa Hey
    Boban I Marko Markovic Orkestar - Devla
    Balkanbeats - One Night In Berlin
     
     Various Artists - Asphalt Tango / Piranha / Piranha - alle: Indigo
     
     
     Der Architekt Kottarashky aus Sofia ist im Nebenberuf ein Soundpuzzler, der Feldaufnahmen vom Balkan, Jazz und Blues, psychedelische Sounds, Computer-Beats und Romamelodien kreuzt. Sein Debutalbum „Opa Hey!“ wurde von Reisen in kleine Dörfer und abgelegene Regionen Bulgariens inspiriert, neben namenlosen Künstlern kommen auch Schnipsel von Boris Kovac, Les Yeux Noir, Fanfare Ciocarlia oder Mitsou zum Einsatz.
    Auf "Devla" geht es den Markovics darum, in den Balkan-Gypsy-Brass -"Dancefloor Heaven" zu kommen, wozu es die Hilfe der gleichnamigen höchsten Gottheit in der Roma-Religion braucht. Neben Vater & Sohn agieren Rade Krstic ("Udre Mila"), Ljubisa Stojanovic ("Kum Boemcina") oder Sofi Marinova ("Soske Sul Na avea") und Mustafa Sabanovic ("Maruska") am Mikro. Die bekannte Uptempo-Blase-Sause eben.
    BalkanBeats haben sich ja bekanntermassen zum Party-Lifestyle entwickelt, vornehmlich von Berlin aus. Auf den von Robert Soko veranstalteten Nächten feiert man zum Sound serbischer, rumänischer und anderer Roma-Blaskapellen, die sich mit elektronischen Beats paaren. Heute residiert Soko nicht mehr nur im LIDO in Berlin-Kreuzberg, sondern reist regelmäßig nach London, Paris, Budapest und Übersee. Hier zu vernehmen: Amsterdam Klezmer Band, das eben erwähnte Boban i Marko Markovic Orkestar, Magnifico, Shantel u.v.a. Die Enhanced-CD beeinhaltet die Slideshow einer Berliner BalkanBeats-Nacht zu Musik von Fanfare Ciocarlia.
     
     
     

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     Previous Issue: 10/11- 09 © cinesoundz 2009

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