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Reviews World 7-11

* soundtrack * crossover * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * audiobook *

 Playing For Change - Songs Around The World 2 * dvd-special *
 
 Various Artists - Concord / Universal

 
 
Das 2004 von den Produzenten Mark Johnson und Enzo Buono begonnene Projekt mit dem Ziel „zu inspirieren, zu verbinden und der Welt mittels Musik Frieden zu bringen“ suchte bereits für die erste Folge 2009 Orte auf vier Kontinenten auf. Mit Hilfe mobiler Tonstudios wurden Interpretationen verschiedenster (Straßen-)Musikern aufgezeichnet. Über 150 Musiker aus 25 Ländern finden sich dergestalt in einer an das (wohl aus rechtlichen Gründen gestrichene) "One World One Voice"-Projekt erinnernden Session zusammen. Mitwirkende hier u.a. Tinariwen, Carlos Vives, Taj Mahal, Blind Boy Paxton, Mamadou Diabaté, Grandpa Elliott u.v.a. Jagger/Richards, John Lennon, Stevie Wonder und Otis Redding, aber auch Baaba Maal und Produzent Mark Johnson sind die Songautoren, deren Konsens-Stücke für "Playing For Change" ausgewählt wurden. Und wen würde es wundern, dass hier auch gleich zwei Songs vom seligen Bob Marley stammen, "Three Little Birds" wird von einer enormen Menge an Kollaboratueren vor allem aus Mali und Brasilien unter Führung von Baaba Maal und Keb´Mo´ angestimmt, während "Redemption Song" die Ikone posthum (u.a.) mit seinem Sohn Stephen im Duett vereint. CD & DVD.
www.playingforchange.com www.playingforchange.org
 
 
 
 Ziggy Marley - Wild And Free
 
 Tuff Gong / Groove Attack
 
 

Dem ältesten Sohn von Rita & Bob Marley hingegen ist mit dem neuen, von ihm und Don Was produzierten Studioalbum (das zusätzlich noch von Altmeister Bob Clearmountain abschließend abgemischt wurde) sein wohl bisher ausgereiftestes Werk ohne viel Füllwerk gelungen. Für "Wild And Free" hat er zudem ganz unterschiedliche Gäste am Mikro versammelt: Rapper Heavy D, Hollywood-Star Woody Harrelson (seinen überraschenden Gesangspartner beim programmatischen Album –Titletrack & -opener ("I see Marihuana Trees swaying in the breeze") und zuguterletzt seinen Sohn Daniel - Vorbote der nächsten musizierenden Marley-Generation. Ziggy Marley spielt auf seiner aktuellen Europatournee auch zweimal in Deutschland - am 3.Juli in Köln und am 5. Juli in Darmstadt. www.ziggymarley.com

 
LIVE-TIPP
 
 
 Hollie Cook
 
 Mr. Bongo / Groove Attack  
 

Die Tochter von Sex-Pistol Paul Cook mit einem von einer mächtigen UK-Radio-Allianz (BBC, Kiss, Radio 1, von Rob da bank bis Dave Rodigan) als `Tropical Pop´ gehypten Album-Debüt. In diesem Fall ganz zu Recht. Sozialisiert mit Glam Rock, Punk & Wave, auch mal bei der neueren Version der Slits an den Keyboards mitgemischt, irgendwann Vorliebe für Girlgroups der 60er-Jahre. Diesen Werdegang verbindet die in London lebende Sängerin nun, verpackt in lässigen Reggae-Sound (produziert hat Prince Fatty) und Songs wie dem Shangri-Las-Cover "(Remember) Walkin In The Sand", eigentlich textlich depressiv gehalten, der hier hoffnungsvoll zu leuchten scheint. Tolles Album für den Sommer mit einem feinen Cover von Robin Eisenberg. www.holliecook.com
 
TIPP! & VINYL-TIPP
 
 
 Michael Franti & Spearhead - The Sound Of Sunshine
 
  Capitol / EMI
 
 

Mit 45 Jahren scheint Michael Franti die Sonnenseite der Lebens entdeckt zu haben. Bisher war man vom kalifornischen Spearhead-Mastermind eher politische Statements und beissende Kommentare angesichts mannigfaltiger sozialer Missstände gewohnt. Und nun das: Happy-Go-Lucky-Sommer-Sonne-Sonnenschein - ein ganzes Album hindurch. Sha-lala-lala-long. Reggae und Mainstream-Pop. "The Sound of Sunshine" wirkt über weite Strecken wie eine Auftragsproduktion für eine Kampagne des Jamaican Tourist Board. Wäre da nicht das vertretbar sehnsuchtsvolle "Only Thing Missing Was You" (an Nummer 6) mit einer hübschen Melodielinie, hätte man das Album vro einem drei Tracks währenden Zwischenhoch schon komplett abgeschrieben. Auf "The Thing That Helps Me Get Through" klingt Franti dann frappierend nach Lenny Kravitz. Play Tracks 6-8.
www. michaelfranti.com
 

 
 
 Babazula - Gecekondu
 
 Doublemoon - Essay / Indigo
 
 

Gerade im Mai waren sie wieder einmal auf Tour in Deutschland: Baba Zula, die vielleicht beste, zumindest aber seit Fatih Akins "Crossing The Bridge" und ihrer Mad Professor-Kooperation die im Ausland bekannteste Psychedelic-Band der Türkei. Gruppiert um das stoische gespielte Saz des Bandgründers Murat Ertel und flankiert von wild rotierenden Tänzerinnen ist Baba Zula stets ein Live-Ereignis. Gäste auf dem (für Deutschland) hinterdreingeschobenen neuen Album: Bugge Wesseltoft, Titi Robin, Serra Yilma und Cem Yildiz. Ertel & sein Compagnon Levent Akmann (Percussions, Machines und Toys) werden von den Mitgliedern ihrer Touring Band Cosar Kamci (Percussions, Darbuka) und Elene Hristova (Sängerin) unterstützt - im Ergebnis wieder mal feiner Psychedelic Groove vom Bosporus.

 TIPP
 
 
 Fanfare Ciocarlia / Boban I Marko Orkestar Markovic - Balkan Brass Battle
Hotel Bossa Nova - Bossanomia
 
 Various Artists - Asphalt Tango / Indigo * Yellowbird - Enja / Soulfood
 
 

Es kann nur eine geben. Die beiden wohl berühmtesten Gypsy-Bands kreuzen die Instrumente: das unvermeidliche Duell um die Krone des Balkan-Brass wird von den Labelschmieden, die beide betreuen, augenzwinkernd angefacht, Asphalt-Tango hat fürs erste den Zuschlag fürs Album bekommen. Tusch! In der rumänischen Ecke mit Fanfare Ciocarlia die selbsternannt schnellste Blaskapelle des Balkans, ach was der Welt, aus Zece Prajini - Einmarsch zur eigenen Version des James Bond Themas. In der serbischen Ecke das soundtrack-erfahrene, generationenübergreifende Gypsy-Orkestar um Boban und Marko Markovic, Einmarsch zu einem zweistimmigen "Hava Nagila". Der musikalische Showdown auf der Bühne wird fürchterlich, wir wagen keine Siegerprognose. Nur das Publikum wird entscheiden. Livetermine:
http://www.asphalt-tango.de/fanfare/tour.html www.myspace.com/bobanimarko www.myspace.com/fanfareciocarlia

Liza da Costa und ihre Hotel Bossa Nova-Mannschaft werkeln weiter im namensgebenden Soundpektrum. Mit „Bossanomia“ ist der Jazzanteil stärker geworden, wohl nicht nur, weil man nun beim renommierten Münchner Jazzlabel Enja gelandet ist. Die portugiesisch-indische Sängerin, die auch Fado-Anklänge in petto hat und das Musiker-Trio Tilmann Höhn (Gitarre), Alexander Sonntag (Kontrabass) und Wolfgang Stamm (Schlagzeug & Percussion), das sich durchaus solistische Instrumental-Ausflüge leistet, bilden mittlerweile eine stilsichere Einheit. Abgeschlossen wird das Album mit seinen 11 Eigenkompositionen denn auch sehr selbstbewusst mit einer stimmungsvollen 15-minütigen Suite.
www.hotelbosanova.com
 
LIVE-TIPP




TIPP & LIVETIPP
 
 
 ROB - Funky Rob Way VINYL-TIPP
Joe Clausell - Hammock House - Africa Caribe
 
 Various Artists - Analog Africa / Groove Attack * Fania / Alive VINYLTIPP
 
 
Analog Africa präsentiert in seiner "Limited Dance Edition" zwei Afro-Reissues auf Cd & LP (auf einer ebenso limitierten Stecktaschen-CD zu Rezensionszwecken zusammengefasst): Zunächst die erste 1977er LP von Rob Rob "Roy" Raindorf, einem der schillerndsten Künstler aus Ghana. Afrikanische Rythmen mit Funk- & Soul-Elementen, für die wohl Otis Reading, James Brown oder Wilson Pickett Pate gestanden haben. Hernach das erste Album des auch an dieser Stelle schon orgestellten Orchestre Poly-Rythmo aus Benin (dem früheren Dahomey mit dem Zentrum Cotonou, gelegen zwischen den größeren Nachbarn Nigeria & Ghana. Soviel zum Inhalt , auch wir müssen Resourchen sparen.

Geht man nach der zusammengeschrumpften Stecktaschenfassung, die den Rezensenten zugedacht wird, könnte ''Hammock House: Africa Caribe'' produziert und abgemischt von keinem Geringeren als Joaquin "Joe" Claussell, eine durchaus lohnende Angelegenheit für Interessenten tanzbarer Musik aus anderen Kulturkreisen sein. Jeder Track aus den scheinbar uferlosen Archiven von Fania Records wurde von Claussell (nach seinem persönlichen "Indiana-Jones"-Entdeckermoment) in New York nicht im herkömmlichen Sinne nur editiert, sondern auf unterschiedliche Herangehensweise auseinandergenommen und teils neu aufgenommen und alternativ zusammengesetzt. Unter den neun Klassikern der ersten, vorliegenden CD (die in der Handelsfassung erklärtermaßen durch einen Live-Mix auf CD2 ergänzt wird) von Lou Perez, Celia Cruz, Eddie Palmieri, Mongo Santamaria und anderen, sei Ray Barretto´s (with a little help by JC) fantastische "Exodus"-Version hervorgehoben, die allein den Kauf rechtfertigt.

 

TIPP

 
 
 Lee Scratch Perry - Rise Again
 
 M.o.d. Technologies / Alive
 
 

"Rise Again" - Der mittlerweile 75-jährige Lee ''Scratch'' Perry hat offensichtlich keine Probleme, sich nochmal über das Reggae-Mittelmaß zu erheben. Der angeschrägte Exil-Upsetter hat auf dem neuen Abum 11, von keinem Geringeren als Bill Laswell auf den Punkt produzierte, Rootsvibe- und Dub-Tracks im Gepäck, die mit Hilfe einiger interessanter Studiogäste zustandekamen: TV on the Radio's Tunde Adebimpe, die grandiose äthiopische Sängerin Ejigayehu "Gigi" Shibabaw, P-Funk-Routinier Bernie Worrell, Toaster Hawkman, Saxophonist Peter Apelbaum, Drummer Hamid Drake oder den Matisyahu-Bassisten Josh Werner. Auch Sly Dunbar schaut mal rein - zum Plausch unter Ikonen. Perry präsentiert sich in bester Laune, weckt die Toten auf, versucht sich an der "African Revolution" sowie gar an "Dancehall Kung Fu" und preist japanisches Essen. Ein bisschen Space muß auch sein: "E.T." kommt zu Besuch. Willkommen im Kosmos von Lee Perry. www.lee-perry.com

 
TIPP
 
 
 Groundation - The Gathering Of The Elders
Professor - Madness
 
 beide: Naive / Indigo
 
 

"The Gathering Of The Elders" ist im Grunde ein Best-of-Album der in Kalifornien angesiedelten Reggae-Truppe um Sänger und Mastermind Harrison Stafford. Der Clou: den "Groundation"-Tracks aus den Jahre 2002 bis 2009 werden sogenannte "Introductions" über Gott & die Welt von jamaikanischen Roots-Elders wie Cédric Myton, Don Carlos, Ras Michael, Pablo Moses oder I Jahman vorangestellt, bevor die Herren, denen Stafford stimmlich eh nacheifert, dann als Gastvokalisten in Erscheinung treten. Was der von den Kompositionen eher weniger aufregenden Groundation-Tracks etwas mehr Abwechslung verschafft. Die Band tourt im Juni & Juli vor allem in Frankreich & Belgien. www.goundation.info

"Professor" Stafford wuchs in einem Rastafari-Umfeld auf, da seine Eltern den "12 Tribes of Israel" beitraten. Mit hier versammelten den acht Reggae-Songs seines Solodebüts über den Nahost-Konflikt würde er -vielleicht mit Ausnahme des Openers "Jah Sending Out" - musikalisch kaum jemand hinterm Ofen hervorholen, obwohl Schlagzeuger Leroy Horsemouth Wallace und Flabba Holt, Gründer der Roots Radics und Bassist bei Israel (sic!)Vibration, mit von der Partei waren. Da das Konzeptalbum auf Jamaika produziert wurde, fertigte Staffords Jugendfreund Rob Cross von jedem Track auch eine Dub-Version an, die alle dankenswerterweise ebenfalls auf dem Album berücksichtigt wurden. Dub-Fans hören also nicht nur in gleichförmigen Roots- Songs von Staffords´Reisen durch die West Bank und Israel (Der Sänger besuchte zehn Tage lang palästinensische Familien, u.a. in Hebron, Ramallah, und Jericho) sondern können auch im Hall der Versions baden.

 


 
 AfroLatin - via Dakar / via Kinshasa
 
 beide: Discograph / Alive
 
 

Mit zunächst zwei Folgen, Dakar und Kinshasa, geht die neue "Afro Latin"-Reihe von Discograph den Wurzeln von afrokubanischer Fusion auf den Grund. Gegen Ende der 40er Jahre begannen insbesondere Musiker aus den Hotelbands der westafrikanischen Küstenstädte und Knotenpunkte wie Saint-Louis, Dakar, Conakry, Abidjan, Cotonou, Porto Novo, Lagos, Douala oder Luanda exotische Seefahrer-Platten mit kubanischer Musik (meist Rumbas, die ja auf Freiheitstänzen afrikanischer Sklaven basierten) aus dem Gehör nachzuspielen und mit eigenen Zutaten und Jazzelementen anzureichern Dieser bemerkenswerte Reimport afrokaribischer Musik entwickelte sich bis zu den 60ern & 70ern zu einer florierenden Musikszene, auch im Inneren Afrikas, wo sich entlang Wirtschaftsadern wie dem Kongo ebenfalls das neue, alte Kulturgut verbreitete und ein Eigenleben entfaltete. Während auf der Dakar-Doppel-CD die üblichen Verdächtigen wie (Orchestre) Baobab, (Super)Etoile de Dakar oder Orchestre Dakar den Ton angeben, sind es auf der Kinshasa-Folge weniger bekannte Ensembles wie Franco-Ok Jazz- oder Grand Kallé-African Fiesta. Opulente Verpackung: Das Doppel-CD-Digipack enthält jeweils ein 24-seitiges Booklet mit vielen Coverabbildungen sowie französische und englische Linernotes von Florent Mazzoleni.

www.discograph.com

 


 
 
 The Rough Guide to... Bellydance / African Guitar Legends / Paris Lounge
 
 Various Artists - alle: World Music Network / Harmonia Mundi
 
 
 Zuguterletzt drei Empfehlungen aus der stets kompetent kompilierten und mittlerweile mit jeweils einer Bonus-CD oder -DVD ausgestatteten CDs der Rough Guide Reihe: Mehr unter... www.worldmusic.net !
1 Herausgeberin Anath Benais ist selbst renommierte Bauchtanztänzerin und -choreografin. Ihre Zusammenstellung vor allem ägyptischer Bellydance-Musiken ist aufgebaut wie ein Tanzstunde. Für die DVD überlässt sie Kollegin "Virginia" das Feld für einen "One On One"-Technikkurs. Viel Spass, meine Damen.
2 Das Feld der afrikanischen Gitarrenklänge ist mittlerweile weit. Congolesische Rumba, Mali-Blues, oder flirrende JuJu-Gitarren - Stars & Gruppen wie Ali Farka Touré, King Sunny Adé, Tinariwen oder Oliver Mtukudzi hat Kompilator Phil Stanton berücksichtigt - auf der Bonus-CD: Syran Mbenza & Ensemble Rumba Kongo.
3 Der omnipräsente Benjamin Biolay führt ein von Michele Amar zusammengestelltes Feld außerhalb Frankreichs noch weniger bekannter Namen an. Entdeckungen freuen da umso mehr. Die Bonus-CD ist ebenfalls einer eher untypischen Vertreterin einer behapteten "Pariser Lounge" gewidmet: Marianne Dissard, der in Arizona im Calexico-Umfeld musizeirenden Chanteuse.

 
 
  
 
 

Previous Issue: 4/5 - 2011 © cinesoundz
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