book 05-2013

    *soundtrack * pop *catalog * jazz * electro * world * audiobook * film * comic * book*

     Sebastiao Salgado - Genesis  
     Taschen BILDBAND-TIPP 
     
     

    Die unvergängliche Welt - noch gibt es sie. "Genesis" ist das dritte Langzeitprojekt des 69-jährigen brasilianischen Fotografen Sebastiao Salgado. Nachdem "Workers" (von 1993) das allmähliche Verschwinden traditioneller handwerklicher Arbeit weltweit und "Migrations" (von 2000) die durch Kriege, Unterdrückung, Hunger, Umweltzerstörung & Naturkatastrophen ausgelösten massenhaften Wanderungsbewegungen weltweit thematisierten, ist der vorliegende, 4 kg schwere Mega-Fotoband eine Hommage an die letzten verbliebenen, von der Moderne unberührten Orte der Erde. Wie Äthiopien, Galapagos, Antarktis, Amazonas, Alaska, Papua. Eisberge, Vulkane, Wüsten, Dschungel. Wale, Pinguine, Seevögel, Raubkatzen. Die letzten Naturvölker, die Korowai, die Zo´é, die Dinka. Auf über 30 Expeditionen über acht Jahre hinweg, anfänglich noch analog, später digital aufgenommen, sind die archaischen Panoramen, die aufwändigen Tierbilder & intimen Portraits in striktem, die Zwischentöne und Lichteffekte verstärkenden Schwarz-Weiss gehalten. Die große Geste ist bei Salgados Kritikern nicht wohlgelitten, gleichwohl wird sein dramatischer Inszenierungsstil auf den weltweit zum Buchprojekt angelaufenen, vom Londoner Natural History Museum ausgehenden Ausstellungen (bis Anfang 2014, allerdings bisher nicht im deutschsprachigen Raum) erneut ein großes Publikum fesseln. Die erläuternden Texte von Salgados Frau Lélia Wanick Salgado sind getrennt von den Fotos in einem umfangreichen Anhang zusammengefasst, dessen jeweilige Sprachversion zusammen mit Biografie & Werkliste praktikabel als Heft beiliegt.

    sr www.taschen.com

     



     
     
     Spex - Das Buch. 33 1/3 Jahre Pop 
     Metrolit 
     
     

    Nun formuliert der ehemalige (2007-2010) Chefredakteur Max Dax zu Beginn schon bewusst vorsichtig, "eines von mehreren möglichen Vorworten". Das vorliegende, von ihm und der Kollegin Anne Waak herausgegebene Buch mit seiner Auswahl an Texten aus "33 1/3" Jahren mit der polarisierenden Subkultur-Postille Spex wird ganz sicher nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen. Schließlich waren Diskurs, und intellektuelle Attitude Programm bei der in ihrer Blütezeit während der 80er führenden deutschen Musikzeitschrift aus Köln. "In der Spex wurden dem Leser Geheimwissen, die Uferlosigkeit universitärer Grammatik & abenteuerliche...Anglizismen zugemutet. Und im Zweifelsfalle...wurde behauptet." Wer sich als in jener Zeit adoleszenter Popinteressent später irgendwann von den kiloschweren Jahrgängen im Regal getrennt hat, stößt im Zuge der immerhin über 450 Seiten langen Nachlese auf die üblichen Verdächtigen - Lothar Gorris, Dirk Scheuring, Clara Drechsler, Gerald Hündgen, Jutta Koether und natürlich den berüchtigten Cheftheoretiker Diedrich Diedrichsen. Mengenmäßig gleichberechtigt findet jedoch auch die Phase von Gurk, Dath, Terkessidis & Co sowie die spätere Berliner Nachumzugsphase ihren Niederschlag.Nostalgische Sprachstudien anhand der "Musik zur Zeit. " sr www.spex.de www.metrolit.de

     

     
     
     Manfred Schmidt - Reisereportagen 
     Lappan Verlag 
     
     
    "Mit Frau Meier in die Wüste" - Wer Glück hat, findet solch verschmidste Reisereportagen zuweilen noch als antiquarisches rororo-Taschenbuch auf einem Hinterhof-Flohmarkt. Aus Anlass des 100. Geburtstages von `Nick Knatterton´-Schöpfer Manfred Schmidt gibt der Lappan Verlag eine Auswahl der in den 60er & 70er Jahren populären Reisetexte des selten rasenden, eher rastenden (& beobachtenden) Reporters aber auch erneut heraus - mit einem launigen Vorwort ("Mein Freund Manfred"). Dieses stammt von keinem Geringeren als Loriot, wie Schmidt einst Starnberger-See-Anrainer. Schmidt also kann hier wieder- oder neuentdeckt werden, hat er doch "ein rundes Dutzend Jahre" seines Lebens damit verbracht, "im Auftrage der Illustrierten `Quick´(und, was noch viel wichtiger ist, auf deren Kosten) in vieler Herren Länder herumzureisen." Manch Reisejournalist wird solch goldenen Zeiten nachtrauern (falls er sie überhaupt noch erleben durfte). In jedem Fall sorgt Schmidts Talent, das hier in Text & Bild floss, für nostalgische Kurzweil, wenn er beispielsweise, als ob er seinem Image als insbesondere den weiblichen Kurven zugeneigter Beobachter alle Ehre machen möchte, mit einem Report vom Sylter Nacktbadestrand einsteigt. sr 

     
     
     Hitchcock und die Künste / Was Sie schon immer über Kino wissen wollten
     
     beide: Schüren
     
     
     

    "Man does not live by murder alone". (Alfred Hitchcock) Der vorliegende Band ist eine Sammlung von Aufsätzen einer öffentlichen Ringvorlesung von 2011/2012 zum Thema. Die Bezüge nicht nur zur Literatur, sondern auch zur Bildenden Kunst, Theater, Architektur und natürlich zur Musik sind offensichtlich mannigfaltig und decken die Vielzahl der Interessen dieses obsessiven Universalgenies auf. Trotz populär-interdisziplinärem Ansatz driftet der Ton zuweilen ins Akademische, wie schon das mit Fußnoten gespickte Vorwort des Herausgebers Henry Keazor klarmacht. Doch das Durcharbeiten lohnt. Auch der Fan wird angesichts so dezidierter Themen wie "Kulinarik & Spannung im Werk von Alfred Hitchcock" - inklusive Fischrezepten(!) aus Filmen wie "The 39 Steps", "Family Plot", "North By Northwest" oder "Frenzy" - noch Einiges Neue entdecken können. Aus Filmmusik-Sicht besonders interessant: Claudia Bullerjahns Beitrag zur Forschung über Hitchs Zusammenarbeit mit nicht weniger als 26 Komponisten. sr www.schueren-verlag.de

    Weniger akademisch, aber gleichwohl mit einer Fülle von Details wartet Dr. Stefan Volks Band "Was Sie schon immer über Kino wissen wollten" auf, der aus der mittlerweile nach gut 120 Jahren überbordenden Filmgeschichte Einiges an so nutzlosem wie vergnüglichen Nerd-Fachwissen herausarbeitet. In loser Folge und ohne Anspruch auf eine zum Scheitern verurteilte Vollständigkeit widmet sich der Autor nach dem Intro mit Woody Allen (als Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor oder alles zusammen) Themen wie Body Doubles, Goofs (Filmfehlern), Flops, oder Scientology. Neben den Oscars haben die Goldenen Himbeeren ihren verdienten Platz (die des Jahrhunderts für Sylvester Stallone - für "99,5% of evth he´s ever done" und Madonna). 2011 schaffte es Adam Sandler als "Jack & Jill" sowohl die Himbeere für den männlichen als auch den weiblichen Part abzuräumen! Vergnüglich - nur die Illustrationen (Gestaltung Erik Schüßler) fallen ab. sr www.skandalfilm.net/

     


     
     
     Christoph Rehage - The Longest Way- 4646 Kilometer zu Fuß durch China 
     Malik / Piper 
     
     
    Nach seinem Filmstudium in Peking bricht Christoph Rehage am Morgen seines 26. Geburtstags mit Rucksack, Zelt und zwei Kameras zu einer Wanderung quer durch China auf – von der Hauptstadt im Nordosten bis Ürümqi im äußersten Westen des Landes. Dazwischen liegen Bergpässe, Millionenstädte unter Smogglocken, schwarz bestäubte Kohleabbaugebiete und die lebensfeindliche Weite der Wüste Gobi. Ein Jahr wird Christoph Rehage unterwegs sein. Er wird sich mit Blasen an den Füßen, Bienenschwärmen und Sandstürmen herumschlagen, sich verirren, beinahe erfrieren und dabei – des Chinesischen mächtig – viele seltsame, überraschende, amüsante zwischenmenschliche Erfahrungen sammeln. Auf seinem Weg fällt der wandernde Ausländer in China natürlich auf wie ein bunter Hund, als Autor hält sich Christoph Rehage jedoch im Hintergrund. Das ist Stärke und Schwäche des Buches zugleich: über seine Beweggründe und Emotionen erfährt der Leser wenig, dafür erhält er einen einzigartigen Blick auf das China von heute, auf die Mentalität und Hilfsbereitschaft vor allem der chinesischen Dorfbevölkerung. Wie Schnappschüsse reiht Christoph Rehage Landschaftsdetails, Gespräche, historische Exkurse und bizarre Beobachtungen aneinander – so vielseitig und interessant wie das Land selbst. www.piper.de/verlag/malik gb
     

     
     
     Michael Martin - In der Welt zuhause
     
     Malik / Piper 
     
     
    MM auf allen Kanälen. Gerade haben die 5 Folgen vom Martins ARTE-Produktion "Abenteuer Wüste" dem Kultursender gute Quoten gebracht, da steht bereits ein neues Buch des Wüstenspezialisten ins Haus, der diesmal "nur" als Herausgeber fungiert. Die Buchvorstellung in der Pasinger Fabrik in Anwesenheit von 14 der hier versammelten 20 Autoren hat die Redaktion leider berufsbedingt verpasst, doch die jedem ausgewählten Text vorangestellten Passagen lassen Martins gute Vernetzung und den Respekt für seine Abenteurer-Kolleg(innen)en ebenso deutlich werden. Denen wiederum bietet die Präsentation durch ihren bekannteren Kollegen eine willkommene Gelegenheit, die eigenen Reisevorhaben zu finanzieren. Meist Kurzweiliges also aus der Welt von (Motorrad-)Reiseverrückten von Ted Simon bis Doris Wiedemann. Nur die Schleichwerbung für das Online-Portal eines bekannten, wenn auch derzeit in Schwierigkeiten befindlichen deutschen Nachrichtenmagazins hätte sich der erfolgreiche Vortragsreisende & Buch-Autor sicher ohne größere Einbußen verkneifen können. www.michael-martin.de/ Verlagswebsite sr 
     
     
     Gerettete Landschaften 
     Rother Wanderführer - Bergverlag Rother 
     
     

    Ein auch für den bei seinen Autoren beliebten, stark spezialisierten Bergverlag Rother ungewöhnliches Projekt. Das Autorenteam Winfried Berner & Ulrike Rohm-Berner hat sich für diesen speziellen Wanderführer mehrfach zu Orten begeben, an denen mit viel Engagement Schlimmeres für bayerische Naturlandschaften verhindert wurde. Das beim gerade 100 Jahre Bestehen begehenden, für dieses Buch mit dem Verlag kooperierenden Bund Naturschutz in Bayern e.V. aktive Ehepaar dokumentiert mit den hier versammelten `40 Wanderungen zu Naturschutzerfolgen´ so zum Beispiel die zumindest vorläufige Rettung der Donauufer zwischen Straubing & Vilshofen, das Nein der Garmisch-Partenkirchener zur politisch gewollten erneuten Olympia-Bewerbung oder die Verhinderung eines Stausees im Ilztal an der Dießensteiner Leite. Diverse Karten und ein abschließendes Stichwortverzeichnis ermöglichen auch Rother-Neulingen eine zügige Orientierung. Für Bayern & Bayern-Interessierte ein sehr empfehlenswerter Leitfaden zu Orten, die es ohne den Einsatz entschlossener Naturschützer so wohl nicht mehr gäbe. www.rother.de www.bund-naturschutz.de/ sr

     

     
     
     

    Pierrre Bayard - Wie man über Orte spricht, an denen man nicht gewesen ist

     
     Kunstmann 
     
     

    Der Pariser Literaturprofessor und Psychoanalytiker lässt sich nach seinen Betrachtungen dazu, "Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat" nun aktuell zum Phänomen des Reiseberichts vom fernen Schreibtisch aus vernehmen - insbesondere jenem, dem keine Reise an den beschriebenen Ort vorausgegangen ist. Anhand berühmter - soll man sie `Vorbilder´ nennen? - wie Marco Polo oder Karl May wird geistreich darüber reflektiert, ob anhand des, in früheren Jahrhunderten viel extremer, drohenden Unbills auf Reisen der Weise nicht besser zu Hause bleiben sollte. Wurde Cook nicht schließlich auf irgendwelchen fernen Inseln massakriert? Ein Kapitel ist Jules Vernes Figur des sich stetig fortbewegenden und doch nicht reisenden Phileas Fogg aus "In 80 Tagen um die Welt gewidmet. Und öfter geht es um die essayistische Figur des "sesshaften Reisenden". "Es ist nämlich keineswegs erwiesen, dass Reisen das beste Mittel ist, eine unbekannte Stadt oder ein Land zu erkunden - ganz nach Baudelaires Gedicht "Die Reise": Doch Bayard nimmt "Mit welch bitterem Wissen Reisen uns erfüllt."... sr www.kunstmann.de


    Butter bei die Fische
    Mare Buchverlag

    Der Redaktion trotz Wertschätzung des dem Verlag vorangegangenen monothematischen Magazins erst Jahre nach Veröffentlichung & mehr durch Zufall in die Hände gefallen, sei auf diesen etymologischen Abstecher ins Maritime einfach außer der Reihe kurz mal hingewiesen. "Butter bei die Fische" von Rolf Bernhard Essig geht Redensarten & Sprichwörtern auf den Grund - über Marine, Mythen & Meer. Derer gibt es allzu viele (für den hier zur Verfügung stehenden Platz), doch wird schon beim Titel deutlich, dass oft mehr als vermutet in den täglich gebrauchten Wortfolgen steckt: Wer sich früher Butter zum Fischgericht leisten konnte, war automatisch wohlhabend, denn dieses Aufstrichfett war ein Luxusgut. Als später auch einfache Leute zunehmend Butter auf dem Tisch hatten, verschob sich der Tenor der Redewendung dahingehend, das fehlende Etwas zum kompletten Ganzen zu umschreiben. Nicht alles zündet in diesem feuchten Forschungsterrain, doch für Meer- wie Sprachinteressierte gibt es jede Menge Entdeckungen auf den 190 Seiten. sr www.mare.de

     


     
     
     Merian Porträts: München / Dublin / New York 
     Travel House Media  
     
     

    Keine konventionellen Reiseführer: Jeweils 20 Biographien sollen den in dieser im Leineneinband wertig aufgemachten Taschenbuch-Reihe präsentierten Metropolen Konturen verleihen, denn "die Lebensgeschichten ihrer Bewohner prägen die Identität einer Stadt." Angefangen beim heimatlich "leuchtenden" München mit, das trotz Märchenkönig Ludwig II., Schriftstellerpabst Thomas Mann, Malerfürst Franz Marc, Staatsintendant August Everding oder Komikerlegende Karl Valentin scheinbar nicht ohne Fußball auskommt: "Ein `Kaiser´ aus Giesing". auskommt. Über das ehemalige Armenhaus Dublin mit seinen berühmten Söhnen Arthur Guiness (der mit dem Bier), Oscar Wilde (der mit dem ausschweifenden Lebenswandel), Bram Stoker (der mit dem einen Roman) oder den Töchtern Maureen O´Hara (rote Haare) & Sinéad O´Connor (keine Haare - bis auf die auf den Zähnen). Bis hin zum sich chronisch überschätzenden "Big Apple" New York mit seinen bigbig names à la Rockefeller, Gershwin, Armstrong, Bernstein, Warhol oder de Niro. Beatle John Lennon wird mal eben eingemeindet - viele Künstler, dafür kein Sportler oder Architekt. 20 out of...eine subjektive Auswahl, das war ja klar. 3 Beispiele aus den ersten 8 der auf 30 Titel angelegten Reihe...Durchgängig gute Idee: die Zeitleiste und ein kleiner Stadtplan mit markierten Orten aus dem Leben der Protagonisten. sr

      
     

    James Bond Taschenbücher Cross Cult

    Zwei Jahre für James Bond. Cross Cult schiebt den ersten drei Ausgaben weitere Bände der mit vom Waliser Pop Art-Grafiker Michael Gilette neu gestalteten Umschlägen versehenen deutschen Ausgabe der James Bond-Taschenbuch-Bibliothek (im UK bei Penguin) nach. Diesmal am Start: "Diamantenfieber", "Liebesgrüße aus Moskau" und "Dr. No", nach dem der erste Teil der legendären stilprägenden Filmreihe entstand. Die teils erheblichen Freiheiten, die dort gegenüber den Romanvorlagen von Ian Fleming inszeniert wurden, können auch hier nachverfolgt werden - in der Übersetzung von Stephanie Pannen & Anika Klüver - ungekürzt und mit den ursprünglichen Kapitelabschnitten und -überschriften. Stay tuned. Alle weiteren Cover unter: www.cross-cult.de/titelliste/serientitel/james-bond.html sr

     
     
     
      
     
     Previous Issue: 3/4 - 2013 © cinesoundz 2013

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