electro 08-2013

    * soundtrack * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * film * book *
     

    Tosca - Tlapa The Odeon Remixes / Maur Due & Lichter - This Night Was Meant To Stay

     
     K7 / Alive * Las Vegas / Broken Silence  
     
     

    „Ich finde es immer spannend, was herauskommt, wenn andere Leute unsere Musik remixen", meint Richard Dorfmeister. Tosca, also Dorfmeister & Rupert Huber haben auch an ihr sechstes Studioalbum Odeon, das mit einer düsteren Ambient-Note versehen war, von verschiedenen Kollegen Hand anlegen lassen. "Tlapa" ist das Ergebnis und "mindestens 80 Prozent von dem, was ich bekam, war gleich beim ersten Mal gut.“ Zum Beispiel der "Bonjour Reshape" des New Yorker Produzenten Brendan Moeller, dessen Remix entstand, während Hurricane Sandy Manhattan zu schaffen machte. Friends & Family wie Rainer Trüby (klar, 11 Minuten "Stuttgart", Rodney Hunter oder Makossa & Megablast sind dabei. Mit den ebenfalls befreundeten Madrid De Los Austrias bearbeitete Dorfmeister höchstselbst noch einmal „In My Brain Prinz Eugen“. Aber auch neue Gesichter wie Silver City aus Buenos Aires/London kommen zum Zug und im AFG-Remix von „Cavallo“ klingts ganz der weanerisch fatalistisch "Jeder tragt sein Unglück durch die Gegend, des losst sich ned vermeidn..." Dann doch besser mit der eigenen Musik zum Remixer-Kumpan um die Ecke.

    Nochmal Wien. Vom ersten Bier in der WG über den Club bis zum frühmorgendlichen Heimweg: Thema des zweiten Albums der Multi-Instrumentalisten Mauricio Duda & Daniel Lichter ist die Chronologie einer durchfeierten Nacht: "This Night Was Meant To Stay". Maur Due & Lichter bewegen sich mit den elf Szenenbildern weiter vom Indiepop-Sound in Richtung Club & Electronica. Durch FM4-Airplay und gefeierte Sets in vornehmlich Wiener Locations hat das Produzenten-Duo ihre Fanbase bereits vergrößern können und wird Ende September auch auf dem Reeperbahn-Festival in Hamburg auftreten.

    www.marduelichter.com

     

    LIVETIPP

     
     Kon - On My Way / Myele Manzanza - One  
     beide: Bbe / Alive
     
     
     
    1- "Thanks to my Mother (r.i.p.) for taking her lil´ man to the Club every Saturday night back in 1979-80 and rollerskating like we did. For waking me up by playing at full volume Chic, Rufus & Chaka (Khan),B-52´s, George Benson, Petenders a.o...." Alles klar? Weitere Einflüsse väterlicherseits: "Thanks for playing that drums that got me hooked." Dann noch der Dank an Grandma, "for buying me that mixer in 1985.It changed my life. " Vinyl-Junkie Kon rollt auf der Rückseite von "On My Way" sein Leben auf. Im Club an der Seite von Amir eher für HipHop bekannt, setzt der Mann hier mehr auf Synthie-Disco-Dancefloor unter Verbeugung in Richtung Earth, Wind & Fire. Nicht schlecht, nur teils etwas vorhersehbar. Play »You Don’t Know« (feat. Ben Westbeech). 2- Der Drummer der neuseeländischen Band Electric Wire Hustle tritt für sein erstes Soloalbum hinter seinem Schlagzeug hervor. Um auch hier die Herkunft zu klären: Das Trommeln hat der 25-jährige von seinem Vater, dem kongolesischen Meister-Drummer Sam Manzanza gelernt, seit der 14 ist, klopft er auf Felle ein. New Zealand School of Music, 2008er Diplom in "Jazz Performance". Mit u.a. Olmecha Supreme, Sheba Williams, The Recloose Live Band im Studio und viel international auf Tour. An Plätzen wie Berlin, New York und Wellington hat MM Inspirationen für "One" gesammelt. Fusion Anno 2013. Play "Absent" feat. Bella Kalolo. 

    www.bbemusic.com
     
     
     Black Label Vol.5 
     Various Artists - Compost / Groove Attack  
     
     
    "A sophisticated Little bastard of a DJ-Mix..." Seit 2005 bereichert die "Black Label"-Serie des Münchner Labels Compost die Clubszene mit neuen Tracks zwischen House, Techno und Disco. Nun, bei der mittlerweile fünften Folge, wird zum ersten Mal der Kompilator herausgestellt: "compiled & mixed with love and Passion by Thomas Herb", dem Co-Host der Black Label Clubnächte im Harry Klein bzw im Bob Beaman seit vier Jahren. Herb gehört zur Compost-Biz-Mannschaft und auch zur Künstlerfamilie von Compost- `Head Honcho´ Michael Reinboth. `In the mix´ diesmal Tracks von bewährten Fachkräften wie Phreek Plus One, Osunlade (dessen Marbert Rocel-Remix der Favorit der befragten Kollegen war), Friends & Label-Weggefährten wie Muallem oder Rainer Trueby sowie Black Label-Newcomern aus dem letzten Jahr wie Emil Seidel, Philipp Stoya oder Emilie Nana. www.compost-rec.com 

     
     
     Atjazz - More Than A Remix / Terry Hunter - The Sound of Bang TIPPS 
     Various Artists - R2 Records / Alive * Bbe / Alive  
     
     

    1- Don´t Forget where you´re coming from. Auch Martin 'Atjazz' Iveson folgt der guten Tradition, sich auf der CD-Rückseite artig & ausgiebig bei seinen Eltern zu bedanken, die seinen Werdegang ermöglicht haben. "I write Music becaise I know Little else, my Music is made from the heart." Nachdem er im Hardcore Underground der 90er Erfahrungen sammeln konnte, steht Atjazz nun für Soulful House & NuJazz-beeinflusste Dancetunes auf der Höhe der Zeit. Die Bandbreite seiner Remixe von 1997 bis 2012, von King Britt & Bob Sinclair bis Minday Michiru & The Rah Band sind auf dieser gleich drei CDs umfassenden Box ausgebreitet. Play the Opener - Boddhi Satva mit "Who Am I" im Atjazz Love Soul Remix or the follow up or the next track...

    www.atjazz.co.uk


    2- Dj, Producer & Remixer Terry Hunter ist eine der Landmarks im Soulful House seiner Heimatstadt Chicago, deren Skyscraper-Zentrum das Cover ziert. Seit "Wonderful" mit Sängerin Terisa Griffin von 2007 ist er zunehmend als Remixer gefragt, Projekte mit Marsha Ambrosius, Babara Tucker, Avery
    Sunshine, oder Kenny Bobien liefen neben der steigenden Zahl von DJ-Gigs round the Globe, sowie seit 2011 wöchentlich im Shrine Club in Sweet Home Chicago mit seiner Partyreihe "Bang Sunday", deren Sound hier auf zwei CDs gefeatured wird. Prominete Gast-Djs wie Louie Vega, Black Coffee, Joe Caussell oder Josh Milan schauen da gern vorbei. "Bang is a state of mind, a state of sound, a state of dance". Check it out.

     

     
     
     Maya Jane Coles - Comfort / Kölsch - 1977  
      I/Am/Me - Kobalt * Kompakt / beide: Rough Trade TIPP! 
     
     

    Maya Jane Coles hatte die freie Auswahl. Alle großen Major-Label hatten die Scheckbücher gezückt, doch die künstlerische Freiheit auf dem eigenen Label war der 25-jährigen Britin mit den zur Hälfte japanischen Wurzeln mehr wert. Ihr im Alleingang im Homestudio eingespieltes Debüt wurde nach einer durch Remixe, Internet- und Pressehype befeuerten Vorgeschichte seit 2010 sehnsüchtig erwartet - und erfüllt die hohen Erwartungen durchaus. Dabei lässt sich die Künstlerin, die als Vorbilder Jimi Hendrix oder Joni Mitchell angibt, nicht festlegen: "Es ist einfach Musik, die aus mir herauskommt, ohne dass ich über bestimmte Genres nachgedacht habe. Ich will nicht nicht auf die Dance-Szene festgelegt sein." Mit Vielseitigkeit & melodischer Finesse unterstreicht MJ Coles´ "Comfort" eindrucksvoll, warum sie als die derzeit aufregendste Produzentin (immer noch selten im Genre) gehandelt wird. Illustre Gäste wie Tricky, Miss Kittin oder Kim Ann Foxman veredeln ein durchweg gelungenes Top-Album, dessen Artwork die Künstlerin ebenfalls selbst entworfen hat. Play All Tracks. www.mayajanecoles.com

    Kölsch ist kein Künstlername, Rune Reilly Kölsch aus Dänemark heißt tatsächlich so. Das heimatbewusste, gerade 20 Jahre alt gewordene Kölner Label, auf dem mit "1977" aktuell eine Sammlung früher Highlights & neuer Tracks des erscheint, mochte sich den international renommierten Werbeträger jedenfalls nicht entgehen lassen. Einige Singles hatte man eh schon gemeinsam an den Hörer gebracht. "Goldfisch", "Opa", "Basshund", "Der Alte", "Bappedeckel" oder "Silberpfeil" - die sämtlich deutschen Tracktitel beziehen sich auf RRKs Erinnerungen an seine Kindheit hierzulande. Musikalisch hohe Trefferquote. Minimal, aber melodisch. Play Tracks 1-3, 5, 8, 9. Check out www.kompakt.fm/releases/1977 - auch wegen geplanter Live-Daten noch im Sommer..

     

    TIPP

     
     
     Chasing Kurt - From The Inside TIPP / The Green Man - Sound Power  
     Suol / Rough Trade * Basswerk / Groove Attack TIPP 
     
     

    Chasing Kurt, das sind Pascal Blanché, Wojtek Kutschke & Lukas Poloczek - erstere zwei sind langjährige Deep House-Afficionados, letzterer ein manischer Soulsänger (& bislang Barkeeper). Das ungleiche Trio aus Gießen (of all places) fabriziert zunächst einzelne Tracks wie die Ballade "Daydream", oder "Money", das von Maya Jane Coles (s.o.) für ihre DJ-Kicks-Mix-Compilation ausgewählt wurde. Auf "From The Inside", dem Debütalbum von Chasing Kurt, greifen die Housebeats des Produzenten-Duos und Poloczeks seelenvoller Gesang dann endgültig ineinander. Teils klingt das tatsache "Heavenly". Play Tracks 1-4, 6.

    www.chasing-kurt.de www.suol.com

    Drum & Bass is not dead. "Bass Music der neuesten Generation mit viel Seele", das sollen die 30 Stücke von "Sound Power" nach dem Willen von Produzent Heiner Kruse alias The Green Man (TGM) rüberbringen. Mal minimal, mal D&B munter mit Ingredenzien aus Dubstep, Soul, Techno und Hip Hop versetzend. Auch Ambient-Flächen & Soundscapes setzt TGM als Atempause zwischen den schnelleren Tracks gern ein. Dass noch eine unvermutete Seite in Kruse schlummert, zeigt auch der gesellschaftlich-politische Rundum-Appell im Booklet - mit dem Fazit: "Und bestimmt schadet es nicht, regelmäßig ein bisschen Drum & Bass zu hören." Am Mikro dabei UK-Vocalists wie Peter Bouncer ("I'm a Junglist", Ex-Shut Up & Dance), Demolition Man ("Fire"), MC Navigator von den Freestylers ("Mo Fire"), Mystic Dan oder Ras Abraham - Abteilung "word, sound & power". www.basswerk.de www.thegreenman.de www.heinerkruse.de

     

     
     
     Get Lost VI  
     Various Artists - Crosstown Rebels - !K7 / Alive LIVETIPP 
     
     

    Die sechste Folge der interessanten Get Lost-Compilation-Serie aus dem Hause Crosstown Rebels wurde von Pop- & Remix-Exot Orlando Higginbottom aka Totally Enormous Extinct Dinosaurs (TEED) angerichtet. Der vom Jungle kommende britische Individualist, dessen Debutalbum "Trouble" vor einem Jahr an dieser Stelle gewürdigt wurde, mixt hier Tracks mit den Ingredenzien Leftfield-Electronica, Indie-Dance, Disco- & Tech-House. Auf der mit Deutsche Wertarbeit, Underground Resistance & Richard H. Kirk fulminant startenden CD2 funktioniert das noch etwas besser als auf der großteils eher verhaltenen ersten Scheibe. Play Tracks I-12,13,16. II- 1-6, 11, Auch als Download & Vinyl erhältlich. http://totallyenormousextinctdinosaurs.com/ Live ist TEED u.a. für das Berlin Festival im September angekündigt.

     

     
     
     A Reminiscent Drive - Zoom Back Camera 
     Peacelounge Recordings / Alive  
     
     
    Diese `Anthology´-Doppel-CD enthält einer Auswahl der besten Tracks aus den beiden Alben, den vier EPs und einigen bislang unveröffentlichten Titeln von A Reminiscent Drive. Bekanntere Stücke wie "N.Y.C. Dharma", "Life Is Beautiful", "Two Sides To Every Story" und natürlich "Ambrosia" werden Deja-Vu´s auslösen, unbekanntere für neue Entdeckungen sorgen - so das Kalkül . Die Auswahl von "Zoom Back Camera" ist autorisiert von ARDrive-Mastermind Jay Alansky, der auch für die Fotografien und Art Direction verantwortlich zeichnet. "A Reminiscent Drive war für mich ein Moment der absoluten Freiheit. Die späten 90er und der `elektronische Boom´ waren eine ideale Möglichkeit um in den akustischen Weiten so...zu experimentieren wie ich wollte. 'Electronica' war zu dieser Zeit eine abenteuerliche Reise, ein psychedelischer Trip wie in den 60ern." Heute ist der Mann auf Facebook: www.facebook.com/pages/A-Reminiscent-Drive/327043927327092 2CD only - kein downlioad oder stream! 

     
     
     Kitsuné - Soleil Mix 2 / la Nuit 6 
     Various Artists - Kitsuné * Embassy of Music / Warner  
     
     

    Soleil zum zweiten. Ein hübscher Sommermix ist Gildas "Kitsuné" Loaec & Jerry Bouthier vom Pariser Musik- und Modelabel da von der Hand gegangen. Eine nette elektropoppige Clubhour kann man hier mit (teils sogar brandneuen) Tracks von Two Door Cinema Club, Yelle, Tiny Dragons, Jbag (mit dem exclusiven "Mogadisco"), Hot Chip oder Roosevelt verbringen. Unter etablierte Acts mischen sich auch unkonventionelle Newcomer. Allerdings können auch geschmackssichere Franzosen offensichtlich irren - zweimal ist zwischen zwei Tanzschritten Innehalten angesagt, da sich süßlicher Leichengeruch in den Trockeneisnebel mischt & die Untoten von Modern Talking vorbeihuschen. Verwarnung an Kamp! aus Polen und Rot für The Swiss aus Österreich. Hallo? So dicht kann in der Anrainer-Disse doch niemand sein, jetzt ein MT-Revival auszurufen? Andererseits, erlaubt ist, wo das Tanzbein zuckt und hier liest sich sogar der Waschzettel vergnüglich: "Like Happy Mondays remixed by Belgians - this track had to go in." Da verzeiht man vieles.

    Sie suchen noch nach der passenden Musik zum Floaten in der Luxus-Grotte? Als deutsche Alternative zu den Genre-Dickschiffen "Cafe del Mar" und "Hotel Costes" versteht sich die 2006 an den Start gegangene Warner-Compilation-Reihe „La Nuit“, die mittlerweile auch schon die sechste Folge erreicht hat. Mit dabei sind diesmal u.a. Wankelmut, Robyn, Lana Del Rey, Chris Malinchak, Moby, Bonobo, Digitalism oder - als Rausschmeißer - das große Vorbild (s.o.) José Padilla. Früher wurde "La Nuit" mal zusammengestellt vom üblichen Verdächtigen DJ Jondal, der den Job aber zwischenzeitlich abgegeben hat. Sowohl chillig-loungig als auch housig-groovig findet man Vol.VI auf der Major-Website. Na pfundig. Und jetzt abschalten. Darum ging´s ja.

     



     
     
     Basement Freaks - Funk From The Trunk / Dinky D - Dimension D / Flavia Coelho - Bossa Muffin 
     Jalapeno / Groove Attack * Visionquest / Alive * Discograph / Harmonia Mundi 
     
     1- Basement Freaks zweites Studioalbum "Funk From The Trunk" hält, was der Titel verspricht. Die volle Breitseite P-Funk & Hip Hop-Beats im Gepäck, wird vom Opener "A Thang Blues" bis zum letzten Track des Albums "The Last Train" im funky flow durchgeschwitzt. Produzent George Fotiadis´Finessen ("Gib mal die Vuvuzela rüber"), der "extraterrestrische" Gesang seines Kollegen Georges Perin sowie Gastauftritte von Mustafa Akbar von Nappy Riddem, Charlie Funk und MC Rayna halten den Motor auch über 14 Etappen am Laufen. www.basementfreaks.net
    2-
    Alejandra Del Pilar Iglesias Rivera alias Dinky hat sich nach Releases auf Cocoon oder Ostgut glatt 3 Jahre für ihr fünftes Album Zeit gelassen - eine Genre-Ewigkeit. Nun meldet sich die klassisch ausgebildete gebürtige Chilenin mit Wohnsitz in Berlin mit "Dimension D" & zwölf neuen Tracks zurück: Dinky ist von der reinen Club-DJane zur Sängerin & Songwriterin gereift (und ließ Ehemann Matthew Styles koproduzieren, der auch einen Remix zur Single “Falling Angel” beigesteuert hat): "Ich denke nicht, dass Singen & Songschreiben und Club Music strikt getrennt sein müssen, als wären es zwei unterschiedliche Planeten." Stimmt. Play Tracks 3,4 www.dinkyland.org/
    3- 12 Remixes & Ineditos gibt es hier als lohnenden Nachschlag zu "Bossa Muffin",Flavia Coelho erstem Album. Beteiligt: Tom Fire (u.a. MC-Solaar-Produzent), DMC-Vizeweltmeister DJ Ordoeuvre, Reggaeton-Fan DJ Kayalik vom Massilia Sound System, die "Königin des Drum'n'Bass" Elis do Brasil sowie die Flavia-Produzenten bzw. -Toningenieure: Victor Vagh alias Torvatz und Leodog. Play Tracks 2,6, 11, 12. www.discograph.com
     
     
     
      

     
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