pop-rock 08-2013

    * soundtrack * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * film * book *
     White Lies - Big TV / David Lynch - The Big Dream  
     Polydor / Universal * PIAS / Rough Trade  
     
     

    Big. Groß soll es sein. Große Gefühle und ebensolche Melodiebögen. Das dritte Album der White Lies greift tief in die Pathoskiste. Das Londoner Trio um Sänger Harry McVeigh, das schon mit ihrem Debüt 2009 die Pole Position der UK-Charts eroberte, wurde der Zielgruppe hierzulande u.a. durch Auftritte im Vorprogramm von Coldplay bekanntgemacht. Album Numero Zwo schwächelte dann etwas - "Big TV" wurde wieder produziert von Ed Buller (u.a. Suede) und diesmal in Brüssel (of all places) aufgenommen. Sphärische, verhallte Klänge & hymnische Gesänge, 80s-Feeling galore. Zwei Instrumentals begeben sich gar in den "Space" - in der Vinylausgabe kommt das auffällige Astronauten-Cover-Gemälde von Michael Kagan auch besonders gut zur Geltung. Das Ganze ist auch als Limited Deluxe Edition mit zusätzlichen Demo-CD erhältlich. Hier liegt allerdings die Normal-Version zugrunde. www.whitelies.com

    Auch David Lynch hat bekanntermaßen große Träume. Der Kultfilmer hat nach seinem Musik-Debüt "Crazy Clown Time" offenbar Blut geleckt und schrieb für "The Big Dream" gleich elf der zwölf Album-Titel selbst - einzig "The Ballad of Hollis Brown" ist ein Dylan-Cover. Verfremdete, gedehnte Gesänge, verhallte Gitarren und angeschrägter Blues - auf Albumlänge wirkt der eine oder andere im Asymmetrical Studio mit Dean Hurley zusammengebastelte Track allerdings eher wie "Twin-Peaks"-Outtake-Material. Hardcore Lynch-Fans mag das genügen, für den Rest ist vor allem der penetrante Beatbox-Einsatz eher ermüdend, zumal sich auch kein Hit wie "Good Day Today" abzeichnet. Einen Bonus Track gibt es, der mit einem der CD beiliegendem Code heruntergeladen werden kann, aber auch als Mittelstreifen-Road-Clip auf YouTube steht: Das in der Tradition der Zusammenarbeit mit Julee Cruise stehende "I'm Waiting Here" entstand mit der schwedischen Elektro-Songwriterin Lykke Li und wird der parallel erscheinenden LP als 7``-Single beiliegen. www.davidlynch.com

     



     
     
     Mayer Hawthorne - Where Does This Door Go To 
     Republic / Universal TIPP 
     

    Mit seinem dritten Album stand Mayer Hawthorne immerhin vor der Aufgabe, einen adäquaten Nachfolger zu "How Do You Do" aus dem Ärmel zu schütteln. Das gelingt denn auch, sogar ohne bisherige Markenzeichen wie Hornbrille und Motown- & Retro-Soul-Vorlieben. Auf "Where Does This Door Go" hat der Mann aus Michigan insbesondere Steely Dan ("Back Seat Lover","The Stars Are Ours") und seine Detroiter Hip Hop-Einflüsse wiederentdeckt, streut aber auch Referenzen an Earth Wind & Fire ("Reach Out Richard"), 10cc (beim Titeltrack) oder gar die Beatles ("All Better") ein. Für die eklektischen Einflüsse mag auch eine Vielzahl prominenter Gäste mitverantwortlich sein: Pharrell Williams, Jack Splash, Greg Wells, John Hill oder Jake One sind hier vor oder hinter dem Mischpult mit von der Partie. Das Album erscheint parallel als Deluxe Edition mit 2 CDs & 4 Bonustracks sowie als Doppel-LP.

    New Order - Live at Bestival 2012 PIAS Uk - Sunday Best / Rough Trade

    "We´re New Order - obviously." Während sich die verbliebenen Ikonen um den frakturgeplagten Bernard Summer aktuell auf US-Tournee befinden, wurde den zahlreichen Bootlegs von Live-Auftritten der Band gerade ein - offizieller - Mitschnitt des letztjährigen Auftritts vom Bestival 2012 hinzugefügt. Über 50.000 frenetische Zuschauer sorgten für einen angemessenen Rahmen auf der Isle of Wight, wo zuvor (2011) auch The Cure ein amtliches Live-Album mitgeschnitten hatten. Das von der UK-Presse trotz klanglicher Abstriche hochgelobte Set beinhaltet Joy Division-Klassiker wie "Isolation " oder "Love Will Tear Us Apart" ebenso wie maßgebliche New Order Hits á la "Blue Monday", "The Perfect Kiss" oder "Bizarre Love Triangle". Peter Hook, seit 2007 ausgestiegen, wird gleichwohl schmerzlich vermisst. Die Erlöse aus dem Album gehen an den gemeinnützigen Isle of Wight Youth Trust. www.sundaybest.net http://newordernow.net/

     


     
     
     Sola Rosa - Low & Behold, High & Beyond / Jackson & his Computerband - Glow 
     Agogo / Alive * Warp / Rough Trade TIPP 
     
     

    Dass `down under´, in Neuseeland, Reggae-Rhythmen hoch im Kurs stehen, ist bekannt - siehe. aktuell die Wellingtoner Ensembles Fat Freddy´s Drop oder The Black Seeds). In deren Gefolge waren bisher auch Sola Rosa unterwegs, die auf dem immerhin schon fünften Studioalbum jetzt allerdings andere stilistische Schwerpunkte setzen wollen. Schwere Beats deuten in Richtung Hip Hop und Soul ist auf "Low & Behold..." geradezu allgegenwärtig. Gäste wie Ex-Roots Manuva-Recke Spikey Tee, Olivier Daysoul (u.a. Hudson Mohawke), L.A. Mitchell oder Ned Worboys (NZ) erledigen die Mikro-Jobs manierlich, am Produzentenpult verdingte sich Yaron Fuchs, der schon bei so unterschiedlichen Acts wie Kings of Leon oder Public Enemy gedient hat und mit Mastering-Spezialist Ricardo Gutierrez für den knackigen Sound der vorliegenden Scheibe verantwortlich zeichnet. Reinhören lohnt! www.solarosa.com

    Jackson and his Computerband sind das Projekt des Parisers Jackson Fourgeaud, dessen Debut „Smash“ im Dunstkreis bekannterer Kollegen von Daft Punk bis Alex Gopher 2005 international etwas unterging. Die Ed Banger-Posse kassierte die meisten Lorbeeren für seine verzerrten Sound-Visionen und Meister Jackson zog sich zunächst in den Schmollwinkel zurück. Nach Jahren der Schrauberei gibt es ein neues Lebenszeichen - mit "Glow" erscheint gleich ein ganzes Album auf Warp. Elektrobretter wie "Blood Bust", Psychedelisches und ein gelegentlicher Hang zum Bombast sind Monsieur Fourgeaud dabei geblieben.Auch für kommende Konzerte ist einiges in Planung: „Die Live-Show wird mit dem Publikum in Echtzeit bestimmt werden...Schweiß und Stahl für eine blitzende Raserei.“ Mittlerweile ist das Set Sonar-geprüft. Weitere Termine? Check out www.jacksonandhiscomputerband.tv

     


     
     
     Tythe - & Also With You 
     PIAS UK - Sunday Best / Rough Trade  
     

    Tythe ist das Pseudonym des Londoner Produzenten Julian Peck. Das Rezept für sein spätes Sommeralbum "& Also With You": Vielfältige Elektrosounds, etwas Krautrock-Atmo in der Art von Neu! oder La Düsseldorf, Balearic Beat und Café-del-Mar-Sunset Vibe, ein sparsamer Schuß Hip Hop und des öfteren wie beim Alan Parsons Project abgeschaute Passagen mit reichlich verhallten Chören - wie bei "Totem Poles". Beim sechsminütigen Abschluss-Instrumental "Motorik": Intro mit Soundscape, New Order geschuldete Gitarre- & Bass-Klänge übernehmen bis zum Schluss mit Meeresrauschen. "Summerbelly" mit den Vocals von Merz aka Conrad Lambert hat gar ein gewisses Hitpotential (wo bleiben die Remixe?). Play Tracks 2,3,11 www.tythe.co.uk/

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     Tunde Baiyewu - Diamond In A Rock 
     Neapolitan - Waking Dreams / Rough Trade  
     
     
    Tunde Baiyewu, Ex-Frontmann des während der 90er notorischen britischen Hitparaden-Duos Lighthouse Family macht sich daran, die zwischenzeitlich brachliegende Solo-Karriere wieder anzuschieben. Von vier Top-Ten-Alben und Singles wie "Lifted" mit dem nötigen Kleingeld versorgt, versucht es der im UK geborene, aber in Nigeria aufgewachsene Musiker nun abseits der 2010 noch für ein Comeback reaktivierten Major-Partnerschaft mit Lighthouse-Partner Paul Tucker. Dafür schrieb TB´s langjähriger Weggefährte Sebastian Rogers an den neuen Songs mit und fungierte als Produzent für "Diamond In A Rock". Mit voller künstlerischer Kontrolle und Indie-Label-Deal soll das in Portland mit lokalen Musikern aufgenommene Album den Weg zurück zu Baiyewus Songwriter-Wurzeln markieren. Der Titeltrack ist dabei auch die erste Singleauskopplung für den deutschen Markt. www.tunde.co.uk 

     
     
     These New Puritans - Field of Reeds / Cat Empire - Steal The Light 
     PIAS UK - Infectious * Wrasse / Harmonia Mundi  
     
     

    Zunächst eine Referenz an einen ganz großen Jubilar der U-Musik: Burt Bacharachs „This Guy’s In Love With You“ bleibt allerdings bis zur Unkenntlichkeit verfremdetes Fragment. Die britischen Art-Rocker TNP um Jack Barnett haben mit dem dritten Album "Field Of Reeds" das Label gewechselt, bewegen sich soundmäßig aber weiter zwischen Indie-Pop, Kunstlied, Avantgardeklängen und Neoklassik. Wie um popsozialisierte Hörer nicht zu überfordern, folgt hier auf ein forderndes meist ein eher zugänglicheres Stück, um die Hörer nicht zu überfordern. Auf dem in mehreren intensiven Sessions 2012 von Graham Sutton (Bark Psychosis) mit Barnett co-produzierten und von Mark 'Spike' Stent (u.a. Depeche Mode & Oasis) gemischten Album findet sich zudem Beiträge von Gästen wie dem britischen Jazz-Trompeter Henry Lowther, der portugiesischen Jazz-Sängerin Elisa Rodrigues, dem dänischen Komponisten Micel van der Aa oder dem schwedischen Filmmusiker Hans Ek. Play Tracks 2, 4.

    Die mittlerweile auch schon seit 10 Jahren aktivem Multikulti-Australier von Cat Empire haben auf ihrem sechsten Studioalbum einen munteren neuen Cocktail aus Funk, Reggae-, Latin-, Ska, HipHop- und Jazz-Elementen angerührt. Durch intensive, meist mehrstündige Live-Performances hat sich die sechsköpfige Band um Sänger und Songschreiber Felix Riebl auch im deutschsprachigen Raum schon ein Publikum erspielt. Zudem war "Steal The Light" vor kurzem Album der Woche auf Deutschlandradio Kultur. Katzenmusik, die den Globus umspannt.

    http://thecatempire.com/

     


     
     
     Jagwar Ma - Howlin 
     PIAS UK - Marathon Artists / Rough Trade  
     
     

    Manchen vielleicht als Tour-Support von The xx schon ein Begriff, unternimmt das australische Duo Jono Ma & Gabriel Winterfield nun den nächsten ernsthaften Karriereschritt. Das Debütalbum "Howlin´" verbindet nostalgische, zuweilen an die Beach Boys erinnernde Song- & Gesangs-Elemente mit late80s/90s-Madchester-Rave, moderner Minimal Studiofinesse und gelegentlichen hymnischen Psychedelic-Popbögen á la MGMT. Aufgenommen wurde das alles im beschaulichen Norden Frankreichs ("cycling in fields of sunflowers, growing caveman beards & going crazy in the Studio..."), gemischt aber in der Tanz-Hauptstadt Berlin - von Ewan Pearson. Getourt wird mittlerweile natürlich auch wieder - in Europa vornehmlich auf Festivals. Check out: https://www.facebook.com/JagwarMa

     

     
     
     Myron & E - Broadway 
     Stones Throw / Groove Attack TIPP 
     

    Das neue Stones Throw- Soul-Duo aus Kalifornien hat auf ihrem Debüt gleich Nicole Willis' Soul Investigators im Rücken. Was nicht von ungefähr kommt: Die Timmion-Records-Haus-Band hatte mit Myron & E (aka Eric Cooke) in den letzten Jahren bereits Singles wie "Cold Game", "Pot Club", "It's A Shame" oder "On Broadway" aufgenommen, letztere ist denn auch Titellieferant für das vorliegende, in trans-atlantischer Kooperation zwischen Finnland & Westcoast entstandene, stimmige Retro-Soul-Album. "Wir pflegen eine sehr enge Verbindung zum klassischen Soul", so Myron (Glasper), "... die großartigste Musik aller Zeiten."

    www.facebook.com/MyronandE

     

     
     
     We Are Tony - Seven Kinds Of Crazy / Lilly Wood & The Prick - The Fight TIPP 
     Membran / Sony * Cinq7/ Wagram 
     

    Sind wir nicht alle ein bisschen Tony? Das von Hamburg aus operierende Quintett um Sänger Tony Potts aus Seattle zelebriert auf seinem Debüt gleich sieben Arten des Wahnsinns (die so auch im Dictionary und im Booklet zu finden sind). "Für uns steht der Name für ein Lebensgefühl..., das sich nur durch Musik ausdrücken lässt. Ein bisschen steckt darin auch: einer für alle, alle für einen." Für das gemeinschaftliche Songwriting aller 13 Tracks von "Seven Kinds Of Crazy" bilden Urban Pop und Vintage Soul meist den ansprechenden Genre-Rahmen. Play Track 11, "Come My Way" (Duett mit Kim Sanders). http://wearetony.de/info/

    Der erste Track klingt verdammt nach Sophie B. Hawkins. Dabei kommen die israelischstämmige Sängerin Nili Hadida und ihr musikalischer Partner, Gitarrist Benjamin Cotto aus Paris und haben als Lilly Wood & The Prick in Frankreich schon Popstar-Status: Ihr 2010er-Debütalbum "Invisible Friends" erreichte gleich zweifachen Goldstatus, ihre Songs sind begehrtes Futter für Werbespots zahlungskräftiger Firmen, ihre Konzerte ausverkauft. Das abwechslungsreiche zweite Album des Duos, "The Fight", könnte nun auch Deutschland erobern, denn Stücke wie "Middle Of The Night", "Let s Not Pretend" oder "California" haben Klasse, Radio-Appeal und eine gewisse Westcoast-Sonnigkeit. Nili Hadidas, wie gesagt Sophie B nicht unähnliche, Stimme ist dabei ein Glücksfall. Das Album enthält einen Bonustrack ("Song To My Grandma" und sechs Remixe. www.lillywoodandtheprick.com

     



     
     
     Mélissa Laveaux - Dying Is A Wild Night / Askehoug! - Je Te Tuerai Un Jeudi / Petting - Joli Garcon VINYL-TIPP  
     Naive / Indigo * Le decor de l´enver LIVE-TIPP * Waterfall / beide: Broken Silence 
     
     

    Dreimal französischer Pop zum Ausklang.

    1- Gleich ein Tipp: Die haitianisch-kanadische Sängerin Mélissa Laveaux mausert ihren Sound vom akustischen und World Music-Folkentwurf ihres 2006er Debüts zu einer vielseitigen Santigold-verwandten Pop-Variante des Jahres 2013. Das eklektische, in Frankreich entstandene "Dying Is A Wild Night" lohnt das Durchhören. www.facebook.com/melissalaveauxoff 2- Gainsbourg und Alain Bashung lassen grüßen. Der charismatische Askehoug-Trio-Bandleader Matthieu Aschehoug leitet seine Mitstreiter, Bassist James Sindatry & Drummer Nico „le K“, durch ein textlich leicht abseitiges („Je te tuerai un jeudi“ - ich werde dich an einem Donnerstag töten), musikalisch abwechslungsreiches, rockig-chansonneskes Album. Ob jazzige Flötentöne Orgelflächen, Disco-Beats oder Streicherarrangements - über allem stets der präsente Sprechgesang von Monsieur A. www.askehoug.com Am 6.9. live in Berlin, im Dezember dann live im Rahmen der Franco Musiques Tour. 3- Abschließend eine Fête de la Musique-Entdeckung. Mais oui, die Berliner Insider-Band Petting mag es retro-francais. Überwiegend - englische Texte kommen zur Auflockerung auch vor. (Mobylettes-)Gitarrist & Songschreiber Peter Weiss führt die Band um die algerisch-stämmige Sängerin Malika Ziouech im poppigen 60´s- France-Gall-Tribute-Sound. Muntere Mod Music inklusive Horn Section für die nächste Party. www.pettingberlin.de/petting.html Auf Track 7 "Chérie Chérie" lässt gar Blondie grüßen - en Francais. Und: Der Vinyl-Fassung ist gleich noch die CD beigelegt. Was für ein Format-Service --> Vinyl-Tipp.

     
     
      

     
     Previous Issue: 6/7 - 2013 © cinesoundz 2013

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