catalog 10-11-2013

    * soundtrack * crossover * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * audiobook *
     The Clash - Hits Back 
     Music on Vinyl / Cargo VINYL-TIPP! 
     
     

    London ruft mal wieder. Nicht, dass der Backkatalog der musikalisch reifesten (Post)punk-Combo über die Jahre vernachlässigt worden wäre. Obwohl sich das Clash-Meisterwerk "London Calling" seit Jahren als "Best Price"-Angebot in allen erdenklichen Outlets findet, bastelten Sony-Profis in Ost & West aus dem weit verzweigten Ouevre einige sehens- & hörenswerte Reissue-Packages, von denen hier nur die Japan-Cardboard-Versionen noch einmal lobend erwähnt seien. Im Vinyl-Sektor wurden die wichtigsten Alben in der hier öfters belobigten "Music on Vinyl"-Reihe wiederveröffentlicht - nur folgerichtig, dass auch die aktuelle Best-of-Kopplung "Hits Back" sich hier als schwarze Doppelrille findet - parallel zum CD-Release. Zusammengestellt von den überlebenden Mitgliedern (`Mick, Paul & Topper´) nach der von Strummer ausgetüftelten Running Order des Gigs im Brixton Fairdeal vom 10. Juli im Rahmen der Casbah Club-UK-Tour 1982. Sechs sorgfältig verpackte LP-Seiten, die wenig Wünsche offen lassen. Als Trostpflaster für alle Fans, die sich den ultimativen Catalog-Hieb "The Clash Sound System" (auf CD) derzeit nicht leisten können oder möchten - und natürlich für Die Hard-Vinyl-Anhänger. www.theclash.com

     
     
     
     Mutazione / Metal Dance 2  
     beide: Various Artists - Strut / Alive 
     
     

    Elektrifizierte Musik aus Italien abseits von Progrock, Italo-Disco oder Goblin-Soundtracks? Die hier auf zwei CDs versammelten Kostproben aus den schwer politisierten 80ern erweitern das bisher von den Musicisti bekannte Klangspektrum erheblich. Compilatore Alessio Natalizia (WALLS), mit dessen Ecstatic-Label Strut von nun an enger zusammenarbeiten wird, bringt zumeist düstere Wave- & Postpunk-Klänge, DIY-Underground-Elektronik, Noise und Experimentelles ans Licht. Da wird aus besetzten Toskana-Häusern heraus aufgenommen und nur auf limitierten Kassettensamplern veröffentlicht. Der Anruf der Roten Brigaden, wo die Leiche von Aldo Moro zu finden sei, wird gesampled (Laxative Soul), Doris Norton präsentiert Apple gesponsorte 84er-Sound-Software und die Stimme AdolfNazis übt auf die Künstler von La Maison offenbar ihren Reiz aus. Die CD Version (parallel als mp3) enthält neben vielen Fotos, Artworks und Fanzine-Pages auch Liner Notes der Musikjournalisten Pomini & Campo vom Rumero Magazin.

    Doris Norton ist auch beim zweiten hier vorgestellten Doppelalbum mit von der Partie. So ungewöhnlich ist das nicht, präsentiert auch der Nachfolger zu Trevor Jacksons "Metal Dance" doch im Sound "Mutazione"-Verwandtes aus der gleichen Periode, aber meist tanzbarer und aus anderen Territorien. Industrial, New Wave & EBM sind wieder Programm und unter populären Namen wie Propaganda, Tuxedomoon, Skinny Puppy, Visage, Ministry, Front 242, Godley & Creme, YMO´s Harry Hosono oder Liaisons Dangereuses, die die italienischen Kollegen sicher des Öfteren inspiriert haben dürften, sind auch kalt glitzernde Fundstücke von weniger bekannten Metallklang-Fabrikanten, deren Vocals gern auch mal deutsch oder japanisch daherkommen. Lohnend.

     

     
     
     Letour 7 / Bonheur & Mélancholie 
     Various Artists - Local Media / Alive * Soundcolours / Soulfood  
     
     

    So wohlwollend an dieser Stelle der `Tour de France´-Party-Erfolg samt der angeschlossenen Compilations gewürdigt wurde, angesichts der (verflixten?) siebten Folge erlahmt (bei uns) der Tour-Spaß etwas. Diesmal ist es Thomas Bohnet & Co. nicht oft gelungen, wirklich Herausragendes aus dem frankophonen Output der letzten Zeit zu fischen - nimmt man den wie meist substantiellen Benjamin Biolay und den abschließenden sehr hübschen Track von Éléphant einmal aus. Der Großteil der Stücke schunkelt sich ohne Höhepunkte nur irgendwie midtempo-indiepop-studentenfetenmäßig ein und kann zuweilen - wie der Hello-Merlot-Hello-Opener oder Oldelaf aka Olivier Delafosse im stetigen Singalong-Modus auch mal kräftig nerven. Vielleicht geht uns auch nur derzeit das Franzosen-München-Kombi-Gen ab, schließlich konnte den Autoren auch der neueste Phonoboy-Streich von Monsieur ´öck nicht wirklich begeistern.

    Doch französische Mucke ist eben sowas von en vogue. Auch Blank & Jones, die bisher bekanntermaßen auf den Balearen und anderswo wilderten, kompilieren ob diverser Sommerurlaube bei den Galliern nun auch jenseits des Rheins alles, was nicht bei drei auf dem Arbre ist. Die oben gelobten Éléphant sind auch hier mit von der Partie (mit einem nicht ganz so guten Track), ansonsten greift das Duo meist auf Benjamin Biolay & Umfeld zurück. Wer tatsächlich Sébastien Telliers siebeneinhalb Minuten "La Ritournelle" noch nicht im Regal oder auf Festplatte abrufbar hat, mag hier hinlangen, denn wirkliche Ausfälle leistet sich dieses Produzenten-Duo selten. Der Compilation-Titel lässt allerdings auch erahnen, dass hier wieder kein Nummer-Sicher-Cliché ausgelassen wird, bis hin zum verschwommenen Eiffelturm im Cover-Hintergrund. Hinter die eigene Versuchsanordnung zu "Comment Te Dire Adieu" in Klammern "Version Définitive" zu setzen, zeugt von turmhohem Selbstvertrauen - oder eben von "Finest in French Pop"-Höhenkoller.

     

     
     
     Lowell George - Thanks, I´ll Eat It Here 
     Music on Vinyl / Cargo VINYL-TIPP 
     
     
    Darüber, dass mit dem frühen Herzinfarkt von Little Feat-Seele Lowell George die Musikwelt ein noch nicht ausgereiztes Riesentalent verlor, waren sich 1979 die meisten Kritiker einig. Der bei vielen Kollegen beliebte Schwergewichtler stellte nach seiner Trennung von der Band einzig das Soloalbum "Thanks I'll Eat It Here" fertig, das als sein musikalisches Testament gilt. In der jetzt veröffentlichten Music on Vinyl-LP-Version kommt das aufwendige Covergemälde von Neon Park besonders zur Geltung und der Betrachter erkennt die Hommage an Manet's "Frühstück im Grünen"´- jetzt haben sich Bob Dylan, Marlene Dietrich und Fidel Castro im Moos niedergelassen. Auf dem komplett durchhörbaren Album sind der Steely-Dan-nahe Opener, das groovige "Honest Man" oder Jimmy Webbs "Himmler´s Ring" im 30´s Style hervorzuheben. Auch die Version von "I Can´t Stand The Rain" kann sich hören lassen. Schade um diesen Soul Man, hätte er mal ein bißchen besser auf sich geachtet. 

     
     
     Irie Irie 
     Various Artists - Crs / in-akustik  
     
     

    Irie Music, irie Price. In der Tat sehr günstig gepreiste, über das Crs-Label ganz untypisch bei in-akustik gelandete Roots-Reggae-Kopplung. Deren Protagonisten aus der zweiten bis dritten Reihe werden im Vertriebsjargon gleich zu "Reggae-Superstars" erhoben, was den gestandenen Kollegen Glen Washington, Brinsley Forde, Chezidek, Appel Gabriel, Don Carlos oder Everton Blender ebenso neu sein dürfte wie den immerhin realistischer als Newcomern bezeichneten Heartbeat-Labelkollegen wie Natural Roots oder Lloyd De Meza. Läuft so durch - ohne grobe Störungen, aber auch ohne Highlights. Was war jetzt nochmal der Anreiz, sich daraufhin in den auf den Innenseiten angepriesenen Alben-Katalog zu vertiefen?

     
     
     
     Sunday In Bed No. 6 
     Various Artists - Clubstar / Soulfood 
     
     

    Das oft totgesagte Lounge-Genre mit seiner Vielzahl an Compilations während der 90er schwimmt munter weiter im Regal-Mainstream mit. Zumal bei Kompilatoren wie den Gebrüdern Schmidt, ihres Zeichens 25 Records-Beauftragte, für die aktuelle "Sunday In Bed"-Folge 6 auch seelenvolle Titel von Roy Ayers, den Four Tops, Mayer Hawthorne, George Benson oder Ronny Jordan Eingang ins Tracklisting finden. Ob´s dafür 15-jährige Models mit Knicknäschen im Laken auf dem Cover braucht, sei der Beurteilung des Pädophilie-Beauftragten einer Partei Ihrer Wahl überlassen. Verpackungstechnisch geht es natürlich noch weit schlimmer. Vom anfangs musikalisch gar nicht mal so weit entfernten genre-verwandten Machwerk KuschelLounge2, wo immerhin Air, Morcheeba, Vanessa Paradis, Thievery Corporation oder Grace Jones aufgeboten werden, bevor das Konzept auf CD 2 den Bach runter geht, kann hier leider aus sanitären Gründen kein Cover abgebildet werden.

     

     
     
     Welcome To The Robots Vol.2 
     Various Artists - Embassy of Music / Warner 
     
     

    Dem "So 80´s"-Erfolg wollte man bei Warner nicht einfach tatenlos zusehen. Wenn man den dämlichen Titel und die Jahrmarktsmalerei-Verpackung mal außen vor lässt, empfiehlt sich diese 80´s "Synthie-Pop & New Romantic"-Mix-Kopplung (als Nachfolger der "Electro Pioneers" aus dem Vorjahr) vor allem über die - im Gegensatz zum lahmen Vorgänger mit jeder Menge B- & C-Material - die recht schmissige Trackauswahl. Auf den zwei CDs mit insgesamt 36 Tracks findet sich doch so Einiges, was die Zeit sehr passabel überdauert hat. Zum Beispiel Anne Clarks "Sleeper In Metropolis", B-Movies "Nowhere Girl", Soft Cells "Torch" oder Roxy Musics "Same Old Scene". Oder zumindest als Eighties-Genreheuler seine Zeit hatte wie Animotions "Obsession", Talk Talks "It´s A Shame" oder Blancmanges "Loving On The Ceiling" und beim Wiederhören der jeweiligen 12``- und Extended-Mixe ´guilty pleasure´ aufkommen lässt. www.welcometotherobots.com

     

     
     
     Bob James - One  
     Music on Vinyl / Cargo VINYL-TIPP! 
     
     
    Klar, dieses lange Zeit sehr gesuchte Fusion Jazz-Album gibt es inzwischen auch fürs ganz kleine Geld als mp3-Datei. Doch was ist das gegenüber der jetzt dank Music on Vinyl wiedererstandenen analogen Klangpracht. 1974 stand Keyboarder & Arrangeur Bob James schwer unter dem Einfluss klassischer Musik. Seine auf "One" enthaltenen Bearbeitungen von Pachelbels allgegenwärtigem Kanon (mit Mundharmonika und mehr als leicht cheasy) und Mussorgskis wild-schneidender "Nacht auf dem kahlen Berge" haben im Genre einige inspiriert - manchen wird vielleicht David Shires vergnügliche, aber deutlich abgekupferte Disco-Version vom "Saturday Night Fever"-Soundtrack in guter Erinnerung sein. Auch "Soulero" bewegt sich (freier) auf der Basis von Ravels Bolero, der Opener "Valley of the Shadows" mit seinen Chören, "Nautilus" und die Smooth-Jazz -Version von "Feel Like Makin´Love" sind weitere Highlights.
     

     
     
     Berry Gordy - It Moves Me - The Crystals - Twist Uptown 
     beide: Various Artists - Soul Jam Records / in-akustik 
     
     

    Hier begann die Story von Hitsville USA. Die Soul Jam-Compilation "It Moves Me", betitelt nach einem von Eddie Holland 1959 eingesungenen Stück von Berry Gordy, beleuchtet die Anfänge der von Gordy gegründeten Partner-Labels Tamla & Motown. In dieser Phase agierte der Firmengründer als Mädchen für alles, u.a. auch als sehr aktiver Songwriter. 30 seiner Kompositionen, unter ihnen der Millionenseller "Shop Around" sind hier versammelt, interpretiert von Ensembles wie den Miracles (feat. Smokey Robinson), den Marvelettes, oder den Temptations und natürlich den Supremes (den späteren besten Pferden im Stall) oder Solisten wie Jackie Wilson, Marvin Gaye, und Little Stevie Wonder. Gordys Strategie als Musikunternehmer, die gesamte Wertschöpfungskette in einer Unternehmung zu bündeln, diente als Vorbild für die gesamte Musikindustrie. Folgerichtig würdigte der Vorsitzende der Songwriters Hall of Fame, Jimmy Webb (s.o. BG als `innovator & visionary. He created a Label, but more than taht he created a genre. He pioneered a marketplace for African American artistry and invited the world to enjoy it." True.

    Einer weiteren einflussreichen Persönlichkeit in der Musikszene der frühen Sechziger ist die Songsammlung der Crystals auf dem gleichen Label - indirekt - gewidmet. Ohne ihren stilprägenden Produzenten Phil Spector war der Erfolg der farbigen Vocal Quintetts um Lead-Sängerin Barbara Alston (das nach Mary Thomas´ Ausscheiden als Quartett weitermachte, nicht denkbar (auch wenn man so dem ebenfalls wichtigen Arrangeur Jack Nizsche Unrecht tut, der hier allerdings nur auf 3 Tracks gecredited ist). Bald nach der Beendigung ihrer gemeinsamen Arbeit ebbte der Erfolg der Crystals ab, bis zum vorläufigen Split der Gruppe 1967.

     



     
     
     

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