crossover 10-11-2013

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     Sebastien Tellier - Confection 
     Record Makers / Alive 
     
     

    Ruhige Pianoakkorde und eine weibliche Opernstimme begrüßen den Hörer beim kurioserweise als Intro fungierenden Track "Adieu". Nicht dass man Kuriositäten bei Sébastien Tellier, dessen Styling seit seinem Beitrag zum Eurovision Song Contest 2008 immer noch irgendwo zwischen Frank Zappa & Borat rangiert, nicht gewohnt wäre - zwei "Curiosa" betitelte Tracks werden auch auf "Confection" gereicht. Der Künstler lässt auf seine - rein kommerziell mäßig erfolgreiche - abgespacete blaue Phase nun ein mehrheitlich instrumental-besinnlich gehaltenes, scorenahes Album mit viel Klavier- Streichereinsatz (Arrangements von Emmanuel d´Orlando). folgen. Ausnahme ist das dreigeteilte "Amour Naissant", das stark dem bekanntesten Tellier-Track nacheifert: Tony Allen an den Drums hätte es für diese Art von am Kitsch entlangbalancierender Musik kaum gebraucht, aber so hat man eben die "La Ritournelle"-Mannschaft wieder an Bord - Robin Coudert bedient diverse Keyboards, u.a. bei einem albernen Synthie-Zirkuswalzer und Philippe Zdar (Cassius) war für den Mix verantwortlich. Für das Face-Bondage-Cover des Albums wurde Jean-Baptiste Mondino bemüht. Anfang November ist es soweit.

     

     
     
     Ryuichi Sakamoto - Three 
     Decca / Universal TIPP! 
     
     

    Für "Three" knüpft Ryuichi Sakamoto zusammen mit einem alten Bekannten, dem brasilianischen Cellisten Jaques Morelenbaum und einer neuen Kollaborateurin, der jungen kanadischen Violinistin Judy Kang, an sein 1996 ebenfalls in der Besetzung Klavier, Cello & Geige aufgenommenes Album "1996" an. Jüngere Filmmusik-Parts wie aus "Death of a Samurai" oder das brandneue Stück "Still Life in A" sind hinzugekommen. Es gibt aber einige Überschneidungen im Repertoire, die nun interessante Vergleiche ermöglichen (“The Last Emperor”, “Bibo No Aozora”, “Merry Christmas, Mr. Lawrence” oder “High Heels”). So tritt der der damaligen Latin-Leichtigkeit der Interpretation heute eine gewisse klassische Strenge gegenüber. Die Streicher spielen langsamer, mit weniger Vibrato und Sakamoto setzt die Akkorde am Piano akzentuierter. Beide Ansätze haben ihren Reiz. Seelenvolle Kammermusik, die nachklingt. Auch als Deluxe Edition incl. Bonus-DVD erhältlich.

     

     
     
     Wagner Transformed 
     Various Artists - Label / Intergroove 
     
     
    Im letzten Drittel des Wagner-Jahres tut sich veröffentlichungstechnisch noch Einiges. Neben konventionellen und retrospektivischen Neueinspielungen aus dem Oeuvre Richard Wagners kommen zum 200. Geburtstag nun auch genreübergreifende Interpretationen seiner Musik auf CD heraus. Bevor Mitte November ein Apolyptica-Live-Album mit dem MDR Sinfonieorchester erscheinen wird, veröffentlicht Intergroove die vorliegende Annäherung an den nicht unumstrittenen musikalischen Erneuerer. Der Frankfurter Komponist & Musiker J. Peter Schwalm widmete sich Wagner unter dem Aspekt, wie dieser
    heute wohl die technischen Möglichkeiten moderner Studiotechnik umsetzen würde. Dabei versucht er mit befreundeten Musiker(innne)n wie Pianistin Christine Schütze, dem norwegischen Gitarristen Eivind Aarset und keinem Geringeren als Brian Eno Wagners Musik (Passagen aus "Siegfried", "Tristan & Isolde", Parsifal" oder "Tannhäuser") per Arrangements für Piano, E-Gitarre und Electronics in die Neuzeit zu transportieren. Mit Eno arbeitete Schwalm bereits am Filmscore zu Nicolas Winding Refns (geflopptem) Film "Fear X".
     

     
     
     Shostakovich - The Execution of Stepan Razin et al. 
     Various Artists - Ondine/ Naxos 
     
     
    Der russische Komponist Dmitri Shostakovich komponierte neben seinen bekannteren Orchesterwerken auch diverse Filmmusiken, die 2009 an dieser Stelle bereits Erwähnung fanden. Auch auf der aktuell vorliegenden CD mit der Einspielung der erst 1964 an der Zensur vorbeikomponierten, knapp halbstündigen dramatischen Kantate um den Kosakenführer Stepan (ursprünglich Stenka) Razin findet sich als Ergänzung Scoremusik: symphonisches Orchester inklusive Chor für "Zoya", einen Partisanenfilm aus dem Jahr 1944. Aus fünf der erhaltenen 20 musikalischen Szenen stellte Shostakovichs Vertrauter Lev Atomvyan eine Suite zusammen, die hier vom State Choir "Latvija" und dem Helsinki Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Vladimir Ashkenazy interpretiert wird. Diese Besetzung führt in der Ausstattung zum einer international eher seltenen zweisprachigen Textversion für das ausführliche Booklet: die Texte sind englisch und - finnisch. 

     
     
     Rachmaninov - The Bells, Symphonic Dances 
     Various Artists - Warner Classics  
     
     
    Jüngste Veröffentlichung von den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle: Nichts aus dem deutschen Fach, sondern des für seine Klavierkonzerte gerühmten Rachmaninovs facettenreiche "Sinfonische Tänze" - melodisch und rhythmisch aus dem reichen Fundus russischer Volksmusik schöpfend (obwohl erst 1940 in Amerika komponiert) - eine vielseitige Bilanz des Schaffens des Komponisten, der drei Jahre später verstarb. Die "Glocken" von 1913 spielten die Philharmoniker unter Rattle erst 2012 zum ersten Mal, hier unterstützt vom Rundfunkchor Berlin und drei osteuropäischen Solist(inne)n: Luba Orgonasova (Sopran), Dmytro Popov (Tenor) und Mikhail Petrenko (Bass). Dieses Werk basiert auf einem Gedicht Edgar Allan Poes von 1845, ein weiterer Brückenschlag Rachmaninows zur vom Komponisten geschätzten amerikanischen Kultur: In vier Sätzen erklingen Schlittenglöckchen, Hochzeitsglocken, Alarmglocken und Totenglocken, ganz wie im Leben.  

     
     
     Berliner Philharmoniker  
     Various Artists - Warner Classics  
     
     
    Seit Sir Simon Rattle Anfang des Jahres bekanntgegeben hat, die Leitung der Berliner Philharmoniker nicht über 2018 hinaus wahrnehmen zu wollen, wird über mögliche Nachfolger diskutiert und spekuliert. Aufgrund der auch für den langfristig ausgerichteten Klassikbetrieb reichlichen Vorlaufzeit, die der Brite sich, dem Orchester und der Öffentlichkeit gegeben hat, eine möglicherweise noch bewegte Geschichte. Alle Gast-Dirigenten diesseits der 70 kommen schließlich als Kandidaten in Frage. Die vorliegende Box mit sechs CDs kann als kleine Bestandsaufnahme für die Zwischenzeit verstanden werden. Im stabilen Cardboard mit Ausschnitt-Ansichten des 56er-Philharmoniebaus von Hans Scharoun verbergen sich Aufnahmen der Orchester(aufnahme)generationen unter den bisherigen Chefdirigenten: Arthur Nikisch (eine sozusagen prähistorische Aufnahme von Beethovens Fünfter von 1913), Wilhelm Furtwängler (Tchaikowsky & Brahms), Herbert von Karajan (von Mendelssohn bis Sibelius), Claudio Abbado (Hindemith, Mozart & Verdi) und eben Rattle, von dem neben der Zehnten von Maler noch eine Art "Best of" mit Repertoire von Bernstein, Dvorak, Brahms, Mussorgsky/Ravel, Satie/Debussy und Elgar als Extra-CD beiliegt.  

     
     
     The Complete National Anthems 
     Various Artists - Marco Polo / Naxos  
     
     

    Wieviele Nationalhymnen können Sie in ihren Grundzügen zumindest nachsummem? Das Deutschlandlied und vielleicht auch "Auferstanden aus Ruinen"? Sicher (als Berliner zumindest) die der früheren "Westmächte", als da wären "God Save The Queen", die "Marsellaise" und das "Star Spangled Banner". Wieviele würden Sie passiv erkennen? Vielleicht die getragene russische Hymne oder das sehnsuchtsvolle japanische "Kimigayo"? Auch an dieser Nische Interessierte werden nur einen Bruchteil der in dieser neuesten Editions-Box mit ihren 10 CDs enthaltenen Nationalhymnen der ganzen Welt überhaupt schon gehört haben. Die in Arrangements von Dirigent Peter Breiner mit dem Slovak Radio Symphony Orchestra eingespielten Tracks umfassen meist jeweils zwei Aufnahmen: die vollständige Hymne und eine auf etwa eine Minute verkürzte Version für die Olympischen Spiele und andere internationale Wettbewerbe. Es dominieren Marschweisen und westliche Klänge, nur erstaunlich selten fließen ethnische Elemente ein. Ebenfalls enthalten sind die Hymnen einiger Minderheiten, die der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und des Internationalen Olympischen Komitees. Im 48-Seiten-Booklet die zugehörigen Flaggen, Namen, Komponisten und, obwohl es hier nur instrumentale Versionen gibt, Text-Dichter sowie ein knapper Informationssatz. Ausführliches Tracklisting www.nationalanthems.info

     

     
     
     

    Emanuel Pahud & Christian Rivet - Around The World /
    Gitarre & Cello - Reise nach Norden

     
     Warner Classics / Moon Sound Records LIVE-TIPPS  
     
     

    Emmanuel Pahud, seit der Zeit unter Chefdirigent Claudio Abbado Soloflötist bei den Berliner Philharmonikern, wurde an dieser Stelle bereits mit seinem Album "Flöten-König" zur Musik am Hofe Friedrichs des Großen vorgestellt. Damals von Trevor Pinnock und der Kammerakademie Potsdam begleitet, hat sich der schweizerisch-französische Virtuose diesmal den Gitarristen Christian Rivet als Partner ausgesucht für seine musikalische Weltreise (zu sich selbst) - durch Repertoire von Bartok und Händel, aber auch von Toshio Hosokawa, Astor Piazolla und Ravi Shankar. Rivet steuert zudem die 5-teilige Komposition "Clap" bei. Im Herbst stehen vereinzelte Konzert-Termine mit dem "Around The World"-Programm an, am 10.10. ist Pahud auch an der Isar: mit dem Münchner Kammerorchester & Alexander Liebreich und em Programm "Jolivet & Boulez" im Prinzregententheater.

    Ein weiteres Duo, was im Graubereich zwischen Folk-, World- und klassisch geprägter Filmmusik auf die Reise geht - in der gleich zum Ensemblenamen erkorenen Aufstellung Gitarre & Cello. Ania und Matthias Strass haben länger für und mit anderen Künstlern gespielt, um es nach einer musikbegleiteten Lesung spontan zu zweit zu versuchen. Eigene Kompositionen dominieren, schon weil es für diese Kombination wenig ausgewiesenes Repertoire gibt. Matthias Strass hat Erfahrung mit Theater-Produktionen, Filmmusik und Hörspielen, hat an Lehrbüchern mitgearbeitet und Stefan Gwildis, Alexander Klaws oder Mike Krüger live unterstützt. Ania ist an Klavier und Cello klassisch ausgebildet. Als Mitglied einiger Orchester hat sie u.a. bereits mit Ennio Morricone aufgenommen und in Theater- und Musical- Produktionen gespielt. Im Oktober und November kann man Gitarre & Cello mit ihrer Klang-Reise nach Norden live erleben. Aktuelle Konzerttermine www.gitarre-cello.de

     



     
     
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