crossover - jazz 12-2013

    * soundtrack * crossover/jazz * pop/rock * catalog * electro * world * x-mas *
     Jun Miyake - Lost Memory Theatre-Act1 Fumio Yasuda - On The Path of Death and Life 
     Enja - Yellowbird / Soulfood * Winter & Winter / Edel TIPP! 
     
     

    Fünf Jahre sind ins Land gegangen seit "Stolen From Strangers", dem letzten regulären Jun Miyake-Album, drei seit "Ludic´", der Kooperation mit der in Tokyo lebenden französischen Sängerin Sublime. "Was, wenn es ein Theater gäbe, wo all die verlorenen Erinnerungen hinfließen. Was für Musik würde dort gespielt werden? Dieser Gedanke beschäftigt mich seit längerem und ich glaube, es ist Zeit, dieses Theater zu realisieren, da unzählige Erinnerungen in Japan durch den Tsunami verlorengingen." Mit dieser Ausgangsidee faszinierte Multi-Instrumentalist Miyake auch Wim Wenders, der für sein "Lost Memory Theatre" die Liner Notes beisteuerte. Der Terumasa Hino- und Berklee-Schüler Miyake erarbeitete sich in langen Jahren als Komponist für Filme, Werbung und Theater ein breites Fundament an Sounds und Produktions-Kniffen, das ihm seither bei seinen bemerkenswerten Solo-Alben zugute kommt. Der mittlerweile in Paris residierende Künstler versammelt hier einmal mehr eine beeindruckende Riege von außergewöhnlichen Kolleg(inn)en wie Arto Lindsay, David Byrne, Vinicius Cantuaria, Peter Scherer oder Nina Hagen für kleine Nebenrollen in seinem Theater - mit faszinierenden Ergebnissen. Das von Byrne gesungene "A Dream Is A Wish Your Heart Makes" scheint wie ein Bonus-Track aus dem Disney-Tribute eines Hal Willner, mit dem Miyake in den 90ern bereits zusammenarbeitete und den er mittlerweile künstlerisch eingeholt hat. Wie meinte Wim Wenders? "It seems to me Jun Miyake is opening a whole new chapter in that old relationship between music and images. He is redefining what they can do to each other." Extraordinary.

    Ein weiterer in der westlichen Hemisphäre angekommener japanischer Musiker ist der Pianist Fumio Yasuda. Mit Labelchef Stefan Winter entwickelte er das multimediale Werk "On the Path of Death and Life", das den November hindurch mehrfach in der Müncher MaximiliansForum-Passage für interdisziplinäre Kunst aufgeführt wurde. Vor Fotografien von Kult-Fotograf Nobuyoshi Araki und ausgewählten Tanz-Performances von Mariko Yamada begegneten sich die Soundscapes von Klangregisseur Winter und Yasudas Live-Piano- und Melodica-Klänge. Entwickelt wurde das jetzt auch im labeltypisch aufwendigen Digipak in CD-Form festgehaltene Projekt seit Ende 2010. Tsunami & nachfolgende Nuklearkatastrophe unterbrechen den Vorbereitungsprozeß und nehmen Einfluß auf die drei Hauptstränge `Taufe´, `Reise´ und `große Welle´ . Im Sommer 2012 wird schließlich die Musik aufgenommen. Auf den Tod folgt das Leben... www.winterandwinter.com

     



    www.junmiyake.com

    TIPP

     
     
     Snarky Puppy - groundUP 
     Art of Groove - Mig 
     
     

    Da schimmert was. Gleich der Opener "Thing of Gold" von Snarky Puppys "groundUP" ist Crossover im besten Sinne. Im November fügte das weltweit äußerst fleißig tourende Fusion-Ensemble ihrer Fangemeinde auch in Deutschland neue Mitglieder hinzu. Das in Texas gegründete Musikkollektiv operiert derzeit von Brooklyn aus und liefert mit dem vom 14. bis zum 16. Dezember live vor Publikum im Shapeshifter Lab Studio in New York aufgenommenen CD und DVD-Kombi einen Querschnitt durchs aktuelle Ouevre. Snarky Puppy gilt mit seinem abwechslungsreichen Mix aus Rock-, World-, Funk-, Kammermusik- und Jazz-Versatzstücken als eine der genreübergreifend interessantesten Live-Bands der USA. Das zu den Rändern hin offene vielköpfige Ensemble formiert sich um den Bassisten, Gitarristen, Komponisten & Arrangeur Michael League sowie die Stammkräfte Robert Sput Searight (dr), Shaun Martin (key), Cory Henry (org) & Multiinstrumentalist Louis Cato. Aus dem Umfeld von Künstlern wie Erykah Badu, Marcus Miller, Snoop Dogg und The Polyphonic Spree rekrutiert sich weitres, saisonales Personal. www.snarkypuppy.com

     

     
     
     Josephine Foster - I´m A Dreamer  
     Fire / Cargo 
     
     

    "Dreams deep enough to bury your dread." Die Singer/Songwriterin aus Colorado outet sich mit Ihrem in Nashville, Tennessee aufgenommenen neuen Album als Träumerin. In die hier dargebotene, ganz spezielle New Folk-Mischung lässt Josephine Foster ihre Erfahrungen als Gesangslehrerin sowie als Sängerin bei Hochzeiten & Beerdigungen als auch das Interesse fürs Operngenre einfließen. Interessanterweise strebt die Künstlerin aber nicht nach lehrbuch-gemäßer Perfektion, sondern arbeitet wie eine Malerin bewusst technisch unsaubere, schräge und zittrige Elemente in ihren Vortrag ein. Als mal überkandidelte, mal melancholische Bänkelsängerin zu Piano, Mundharmonika, Harmonica & Nylon- oder Steel Guitar weckt JB in der unteren Tonlage manchmal Assoziationen an Patti Smith. "As sorrowful, as sexy, as stirring a set of songs as anybody dreamt up in gges", meint man zumindest bei Fire. Mal sehen, wer sich hier alles ans Lagerfeuer dazusetzen mag. www.josephinefoster.info/ www.firerecords.com

     

     
     
     Die Glorreichen Sieben - Keep On Rocking In The Free World 
     Boomslang Records 
     
     

    Sind nur vier, ist aber egal. Die Glorreichen Sieben um Boomslang-Mastermind & Drummer Alfred Vogel und Gitarrist Kalle Kalima gehen aus Jazz-Perspektive und in bewährter "Best Western"-Manier auf das Werk des knurrigen Kanadiers mit der hohen Stimme los. Neil Youngs fulminanten Versionen seiner Klassiker von "Heart Of Gold" über "After The Goldrush" bis zu "Like A Hurricane" werden auf diesem "Keep On Rockin´ In The Free World" (hier nur Album-Titel) respektvolle Impro-Dekonstruktionen hinzugefügt. Was kein Widerspruch sein muß - das "Cinnamon Girl" wird im Bregenzerwald eben zum "Zimtmädchen". Gegniedelt werden darf hier wie dort eh, was das Gitarren- und Schlag-Zeug hält. "Schon diese Gitarre vermittelt mir das Gefühl von Weite. Da haben wir die Prärie, diese Offenheit, diesen Blick nach außen." (Vogel) www.traps.at/bands/die-glorreichen-sieben

     

     
     
     Roberto Santamaria - Fiesta al Jazz 
     Connector / In-Akustik 
     
     

    Bei der vom kubanischen Percussionisten Roberto Santamaria und seinen Latin Jazz Stars entfesselten Cha Cha Cha-Fiesta springt der Funke zu allen über, die mit afrokaribischen Grooves und Jazz etwas anfangen können. Die vorliegende Platte ist zudem etwas für Fans von Robertos bekannterem, 2003 verstorbenen Onkel Mongo Santamaria, ein Tribute an den `Cuban Conga-King´. Dessen "Afro Blue" ist neben Herbie Hancocks "Watermelon Man" eines der über siebenminütigen Centerpieces auf dem Album. Aus der Backing Band Robertos haben einige auch schon mit Mongo Santamaria zusammen gespielt, etwa Posaunist Joe Gallardo, Pianist Hector Martignon oder Trompeten-Professor Mike Mossman.

    www.roberto-ritmo.com/band-projects/his-latin-jazz-stars.html

     

     
     
     Helmut Eisel & Jem - Klezmer In The Air 
     Pianissimo / Edel LIVE-TIPP 
     
     

    Klar, hier liegt der Klezmer nicht nur in der Luft - er weht ganz massiv durch alle 12 Kompositionen auf dem neuen Album von Helmut Eisel & Jem. Klezmer steht hier wechselseitig im Dialog – zwischen den Stilen, Zeiten, Kulturen, & Musikern. Johann Sebastian Bach fungiert als Stichwortgeber bei vier der hier enthaltenen Stücke. „Ich glaube, wenn Bach die Klarinette gekannt und Klezmer gehört hätte, wäre er begeistert gewesen“, kann man Helmut Eisel denn auch im Konzert sagen hören, bevor er wieder die Klarinette sprechen lässt. Klezmer, Jazz, Swing & Klassik fusioniert das Eisel´sche Trio - spielfreudig & unplugged (Michael Marx (Gitarre & Stimme) sowie Stefan Engelmann (Kontrabass) sind mit von der Partie). Am 17. & 18.1. stehen zwei Auftritte in Neunkirchen auf dem Programm. www.pianissimo-musik.de

     

     
     
     
     Classique & Jazz / Klazz Brothers & Cuba Percussion - Classic Meets Cuba II  
     Various Artists - Clubstar / Soulfood * Sony Classical  
     
     

    "Klassik & Jazz sind sich in den vergangenen 100 Jahren so oft gegenseitig Bruder & Schwester, Vater & Mutter, Onkel & Tante gewesen, so dass es uns ermüdend erscheint, die Querverbindungen aufzuzeigen", meint Lola´s World-Kompilator Stefan Schmidt in den Liner Notes. Gemeinsam mit Gattin(?) Gabi hat er der ersten Folge aus dem Jahr 2008 nun gleich 3-teiliges CD-Set mit großen Namen aus beiden Welten folgen lassen - Music for the 21st Century. Wann sich die Konzepte wirklich begegnen, gegenseitig befeuern, gemeinsam implodieren oder auch mal im Kontrast nebeneinander stehen, bleibt dem Hörer überlassen. Der sich aber ruhig auch mal etwas bemühen, quasi auf die Zehenspitzen stellen soll. Wechselseitige Entdeckungen, seien es E- oder U-Säulenheilige, sind beim Paradieren von Künstlern wie Benjamin Britten, Aaron Copland, Miles Davis, George Martin, John McLaughlin, Claus Ogerman, Max Richter oder Heitor Villa-Lobos eh immer möglich. www.lolasworldrecords.com

    Nach 11 Jahren und über 500.000 weltweit verkauften Alben machen sich Klazzbrothers & Cuba Percussion erneut daran, Klassik-Hitmaterial mit jeder Menge Cuba-Flavour zu neuen Crossover-Versionen zu fusionieren. Waren zwischenzeitlich Ausflüge in die Welt der Oper oder des Jazz trifft auf dem neunten Album "Classic Meets Cuba II" beispielsweise Beethovens "Mondscheinsonate" auf einen Mambo, Rachmaninoffs "Prelude auf einen ChachaCha und von Hause aus schon dynamischen Titel wie Khachaturians "Säbeltanz" oder Griegs "In der Halle des Bergkönigs" auf diverse Afro-Rhythmen.

    Den Dezember hindurch, bis kurz vor Weihnachten, ist das aktuelle Ensemble auch live auf deutschen Bühnen im Einsatz.

    www.sonyclassical.de/klazzbrothers/classic_meets_cuba.html

     



    LIVE-TIPP


     
     
     Tobias Christl - Verschmelzung / Melt Trio - Hymnolia / Trio Schmetterling - Globus
     
     alle: Traumton / Indigo LIVE-TIPP 
     
     

    Und zuguterletzt kurz & knapp 3mal Genreübergreifendes aus dem Hause Traumton: 1 Zunächst Tobias Christl, Stimmkünstler. Als "Begabter Bausatz" von 1978 mit Werdegang über Würzburg, Nürnberg, Köln, Weimar und New York unterwegs. Das Multitalent textet, komponiert, singt, spricht und steht seiner "Lieblingsband" von Mitglieder des Kölner Musikerkollektivs Klaeng vor. Empfiehlt sich für mehrfaches Hören, schon um nachzuvollziehen, wo der "Welt"-Kollege eine "Jazz-Version" von Prefab Sprout-Mastermind Paddy McAloon ausgemacht hat. 2 Beim Melt Trio bleibt es dagegen instrumental. Auf "Hymnolia", dem zweiten Album gibt Peter Meyer an der Gitarre den Ton an, Bernhard Meyer (Bass) & Moritz Baumgärtner (Schlagzeug) halten den Takt zwischen den Koordinaten Improvisation, Alternative und Ambient. Den gesamten November über ist das Berliner Jazz-Trio in Deutschland unterwegs, u.a. im der Münchner Unterfahrt am 21.11. Und im Januar geht es weiter...Check out www.melttrio.com/ 3 Und noch ein Instrumentaltrio, diesmal aus Erfurt, Thüringen. Gitarrist Keisuke Matsuno, Bassist Alexander Binder & Drummer Jan Roth haben es auf ihrem zweiten Album ebenfalls weniger mit den Schubladen. Ihr Jazz speist sich aus Krautrock-, Pop-, Ambient- oder Weltmusik-Anleihen, ohne sich dabei zu sehr nach einer Seite zu neigen. Die Relase-Tour ist absolviert. Bleibt abzuwarten, wie sich die aktuelle Distanz zwischen New York (Matsuno) & Erfurt (Rest) auf das weitere Schaffen auswirken wird. www.trioschmetterling.com

     
     
     
      

     
     

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