Reviews Jazz 10-2014

    * soundtrack * crossover * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * bavaria-special *
     Medeski Scofield Martin & Wood - Juice LIVE-TIPP  
     Okeh / Sony * film * comic * book *
     
     
     
    1998 hatte sich Gitarrenmeister John Scofield schon einmal mit dem eingespielten Trio Medeski, Martin & Wood zusammengetan, um das Album "A Go Go" einzuspielen. Man verstand sich so gut, dass weitere (Live-)Alben und Tourneen folgten. Jetzt sind Medeski, Scofield, Martin & Wood zurück - mit dem Fusion-Album "Juice", das zunächst mit einigen Rock-Coverversionen aufwartet: "Light my Fire" von den Doors, das nun als 11-minütiger Dub daherschunkelnde "Sunshine of your Love" (ursprünglich von The Cream) und Dylans "The Times They Are A-Changin´" als Abschluß.
    Die Ausgangs-Inspiration der 6 Eigenkompositionen (neben der Neuinterpretation des Willie Bobo-Boogaloo-Instrumentals "Sham Time") bildeten von Drummer Billy Martin zusammengestellte Tracks mit starkem Afro-Einfluß. Das Zusammenspiel groovt - mit großer Lässigkeit geht das Wieder-Mal-Quartett hier wie eine echte Band zu Werke. Im November gibt es nur einen einzigen Deutschland-Gig - und zwar am 14.11. in Ingolstadt. www.mmw.net www.johnscofield.com
     


     
     
     Götz Alsmann am Broadway 
     Blue Note / Universal LIVETIPP
     
     


    Rein optisch wie aus dem Ei gepellt: schmuckes Comic-Cover (Chrisse Kunst) in jeweils einer "Day" & "Night"-Version (letztere ist die Deluxe-Fassung incl. DVD) & auch als Vinyl erhältlich (mit "Day"-Cover). Doch - anders als bei den Vorgänger-Alben und eigentlich unglaublich bei den Great American Songbook-Klassikern von Gershwin und Cole Porter über Jerome Kern bis Rodgers & Hart - beim Inhalt hakt es hier. Zunächst hätte man sich mehr Information zur Historie der teutonischen Versionen gewünscht. Bis auf "Ich hätt getanzt heut Nacht" aus "My Fair Lady" wurde kaum eine von ihnen nennenswert aufgeführt oder gar auf Platte gebannt. Mag das auch an der gelegentlichen "Verlegenheitslyrik & holprigen Schnellschüssen" liegen, die Alsmann selbst im Booklet konstatiert, aber meist tut der Gesang sein Übriges. Selten grooven Alsmanns immergleich intonierte Vocals zu den 18 (!) Tracks wirklich - und mit 1 oder 2 `Duets´ wäre der Jazzschlager-Professor gut beraten gewesen. Für Auflockerung muß ein einziges Instrumental seiner leidlich gut aufgelegten Band sorgen - und der "Singin´In The Rain"-Hidden Track. Es darf spekuliert werden, ob der abschließende Teil der angekündigten Trilogie Alsmann & Co. nach "Paris" demnächst dann nach Italien führen wird? Live ist noch Hoffnung: Diverse Termine - ab Mitte Oktober "Broadway"-Vorpremieren, dann ab November bis ins neue Jahr hinein. Im Münchner Prinzregententheater erst wieder im Februar 2015. Details unter www.goetz-alsmann.de 

     
     
     Tingvall Trio - Beat  
     Skip Records / Soulfood LIVE-TIPP
     
     
     
    Das mehrfach, u.a. mit dem Echo Jazz, ausgezeichnete Tingvall Trio steht für melodischen Trio-Jazz mit Pop-(für manche Kitsch-)Appeal, der auch regelmässig in den deutschen Jazzcharts. Das erste Studioalbum nach drei Jahren, "Beat", macht da weiter, wo der Vorgänger "Vägen" 2011 aufgehört hatte - und wurde ja auch erneut im Tonstudio von ECM-Toning. in dessen Arte Suono-Studio in Udine aufgenommen. Der Pianist & Komponist des Trios, Martin Tingvall ist auch für seine Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg oder seine Tätigkeit als Tatort-Komponist bekannt. www.tingvall-trio.de
    Ein Teil der Verkaufserlöse wird an das Kliptown Youth Prgram (KYP) in Soweto weitergeleitet. Livetermine in Deutschland: Im Oktober und November - u.a. am 29.10. in der Münchner Muffathalle - ein weiterer Termin ist am 17.12. in Hamburg.
     

     
     
     Screaming Headless Torsos - Code Red  
     Revolver / Rough Trade LIVE-TIPP 
     
     
    Fusion der funkigen Art. Der wilde Rock-Jazz-Soul-Hybrid unter der Ägide von Berlee Gitarren-Professor David "Fuze" Fiuczynski hat sich seit der Gründung 1995 bei Fans mehrerer Genrelager einen gewissen Kultstatus erspielt, löste sich dann allerdings wegen der berüchtigten "künstlerischen Differenzen" Ende der 90er schon wieder auf. 2004 gab es eine erneute Inkarnation der Torsos mit Leadsänger Freedom Bremner und erneut regelmässige Album-Releases. Das neue Werk "Code Red" bietet nun u.a. eine Bernie Worrell-Tribute-Nummer , bei der der Funkadelic-Keyboarder höchstselbst mitwirkt. Den Oktober über touren die Screaming Headless Torsos durch deutschsprachiges Territorium. Am 5.10. spielen sie im Münchner Milla Club. www.torsos.com
     

     
     
     
     Jamie Cullum - Interlude / Elizabeth Shepherd - The Signal  
     Island / Universal * Linus Entertainment / Alive LIVE-TIPP 
     
     
    Für "Interlude" wird Jamie Cullums Rückkehr zu seinen Jazz-Wurzeln postuliert. Populär soll es für den erfolgreichen Performer, BBC-2-Radiomoderator & `meistverkauften britischen Jazz-Musiker aller Zeiten´ dennoch bleiben: Für "Don´t Let Me Be Misunderstood" agiert JC im Duett mit Gregory Porter, für "Good Morining Heartache" mit Laura Mvula (die beide in diesem Jahr auch beim New Orleans Jazz Festival glänzten). "Interlude" wurde in Ben Lamdins (Nostalgia 77) Analogstudio aufgenommen und das (zur Abwechslung mal schräg angeschnittene) Booklet des Albums hat Cullum auch als ambitionierter Fotograf mitgestaltet (with a little help from Michael "Leica" Agel). www.jamiecullum.com Anfang Oktober ist Jamie Cullum für zwei Konzerte in Deutschland: am 7. und 8.10. in der Berliner Passionskirche.

    Musikalisch ähnlich eingängig: Die kanadische Jazzpianistin und -sängerin kommt dem Zuhörer auf ihrem fünften Album "The Signal" nach eigener Aussage mit `epic singer/songwriter soulazz´: zu einem Gesamtwerk verwobenen Eigenkompositionen zwischen Jazz, Pop & Soul. Thematisch wird da ein ziemliches Spektrum abgearbeitet, von Zwangsehen & Vergewaltigung-Wahnsinn in Afrika über Umweltzerstörung durch die indische Baumwollindustrie bis hin zu Shepherds Idol Mutter Theresa. Blue Note-Gitarrist & Sänger Lionel Loueke ist auf zwei der Tracks des in Montreal & Torornto eingespielten Albums mit von der Partie, sowie Alex Samaras als Duettpartner beim Titelstück. Elizabeth Shepherd ist bis Jahresende mit Touren auf dem amerikanischen Kontinent ausgelastet. In Deutschland ist sie erst wieder zur Jazzahead im Frühjahr zu erwarten. www.elizabethshepherd.com
     



     
     
     Mulo Francel - The Sax & The Sea 
     Glm / Soulfood LIVE-TIPP
     
     
     
    Mulo, Meer, Musik. Das neue Album von Quadro Nuevo-Saxophonist Mulo Francel ist durchweg in Meernähe, aber nicht unter Wasser aufgenommen, das tonerzeugende Prinzip der schwingenden Luftsäule tut sich dort schwer. Für das Cover von "The Sax & The Sea" hat sich Francel aber in der Tat mit einem geschmeidig in der Hand liegenden C-Medlodie-Saxophon aus den 20er Jahren an einem einsamen Riff bei Sharm el Arab im Roten Meer nass gemacht (Dokumentation der Aufnahmen im aufwendig gestalteten 4c-Booklet). Das Wasser als nie stillstehendes Element hat es MF als Symbol für das Reisen angetan: "Das Meer gibt den Tönen einen reichen Duft. Es war immer wichtig für meine Musik." Die ist diesmal: Saxophon pur. Von Oktober bis Dezember diverse Livetermine in Deutschland, in München erst wieder zum Sylvesterkonzert im Prinzregententheater mit Quadro Nuevo. Details unter: www.mulofrancel.de
     

     
     
     Christian Hassenstein - David Friesen - Joost Lijbaart - Textures  
     Djamtones / NRW  
     
     
    Nach "Rays of Light" mit dem niederländischen Verwey Qartet veröffentlicht Jazz-Gitarrist Christian Hassenstein auf dem eigenen Djamtones-Label nun seine Kollaboration mit dem amerikanischen Bassisten David Friesen und dem Amsterdamer Drummer Joost Lijbaart. Friesen spielt hier ein speziell auf ihn zugeschnittenes Instrument des Tiroler Instrumentenbauers Hermann Erlacher, während sich Hassenstein auf Gitarren des Esseners Thorsten Sven Lietz verlässt. "Textures" bietet Kompositionen von Hassenstein & Friesen - Straight Jazz, Bossa Nova, Walzer und Balladen - vom Trio virtuos 2010 & 2011 bereits in der Osnabrükcer Fattoria Musica eingespielt.

    Livetermine zuerst auf den folgenden beiden Websites: www.djamtones.com www.christianhassenstein.com
     

     
     
     The Bad Plus - Inevitable Western  
     Okeh / Music  
     
     
    The Bad Plus, das sind Reid Andersson am Bass, Ethan Iversson am Piano und David King an den Drums. Das von der Kritik, zuletzt in der "New York Times" für ihren "avantgardistischen Populismus", hochgelobte Trio aus Minneapolis arbeitet seit mittlerweile 15 Jahren gleichberechtigt an seinem Sound abseits von Genregrenzen. Bekanntgeworden u.a. mit Coverversionen von Songs so unterschiedlicher Künstler wie Nirvana, Neil Young, Aphex Twin oder Ornette Coleman, finden sich auch "Inevitable Western" diesmal nur Eigenkompositionen der drei Ensemblemitglieder. Pop, Blues und Folk werden gestreift, bzw. dekonstruiert. Ob diese "intelligente Musik für die Massen" bei den Letzteren ankommt, darf allerdings bezweifelt werden. Das Album-Artwork stammt übrigens von Drummer David King. www.thebadplus.com
     

     
     
     Christian Muthspiel &Steve Swallow - Simple Songs Caroll Vanwelden sings Shakespeare Sonnets 2
     
     In & Out * Jazz´n Arts / beide: In-Akustik LIVETIPPs
     
     
     
    Mal melancholisch, mal bluesig, mal offen für Folkloristisches agieren der österreichische Posaunist, Pianist & Komponist Christian Muthspiel und sein langjährigen Mitstreiter, der amerikanische Bassist Steve Swallow, auf dem vorliegenden Album. Zwar wird hier auf elektronische Hilfsmittel verzichtet, so simpel sind die Songs aber gar nicht gestrickt, es wird im Dialog zwischen den beiden ein recht breites musikalisches Spektrum geboten, Muthspiel greift einmal gar zur Blockflöte. Für die Linernotes wurde Schriftsteller Christoph Ransmayr gewonnen, der dem Duo zuschreibt, die Flußlandschaften seiner Kindheit erneut zum Kilngen zu bringen. Cover & Booklet wurden von Muthspiel selbst in Hinterglastechnik mit Asche & weißem Lack gestaltet. Bis Anfang Oktober ist das Ensemble Christian Muthspiel 4, in dem auch Steve Swallow mitwirkt, auf Tournee im deutschsprachigen Raum. Details : www.christianmuthspiel.com

    So nett. Auf die erste Folge der "Shakespeare Sonnets" der belgischen Sängerin Caroll Vanwelden wurde auch an dieser Stelle hingewiesen. Nun sind weitere 16 Sonette aus der Feder des weltberühmten englischen Dramatikers bühnenreif vertont. Der lebendige Vortrag der Absolventin der Londoner Guildhall School of Music & Drama wird dabei von Jazz´n Arts-Labelchef Thomas Siffling an Trompete & Flügelhorn sowie Mini Schulz am Kontrabass und Percussionist Rodrigo Villalon unterstützt. Komplett bei Shakespeare nachzuschlagen hat man Mme Vanwelden deshalb aber nicht - Anfang des Jahres erst hatte sie ein Album mit Repertoire aus den 40er Jahren veröffentlicht. Im neuen Jahr ist Caroll Vanwelden auch wieder live auf deutschen Bühnenbrettern zu erleben. Details: www.carollvanwelden.be
     



     
     
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