Reviews Catalog 02-2015

    * soundtrack * crossover * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * audiobook *
     Kitsuné - New Faces I & II 
     Various Artists - Kitsuné / Groove Attack 
     
     
    Das Pariser Modelabel um Gildas Loaec überzieht Metropolen wie Tokio, New York oder Hong Kong schon länger nicht mehr allein mit Kitsuné-Bekleidungs-Hotspots oder Trendcafes, sondern nimmt auch seit nun schon 13 Jahren für sich in Anspruch, stilsicher up-and-coming-Artists im Pop- und Electro-Genre ausfindig zu machen und die Newcomer auf Clubabenden und Compilations wie den „New Faces“ vorzustellen. Die neu zur Veröffentlichung anstehende zweite Folge bietet in der Tat einige vielversprechende Neuentdeckungen der französischen Schlaufüchse, wie Oslo Parks Savoir oder Danglo, die hier teils sogar erstmalig auf Tonträger gebannt sind, oder aus arrivierten Hasen bestehende neue Acts wie den Hot Chip-Ableger New Build. Genretechnisch zielt man nicht mehr nur auf die elektrifizierte Clubszene - mittlerweile ist sogar Folk & Americana im Programm. Play Tracks 2,3, 6, 12,14, www.kitsune.fr 

     
     
     Such a Much!
     
     Various Artists - Cherry Red / Rough Trade TIPP 
     
     
    „Meeelllvvviinn!!!“- Carol Frans dezente Erinnerungsnote in Richtung ihrer männlichen Begleitung, sie stünde draussen im Regen, geht durch Mark & Bein. Mit den hier versammelten afroamerikanischen R&B-Girls & Ladies der 50´s & 60´s ist zeitweise nicht gut Kirschen essen – Etta James, Ruth Brown, Big Maybelle, Lavern Baker, Mary Ann Fisher oder Wynona Carr bringen nicht nur den Liebreiz des vermeintlich schwachen Geschlechts ein, sondern fordern auch lautstark Respekt. Gospel-Wurzeln klingen des öfteren an, doch es bleibt nicht bei der Wehklage, diese Damen stehen – und stellen - ihren Mann, nicht nur gesanglich. Natürlich ist das zumeist hochunterhaltsam, wenn etwa Blanche Thomas ihrem Lover geradezu maskulin heimleuchtet: „You Ain´t Such A Much“! Pluspunkt für die gelungene Ausstattung: Lora Finleys Design, Bob Stanleys Liner Notes und diverse Fotos & Label-Pics im Booklet. www.cherryred.co.uk 

     
     
     The Incredibly Strange Record Club 
     Various Artists - Cherry Red / Rough Trade 
     
     
    "Inspired by the Cramps crazy collection" - ein nicht explizit genanntes Team um MOJO Magazine und Liner Notes-Autor Dave Henderson hat für die verlässlichen Repertoire-Ausgräber von Cherry Red ein erstes Volume von `fungus, stockings, torture, beatniks, robots & nonsense` -Scheiben aus 2nd Hand-Läden und Flohmarkt-Konvoluten mit Entdeckungen des New Yorker Radiosenders WFMU und einigen Tipps von Spezialisten für abseitiges Vinyl von einschlägigen Internet-Sites zusammengestellt. Ob dieser "Incredibly Strange Record Club" nun wirklich `some of the oddest things ever put to wax´ beinhaltet, vermögen wir an dieser Stelle nicht zu beurteilen - aber incredible, strange und auch incredibly strange ist schon so Einiges, was hier aus der imginären Garagen-Rille perlt. Etwa der Spoken Word-Track eines betrogenen Geliebten, der in “Ed´s Bar” auf die Polizei wartet. Oder Beiträge von Lanz Miles, den Antwinettes, Herb Kliebe mit seinem Baileys Nervous Cats oder von Big Walter & the Thunderbirds. www.cherryred.co.uk www.cherryred.tv 

     
     
     Siouxsie & The Banshees - Through The Lookingglass / Peepshow 
     Polydor / Universal  
     
     
    Ein wenig dokumentieren die vier unlängst bei Siouxsie & the Banshees altem Label Polydor (UK) remastert & um (Maxi-)Bonustracks ergänzten Wiederveröffentlichungen den Niedergang einer der einflussreichsten aus der UK-Punkszene um die Sex Pistols ahervorgegangenen Bands. Das 1987 veröffentlichte, auf "Tinderbox" mit dem dynamischen "Cities in Dust" folgende “Through the Looking Glass” wurde von der Kritik noch, anders als viele Cover-Alben, durchweg aufgenommen. Enthielt es doch mit Highlights wie dem dunkel flirrenden “This Wheel´s on Fire“ (Dylan, Julie Driscoll) oder dem hypnotischen Disney-Track "Trust in Me" ("Jungle Book") Coverversionen, die dem Original eine eigenständige neue Interpretation an die Seite stellten, die jeweils für sich bestehen konnte. Weiter kamen hier Iggy Pop, die Doors, Kraftwerk, Billie Holidays´"Strange Fruit" , die Sparks, Roxy Music oder Tom Verlaine zu Ehren. Das im nächsten Jahr folgende Studioalbum klingt dagegen trotz Opener & Single "Peek-A-Boo" angestrengt und uninspiriert.
     

     
     
     Siouxsie & The Banshees - Superstition / The Rapture
     
     Polydor / Universal  
     
     
    Siouxsie heiratete ihren Band-Schlagzeuger Budgie und die Band machte mit dem ebenfalls 1991 veröffentlichten von Stephen Hague (New Order, Pet Shop Boys) produzierten Album "Superstition" einen Schritt in poppigere, keyboardlastigere Gefilde. Es finden sich mit "Kiss Them For Me", "Fear (of the Unknown", "Cry", "Got To Get Up" oder "Little Sister" eingängige Tracks Perlen, doch Frontfrau Siouxsie hasste die Aufnahmen mit ihrer von Hague höher abgemischten Stimme erklärtermaßen. Chartserfolge und Lollapalooza Headliner-Auftritte hielten trotz interner Reibereien das Bandensemble beisammen. Mit dem Anfang 1995 folgenden, mittlerweile elften Studioalbum "The Rapture" sollte eine Rückbesinnung auf alte Stärken gelingen, gitarrenlastiger und düsterer im Sound. Zunächst in Eigen-Regie produziert, kam noch kein Geringerer als John Cale ins Boot, doch trotz Tracks wie "Oh Baby und "Tearing Apart", die sich im Band-Oeuvre nicht zu verstecken brauchten, lösten sich Siouxsie and the Banshees nach der dem Album folgenden Tournee wegen kreativer Differenzen auf.
     

     
     
     Simple Minds - Big Music
     
     Music on Vinyl / Cargo VINYL-TIPP, LIVE-TIPP
     
     
     

    Auch wenn kein Zweifel daran bestehen dürfte, dass die Mannen um Frontmann Jim Kerr ihren künstlerischen Zenit um erheblich mehr als die fast sechs Jahre überschritten haben, die zwischen ihrem letzten und dem nun auch als Doppel-Vinyl vorliegenden "Big Music"von 2014 ins Land gingen - die fleißig tourenden 60-Millionen-Tonträger-Schotten erfreuen sich einer stabilen Beliebtheit bei einer erklecklichen Anzahl Fans. Neben Kerr ist noch Gitarrist Charlie Burchill aus der Gründungsformation von 1978 mit von der Partie, ferner der langjährige Schlagzeuger Mel Gaynor. Auch im Februar 2015 begibt sich die Band auf eine Tour durch deutsche Lande, u.a. spielen Simple Minds am 23.2. im Stuttgarter Theaterhaus oder am 8.3. in der Münchner Tonhalle. Check out www.simpleminds.com

     

     
     
     Bruce Springsteen & The E-Street Band - Agora Ballroom / Winterland Night
     
     beide: Left Field Media / In-Akustik 
     
     

    "Tonight you´re gonna hear the concert of your life..."

    Präsentator Norm Winer von Radio KSAN-FM dürfte mit dieser On Stage-Ankündigung einigen Springsteen-Fans aus dem Herzen gesprochen haben und sprechen, zählen die "Winterland Night" (San Francisco) & "Agora Ballroom" (Cleveland)-Broadcast Aufnahmen doch zu den feinsten Dokumenten, die den `Boss´ und seine E-Street-Band auf der Höhe ihres gemeinsamen Live-Schaffens, In der "Darkness on the Edge of Town"-Phase präsentieren. Auf jeweils 3 CDs in recht guter Soundqualität, kombiniert mit weiteren Bonustracks, garniert mit Interviews etc. werden beide mehrstündige Konzerte aus dem Jahr 1978, die teils schon seit Jahren als Bootlegs in sehr unterschiedlicher Qualität die Runde machten, aktuell auf Left Field Media veröffentlicht.

    Das Cleveland-Konzert wird derzeit auch auf Bruce Springsteens eigenem Webportal als 3erCD-Archivaufnahme angeboten...

    und wann & wo weltweit der Meister möglicherweise bald wieder mit der aktuellen Besetzung Patty Scialfa, Roy Bittan, Max Weinberg, Garry Talent, Nils Lofgren & Stevie van Zandt (die verstorbenen Clarence Clemons & Danny Federici schauen von up above zu) wieder live in den Ring steigt, ist ebenfalls hier verlässlich zu erfahren:

    http://brucespringsteen.net/

     



     
     
     Silver Convention - Save Me / Get Up And Boogie / Madhouse 
     alle: Cherry Red / Rough Trade
     
     
     

    Wenn sich Münchner Szene-Labels von Compost über Permanent Vacation bis Gomma auf den Disco-Sound der Siebziger berufen, fällt stets der Name Giorgio Moroder, während die zeitgleich um die Ecke, teils mit gleichem Background-Personal entstandenen Silver Convention-Produktionen von Michael Kunze Sylvester Levay in Hipsterkreisen eher schamhaft verschwiegen werden. Im UK hat man da weniger Berührungsängste - Cherry Red hat unlängst dankenswerterweise die ersten drei Alben CD-wiederveröffentlicht (wenn auch gewöhnungsbedürftig hart aneinandergeschnitten, was "Save Me" angeht). Die detailfreudigen Liner Notes von Christian John Wikane oder Stephen Spaz Schnee legen offen, dass das die TV-Auftritte wahrnehmende Line Up von Linda G. Thompson, Ramona Wulf & Penny "Lady Bump" McLean erst auf dem zweiten Album "Get Up And Boogie" auch stimmlich zum Einsatz kamen, während vorher - insbesondere beim Welthit "Fly Robin Fly" die Stimmen der vier Sängerinnen Gitta Walther, Roberta Kelly (beide auch bei Love Generation), Betsy Allen und Lucy Neale zu hören waren. Studiomusiker wie Keith Forsey oder Gary Unwin komplettierten das Studio-Ensemble, das sich zunehmend experimentierfreudiger zeigte. Auf "Get Up and Boogie" findet sich mit "The Boy with the Ooh-La-La" veritabel Karibisches, während "Madhouse" sogar als Konzeptalbum daherkam. Ob die ´77 und ´78 veröffentlichten Folgealben auf der Insel wohl auch noch nachgeschoben werden? Watch this space... www.cherryred.co.uk

     
     
     
      

     
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