Reviews World 02-2015

    * soundtrack * crossover * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * audiobook *
     Afrika Express presents `In C´ Mali
     
     Various Artists - Transgressive / Alive TIPP 
     
     

    Minimal meets Africa. Zum 50. Jubiäum von Terry Rileys stiprägendem Meilenstein ‘In C’, sowie zum 80. Geburtstag des Komponisten, erscheint "Africa Express presents… Terry Riley's `In C` Mali'. Die erste von afrikanischen Musikern eingespielte Version des Wewrks wurde im Maison des Jeunes Jugendclub in Bamako, Mali im Jahr 2013 aufgenommen, unter Leitung von Dirigent André de Ridder. Mit im Team: u.a. Adama Koita (N´goni), Bijou (Gesang), Fötenvirtuose Cheick Diallo, die Balafonisten Kalifa Koné & Mémé Koné. Weiter der übliche Verdächtige Damon Albarn (an der Melodica), Großmeister Brian Eno am Mikro und Jeff Wootton sowie Nick Zinner als Gitarristen. Co-produziert und gemischt von Andi Toma (Mouse on Mars). Das Stück wurde in dieser Version unlängst auch in der Bridge of the Turbine Gallery der Tate Modern live aufgeführt. Film footage davon auf: www.thespace.org "I am overwhelmed and delighted by this CD. I was not quite prepared for such an incredible journey, hearing the soul of Africa in joyous flight over those 53 patterns of ‘In C’", meint der Jubilar selbst dazu. www.africaexpress.co.uk/

     

     
     
     Nneka - My Fairy Tales 
     Bushqueen Records TIPP & LIVE-TIPP 
     
     
    Nnekas viertes, bisher bestes Studioalbum wurde in Frankreich, Dänemark und Nigeria aufgenommen & produziert - fünf Stücke von Mounir Maarouf, zwei vom Silver Bullit-Team, einer von The Slag aka Macus Nigsch und Nneka selbst. Musikalisch hat sich hat sich der Reggae-Anteil erhöht. Ob Roots-, Dub- oder Uptempo - nach den zwei soulgeprägten Stücken "Believe" & "Babylon" zu Beginn übernehmen die Offbeats das Kommando. Das eingängige "My Love" verteilt sein Hitpotential gleich auf zwei Stücke, das nachfolgende "Local Champion" spielt (wie auch "Book of Job") einmal mehr die Stärken von Nnekas Gesangsphrasierungen in sich überlagernden Chören aus - über einem schweren Zeitlupen-Beat. Bei "Surprise" kommt Afrobeat ins Spiel, bei "Pray For You" bekommt u.a. Nigerias Buschmördertruppe Boko Haram ihr Fett weg. "My Fairy Tale" beschäftigt sich als Konzeptalbum vor allem mit dem Leben von Afrikanern in der Diaspora und ihren Problemen. Wer die Karriere Nnekas schon länger verfolgt, die unlängst als Jurymitglied der vierten Staffel von "Nigerian Idol" überraschte, weiß um ihr vielfältiges soziales Engagement - und ihre Live-Qualitäten. Ab 23.3. ist Nneka mit Band auch wieder im deutschsprachigen Raum live unterwegs, am 31.3. in der Münchner Muffathalle. Vormerken.
     

     
     
     Tanya Tagaq - Animism / Eivør - Bridges  
     Six Shooter Records / Alive * Tutl / Cargo TIPP
     
     
     

    Zweimal Nordisches. Tanya Tagaq, eine mehrfach preisgekrönte kanadische Inuk-Sängerin, die als `Aboriginal Songwriter of the Year´ bereits mit Björk und dem Kronos Quartet zusammengearbeitet hat, legt mit "Animism" nun auch außerhalb Kanadas ihr viertes Album vor. Hervorstechendstes Soundmerkmal ist Taqaqs eindringlicher, archaisch-animalischer Kehlkopfgesang, der etwa auf "Uja" westliche Normen sprengt und hier vom gurrenden Gutturallaut über kreischende Schreie bis hin zu feinen Seufzern reicht. Taqaq benutzt auch auf der visuellen Ebene, auf der Bühne und im Artwork zahlreiche arktisch-animistische Symbole, Bilder & Versatzstücke: Tierpupillen, Pelze, Hirschgeweihe - im Eis tummeln sich Wölfe, Karibus & Robben. Elche."It´s the closest form I could come up with to traditional Inuit beliefs."Angeteasert wird das Ganze u.a. mit einem effektvollen Album-Trailer-Video. www.tanyatagaq.com

    Und "schon wieder" Klänge von den Faröer-Inseln. Nach dem unlängst vorgestellten Høgni Reistrup aus Tórshavn ist es nun Eivør Palsdottir, die sich mit einem neuen Album anschickt, über ihre Inselgruppe, Dänemark und Skandianvien hinaus, Bekanntheit zu erlangen. Dabei geht es konventioneller zu als bei Tanya Taqaq, Eivor versucht auf dem (während diverser Tourpausen geschriebenen) "Bridges" in der Tat, dem mitteleuropäischen Hörer Brücken in ihre Balladen-Welt zu bauen. Die Art von nordischer "Folktronica" samt akustischen Gitarren und Drumcomputern unter ihrer facettenreichen Stimme erarbeitete die Künstlerin einst zusammen mit einem alten Brian Eno-Mitstreiter: Gavin Bryars, der lange Zeit auf den Färöer Inseln lebte (und die 18er Inselgruppe als "den schönsten Platz auf der ganzen Welt" bezeichnete). Eivor sang in mehreren seiner Operninszenierungen, die teils auf färöischer Foklore fußen. Für "Bridges" schrieb und komponierte Eivor alle Stücke selbst, bei Arrangements & Produktion war diesmal Tróndur Bogason ihr Partner. http://eivor.com/


    Che Sudaka - Hoy Flowfish Records / Broken Silence LIVE-TIPP

    Die Cumbia-Ska-Migranten-Punker Che Sudaka laden mit ihrem sechsten Album zum Tanzen & Feiern ein, aber auch die sozialkritischen Texte sind den vier von ihrer Basis Barcelona aus wirkenden Mestizo-Musikern (ursprünglich aus Argentinien & Kolumbien) weiter ein Anliegen. Leo, Kachafaz, Cheko & Jota musizieren seit 2002 gemeinsam und erheben dabei auch immer wieder ihre Stimme gegen Auswüchse der Politik, wenn sie etwa mehr Einflussnahme einfordern oder auf die schlimme Lage vieler südamerikanischer Bauern hinweisen. Die aufmüpfigen Tracks wurden mit Gastmusikern wie Mark Foggo, Pedro Erazo von Gogol Bordello oder Bruno (Sargent Garcia) von Latin-Grammy Gewinner Cesar J. de Cisneros aufgenommen, das Album steckt in einem aufwendigen Digipak mit Fold-out-Poster-Booklet. Noch bis zum 13.2. sind Che Sudaka im deutschsprachigen Raum live unterwegs. www.chesudaka.com

     

    TIPP

     
     
     The Afrosound of Colombia Vol.2 / La Onda de Elia y Elisabeth 
     Various Artists - beide: Munster - Vampisoul / Cargo TIPP! & VINYLTIPP
     
     
     
    "Travolteando Fiebre Cumbiambera" - wow! Wenn der letzte Track der vorliegenden Compilation, eine Cumbia-Version von "Staying Alive" aus "Saturday Night Fever", durch ist, möchte man die Scheibe gleich noch einmal auflegen. Die erste Folge des Afrosound of Colombia war schon eine veritable, auch an dieser Stelle belobigte Sause. Nach fünf Jahren hat man sich bei Munster Records endlich zu einer zweiten Folge mit Musik aus den Discos Fuentes-Archiven entschieden. Compiler Pablo E Yglesias aka DJ Bongohead zündet einen weiteren afrokaribischen Knallkörper, der dem Vorgänger kaum nachsteht. Afro-Latin Vibration pur. Zusätzliche Extrapunkte für die Verpackung: das Digipak samt 44-seitigem (!) 4c-Booklet mit Dutzenden von Coverabbildungen, Künstlerbios und ausführlichen Texten zu allen 24 Stücken steckt in einer poppig im Comicstil designten Papphülle (Illustrationen von CS Fossett - www.popcornpicnic.com). Gracias!
    Ein weitere verdienstvolle Grabung in den Untiefen der populären Musik Kolumbiens förderte „La Onda De Elia Y Elizabeth“, eine Reihe von Frühsiebziger-Aufnahmen der der spanischstämmigen Schwestern Elia und Elizabeth Fleta Mallo aus Bogotá zu Tage. Tropical Funk, Big Band-Sound und Soft-Pop mischen sich hier mit kleinen Prisen Calypso und Psychedelia und den hellen Vocals der EE-Sisters - zu Elias poetischen Texte über Liebe, Natur und soziales Miteinander. Die kongenialen Arrangements stammen von Pianist Jimmy Salcedo (leider 1992 an Diabetes verstorben). Auch hier exquisite Verpackung: Klappcover-Digipak mit Gitarren-Artwork von Javier Gutiérrez. Compilation & (spanische & englische) Liner Notes von Carlos Icaza. www.vampisoul.com
     

    TIPP! & VINYLTIPP


     
     
     Amparo Sanchez - Espirito del Sol 
     World Village / Harmonia Mundi LIVE-TIPP 
     
     

    Die andalusische Mestizo-Sängerin Amparo Sanchez hat sich über die Jahre mit Joey Burns und John Convertino angefreundet, die auch auf dem aktuellen Album "Espíritu Del Sol" an Gitarre & Schlagzeug mit von der Partie sind. Aufgenommen wurde sowohl im Calexico-eigenen Studio in Tucson, Arizona als auch in Lille & Roubaix, Frankreich. Bolero, Folk, Rock & Rumba finden ebenso Eingang in das aktuelle, insgesmt ruhigere Werk ebenso wie ein Reggae, mit "Rio Turbio". Das letzte Stück des Albums mit dem laut Amparo Sanchez "sinnlichsten, vitalsten & reifsten Material, was ich jemals geschrieben habe" schließlich stammt vom alten Weggefährten aus Amparanoia-Tagen, Manu Chao.
    Bis zum 13.2. ist Amparo Sanchez noch live in Deutschland zu sehen, u.a. am 4.2. im Ampere (Muffatwerk) München.

     

     
     
     Oum - Soul of Morocco / Dina El Wedidi - Turning Back 
     Mdc-Lof Music / Galileo MC * Kirkelig Kulturverksted / Indigo  
     


    Die marokkanische Sängerin reklamiert auf ihrem aktuellen, bisher modernsten Album ganz unbescheiden die Seele des Landes für sich. Jene setzt sich, legt man die Musik von "Soul of Morocco" zugrunde, aus traditionellen ebenso wie aus internationalen Einflüssen zusammen. An Stilzutaten wie Jazz, Bossa Nova oder kubanischen Rhythmen mag ein Reihe französischer Jazzmusiker im Studio nicht ganz unschuldig gewesen sein. Der in Frankreich lebende marokkanische Perkussionist Adhil Mirghani (Derbouka) und der Out-Virtuose Yassir Rami trugen ein weiteres Scherflein zum Soundbed bei, auf dessen Grundlage Oum ihre gesangliche Bandbreite voll entfalten kann. www.oum.ma

    Noch eine junge Frau aus dem arabischen Raum, die sich aufmacht, westliche Hörerkreise zu erschliessen. Die ägyptische Singer/Songwriterin Dina El Wedidi hat soeben auf dem norwegischen Label KKV ihr Debüt "Turning Back" veröffentlicht, auf dem popnahe Klänge mit traditioneller ägyptischer Gesangsperformance fusioniert werden. Und während die Texte für ihren Erstling aus der Feder verschiedener Lyriker stammen, hat DelW die Musik komplett selbst geschrieben. Als Preisträgerin eines Mentorenprogrammes wird sie im nächsten Jahr weltweit mit keinem Geringeren als Gilberto Gil auf Festivals auftreten. Gil war auch bei den Aufnahmen in Kairo Spezialgast - neben diversen ägyptischen Musikern. Arrangements von Nancy Mounir, Produktion vom US-Amerikaner Jay Miles, Mischung von Martin Abrahamsen in Oslo. Von Kairo aus in die Welt. http://dinaelwedidi.com

     


     
     
     Hotel Bossa Nova - Desordem & Progresso 
     Yellowbird / Soulfood LIVE-TIPP  
     
     

    Der Bandname ist weiterhin Programm. Nach "Bossanomia" und "Na Meia Luz" deutet der vom brasilianischen Nationalmotto abgewandelte Albumtitel Fortschritt, aber auch Turbulenzen an. Letztere manifestieren sich am ehesten in den wechselnden Rhythmen, den Tempovorstößen und Improvisationsfreiräumen, die diesmal im weiter perfektionierten Jazz-Quartett-meets-Bossa-Gerüst um Sängerin Liza da Costa herum möglich sind. Samba, Rumba, Jazzrock finden im Ansatz Eingang in die im Kollektiv entwickelten Kompositionen & Arrangements. Europäische Bossa-Fusion auf konstant hohem Niveau, auch live: Im Februar & März ist das Ensemble immer wieder live in deutschen Clubs sehen. Aktuelle Tourdaten unter: www.hotelbossanova.com

     

     
     
     Flo - D'amore E Di Altre Cose Irreversibili / Christine and the Queens - Chaleur Humaine
     
     Agualoca / Indigo * Because / Warner  
     

    Beim Debüt der italienischen Sängerin Flo alias Floriana Cangiano kommt so einiges Mediterrane zusammen. Italienischer Folk & Protestsong, Latin-Pop, französische Nouvelle-Chansons entsprechend scheinbar anstrengungsfrei mehrsprachig vorgetragen. Die Neapolitanerin reklamiert dabei musikalische Einflüsse von Billie Holiday über Elis Regina bis Cesaria Evora, aber auch in literarischer Hinsicht - von Pablo Neruda oder Frida Kahlo etwa. "Ich wollte immer, dass mein erstes Album einen leidenschaftlich geladenen und pulsierenden Geschmack hat." Buon Appetito.

    www.agualocarecords.com

    Christine and the Queens um die aus dem westfranzösischen Nantes stammende Lehrertochter Héloise Letissier sind - im Moment noch - ein französisches Doppelplatin-Phänomen. Nach Touren im Vorprogramm von Lykke Li, The Dø, oder Woodkid gilt es nun die erste - bereits ausverkaufte Headliner-Tour im Heimatland zu absolvieren. Die Franco-Presse von Les Inrocks bis zu Elle, Vogue oder Paris Match ist bereits voll eingestiegen und bei soviel Erfolg schielt die Platttenfirma auch schonmal ins angrenzende Ausland, wo "Chaleur Humaine" nun auch sukzessive veröffentlicht wird. Die Chanson-, R`n B, Pop- und Electro-Mixtur könnte in bescheiderem Umfang auch hierzulande funktionieren, wo die einschlägigen Compilations- und Partyreihen als auch ministerialeLobbyarbeit die Zahl von Fans französischer Musik stetig vergrößert haben.


    Soviet Suprem - L´Internationale Chapter Two - Wagram / Indigo

    "Soviet Suprem Party" - Russendisko von der anderen Rheinseite. Toma Feterman, Chef der französischen Balkan-Jazz-Band La Caravane Passe, und Rap-Poet R-Wan stellen sich (als `John Lénine´ & `Sylvester Staline´) humoristisch vor, wie sich so Einiges wohl entwickelt hätte, wenn die Sowjets den Kalten Krieg gewonnen und statt den Yankees Europa ihren Stempel aufgedrückt hätten. Also werden zu russischen Folkloreschnipseln und französisch-ironischen Texten bei "Eastern Western", "Turbo Tito", "Bolchoi" oder "Slow Slavic" die Balkansound- & Gypsyswing- Pferde gesattelt. Live hat das auch im Berliner Lido bereits einigen Zuspruch gefunden, im laufenden Jahr scheint das Projekt aber im frankophonen Raum live ausgelastet zu sein. www.sovietsuprem.com

     






     
     

     
     

    Rough Guides: Psychedelic India / Psychedelic Salsa / African Rare Groove / Latin Rare Groove alle: Various Artists - World Music Network / Harmonia Mundi

     
     
     Ein besonders prallbuntes Rough Guide Paket diesmal, leider alle ohne Jahresangaben in der Tracklist... 1- Kompiliert von DJ Ritu bietet "Psychedelic India" titelgemäß `mind expanding far out sounds´: `soaring sitars, tremulous tabla & distorted Deep-set drones´ nach dem Vorbild des vor einiger Zeit vorausgegangenen "Psychedelic Bollywood": Ananda Shankar, Asha Bhosle, Bombay Royale, Tiger Blossom u.v.a.... 2- Der "Psychedelic Salsa"-Abteilung steht "Afrosound of Colombia"(s.o.)-Compiler Pablo E Yglesias vor. Der schlägt einen Bogen von den Einflüssen des 70er Repertoires zu heutigen Latinologen von Bacalao Men bis Quantic. 3- Die erste Folge von "African Rare Groove" hat Phil Stanton, Produzent der vorliegende Serie, selbst in die Hand genommen, unterstützt von DJ Jams O´Donnell. Nigerianischer Highlife treffen auf swingende Ethio-Jazz-Gitarren, Salsa-Mbalax-Fusion oder ostafrikanische Rumba. Kurzweilig. 4- Bereits beim zweiten Volume ist das Projekt "Latin Rare Groove" angekommen - und auch hier führt Quantic-Fan PEY(s.o.) Regie, der einmal mehr Fundstücke von Venezuela bis New York präsentiert - u.a. Nelson y sus Estrellas, Systema Solar oder Ricardo Ray & Bobby Cruz.
     
     
      

     
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