Reviews Audiobook 06-15

     

     Moritz Holfelder - Le Corbusier  
     DOM Publishers TIPP  
     
     
    "Zwischen Vision und Funktion" heisst es im Untertitel der vorliegenden Audio-Biografie. Autor Moritz Holfelder nähert sich Charles-Édouard Jeanneret-Gris, also dem franko-schweizerischen "Jahrhundert-Architekten" Le Corbusier, zunächst über dessen "Das Gedicht vom rechten Winkel" an: 19 Lithografien, flankiert von 7 Strophen - ein künstlerischer Ausdruck des Weltbildes und eine Art Selbstbildnis des ganzheitlichen Vordenkers, der um eine am Menschen orientierte organische Ordnung rang. 12 Jahre vor seinem Tod wollte Le Corbusier von seinem Image als Baumeister seelenloser Wohnkolosse nach industriellem Standard loskommen. Lieber sah er sich als Gestalter individueller Raume & Hauser, die Menschen zu grösstmöglicher Freiheit verhelfen solten. Wohnblock contra Villa - die Widersprüche im Werk des umstrittenen Genies werden, etwa anhand von Sätzen wie "Die Pracht des Sichtbetons wird zu Tage treten", wohl überdauern. Moritz Holfelder (u.a. Autor der Architekten-Hörbucher "Niemeyer" "Hadid" oder "Zumthor" in der gleichen Serie) bereiste einmal mehr die Wirkungsstätten des Portraitierten und lässt Le Corbusier auch selbst in O-Tönen zu Wort kommen. www.dompublishers.com  
     
     
     Wiglaf Droste - Der Ohrfeige Nach  
     Edition Tiamat - WortArt - Random House Audio  
     
     
    Ob der Autor sich damit, was er am Nebentisch belauscht hat, eine Ohrfeige eingefangen hat? Wiglaf Droste stemmt sich einmal mehr wort- und geistreich gegen die Zumutungen dieser Welt, etwa in den Medien, der Politik, der Gesellschaft. Man begegnet auf Drostes Sezier-Tour durch Labertal und Floskelheim etwa Schweizer Redaktorinnen, Leerschlägen, Interpunktionsbüchsen, der Bonusfahrzeit der Bahn (die sich mit der vorliegenden Doppel-CD trefflich versüßen lässt) oder Brachial- Bronchitisten. Manche der Glossen kommen knapp & kurz daher wie die "Chef(arzt)visite", andere barock mäandernd wie Nikolais Heidelbachs Gastgeschichte "Wenn Ich gross Bin, Werde Ich Seehund". Und was war jetzt mit dem Titel? Statt wie in Deutschland im Uhrzeigersinn, spielt man in der Schweiz Karten in der entgegengesetzten Richtung - im Schweizer Idiom: "der Ohrfeige nach" -voilá. Ob Droste Rechtshänder ist? Jedenfalls liest er selbst. http://wortart.de/  

     
     
     Max Moor - Als Max Noch Dietr war  
     Deutsche Grammophon / Universal  
     
     
    Und nochmal schwyzerdütsch - diesmal das volle Programm. Man kann alles besser
machen – außer die Schweiz. Dieselbige ist mit der neutralen Zone gemeint, aus der Dieter, pardon, Max Moor berichtet (zuletzt war es noch der neue Wohnsitz im Brandenburgischen). 1958 im Kantonsspital Zürich erblickt Moor das Licht der Welt und hadert seitdem immer mal wieder augenzwinkernd mit seiner skurril eingeigelten Heimat. Die in der Redaktion mit maximaler Poststreik-Verzögerung eingetrudelte Autorenlesung dürfte die Fangemeinde des ´titel, thesen, temperamente´- Ankermannsbilds voll zufriedenstellen - wenn sie 315 auf 4 CDs verteilte Minuten im Schweizer Idiom die Stirn zu bieten in der Lage sind. Wer dem Gesamtpaket (Moor, der Schwyz & den zugehörigen gutturalen Krach-Lauten) gegenüber eher Neutralität wahrt, kann ggf. auf die parallel bei Rowohlt erschienene Buchversion von Dietr´s 60´er Spurensuche zurückgreifen. www.dg-literatur.de  
     
     
     Erik Satie - Ich Bin Sehr Jung Auf Eine Sehr Alte Welt Gekommen  
     CMO-Music / Zyx  
     
     
    Dem verdienstvollen CMO-Music-Team, das sich aktuell über die Nominierungen ihrer Titel "Tremolo" und "Reineke Fuchs" aus der kultfürkids-Reihe für den Medienpreis LEOPOLD freuen kann, war die vorliegende Produktion aus dem Jahr 2006 schlicht zu schade, `um in der Schublade zu verweilen´. Gegeben wird Lucas M.Schmids für Bigband & Sprecher konzipierte `Liaison´ von Erik Saties Musik & Literatur. Es spielt: die WDR-Big Band Köln (Arrangements ihres Leiters von 1995-2002, Bill Dobbins) mit den gefeaturten Solisten Frank Chastenier am Piano und Peter Erskine am Schlagzeug, solide. Es liest: der wohl nach wie vor am besten im Geschäft befindliche deutsche Sprecher, Christian Brückner, routiniert, trotz mancher Überraschungen in Saties Texten. 2008 im abgespeckten Normalformat neu aufgelegt, punktet die dreisprachige Originalversion noch mit dem überformatigen dreisprachigen Booklet, in dem die flankierenden Zeichnungen Saties bestens zur Geltung kommen. Musikalisch ist interessant nachzuverfolgen, wo Dobbins´Orchestrierung sich im Big Band-Kontext werkgetreu an Satie hält und wo Raum für Improvisation und rhythmische Bearbeitung bis hin zum Kontrast geschaffen wird.
    www.cmo-music.de Zum aktuellen Vergleich: das Satie Pianoalbum von Josu Okinena (in der Rubrik `Crossover´).