Neue deutsche Filme – Kinostarts ab August

Vom 43. Filmfest München direkt ins Kino

Das Filmfest München ist immer eine gute Gelegenheit u.a. in der Reihe „Neues Deutsches Kino“ vorab einen Blick auf kommende Kino-Schmankerl von Regisseur*innen und Produzent*innen aus dem deutschsprachigen Raum zu riskieren. Auch das Festival dieses Jahr präsentierte Arbeiten, die ästhetisch wie thematisch unterschiedlicher kaum sein könnten. Viele der Beiträge verband jedoch das Interesse an Randbereichen der Gesellschaft und an Figuren, deren Lebensrealitäten im deutschen Kino nur selten im Mittelpunkt stehen. Ein Ausblick auf ausgewählte deutsche Kinostarts in nächster Zeit:


Kinostart 06.08.2026:
Nach dem tragischen Tod ihrer Teenagertochter reist eine tieftraurige Mutter (Birgit Minichmayr) in Everytime nach Teneriffa – gemeinsam mit ihrer jüngeren Tochter und dem Jungen, dem alle die Schuld an dem Verlust geben. Eine seltsame Kurzschlusshandlung mit heilsamen Folgen. Die österreichische Regisseurin Sandra Wollner überrascht mit der Inszenierung einer ganz speziellen Art der Trauerverarbeitung – radikal und poetisch. Unter der flirrenden Sonne der kanarischen Insel lösen sich die Grenzen zwischen Erinnerung und Realität auf magische Weise auf. Der Film hat den Hauptpreis in der Sektion „Un Certain Regard“ in Cannes gewonnen.

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Kinostart 13.08.2026: Generationenkonflikte und Lebenslügen stehen im Fokus des eindrücklichen Psychothrillers Im Spiegel meiner Mutter. Die renommierten Regisseurin Jutta Brückner zeichnet darin das Porträt einer einsamen Frau ohne Familie und Privatleben. Nach dem Tod ihrer Mutter wird die erfolgreiche Archäologin Ursula (Corinna Harfouch) mit den Traumata ihrer Kindheit konfrontiert und muss sich mit den Lebenslügen ihrer Vorfahren auseinanderzusetzen. Symbole spielen eine große Rolle in diesem vielschichtigen Drama, in dem sich die Realität wie in einem Vexierspiegel bricht. Der Spiegel wird darin zum Symbol für die verstreichende Zeit und zum Tor ins Innere der Protagonistin.
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Kinostart 27.08.2026: In Für immer 16 kreist ein Freundinnen-Trio sommerlich träge um die Themen Altern, Genderidentitäten und die Rebellion gegen den Mainstream. Brezel Göring, vor allem als eine Hälfte des 2021 aufgelösten Synthiepop-Duos Stereo Total bekannt, nutzt für sein Regiedebut 16mm-Analogmaterial auf humorvolle und anarchische Weise. Die Handlung: Charlotte (Lilith Stangenberg), Helena (Mücke) und Oskar (Chang Wang), früher in einer Experimentalfilmgruppe aktiv, beschließen im gemeinsamen Urlaub, einen Film über eine Serienmörderin zu drehen. Das Resultat ist ein superschräger Undergroundfilm mit viel Musik nach einer Idee der 2021 verstorbenen Françoise Cactus, Sängerin von Stereo Total.
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Kinostart 17.09.2026: Mit dem Zusammenbruch scheinbar intakter Familienstrukturen beschäftigt sich die Tragikomödie Kalter Hund, das Spielfilmdebüt von Pauline Roenneberg. Marianne (Corinna Harfouch) hat alles vorbereitet für die 100-Jahres-Feier ihres Gatten. Nachdem sich der Patriarch jedoch ausgerechnet an seinem Geburtstag mit einer Überdosis Tabletten umgebracht hat, bröckelt die Vorzeige-Fassade der zerrütteten Drei-Generationen-Sippschaft. Eine Familien-Aufstellung soll wieder Ordnung und Friede in die Familien-Villa bringen. Schwarzer Humor kombiniert mit messerscharfen Dialogen.
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Kinostart 17.09.2026: Konzertpianistin Lucy (Léa Seydoux) zieht mit ihrem Mann Philip (Laurence Rupp) und dem gemeinsamen Sohn aufs Land in Oberbayern. Die Familie will nach Philips Burn-Out zur Ruhe kommen. Doch eines Tages steht die Polizei für eine Hausdurchsuchung vor der Tür. Der Vorwurf: Besitz und Verbreitung von pädokriminellem Material. Lucys Loyalität zu ihrem Partner wird auf eine harte Probe gestellt. In Gentle Monster beleuchtet die österrichische Regisseurin Marie Kreutzer die schmerzhaften und tabuisierten Nachwirkungen pädokrimineller Vorwürfe ganz konzentriert aus der Perspektive des nahen Umfelds.
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Kinostart 24.09.2026: In eine denkbar düstere Zukunft führt Morgen war Krieg. Der Film von Nicolas Ehret entwirft das Szenario eines auseinandergebrochenen Europas, nachdem in Deutschland eine ultrarechte Regierung die Macht übernommen hat. Während bewaffnete Konflikte die Nachbarländer bereits erfasst haben, bereitet sich Berlin auf einen unmittelbar bevorstehenden Krieg vor. Im Zentrum steht der etwa dreißigjährige Jonas (Enno Trebs), der trotz seiner Kriegsdienstverweigerung zum Militär eingezogen werden soll. Er desertiert. Der Film wirkt stellenweise eher als (bedrückendes) Gedankenexperiment, denn als ausgearbeitete Zukunftsvision – gerade diese Offenheit macht ihn jedoch zu einem anregenden Diskussionsbeitrag.
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Kinostart 01.10.2026: Regisseur Tom Schreiber verlegt seine Tragikomödie Schöne Seelen an die Costa Brava. Er erkundet den dortigen Partytourismus als Rückzugsort für Menschen, die im bürgerlichen Leben keinen Halt mehr gefunden haben. Für diese ebenso präzise beobachtete, wie melancholisch grundierte Milieustudie erhielt der Film auf dem Filmfest München 2026 den Fipresci-Preis der internationalen Filmkritik. Maßgeblichen Anteil daran haben August Diehl als Aussteiger Freddy und der österreichische Kabarettist Josef Hader, der den Betreiber eines Partyclubs mit bemerkenswerter Vielschichtigkeit spielt.
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