| Beim Vorgänger Beyond Istanbul wurde etwas unscharf mit dem bei Trikont stes gern beackerten Untergrund-Begriff hantiert, für die Folge zwo ist DJane Ipek Ipekcioglu nun zwar vom Untertitel her urbanen Sounds auf der Spur, aber Subkultur soll es auch hier vorrangig sein, darauf weist schon ihr dreisprachiger Einstiegstext hin (die ebenfalls in deutsch, englisch und türkisch gehaltenen Detailtexte zu den einzelnen Künstlern und Tracks haben Martin Greve, der türkische Musik am Konservatorium Rotterdam lehrt und der TV- & Print-Autor Murat Meric unter sich aufgeteilt). Zudem ist hier, auch mal fernab des Club-Kontextes ein breiter sehr persönlich gefärbter Soundtrack ihres Lebens zwischen Deutschland und der Türkei aufgefächert, von arabesken Klängen bis zu von westeuropäischer Klassik beeinflussten Volksliedern, orientalischem Hip Hop und einem eigenen Babazula-Remix. Genug Stoff für eine mehrstündige Beschäftigung mit der Materie und mannigfaltiges Nachstöbern. http://dj-ipek.com/
Mahala Rai Banda – Ghetto Blasters Asphalt Tango- Indigo
Vom Land in die Stadt: Bei Mahala Rai Banda haben sich Musiker aus dem Heimatdorf der Fanfare Ciocarlia, Zece
Prajini und aus Clejani, südwestlich von Bukarest zusammengefunden. Die Basis ist natürlich „gypsy stuff“ , jeder der beteiligten Musiker hat diese Traditionals von
Kindesbeinen an gespielt. Mit dem Ehrgeiz, ihre traditionelle
Musik zu fusionieren und auch für ein Publikum in westlichen Metropolen interessant zu machen, tritt die Band auch auf ihrem zweiten Album, fünf Jahre nach dem selbstbetitelten Debüt (auf Crammed Discs) an. Die tanzbare Mischung aus orientalischem Pop, Rumba, einem schmissigen „Balkan Reggae“ (Track 10) und viel Blech aus Romania wird hierzulande ganz sicher ankommen.
Fanfare Ciocarlia – Live
Asphalt Tango – Indigo
Fanfare-Fans aufgemerkt. Das an dieser Stelle schon mehrfach gewürdigte, mittlerweile nur noch 11-köpfige Gypsy-Brass-Orchester aus Zece
Prajini in Rumänien nach Gili Garabdi und Queens & Kings mit ihrem mittlerweile sechsten Album (der noch die DVD „Gypsy Brass Legends- The Story of the Band“ mit über zwei Stunden Material beiliegt). Die CD beinhaltet das gut einstündige Konzert im „Kesselhaus der Kulturbrauerei“ Berlin, vom 4. April 2004. Im Oktober wieder einmal auch in Deutschland live unterwegs.
www.asphalt-tango.de/fanfare/artist.html
Matisyahu – Light
Epic – SonyBMG
Der chassidisch-jüdische New Yorker Rasta Matisyahu bekam als Unikat der Musikszene gewaltige Aufmerksamkeit der internationalen Medien. Live-Auftritte (u.a. beim Reggae Chiemsee) sorgten dann zunächst für eine gewisse Ernüchterung und eine Abkühlung des Hypes um den 29-Jährigen. Sein zweites, nach Reisen nach Jerusalem und Jaimaica (wo sogar Sly & Robbie mit von der Partie waren) von David Kahne (u.a. The Strokes) produzierte Album bietet jedenfalls ein deutlich weitergefasstes musikalisches Spektrum als noch das Debüt „Youth“. Rock, New Wave, Dancehall, Folk bis hin zu Pathos-Pop. Eingängigkeit bis zum Singalong-Chorus steht dabei hoch im Kurs. Unentschieden wirkt das Ganze zuweilen und trotz allen Aufwandes fremdbestimmt. Am 11. Oktober steht ein Berlin-Konzert an (einer von nur vier europäischen Terminen, bevor es bis zum Ende des Jahres extensiv in den USA auf Tour geht). Play Track 8, „On Nature“. www.matisyahuworld.com/
Tanya Stephens – The Hits Collection Vp – Groove Attack
Hut ab. „Big Heavy Gal“ Tanya Stephens ist mit ihrer Ablehnung homophober Texte im Dancehall eine der ganz wenigen Künstlerinnen in Jamaica, die hier klar Bestellung beziehen (check out „Do you Still Care?“). Möglicherweise hat hier eine Rolle gespielt, dass Stephens u.a. drei jaher in Schweden gelebt hat, bevor sie nach Jamaica zurückkehrte. Hierzulande kennen sie viele durch ihre Zusammenarbeit mit Seeed, u.a. bei „Music Monks“. Einen weiteren Grund, sich mit ihrem inzwischen beachtlichen Repertoire zu beschäftigen, liefert vielleicht die vorliegende Vp-Hit-Collection, der noch eine 45-minütige Bonus-Video-DVD beigelegt ist. www.myspace.com/tanyastephensmusic
Senior Allstars – Hazard
Skycap – Rough Trade
Dass die Musik auf diesem Album aus Münster stammt, würde man bei zunächst nicht vermuten. Die Senior Allstars spielen ihren instrumentalen SkaDubReggae-Hybrid so routiniert, dass man schon im Ausland lobende Worte fand. Markus Dassmanns rocknahe Gitarre macht am ehesten den Unterschied, der Multiinstrumentalist & Komponist ist schon seit Jahren der musikalische Kopf der früheren Band von Dr. Ring Ding (als Richie Alexander hier als Gast an der Posaune dabei). Solides Album, allerdings auch ohne wirkliche Höhepunkte.
www.theseniorallstars.de
Speed Caravan – Kalashnik Love Real World – Indigo
Wer schon einmal auf einem Rachid Taha-Konzert war, weiss dass auf einer Oud gerockt werden kann. Mehdi Haddab, klassisch ausgebildeter Virtuose der birnenförmigen arabischen Laute, hat Tahas Steilvorlage mit seiner neuen Band „Speed Caravan“ zur zentralen Idee gemacht: die Oud erklingt hier meist elektrisch verstärkt oder als Soloinstrument über Gitarrenwänden. Der „Rock El Casbah“-Modifizierer Taha ist höchstselbst zu Gast bei der in diesem Kontext besonders auffälligen Coverversion von The Cures „Killing An Arab“. Des weiteren wird auf einen Track der Chemical Brothers zugegriffen und zahlreiche Gäste aus Nordafrika und Europa machen ihre Aufwartung. Arabisches, Rai, Rock und Electronica in einem furiosen Mix. Play Tracks 2,3,6,8. www.myspace.com/mehdihaddabthespeedcaravan
|