| Neuverpackte Zusammenstellung von 8 orchestralen Filmmusiken Dmitri Shostakovichs, die von 1987 bis ´90 vom Belgian Symphony Orchestra & Chorus unter José Serebrier eingespielt wurden. Sowjetische Propagandastreifen wie „The Fall of Berlin“ von 1950 sind darunter, Mosfilms Geschenk an Stalin zum 70. Geburtstag, für den sogar eine Triumphfahrt des Diktators durch die zerstörte Stadt inszeniert wurde, die es nie gegeben hat. Nachdem Shostakovichs Mitarbeit ihn wohl vor dem Gefängnis bewahrte, mussten er und andere Filmverantwortliche bei der Premiere zitternd Stalins Reaktion auf den Film abwarten, die dann glücklicherweise wohlwollend ausfiel. Der berühmte Komponist hatte es unter den Kommunisten selten leicht und finanzierte mit unterschiedlichen Filmmusikaufträgen immer wieder seine E-Musik. Mit „King Lear“ von 1970 ist auch seine letzte Arbeit für den Film vertreten.
Irmin Schmidt – Filmmusik Anthology Spoon – Warner
Besser könnte man die Aktualität dieser Veröffentlichung nicht unterstreichen: Irmin Schmidt erhält am 21. November 2009 im Rahmen einer Gala den Ehrenpreis für besondere Verdienste im Bereich Medienmusik auf der SoundTrack_Cologne. Schmidt, der Komposition u.a. bei Stockhausen und Ligeti studierte ist international vor allem als Gründungsmitglied von CAN bekannt, die filmmusikalisch nicht nur im „Kommissar“ reüssierten, sondern als Gruppe auch mehr als 20 Filme (u. a. von Wim Wenders, Jerzy Skolimowski oder Samuel Fuller) vertonten. Schon das zweite Album der Gruppe „Soundtracks“ (1970) fasste entsprechende Arbeiten zusammen. Schmidt schrieb solo ca. 100 Filmmusiken. Die vorliegende Doppel-CD fasst auf zwei Stunden u.a. Musik aus „Palermo Shooting“, „Paparazzo“, „Schneeland“ oder dem Tatort „Wenn Frauen Austern Essen zusammen“ und schließt lose an die vergriffenen Schmidt Filmmusik-Volumes 1-3 aus den Neunzigern an. Hier wäre ein Re-Release angezeigt, liebes Spoon-Records-Team…
for films – edit 14 selected tracks for moving pictures – Freibank MV
Und wieder eine neue Folge der Freibank-Vorschlagsreihe, mittlerweile Numero 14. Die Kompilatoren Swantje Fiedler, Fredrik Nedelmann und Carsten Seidel können vermelden, dass sich sogar Quentin Tarantinos Spürnase für seine „Inglorious Basterds“ von Ihren Vorschlägen inspirieren liess. Diesmal wird der edit zweigeteilt gereicht: Die erste CD enthält 29(!) Instrumentals wie Atom TMs „Im Rausch der Gegenwart I“ (erhältlich bei Raster-Noton), bei dem Handy-Interferenzgeräusche Verwendung finden oder neue Namen wie Snake & Jet´s Amazing Bulleit Band. Die zweite Scheibe präsentiert Songs, ist mit den Trashmonkeys, den Vineyards oder Portugal.The Man indielastig ausgefallen und überzeugt weniger. www.freibank.com
Anja Losinger & Mathias Eser – The Five Elements tonus-music – Alive
Genregrenzen überschreitende Musik, die Raum lässt für Assoziationen ist in dieser Rubrik stets willkommen. Wer unsere instrumentale Vorliebe für Xylophon, Marimba, Vibraphon & Co kennt, wird sich nicht über die Berücksichtigung von „The Five Elements“ wundern. Die Interpreten Anja Losinger und Matthias Eser bieten darüberhinaus noch eine Premiere der besonderen Art. Die Tanz- und Musikperformerin Losinger ist an der Xala zu hören, dem ersten tanzend bespielten Bodenxylophon der Welt. Gemeinsam mit dem Erfinder und Instrumentenbauer Hamper von Niederhäusern hat sie bereits das Unikat bereits 1998/99 entwickelt . Das aus 24 Klangstäben zusammengesetzte Instrument ist 400 Kilogramm schwer, 4,5 Quadratmeter gross und wird mit Flamencoschuhen, einem mannshohen Stock und anderem Schlagwerk zum Klingen gebracht. Zusammen mit Matthias Esers Marimba und Percussion ensteht „repetitiver, Klang gewordener Rhythmus“ den wir hier ausdrücklich empfehlen möchten. Am 21.10. live im Sinclair-Haus von Bad Homburg. www.xala.ch
Ari Benjamin Meyers – Symphony X Potomak – Indigo
Und noch etwas minimalistisch Geprägtes: Ari Benjamin Meyers „Symphony X“ schöpft seine Intensität aus detaillierten Variationen von repetitiven Klangpattern. Wie aus Steve Reichs Lehrbuch für den `gradual process´ (ein andere Größe des Genres in aktuellen Soundtrack-Rubrik). Meyers 17-köpfiges Redux Orchester besteht aus Blechbläsern, Streichern, E-Gitarren und Bass, Schlagzeug und Elektronik. Sein mit diesem Instrumentarium erzeugter dynamischer kammersinfonischer Hybrid nährt sich aus Minimal und Klassik, elektronischer Experimentalmusik und Rock. Meyers bringt Erfahrung aus Begegnungen mit so unterschiedlichen Kollaborateuren wie La Fura dels Baus, den Einstürzenden Neubauten, den Residents, der Staatsoper Dresden oder The Orb mit in das Werk ein, auf dessen Live-Aufführung man gespannt sein darf… Termine dazu sicherlich beizeiten unter: www.aribenjaminmeyers.com |