Haley Westenra – Winter Magic Ronan Keating – Winter Songs Decca / Polydor – beide: Universal
Der von der Crossover-Klassik bekannte neuseeländische Twen mit der vielgepriesenen klaren Stimme hat nun auch ein (andersweo in Teilen bereits früher veröffentlichtes) Winter- und Weihnachtsalbum am Start. Vieles darauf ist nicht weiter erwähnenswert, doch hin und wieder (mit „Carol of the Bells“, Joni Mitchells „River“ oder „Christmas Morning“) gelingen Haley Westenra hübsche Momente melodischer Finesse. Und am Ende steht ein Duett mit – richtig – dem ähnlich jungen und keimfreien Herrn Ronan Keating…
Wer den ehemaligen Boyzone-Sänger aufgrund ebenjener Vergangenheit konsequent verschmäht hat, wird vom gefühlvollen Opener von dessen zeitgleich erscheinendem Weihnachtsalbum möglicherweise positiv überrascht sein. Leider bleibt dieser „Winter Song“ auch das Highlight der Platte, denn Keating ist (von Produzent Steve Lipson) nicht gut beraten, sich an Material von Paul Simon oder Joni Mitchell (s.o.) zu versuchen, das man sowohl vom Original als auch von einigen Coverversionen besser in Erinnerung hat. Sein „Little Drummer Boy“ beispielsweise mündet nach passablem Beginn ins Pompöse. Eine „Winter Song“-Single (mit dem vertretbaren, altmodisch arrangierten „Have Yourself A Merry Little Christmas“ als B-Seite wäre die bessere wahl gewesen.
A Christmas Carol / Eine Weihnachtsgeschichte Disney – download only
Kaum zu glauben, aber wahr. Der Score von Grammy-Gewinner Alan Silvestri zum (seltsam früh im November bereits gestarteten) weihnachtlichen 3-D-Ereignis mit dem Prädikat „Besonders Wertvoll“ wird nur als Download erhältlich sein. Möglicherweise ist dieser Umgang mit der Orchestermusik zur Verfilmung von Charles Dickens´ urenglischer Weihnachtsgeschichte richtungsweisend für reine Scorealben, auch wenn sie große Kinostarts begleiten. Sad but true, aber die Zeiten ändern sich – nicht nur für Ebeneezer Scrooge.
Karl Jenkins – Stella Natalis TIPP! EMI Classics
Der frühere Soft Machine-Keyboarder Jenkins ist nach der Beschäftigung mit Minimalismus und moderner Klassik zu einer bemerkenswerten genreübergreifenden Komponistenpersönlichkeit gereift. Sein aktuelles , komplett durchhörbares Album „Stella Natalis“ für Orchester, Solisten und Chor besteht aus zwei Teilen: der gleichnamigen, zwölfteiligen Weihnachtskantate und „Joy to the World“, neun von Jenkins arrangierten Weihnachtsliedern. Sopranistin Kate Royal und Trompeterin Alison Balsom sind als Stargäste mit von der Partie. Leider, leider findet Jenkins´ aktuelle „Stella Natalis“-Tour mit dem Tenebrae-Chor unter Leitung von Nigel Short nur in England statt.
Andrea Bocelli – My Christmas
Parlophone / Universal
Der nicht ganz unumstrittene, gleichwohl immens erfolgreiche blinde Crossover-Tenor aus Italien mit einem auf lange Sicht wohl unvermeidlichen Weihnachtsalbum. Bocelli paart sich gesanglich erneut vielfach, u.a. mit Natalie Cole, Mary J. Blige, Katherine Jenkins, dem Mormon Tabernacle Choir und – gleich nach einer (teilweise deutsch gesungenen) Version von „O Tannenbaum“- mit den Muppets, zu „Jingle Bells“. Sprachlich wird ansonsten zwischen Englisch und Italienisch gependelt, musikalisch zwischen Traditionals, Standards und leichter Klassik. Produziert und arrangiert wurde Bocellis „White Album“ von dem bei Celine Dion ausgeliehenen David Foster. |