Reviews Audiobook 7-11

* soundtrack * crossover * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * dvd-special *

Stimmen Bayerns – Die Liebe
Trikont – Indigo
Den
Einstieg machen sie einem leicht. Der „seelisch treue“ ewige Stenz Monaco
Franze aka Helmut Fischer singt charmant von seinem Spatzl – und all den
anderen Frauen. Josef Bierbichler liest einen schönen kurzen Text zum vielgeliebten
Phänomen König Ludwig (zwo) von Wolf Wondratschek. BR-Kommissar Udo Wachtveitl
folgt mit einer einem Krimi von Robert Hültner entnommenen 4-minütigen
nächtlichen Liebesszene aus der Münchner Innenstadt – live und doch präzise gelesen.
Hernach die Schneitzelreuther, in der Liebe und damit im Leben unglückliche Volkssängerin
Bally Prell, „nur „der Föhnwind hat g´lacht“. Dann folgt -mit der ganz arg
lispelnden Martina Gedeck- auch mal rein technisch ein Ausfall. Doch ihr Text
stammt von Ödön von Horvath, dessen Zitat „Der Mensch wird erst lebendig durch
die Sprache“ die Herausgeber Andreas Koll, Eva Mair-Holmes und Achim Bergmann
ihrer Einführung in die Trikont-Auswahl an bayrischen Stimmen voranstellen. Die
großangelegte Edition versteht den Klang bekannter Stimmen aus Theater, Radio, Fernsehen oder
Tonträger als Ausdruck heimatlichen Klang-Allgemeinguts und wirft über „Klischees und Abgrund, Verschrobenheit und
Sentimentalität“ einen Blick in die bayrische
Seele. Der Giasinger Stimmenfang beginnt mit `Die Liebe´ – und Franz Xaver Kroetz,
Veronika Fitz, Franz Dobler, einem singenden Regisseur Marcus H. Rosenmüller
oder Dr. Döblingers Geschmackvollem
Kasperltheater. Und man freut sich auf viele Stunden der eingehenderen
Beschäftigung mit dieser und den kommenden Folgen.
TIPP!

Stimmen Bayerns – Der Tod
Trikont – Indigo
„Was geits,
was wuist?“ „I bin da Boandlkramer.“ Mit dem für jedermann unausweichlichen Tod
folgt das nächste große Thema der den Nahtstellen zwischen Populärem und bayrischen Wurzeln
nachspürenden „Stimmen“-Edition, eingeleitet von einem ´fieldwork´-Leichenzug aus der
großartigen „Dead & Gone“-Kompilation des Labels. Auch weniger subtile
Einblendungen von Trikont-eigenen Künstlern nimmt man anhand des Großen Ganzen
nicht weiter krumm, es bleibt auch im Umgang mit dem „staden Hund Doad“ stimmig
– selten „modrig & dumpf“, sondern heiterer als beim sensiblen, oft bedrückenden,
tabuisierten Thema vielleicht zu vermuten. Neben einigen der oben genannten, auch in Sachen Liebe eingesetzten Stimmen kommen Größen wie Dr. Georg Ringsgwandl, „Meister Eder“ Gustl Bayrhammer (mit „Hund samma scho´“), Gerhard Polt mit seiner derbe-komischen „Fleischfliangoder der zähe Söllner Hans dazu. Auch eine
Szene aus Herbert Achternbuschs Film „Das Gespenst“ darf nicht fehlen
. „Aufi g´stiegn, obi´gfalln, hi-gwesn“
– so schnell kann es gehen und wir alle können „nix mitnehma“…Aber vorerst kann man sich
noch auf weitere CDs der Reihe freuen, wie man hört u.a. `Die Freiheit´, `Der
Rauch´ oder `Das Verbrechen´.

Django – Alice Im Wunderland – Old Firehand I & II
alle: Europa / Sony

Der Ausflug der Europa-Klassiker-Serie ins Italowesterngenre kann nicht als gelungen bezeichnet werden. Schon der Gutmensch Helmut Lange – als Lederstrumpf noch audiovisionelle Traumbesetzung – funktioniert als Django irgendwie nicht. Auch die übrigen durchaus versierten Sprecher wie Horst Beck, Claus Wagener und Werner Hinz tun sich in dem so brutalen wie überraschungsarmen Hörspiel schwer. Hans Paetsch und Konrad Halver tauchen in für ihr sonstiges Profil ungewohnten Nebenrollen auf. Für Genrefans und Sammler mag auch das hier versammelte Scheitern noch versteckten Reiz besitzen, zudem bekommt man einen seltenen Song als musikalische Klammer serviert.

Ähnlich untypisch für die Serie ist die Nummer 62, ein echter Klassiker der (Kinder-Literatur:
Alice im Wunderland. In nur knapp 35 Minuten wird die ursprüngliche Handlung doch arg beschnitten, vor allem um lohnende Charaktere. Die Besetzung und Umsetzung des ersten Teils der Story nehmen dennoch für diese Version ein. Reinhilt Schneider als Alice überzeugt auf
fröhlichen, aber selbstbewusste Art, die Lachkatze von Rudolf H. Herget ist eine kleine, aber feine Nebenrolle und die Frauenrollen von Katharina Brauren, Sylvia Anders und Ingeborg Kallweit dürfen sich hier geradezu austoben, auch wenn gegen Ende hin ein wenig viel von Kopf abschlagen die Rede ist. Hans Paetsch gibt einmal mehr den routinierten Märchenonkel als Erzähler.

Auch bei beiden nun auf einer Cd zusammengefassten „Old Firehand“-Hörspielen der Reihe weckt Paetsch Kindheitserinnerungen. Doch die beiden Versionen sind innerhalb der zahlreichen Karl
May-Geschichten der Serie eindeutig zu den schwächsten zu rechnen – trotz Franz-Josef Steffens in der titelgebenden Rolle und des bewährten Konrad Halver in seinem Paradepart als Winnetou und einem Kurzauftritt von Wolfgang Kieling (!). Über 70 Minuten zuwenig angesichts einer mauen Spannungslinie der diesmal schwächelnden Regie von Heikedine Körting.

TIPP!

Birand Bingül – Der Hodscha Und Die Piepenkötter
Deutsche Grammophon – Universal
Birand
Bingül,1974 geborener WDR-Redakteur, hat sich jahrelang intensiv mit den
Themen Integration und Migration beschäftigt. «Der Hodscha und die
Piepenkötter» ist
sein zweiter Roman. Mit der Maxime seines Vaters „Wenn Du zuschlägst,
muss man es hören können“ ausgestattet, startet der neue Mann Allahs in einen zähen Kleinstadt-Kleinkrieg mit der im Wahlkampf befindlichen Oberbürgermeisterin
Ursel Piepenkötter, um eine neue Moschee für seine Gemeinde zu
realisieren. Tricksen, tarnen,
täuschen ist die Devise – auf beiden Seiten. Der folgende Schlagabtausch
ist für eine Autorenlesung vom zweisprachigen Bingül passabel
vorgetragen, ermüdet jedoch spätestens im Verlauf der eingeflochtenen
Liebesgeschichte zwischen den Sprösslingen der beiden Kontrahenten. Wer
dennoch bis zur Wahl zuhören mag…ansonsten gibt es das Ganze ja auch das Buch

Disneys Winnie Puuh
Disney / EMI

Das deutsche Original-Hörspiel zum neuen Winnie Pooh-Kinofilm, mit dem sich Disney wieder soweit
wie möglich den Originalstories von Pooh-Schoepfer Alan Alexander Milne
annähern wollten. Nachdem in den letzten Versionen zu viele dem Original fremde Figuren
Einzug gehalten hatten, konzentriert man sich wieder auf die ursprünglichen Charaktere: Der Trauerkloß I-Aah hat seinen
Schwanz verloren. Eule hat zum Glück eine Idee: Wer den besten neuen Schwanz für
I-Aah findet, gewinnt einen Preis. Dann verschwindet auch noch Christopher Robin und der grausige `Balzrück´ kommt ins Spiel. Dazu im Hintergrund Henry
Jackmans Score, der im klassischen Mickeymousing badet wie Dagobert im Geldspeicher. Enhanced CD mit Bonusmaterial für den Computer.

Schwedisch Lernen mit The Grooves
Digital Publishing

Heij,
Heijsan! Schwedisch sprechen heutzutage nicht allzuviele Menschen außerhalb
Skandinaviens, dennoch scheint eine Folge in der „The Grooves“ Sprachtriner-Reihe
schon anhand des schwedischen Beitrages zur Popkultur nicht allzu weit
hergeholt. Auch wenn Digital Publishing auf den ersten Blick arg viele
Klischees in der Werbung für eine „akustische Reise durch die Heimat von Pippi
Langstrumpf und Michel aus Lönneberga“ bemüht – fehlt nur noch, dass der
Ikea-Elch durchs Bild trabt. Und halt, da kommt es schon – „Ich arbeite bei
Ikea – wie alle Schweden.“ Das nennt man wohl Vorwärtsverteidigung. In kurzen Dialogen
werden Sätze und Vokabeln abwechselnd auf Schwedisch und Deutsch vorgesprochen
und mehrfach wiederholt. Die unterlegte, naheliegenderweise an Nordic Jazz
angelehnte Begleitmusik soll das Lernen und Verinnerlichen der Vokabeln fördernOb
diese Groovy Basics „Sie bestens auf die Konversation mit Ihren skandinavischen
Gastgebern“ vorbereiten muß jeder „Schwedenurlauber“ wohl selbst entscheiden. In
diesem Sinne – Mycket nöje! – Viel Spaß und Adjö.

Teufelskicker – Mädchenalarm
Europa / Sony

Spezialtipp zur Frauen-Fussball-WM: Sportrock feat. Alexandra („Poppi“ Popp) & Annike (Krahn) – Fussballsommer Zwei deutsche Nationalspielerinnen in einem nicht uncharmanten Videobeitrag, wo sie schon mal „Weltmeisterinnen“ werden…
`Wer kann
besser kicken, Jungs oder Mädchen?´ fragen sich natürlich passend zum sommerlichen Großereignis auch die Teufelskicker aus der beliebten Europa-Serie. Für Niko, Moritz und Mehmet ist der Fall natürlich
klar: Dumm nur, dass sich Catrina, Elena und Rebekka im Rahmen ihrer verwegenen Wette für das ausgemachte Match mit Mädels aus der nahbei trainierenden U
17-Mädchen-Nationalmannschaft verstärken und die vorlauten Bengel kräftig aufmischen: „4:2 für die
„Teufelskickerinnen“…

Previous Issue: 4/5 – 2011 © cinesoundz
* soundtrack * crossover * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * dvd-special *