| Das UK liebt Natasha Khan a.k.a. Bat For Lashes, auch wenn es bei den Mercury Music-Preisverleihungen zweimal knapp nicht geklappt hat. Deutschland als Repräsentant der 3. Welt im Pop ist da noch nicht ganz aufgewacht. Khans nach der vorab veröffentlichten Hammer-Ballade „Laura“ mit Spannung drittes Album, „The Haunted Man“ könnte zumindest weitere Kreise für die magischen Musikentwürfe der Britin mit (pakistanischem) Migrationshintergrund erschließen. Songs wie „All Your Gold“ (Hitpotential) oder „Winter Fields“ haben die kompositorische Klasse, im Stile von Ausnahmekünstlern wie Kate Bush (deutliche Running Up That Hill-Referenzen in „A Wall“) oder Peter Gabriel abseits hektischer Trends ein großes Publikum zu überzeugen, auch wenn das gesamte Album diesmal bei den ersten Hördurchgängen noch zu heterogen für die Klassikerliga wirkt.
Bis das entsprechend gesackt ist, widmen wir uns einem musikalisch vermeintlich ähnlichen Thema. Stimmlich, beim fantastisch-träumerischen Ansatz, dem Künstler-Pseudonym und auch in manchen Arrangements gibt es Parallelen zur US-Sängerin & Pianistin Alison Sudol. Mit dem ebenfalls dritten Album „Pines“ erzählt Sudol eine fiktive Fabel über einen
verwunschenen Baum, der die Chance bekommt, sich ein eigenes Leben auszusuchen. Wenn das nicht traumhaft klingt – eine Redwood-Metapher für die
Schnelllebigkeit des 21. Jahrhunderts. Die Veröffentlichung wird in den USA zumindest interessanterweise vom
Erscheinen eines gleichnamigen Zeichentrickfilms sowie von einem in Zusammenarbeit mit der Illustratorin Jen
Lobo entstandenen Buch flankiert. http://afinefrenzy.com/
Ry Cooder – Election Special Van Morrison – Born To Sing: No Plan B / Paul Carrack – Good Feeling Nonesuch / Warner * Blue Note / EMI * India / Rough Trade
Ryland Cooders
wütender Kommentar zur US-Gesellschaft im Allgemeinen und zur Politik
der Republikaner im Besonderen („Mutt Romney Blues“), zu deren Parteitag
das Album in den USA veröffenticht wurde. Der Saitenvirtuose reiht
sich nicht einfach pünktlich zum Wahlkampf in den Kanon eher den
Demokraten zuneigender US-Künstler ein (in „Guantanamo“ kriegt auch
Noch-Amtsinhaber Obama mittelbar sein Fett weg). Cooder reicht es
wirklich, wenn er z.B. im „Wall Street Part Of Town“ sein
Roots-Repertoire aus Country Blues & Shuffle mit beissenden Texten
auflädt und abschließend „Get your hands off my constitution“ bellt.
Wer weiß, vielleicht sind Cooders 10 selbstproduzierte und nur mit Sohn
Joachim am Garagen-Schlagzeug eingespielte Tracks zur Lage der Nation
ja bald das Zünglein an der Waage in Washington.
www.nonesuch.com/artists/ry-cooder
Van Morrison, Legende seiner selbst, liefert auf dem schon reichlich
selbstbezogen betitelten Album „Born To Sing: No Plan B“ auf fünf (!)
den Songtexten vorangestellten Bookletseiten Einschätzungen dreier
Hofberichterstatter zum aktuellen, dem 34., Opus gleich mit. Jazz &
Blues sind vorherrschender als auf anderen Alben des Nordiren, aber mit
der Berufung nimmt es The Man dann nicht so genau, er intoniert mit
seinen 67 Jahren zunehmend schlampig. Insbesondere „Close Enough For
Jazz“ oder „Mystic Of The East“ leiden darunter. Bei Tracks, wo der
Sänger weniger gefordert ist, stellt sich dennoch, mehr wegen des feinen
Zusammenspiels seiner Mannschaft, kurz alte Magie ein: „Goin´ Down To
Monte Carlo“, oder „If In Money We Trust“. Doch wann hat man sich
schonmal einen besseren Sänger für einen Van Morrison-Track gewünscht? Play Tracks 2, 5, 7, 8.
Deutlich
besser bei Stimme ist der fünf Jahre jüngere Paul Carrack auf „Good
Feeling“, gleich mit dem Titeltrack und den folgenden „Marmalade Moon“
(mit Chris Difford von Squeeze geschrieben) und „Nothing Without You“
hat er schmissigen Blue-Eyed Soul im Gepäck und erweist in der Folge
noch Ray Charles, Nick Lowe und Bruce Springsteen seine Referenz. Am
Ende noch eine Parallele zu Ry Cooder: Carracks Sohn spielt auf dem
Album mit – am Schlagzeug. Play Tracks 1-3, 6. www.paulcarrack.net
Beak – >> / Black Marble – A Different Arrangement / Spirit of Talk Talk Invada * Hardly Art * Fierce Panda / alle : Cargo
1 Producer und Portishead-Mastermind
Goeff Barrow mit dem zweiten Album seines Sideprojects Beak mit Matt
Williams & Billy Fuller. Das kryptisch betitelte „>>“ wurde
erklärtermaßen relativ „live“
eingespielt, d.h. ohne Overdubs und in einem Take. Was man Tracks wie
dem krautrockartig dahinsteppenden „Yatton“ dann auch anhört. „Spinning
Top“ gibt sich ähnlich minimalistisch & hypnotisch. Joy Division
lässt auch mal grüßen. Trippige Musik mit Schlagzeug, Gitarre und
analogen Synthies, die mit weiteren Hördurchgängen noch zugänglicher
wird. http://beak.bandcamp.com/ 2 Von Joy Division ebenfalls überdeutlich beeinflusst, geht es mit Black Marbles „A Different Arrangement“ noch mehr in Richtung Low-Fi-UK-SynthiePop. Gedämpfte, melancholische, ungemein melodieselige Tracks wie „A Great Design“, die gewollt so klingen wie vom im Keller entdeckten Eighties-Cassettentape und darin Perfektion entfalten. http://blackmarble.bandcamp.com/album/a-different-arrangement 3
20 Jahre gibt es Talk Talk nicht mehr. Die Zeit schien reif für ein
Tribute. Mark Hollis & Co haben die nachfolgende Musiker-Generation
so nachhaltig beeinflusst, dass das frühere Depeche Mode-Mitglied Alan
Wilder als ausführender Produzent keine Probleme hatte, eine Doppel-CD
mit 30
Coverversionen von Songs aus den fünf Alben der Band zu füllen. Die
Bandbreite ist trotz der Fülle der Acts überschaubar, rekrutieren sich
doch fast alle beteiligten Künstler aus der Indieszene, etwa Fyfe
Dangerfield, Turin Brakes, White Lies, Duncan Sheik, Joan As A
Policewoman oder The TenFiveSixty. Letztere haben sich „It´s My Life“
für eine Wall-of-Sound-Uptempo-Nummer als Einstieg in die zweite CD
vorgenommen, aber sonst dominieren eher langsame Stücke, die
melancholische Seite des Oeuvres wird
betont wird. CD-Cover von Talk Talk-Originaldesigner James Marsh Ein Booklet
fehlt offenbar mit gutem Grund – auf www.spirtoftalktalk.com können
& sollen Fans ein Buch zum CD-Projekt bestellen. |