| Da man es beim deutschen Obermajor nicht für nötig befand, den Soundtrack mit dem Score von Oscarpreisträger Hans Zimmer zu einem der erfolgreichsten Zeichentrick-Sequels auch auf CD zu veröffentlichen, wirft die Redaktion einen erleichterten Blick über die Alpen, wo sich Universal Austria durchaus eine eigene Meinung zum einen oder anderen Musikthema leistet. Marty, Alex, Melman und Gloria haben auf ihrer Tour durch Europa diesmal das Ziel, möglichst nicht aufzufallen. Folgerichtig landen das vorlaute Zebra, der eitle Löwe, die Hypochonder-Giraffe und die Nilpferd-Diva in der Manege! Gegen den Zauber, den dieser Wanderzirkus dann nach & nach entfaltet, muß sich die alte Heimat New York dann ziemlich ins Zeug legen. Auch die Pinguin- und Katta-Nebenrollen steuern souverän ihre Lacher bei und in die „I Like To Move It“-Hit-Fußstapfen treten bei M3 „We No Speak Americano“ & „Firework“.
TV Sound and Image Filmmusic Compilation – Various Artists – Soul Jazz / Indigo
Tipp des Monats – „TV: Sound And Image“. Diese mit einem Coverzitat zum Bond-Jubiläum aufwartende Doppel-CD mit musikalischen Highlights aus dem UK-TV lässt das Herz des Film-
& Filmmusikfans höher schlagen. Im 48-seitigen, farbigen Extra-Booklet im leichten Überformat liefert neben Soul Jazz-Gründer Stuart Baker der britische Library-Fachmann Jonny Trunk (Trunk Records) detailierte Informationen zur Entstehung einzelner Stücke sowie Künstlern wie Roy Budd, Laurie Johnson und natürlich John Barry. Retro Sound Galore aus dem britischen Fernsehen der „goldenen“ Periode der Fifties, Sixties & Seventies, repräsentiert von Ensembles wie The Tony Hatch Sound, The Simon Park Orchestra, The Harry Roche Constellation oder The Barry Gray Orchestra. Well done indeed! www.soujazzrecords.co.uk
Savages
Original Soundtrack – Various Artists – Varese Sarabande / Alive
Bei Oliver Stone wird traditionell auf die Musik geachtet. Auch die Songkopplung zu „Savages“ kann sich als Kinogangsouvenir oder auch unabhängig vom Filmbesuch hören lassen. Das Tracklisting mit
einer ungewöhnlichen „Psycho-Killer-Coverversion von Bruce Lash und Songs von Bob Dylan, Peter Tosh, Massive Attack, Thievery
Corporation oder Filmmusik-Oscarpreisträger Gustavo Santaolalla geizt nicht mit großen Namen. Der Score des Films stammt aber interessanterweise vom
ehemaligen Echo & The Bunnymen-Musiker Adam Peters, der aber vorher bereits
mit Beth Orton, Mercury Rev, Siouxsie And The Banshees
oder Chrissie Hynde zusammengearbeitet hat. Insider werden sich auch an seine Mitarbeit an Filmscores wie die für „Rango“
oder „I Love You, Phillip Morris“ erinnern. Savages-Film-Website D
To Rome With Love
Original Soundtrack – Various Artists – Sony Classical
So sehr man dem Altmeister die Tingelei durch die mit Fördergeldern um sich werfenden europäischen Metropolen gönnt, diesmal hat Woody Allen den filmischen Rhythmus meist nicht gefunden. Das heterogene Ensemble findet unter seiner Regie in Rom selten zueinander, es gibt zuviele Vorhersehbares, absurde Gags wie die Operndusche sind nicht nur Wimpernschlag, sondern werden länglich ausgewalzt. Und das leider auch bis in die Soundtrack-CD hinein. Wenn man die bemühten sechs Operntitel von Fabio Armiliato & Co. und einen blutleeren Discotrack abzieht, verbleibt nur ein Konsenstitel aus der italienischen Pop-Historie wie „Nel Blu Dipinto Di Blu (Volare)“ (dieser in gleich drei Versionen), das im Film penetrant eingesetzte „Amada Mia Amore Mio“ des Starlite Orchestra bis hin zur mäßigen Alfredo Messina-Version von (und damit sind auch wir am Schluß) „Arrividerci Roma“…
Goldrausch Original Filmmusik – Ulrike Haage – Blue Pearls / Indigo
Zum Tag der Deutschen Einheit bläst „Goldrausch-Die Geschichte der Treuhand“ endlich auch zum
„Weststart“ (in München im Monopol). Die seit dem 30. August in Ostdeutschland laufende Dokumentation wird nach den Vorführungen leidenschaftlich diskutiert, die Privatisierung von rund 8.500 „volkseigenen
Betriebe“ der DDR seit 1990 hat ihre Spuren hinterlassen, u.a. gingen über drei von insgesamt vier
Millionen Arbeitsplätzen verloren. Bis Ende 1994 werden Schulden von 250
Milliarden Mark und Verluste durch Betrug von mindestens 20
Milliarden Mark angehäuft – schon davon gehört. Wem da die Augen geöffnet werden, wird vielleicht als angenehm empfinden, dass sich der ruhige, stimmige musikalische Background von Ulrike Haage (Ex-Rainbirds) selten aufdrängt. Mit kleinem Ensemble erarbeitet sie repetitive, ab und zu an Michael Nyman erinnernde Miniaturen, die sich auch ohne den Film durchhören lassen. www.ulrikehaage.com/
|