Comic - Special 08-2020

comics 05 20 Natascha

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Gezeichnete Lektüre in Corona-Zeiten... mit kleinem LTB-Gewinnspiel...

 Schloss der Tiere - band 1 - Miss Bengalore / ein affe am himmel Bd. 1 & 2

Xavier Dorison & Félix Delep - Splitter * Etienne Willem - schreiber & leser

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Farm, pardon, Schloss der Tiere. Virtuos gezeichnete Abwandlung der Orwell´schen Diktaturenfabel - leider auch heute von unverminderter Brisanz. Auch als limitierte, purpurne Diamant-Edition.

www.splitter-verlag.de 

 TIPP
 

1 George Orwells Animal Farm stand natürlich Pate bei Xavier Dorisons Tierfabel über das Abgleiten von Demokratie in Diktatur. Klassische literarische Vorlagen sind offenbar Dorisons besonderes Steckenpferd, sein in Deutschland bei Carlsen erschienener Band Long John Silver ist noch in bester Erinnerung. Außerdem scheint der Pariser Erfolgs-Szenarist ein Händchen für außergewöhnliche Zeichen-Partner zu haben. Das Piratenabenteuer machte Mathieu Lauffray zum Ereignis, Ralph Meyer setzte Undertaker für Dorison ins Bild. Nun ist es der souveräne, dynamische Strich des (erst 1993 geborene) Senkrechtstarters Félix Delep, der den vorliegenden Band aus der Masse der Erscheinungen heraushebt. Delep, der (mit Jessica Bodard) auch wunderbar selbst coloriert, findet hier schon bei seinem Debüt(!) eine mitreissende Linie zwischen Gustave Dorés klassischen La Fontaine-Fabel-Stichen, Uderzo- & Disney-Referenzen (seine titelgebende Katzendame Miss Bengalore ist eine zerzauste Hommage an die ebenfalls alleinerziehende Angora-Lady Duchesse aus Aristocats). Und hochaktuell ist das Ganze auch noch - der degoutante Stier-Diktator Silvio ist ein Trump-eltier erster Güte...

Und noch einmal vermenschlichte Tiergestalten - in Etienne Willems zweibändigem Ein Affe am Himmel. In diesem etwas anderen Fliegercomic aus den von Wirtschaftskrise & Prohibition geprägten USA der 1930er Jahre muss sich der draufgängerische Ex-Lafayette-Staffel-Pilot (& Schimpanse) Harry Faulkner als Kunstflieger und Stuntman verdingen. Nebenbei gerät der äffische Held zwischen New York & Los Angeles (und zwischen dem blonden Starlet Clara Palmer und der schwarzhaarigen Reporterin Betty Laverne) in die unterschiedlichen Machenschaften von Politikern und Milliardären, von FBI-Ermittlern und Luftschiff-Terroristen. Fazit in Band 2, S.31 (von je 48): "Die Situation ist total unübersichtlich, ich hätte Fragen über Fragen. Die erste ist, an wen überhaupt." Doch bei der turbulenten, temporeich und nur stellenweise mal etwas zu wortreich inszenierten Story immer den Übrblick zu behalten ist eigentlich sekundär. Denn noch mehr als auf seine Qualitäten als Szenarist kann sich der Belgier Etienne Willem auf seinen schwungvollen Tuschestrich verlassen, der Flug-, Bett- und andere Verfolgungszenen sowie auflockernden Slapstick bravourös bewältigt. Die feine Farbgebung tut ein Übriges dazu, dass man diese animalisch-nostalgische Show gern durchblättert.

www.schreiberundleser.de

TIPP

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Himmlisch & äffisch - der etwas andere Fliegercomic der Saison.

Ein Jahr ohne Cthulhu

Thierry Smolderen, Alexandre Clérisse - Carlsen

ctulhu

Bunte, aber ungeahnt komplexe 80er Jahre - Horror-Chase vom Duo Smolderen & Clérisse. * www. carlsen.de

 

Die Vorgängerbände von Szenarist Thierry Smolderen & Zeichner Alexandre Clerisse, Das Imperium des Atoms sowie Ein Diabolischer Sommer dürften noch in guter Erinnerung sein. Diesmal entführt das versierte Duo die Leser*innen in die neonbunten 80er Jahre mit einer wie gewohnt mit popkulturellen Referenzen gespickten Story (um einen Protagonisten namens Samuel `Le Fanu´ [sic]) Disney´s Tron, David Lynchs Twin Peaks etc). Doch Ein Jahr ohne Cthulhu ist keine Nummern-Revue aus Zitaten zwischen pixeligen Heimcomputer-Videospielen & synthetischen Hits. Aus dem morbide-bekifften, H.P.Lovecraft-basierten Friedhofs-Rollenspiel Call of Cthulhu unter gelangweilten Teenagern entwickelt sich ein realer Mordfall, ein Killer scheint in der französischen Provinz umzugehen. Clérisses Zeichenstil scheint zunächst mehr mit dem Neon der Oberfläche, als dem darunter schwelenden Lovecraft´schen Horror zu korrespondieren. Und insbesondere Szenarist Smolderen macht es Interessierten mit den vielen Figuren & Verästelungen der Story über knapp 170 Seiten auch nicht gerade leicht. Was sich nicht dadurch bessert, dass auch noch babylonische Gottheiten, kognitive Archäologie und bikamerale Theorie ins Spiel kommen. Wohl allen, die da bis zum Ende folgen können.

They Called Us Enemy / Kindheit & Jugend

George Takei - Justin Eisinger, Steven Scott , X.Becker - Cross Cult * Shigeru Mizuki - Reprodukt

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"Ich ging in einer Baracke aus schwarzer Teerpappe zur Schule. Und wenn ich morgens aufwachte, sah ich als erstes den Stacheldrahtzaun." Nicht nur für Star Trek-Fans von Interesse: Japano-Amerikaner George `Lt. Sulu´ Takeis Kindheit im Internierungslager, seinen Eltern gewidmet.

www.cross-cult.de 

  
 

In dieser Ausgabe erfährt die Leserin gleich zweimal mehr über die US-Internierungslager für Japaner im zweiten Weltkrieg - im Fliegercomic Angel Wings 4 (s.u.) am Rande, in George Takeis They Called Us Enemy ganz zentral. Der als Sternenflotten-Steuermann der USS Enterprise, Lieutenant Hikaru Sulu bekannte, mittlerweile 83-jährige Schauspieler  erzählt hier nicht nur, wie er zur Rolle seines Lebens kam. Im Mittelpunkt dieser mit den Co-Autoren Justin Eisinger & Steven Scott sowie Zeichnerin Harmony Becker erarbeiteten Autobiografie schildert Takei, wie er und seine in L.A. lebende Familie kurz nach Pearl Harbor im Dezember 1941, wie etwa 120.000 US-Citizens mit japanischen Wurzeln verhaftet und für vier Jahre eingesperrt wurden. Dem kleinen George erscheint vieles am Alltag in den  primitiven Internierungslagern wie ein großes Abenteuer, doch wird ihm die Dimension des an den in die USA ausgewanderten oder dort teils als `Nisei´, in zweiter Generation aufgewachsenen Auslandsjapanern begangenen Unrechts später in Gesprächen mit seinem Vater klarer. Gegen Ende wird sogar anhand der noch lange gültigen Rechtmäßigkeit damaliger Urteile vor US-Gerichten eine Parallele zum von Trump verhängten diskriminierenden Einwanderungsverbot aus muslimischen Ländern gezogen. Zeichnerin Becker, die einige Zeit in Südkorea & Japan lebte, setzt all das in schwarzweißen manga-nahen Bildern um. www.cross-cult.de 

Kindheit und Jugend ist der erste Band der auf drei Teile angelegten Autobiografie des japanischen Erwachsenen-Manga-Pioniers Mizuki Shigeru (1922-2015). Reprodukt bleibt bezüglich der Autorennennung zwar bei der westlichen Schreibweise, veröffentlicht die deutsche Ausgabe des Buchs aber in japanischer Leserichtung gebunden: von hinten nach vorn, von rechts nach links. Mizukis ländliches Leben in der Shôwa-Ära (nach japanischer, an den Kaiserdynastien orientierten Zeitrechnung - nach der des Westens: von 1926-1989) wird, nicht ohne Längen, analog zum wirtschaftlichen und machtpolitischen Aufstieg Japans bis in den Zweiten Weltkrieg hinein geschildert. Dann ist - nach rund 470 s/w-Seiten, zumindest der erste Band beendet, der aber noch mit sechs weiteren Seiten voll detaillierter Anmerkungen aufwartet. Die geschilderten Kriegsjahre prägten Mizuki - er verlor im Kriegseinsatz seinen linken Arm. Einer Vorliebe für Übersinnliches folgend, schickt der in seiner Heimat mit Preisen überschüttete Mizuki die Figur des einäugigen Waisenjungen Kitarō durch die Welt der Yōkai – legendärer japanischer Monster und Geister. Der Meister hält seine nah am Funny gehaltenen menschlichen Figuren recht einfach im Strich, setzt aber andererseits auf sehr aufwendige, detaillierte Bildhintergründe - man meint gelegentlich, die Zikaden eines heißen japanischen Sommers zirpen zu hören * www.reprodukt.com
 

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Mizuki Shigerus Yōkai-Erinnerungen, Teil1

Lincoln - Band 5 - Hände Hoch!

Jérome, Anne-Claire & Olivier Jouvray - schreiber & leser

"Wohin schleppst Du mich jetzt wieder?" "Ausser Landes. Wir gehen nach Mexiko." Ob Gottes Maßnahme, seinen undankbaren Schützling Lincoln per Reise fortzubilden, gerade bei den gebeutelten südlichen US-Nachbarn fruchtet, darf von Leser*innen der bisherigen vier Bände reflexartig bezweifelt werden. Der üblich-verdächtige Strauchdieb entkommt fürs erste zwar verschiedenen US-Häschern, muss sich aber in Hände hoch! aber als kurzzeitiger Doppelagent mit geknechteten Peones, Soldaten unterschiedlichster Agenda, vielfältig scheiternden Revolutionistas und einem alarmierten Provinz-Gouverneur auseinandersetzen. Die folgenreichste Begegnung ist aber die mit Part-time Revoluzzerin Paloma, einer potentiellen Seelenretterin für unseren notorischen Desperado. Diese attraktive wie lebenskluge Rebellin schafft es dem Anschein nach in den nächsten Band. Lincolns Zwischenfazit nach rund 40 Seiten Mexiko: "Es ist nicht mein Land, es ist nicht meine Revolution und Geld gibt es auch nicht." Warum also nicht erstmal mit Paloma durchs Flußbett und das letzte Bild reiten? Teufels Kommentar: "Wie ich den (kleinen Stinker) kenne, fährt er auch das an die Wand." Einmal mehr nicht durchgängig umwerfend, aber doch unterhaltsam, was das Kreativteam aus Jérôme Jouvray, seiner Frau, Co-Autorin und Koloristin Anne-Claire und seinem großer Bruder Olivier Jouvray (Moby-Dick) hier aus dem Sombrero zaubert - Fortsetzung folgt.

 

comics 05 20 Lincoln 5

Band 1 * Band 2 * Band 3 * Band 4
www.schreiberundleser.de

 Wir gehören dem Land

Joe Sacco - Edition Moderne

comic 07 20 J saccoNach Bosnien, Palästina oder Gaza jüngst im hohen Norden Kanadas auf Recherche: Joe Sacco veröffentlicht Wir gehören dem Land und lässt die gebeutelten Indigenen der Region zu Wort kommen.

 

Credits gehen an ungezählte Kontaktpersonen, Gesprächsparter*innen und Korrektoren, sowie an die Chiropraktikerin des Autoren & Zeichners - die lange Liste der Danksagungen am Ende von Joe Saccos neuer, verdienstvoller Fleißarbeit gibt einen Eindruck, mit welcher Leidenschaft, Ausdauer & Akribie der wohl profilierteste Vertreter des Comic-Journalismus über Jahre in den kanadischen Nordwest-Territorien recherchiert hat. Sacco .baute dabei eine ´´.zweiteilige, 60-seitige gezeichnete Reportage für .das .französische Magazin.. XXI aus dem Jahr 2016 zu seinem Buch über die Lebensrealität des indigenen Volkes der Dene aus. Wir gehören dem Land ist die bei aller Detailfreude nicht ohne Wiederholungen auskommende Bestandsaufnahme einer schwierigen Situation zwischen dem Zwang zum wirtschaftlichen Auskommen und dem Wunsch, zu einem wieder traditioneller geprägten, naturnahen Leben zurückzufinden. Gerade die jüngere Generation der Dene droht vielfach zwischen Alkoholismus, häuslicher Gewalt und trotz einem rigiden, durch Regierung & Kirche aufoktroyierten Schulsystem ausbleibenden Zukunftschancen auf der Strecke zu bleiben. Die opulente, 260-seitige deutschsprachige Ausgabe wurde möglich durch einen Strukturbeitrag des schweizerischen Bundesamts für Kultur und dem Edition Moderne Fanclub.

www.editionmoderne.ch

hommage an das marsupilami 2 / zyklotrop 3 - lady z

V.A. * José-Luis Munuera - beide: Carlsen

1 Teil zwei der Neuen Geschichten aus Palumbien. Zentraler, tierischer Charakter: das Marsupilami, dieses schwarz-gelbe Wunderwesen aus dem Urwald, 1952 von André Franquin als Cameo für eine Spirou und Fantasio-Episode gezeichnet. Schnellstens avancierte das wehrhafte Viech zum Publikumsliebling - und bekam seinen eigenen Serien-Auftritt (mittlerweile vom Belgier Batem betreut) und sogar eine eigene Straße in Brüssel - die Avenue Houba de Strooper (auf die Ricard Efa & Denis Lapière hier in ihrem Beitrag Bezug nehmen). Auch nachfolgende Generationen waren bekanntermaßen angetan - und aus ihnen entsprungene Comiczeichner huldigen nun erneut dem langschwänzigen Dschungelbewohner und seiner Familie: Comic-Künstler von Bodart, Chamblain oder Drouin bis Vavril, Vernay und Zabus. Dabei begegnet man dem Imalipusram (hoppla & pardon, wir sind da gedanklich wohl schon beim nächsten Franquin/Spirou-Thema...) ja sogar in der ersten der Episoden schon im ganz hohen Norden...  Die Spirou-Nebenfiguren reüssieren jedenfalls weiter - auf die Fortsetzung mit weiteren Marsu-Episoden kann man setzen, das `Huba!´-Viech scheint ähnlich unkaputtbar wie Franquins notorischer Bürobote Gaston.

www.carlsen.de
 

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Schwing, was Du hast - Der Marsu-Hommage zweiter Teil.

2 Der vorliegende dritte Teil des Zyklotrop-Spin-off aus dem Spirou-Universum hingegen soll auch der abschließende sein. Der versierte Spanier Luis Munuera (*1972) verabschiedet sich hiermit von seiner Interpretation des verrückt-selbstverliebten Wissenschaftlers mit Ambitionen auf die Weltherrschaft. Z träumt hier folgerichtig - in einem schönen s/w-Panel - von sich in der Rolle des monströsen Geburtshelfers Dr. Frankenstein. Mit Lady Z bekommt es das überforderte Genie im gleichnamigen Band zu tun, einer seelenverwandten Femme Fatale mit einigen zyklotropen Vorzügen. Ein Klonokopierer machts möglich - ebenso wie die explosive Stampede eines T.Rex-Quartetts nebst diversen Elvis-Söldnern, die sich gleich über vier(!) ausklappbare Seiten erstreckt. Munuera gibt dem Affen also noch einmal kräftig Action-Zucker, mag die zu vernachlässigende Story eigentlich noch so dünn sein. Kann man dem Schlußbild glauben, klonen Zyklotrop & sein weibliches Ebenbild in Palm Springs munter weitere verblichene Pop-Ikonen neu, vor dem heimischen Pool tummeln sich Prince, Michael Jackson, Kurt Cobain, Janis Joplin, Freddy Mercury, Amy Winehouse, John Lennon & David Bowie... "Se Ebel Portolkyz!"
www.carlsen.de

 

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Zyklotropen-Galore... und: Lady Z!

Natascha - gesamtausgabe band 6 - die schwarze witwe

 Peyo, Dusart, Wasterlain - Francois Walthéry - Salleck Publications
 

comics 05 20 Natascha

Ganz schön kess, die Stewardess. Francois Walthéry zeichnete seiner langlebigsten Figur auch das eigene alter ego an die Seite: den Natascha zugetanen, aber meist hoffnungslos unterlegenen Flugbegleiter Walter [sic].* https://salleckpublications.de * Das formidable Bonusmaterial rechtfertigt den Preis - Fans werden jubeln. 
TIPP

Wie Franquins Marsupilami wechselte auch Peyo-Schüler Francois Walthéry aus Lüttich mit seiner 1969 ins Leben gerufenen (und ab 1970 im Spirou in Serie gegangenen) populären Figur Natascha nach 25 Jahren bei Dupuis zu Marsu Productions. Dort blieb die "junge, attraktive und unabhängige" Stewardess bis 2010, als Walthery wieder zu Dupuis zurückkehrte. Für Deutschland, wo die Serie bei Bastei, Feest und Carlsen in den 80er & 90er Jahren nur lückenhaft erscheinen war, übernahm Eckard Schott mit Salleck Publications ab 2004 die neuen Bände und ab 2011 die verdienstvolle Aufgabe einer Hardcover-Gesamtausgabe - in Übernahme der (auch das Marsu-Material umfassenden) Dupuis´schen Edition Les intégrals. Im vorliegenden sechsten, einmal mehr bestechend ausgestatteten, von Schott selbst übersetzten  Band ist nicht nur das titelgebende Abenteuer Die Schwarze Witwe (1997 Fr./2004 D.), sondern auch die drei Folgebände Natascha & die Dinosaurier (1998/2004), Das Felsenmeer (2004), und Atoll 66 (2007/2013)  enthalten, sowie im ausführlich bebilderten Vorwort (der Fachjournalisten Christelle & Bertrand Pissany-Yvernault) seltene Fotos des Zeichners mit seinen wechselnden Szenaristen, Original-Cover, Skizzen, Storyboards, Plakate und Exlibris-Abbildungen. Das Salz in der Suppe, denn bei derlei Gelegenheiten läuft Walthéry im Vergleich zu den meist relativ konventionellen, regulären Geschichten zu wahrer Höchstform auf.

Angel Wings - Paradise Birds

Romain Hugault - Yann - Salleck Publications

Und wir bleiben in der Luft. Szenenwechsel zum WW-II-Pazifik. "Ich habe genug davon, diese dumme Pute zu eskortieren." Es ist nicht viel anders als bei den Burma Banshees (Band 1-3): Angela McCloud, ihres Zeichens kurvenreich operierende WASP-Pilotin, ist auch zwischen Honolulu und Ngulu-Atoll unterfordert und dazu verdonnert, zickige Front-Künstlerinnen zu babysitten. Aktuell gilt es, die blonde Nervensäge Betty Lutton zu diversen Auftritten vor johlenden Marines zu fliegen. Dabei ist AMcC doch zur CIA-Vorgängerorganisation OSS (Office of Strategic Services) gegangen, um ihrem Land substantiell hinter feindlichen Linien zu dienen. Doch dazu soll es noch kommen, um einen verlustreichen Krieg auf dem japanischen Festland zu vermeiden. In diesem Zusammenhang wird auch die grausame Realität der Internierungslager für Japaner in den USA mit der Handlung verflochten. Es ist also nicht alles reines Retro-Pin-up- und Flugvergnügen. In `Angel´s Händen verblutet auf den letzten Seiten ein kooperierender japanischer Pilot. Wie bei der Vorgänger-Trilogie herrscht bezüglich Flugzeugzeichnung Hugaults bestechende Akribie & Detailgenauigkeit (etwa bei den Grumman G-21 `Goose´- & Consolidated PBY Catalina-Skizzen auf den Einband-Innenseiten), bzgl. der Figuren gelegentlich gröberer, bis grimassenhafter Strich vor, das alles getaucht in fantastische Farben und ergänzt um prächtige Hintergründe. Sehr schön verarbeitetes 32 x 24er Hochglanz-Hardcover mit 48 Seiten.  Der deutsche Folgeband Numero 5, Black Sands, steht bei Salleck schon in den Startlöchern. Ein weiterer wird folgen, um die jetzt begonnene, zweite Angel Wings-Trilogie abzuschließen.

* Angel Wings 1 @ Cinesoundz * Angel Wings 2 & 3 @ Cinesoundz *

https://salleckpublications.de

TIPP
 

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Die parallel erhältliche Vorzugsausgabe mit Variant-Cover für Marines & andere an Miss McCloud Interessierte enthält Extraseiten und einen signierten Druck.

Esthers Tagebücher - band 4 - mein leben als dreizehnjährige

Riad Sattouf - Reprodukt

"Ich geb´s zu, ich hatte es verschwitzt, dabei war das seit langem geplant." Zum Glück ist Esthers Zahnärztin eine ganz Coole (siehe Praxis-Selfie-Cover). Und so hält zumindest die erste Zahnspange schmerzlos Einzug in Teenager Esthers Leben - und damit in die von Riad `Araber von morgen´ Sattouf parallel angelegten, meist dreifarbig gehaltenen Tagebücher... Weiter bestimmend im Alltag der nun dreizehnjährigen Pariserin mit Migrationshintergrund? Schule, Freundinnen, nervige Jungs, ihre Familie, irre Träume und das Smartphone (wenn sie denn randarf). Weitere 52 Seiten mit wahren Erlebnissen und Gedanken eines jungen Mädchens aus Sattoufs Bekanntenkreis. Der Comiczeichner, Musiker und Regisseur (* 1978 in Paris), der seine Kindheit in Algerien, Libyen und Syrien verbrachte, liefert mit dem vorliegenden Sammel-Band der Episoden eines Jahres aus dem französischen Nachrichtenmagazin L´Obs wie gehabt pro Woche jeweils einen Einseiter im Rahmen seiner auf 10 Jahre(!) angelegten Pubertäts-und Gesellschafts-Studie. Da steht noch einiges ins Haus... Noch hält der Atelierkollege von Mathieu Sapin (Gerard), Joann Sfar & Christophe Blain (Blueberr-Hommage) das Interesse an Esthers erfrischend offenen Schilderungen aufrecht. * Band 1 * Band 2 * Band 3 *
www.reprodukt.com

  
 

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Neues ausm 17. Pariser Arrondissement...

Asterix - Die Goldene Sichel

Sonderausgabe - René Goscinny & Albert Uderzo - Egmont Ehapa Media

Zum Fünfzigsten: Als zweiter Band von Goscinny & Uderzo erarbeitet und im französischen Original veröffentlicht, in Deutschland aber erst als fünfter Asterix-Band 1970 erschienen (zählt man die Kauka-Heft-Phase als Siggi & Babarras um 1965 nicht mit): Die Goldene Sichel. Zunächst mit dem 2006 neu überarbeiteten Cover annonciert, kommt der Sonderband nun doch mit dem 70er Originalcover (bis auf einen `Sticker´, der auf den 16 Extraseiten-Anhang hinweist) sowie neu koloriert & gelettert ins Regal. Die Geschichte ist bekannt: Um die zerbrochene, das einzig wirkende Zaubertrank-Rezept garantierende goldene Sichel ihres Druiden Miraculix zu ersetzen, reisen A. & O. in die gallische Hauptstadt Lutetia, wo der Markt von einer Schieberbande kontrolliert wird… In diesem Band stecken Uderzos Zeichnungen noch vergleichsweise in den Kinderschuhen, ein auf der Goldenen Sichel basierender TV-Zeichentrick-Film wurde von den Autoren gestoppt, doch allein der bereits erwähnte Anhang mit Extra-Zeichnungen, je einer Seite Original-Szenario und (dem heute in der fanzösischen Nationalbibliothek gehüteten) Einstiegspanel, sowie Pilote-Covermotiven ist die Anschaffung . wert. Und à propos Gold: Demnächst steht noch mehr Asterix-Edelmetall ins Haus: am 21. Oktober wird mit Der Goldene Hinkelstein ein in Deutschland bislang noch unveröffentlichtes Goscinny/Uderzo-Album (als 40. Band der Serie) veröffentlicht. Die vorliegende Neuauflage von Die Goldene Sichel sollte die gefühlte Wartezeit für Fans etwas verkürzen.

www.asterix.de * www.egmont-comic-collection.de 

 

1 slide asterix G Sichel

Das zunächst avisierte Cover auf 2006er Basis (als Skizze noch im Anhang), sowie der nun veröffentlichte Titel auf Basis des Originals von 1970.

Oskar Rohr - Ein Leben für den Fußball

Julian Voloj - Marcin Podolec - Carlsen

Ob im allgegenwärtigen Fussball-Fieber hierzulande auch diese Story gedeiht ? Das geplante mediale Umfeld der EM zumindest fällt in diesem Jahr pandemiebedingt aus. Ein Leben für den Fußball. Die Geschichte von Oskar Rohr vom Münsteraner Autor Julian Voloj (Joe Shuster) & dem polnischen Zeichner Marcin Podolec (Fugazi Music Club) muss es auch so schaffen. Jener Oskar Rohr (1912-1988) ist eine deutsche Fußballlegende aus vergangener Zeit. Der Mann schoss 1932 Bayern München immerhin zur ersten deutschen Meisterschaft, ehe er - unerhörterweise für die damalige Zeit - ins französische Ausland wechselte und ab 1934 dort auch als Profi spielte. Der "Fahnenflüchtige" wurde bei Kriegsbeginn in der alten, mittlerweile nazifizierten Heimat zur Unperson erklärt. Der vorliegende Band erzählt nicht nur von Rohs Jugend und der Fußballkarriere, der Zeit bei Bayern München und der Begegnung mit dem legendären (jüdischen)Präsidenten Kurt Landauer, sondern auch von der Flucht vor dem braunen Mob, der späteren Internierung des Profifußballers im KZ und seinem Einsatz an der Ostfront. Oskar Rohrs Biographie wird vor dem Hintergrund einer Zeitreise in die Fußballgeschichte des Dritten Reichs erzählt, wo der "undeutsche Engländersport" nicht allzuhoch im Kurs stand.  Die naiv schraffierten Buntstift-Bilder rücken die ernste Story teils in Kinderbuchnähe. Erwachsenen-Pluspunkte gibt es für ein bebildertes Nachwort des Autoren, Oskar Rohr-Chronologie und Kurzbiografien der Charaktere komplettieren den 160-Seiten-Band.
www.carlsen.de 

 

comic 07 20 O RohrEin früher deutscher Profi-Kicker im Exil.

Jimmys Bastarde - Band 2 - wie war das?!

Garth Ennis & Russ Braun - Panini

Nochmal nachgefragt. Wie war das? Ja, Teil 2 der irren und irre trashigen Agenten-Persiflage von Garth Ennis & Russ Braun ist tatsächlich in der Umlaufbahn. Der britische Super-Agent Jimmy Regent bekommt es jetzt so richtig mit der eigenen, im Einsatz und nach Feierabend gezeugten Nachkommenschaft (erklecklich) zu tun. Noch steckt er allerdings in der Klapse. Wir erinnern uns: Jimmy´s Bastarde wollen ihrem permanent abwesenden Erzeuger so einiges heimzahlen und in London sind seit dem letzten (ersten) Band primäre & sekundäre Geschlechtsmerkmale aller Einwohner*innen einfach mal vertauscht. Wem das noch nicht unappetitlich genug ist, kann sich am auf verschiedene Weise vorangetriebenen Bodycount delektieren. Die Lage ist stellenweise blutig, öfter hoffnungslos, aber nicht ernst. Wird Regent, Jimmy Regent einmal mehr die Welt retten? Für Fans der Autoren-/Zeichner-Kollaboration The Boys mag all das abendfüllend sein, für den hiesigen Betrachter bleibt das irgendwo zwischen Persiflage und mutwilligem Splatter stecken. Auch das Cover fällt ab. Mit dem ersten Band war eigentlich alles gesagt - wird nicht wiedergewählt, trotz Covergalerie und Russ Brauns hübschem Sketchbook am Ende.

Rezension Band 1 Getriggert *
https://paninishop.de/comics

  
 

comic 07 20 J Bastarde 2

Wir müssen reden,"Papa"... Kann das weg?

© cinesoundz 2020