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  • Reviews Comic SPECIAL 08-2015

Reviews Comic 02-2016

Love In Vain - Robert Johnson 1911-1938

Mezzo / J.M. Dupont - Egmont Graphic Novel
 
 
Blues-Hero Robert Johnson soll ja seine Seele dem Teufel verkauft haben. Wie sonst hätte er es in so jungen Jahren schon zu solcher Meisterschaft bringen können? Der Mississippi-Delta-Ikone reichten 29 Songs im Nachlass um Legendenstatus zu erlangen. Doch von wegen "Sweet Home Chicago" - mit nur 27 Jahren forderte Johnsons Lebensstil, ein Cocktail aus Armut, Gewalt, Sex und Heimatlosigkeit seinen Tribut, wohl möglich, dass auch mit Gift nachgeholfen wurde. Jedenfalls wurde Johnson von dieser Welt abgeholt und die Seele des Bluesboys bestieg einen Greyhound-Bus ins Jenseits. Eric Clapton, The Rolling Stones und Cream machten Johnsons Stücke posthum bekannt. Das vorliegende, dem "King of the Delta Blues" gewidmete, querformatige Buch mit den Schwarz-Weiß-Illustrationen von Pascal Mesenburg ist ein wahres Schmuckstück. Beeinflusst von Robert Crumb, 'black & white'-Fotografie & Independent-Film fand Mezzo für das Szenario von "Love in Vain" in Ex-Musikjournalist Jean-Michel Dupont den richtigen Partner . 
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Weiß wie der Mond

Francois & Emmanuel Lepage - Splitter  
 
In der Eiswüste der Antarktis. Ein Jahr nach seiner Reise auf dem Versorgungsschiff Marion Dufresne in die Französischen Süd- und Antarktisgebiete wird Zeichner Emmanuel Lepage erneut zu einer Expedition in Richtung südlichster Kontinent eingeladen. Der comicaffine Direktor des IPEV (Institut Polaire Francais) möchte ihm und seinem fotografisch bewanderten Bruder Francois Gelegenheit geben, mit ihren künstlerischen Mitteln öffentlichkeitswirksam von der Arbeit der Dumont-d’Urville-Station im Adelieland zu berichten. Für die Bretonen wird nach zwischenzeitlichen, dem Wetter und den Extrembedingungen geschuldeten Schwierigkeiten, ein Kindheitstraum wahr - sie steuern zwei der Schwertransporter während des Versorgungskonvois über das antarktische Eis. Aquarelle, Zeichnungen und Fotografien fangen die menschenfeindliche Landschaft und den Forschungsalltag der Station dokumentarisch ein. Momente der Monotonie wie der Euphorie werden auch ohne großen Dramaturgie-Bogen eingefangen. Wir können eines der 256-seitigen Splitter-Schwergewichte verlosen! Der oder die Gewinner(in) werden aus den Mails an info @ cinesoundz.de gelost. Hilfreich in diesem Zusammenhang eine richtige Antwort auf die Preisfrage: Auf welcher Seite des Bandes kommen endlich Eisbären vor?

Die Alten Knacker

Wilfrid Lupano & Paul Cauuet - Splitter 

Pierrot, Mimile und Antoine, die drei "Alten Knacker" jenseits der Siebzig lassen erneut von sich hören. Im täglichen Clinch mit dem Altwerden als einzig bekannter Methode, nicht zu sterben, ergeben sich wie in Band 1 für das Senioren- Trio auch diesmal wieder turbulente Verwicklungen, während der sich die Wege mit Jungmutter-Sidekick Sophie hier und da kreuzen. Diesmal ist es Pierrot, der seiner Jugendliebe Anita aus politisch bewegten Aktionismus-Zeiten hinterhertrauert. Eine Schafskanone, eine globalisierungskritische Puppentheater-Show, ein Szenelokal-Rentner-Flashmob und die Anarchisten-Rückzugsinsel der Freibeuter spielen außerdem eine Rolle im aktuellen, von Lupano & Cauuet erneut eigenwillig & virtuos umgesetzten Abenteuer Numero 2, dem bald auch in Deutschland der abschließende dritte Teil "Der , der geht" folgen soll.


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Venus Transit  
Hamed Eshrat - Avant Verlag  
 
"Venus Transit" ist eine halb poetische, halb realistische Berliner Großstadtgeschichte, mit der der Avant-Verlag dem deutsch-iranischen Zeichner Hamed Eshrat (*1979 in Teheran) sein Deutschland-Debüt ermöglicht. Krisenalarm - Rückschläge für Ben, wo man hinblickt: Sein IT-Job eine freudlose Sackgasse, Kreativblockade beim Zeichnen und Freundin Julia sucht gerade in dem Moment das Weite, in dem Ben mit Tickets nach Indien vor der Tür steht. Den Trip macht der Zeichner dann allein - und bringt sein (immerhin 70-seitiges!) Skizzenbuch bemerkenswert frei in die Geschichte ein. Eine beiläufig und selbstironisch geschilderte, in Teilen sicher autobiografische Story über Selbstfindung und gebrochene Herzen. Plattensammeln spielt auch hier und da eine Rolle, was zuweilen an Nick Hornbys Hit "High Fidelity" erinnert - umgesiedelt ins zunehmend gentrifizierte Berlin, in dessen Alltag Kreative um ihren Freiraum kämpfen. Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung 2015.
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Pitt Pistol - Gesamtausgabe  
René Goscinny & Albert Uderzo - Egmont Comic Collection  
 
Asterix-Fans aufgemerkt. Mit der Gesamtausgabe von "Pitt Pistol", wie "Jehan Pistolet", die Piratenfigur aus dem Frühwerk des unvergleichlichen Erfolgsteams René Goscinny und Albert Uderzo hierzulande getauft wurde, liegt nach "Umpah-Pah" und "Luc Junior" weiteres interessantes "vorgallisches" Vergleichsmaterial aus den Jahren 1952 bis 1956 auch in Deutschland vor. Der junge Korsar machte konzeptionell wie zeichnerisch bemerkenswerte Gestaltwechsel durch, während er seine zusammengewürfelte, skurrile Crew in fünf stürmische Abenteuer über die sieben Weltmeere lotst. Der überarbeiteten Gesamtausgabe ist eine 18-seitige Dokumentation mit diversen Uderzo-Originalzeichnungen (u.a. für die Ausgabe von 1999) vorangestellt. In den Geschichten ergeben sich zahlreiche reizvolle Möglichkeiten, Szenen zu betrachten, die später in den
"Asterix"-Klassikern aufgegriffen und verfeinert wurden. Fundiert kann die Leserin die Meisterschaft von Autor Goscinny (u.a. "Lucky Luke", "Isnogud" und "Der kleine Nick") und Zeichner Albert Uderzo nachvollziehen, die beide in der drei Jahrzehnte währenden, von Goscinnys frühem Tod 1977 beendeten Partnerschaft entwickelten. Die vergnüglichen Running Gags der Piraten bei Asterix liest man danach noch einmal mit gesteigertem Vergügen.

 

 

 

 

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Buffalo Runner  
Tiburce Oger - Splitter  
 
Eine eindrucksvolle Westernstory. 1896, irgendwo in Texas, nahe der Grenze zu Mexiko - schon damals kein wirklich sicherer Ort. Ein Vater unterwegs nach Kalifornien, mit seinen beiden Kindern auf dem Waggon. Der alte Westerner Ed Fisher kommt zu spät, um das Massaker zu verhindern, das mexikanische Desperados an der unschuldigen Familie begehen. Der überlebenden Tochter erzählt Fisher seine bewegte, in Rückblenden rekapitulierte Lebensgeschichte, während sich beide über Nacht auf die Rache der Bandenkumpane vorbereiten. In meisterhaften, ungemein dynamischen Aquarellen entfaltet sich eine mitreißende Geschichte mit unerbittlichem Showdown und ganz unerwartetem Ende. Die Gewaltauswüchse des Wilden Westens sind dabei nicht Selbstzweck, sondern räumen mit diversen Hollywood-Genre-Klischees auf. Im Anhang rundet den Band ein fünfseitiges, hochinteressantes Interview ab - mit dem Autoren & Zeichner Tiburce Oger ('Gorn', 'Canoe Bay'), der sich für seine wieder erwachte Liebe zum Western-Genre ausführlich mit der amerikanischen Historie des 19. Jahrhunderts befasst hat. Schwer empfehlenswert.
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Buddy Longway - Gesamtausgabe - Band 2 - Kathleen und Jeremiah

Derib - Egmont Comic Collection
Auch der zweite Band der an dieser Stelle erst kürzlich gewürdigten "Buddy Longway"-Comic Collection-Gesamtausgabe ist bemerkenswert ausgestattet: 30 Seiten zur Bedeutung & Historie der Familien-Western-Serie sind den hier zusammengefassten, jeweils abgeschlossenen Seventies-Abenteuern vorangestellt: Unter anderem würdigen sich die alten Tintin-Zeichner-Buddies Derib & Dany gegenseitig und Volker Hamann rekapituliert die wechselhafte "Buddy Longway"-Historie bei deutschen Verlagen. Der alte Trapper-Fan, "Yakari"-Mastermind & Max & Moritz-Preisträger Derib (1994 für eine weitere Westernserie: "Red Road") hat sich die umfassende Würdigung verdient. Liebe zur Natur und der Aufruf zu tolerantem Miteinander sind einmal mehr seine Botschaft, auch in den vier Erzählungen von "Kathleen und Jeremiah", den beiden Kindern von Trapper Buddy und Squaw Chinook: "Das Geheimnis", "Der Elch", "Pferde Im Winter" & "Feuerwasser". Vereinzelte Ausreißer bei der Colorierung, die aber den guten Gesamteindruck kaum schmälern und eher den Retro-Charakter der Ausgabe betonen.
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Tag X - Die Kennedy Gang  
Colin Wilson & Fred Duval - Panini  
 
Der zweite hierzulande erhältlich gemachte Band der "Tag X"-Serie mit hypothetischen Geschichtsverläufen bietet erneut eine reizvolle Ausgangskonstellation: 1947 ist New OrIeans Hauptstadt von 'Neufrankreich' und Zentrum des illegalen Alkoholhandels in Richtung der Amerikanische Union im puritanischeren Norden. Resultat der Niederlage der Engländer gegen die französisch-indianischen Truppen von General Montcalm. Die Sklaverei wurde noch nicht abgeschafft und die einflußreiche Familie Kennedy, im Speziellen Familienoberhaupt Joe & seine Söhne, Joe Junior und Jack, mischen munter im Polit- und Prohibitionszirkus mit. Hier endet die Faszination, denn mit einer uninspirierten Story wird die Chance vergeben, mehr aus der Szenerie herauszuholen - die Hoffnungen, die der manierliche erste Band mit dem fiktiven Nixon-Attentat und das Cover der zweiten Folge geweckt hatten, werden leider nicht erfüllt. Irritierend auch, dass es dem neuseeländischen Zeichner Colin Wilson nicht gelingt,, die eingestreuten prominenten Randfiguren wie eine gewisse Norma Jean Baker auch wiedererkennbar zu gestalten.
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Die Diebe von Karthago  
Apollo & Tanquerelle - Avant Verlag  
 

Zwei empfehlenswerte "antike" Themen. Zunächst das mitten im Dritten Punischen Krieg vor den Mauern Karthagos, unter den Augen von Scipios römischen Legionen, angesiedelte, schwarzhumorig-blutige Historienabenteuer, mit dem Zeichner & Autor Apollo Herve Tanquerelle (2012 Prix Jacques Lob) auf 112 Seiten seiner Geburtsstadt Karthago Reverenz erweist - opulent, lebendig und packend. Als den beiden Kleingaunern Horodamus (seines Zeichens Gallier) und Berkan (Numide) nach einem Karawanen-Überfall die kurvig- gerissene Tara unterkommt, wird aus der geplanten Vergewaltigung eine riskante, großangelegte Diebestour, zwischen den Fronten einer im Untergehen befindlichen Zivilisation, die für die Mehrzahl der Protagonisten jedoch kein gutes Ende nimmt. Eine Fortsetzung wäre nur um die attraktive Tara herum möglich, während es für ein Wiedersehen mit den verhinderten Helden Horodamus & Berkan schon eines Prequels bedürfte...

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Richard Marazano & Marcelo Frusin - Label / Distribution  
 
Römisch-brutal geht es auch im zweiten Sandalen-Epos zu - der ersten Folge einer antiken Expedition in die Tiefe des afrikanischen Kontinents, jenseits des Reiches der Nubier. Kurz nach der Eroberung Ägyptens durch die Römer (etwa 30 v. Chr.) weckt ein auf dem Nil treibende Barke mit exotischen Schätzen das Interesse der Kolonialherren. Hastig wird eine Undercover-Expedition aus skrupellosen Legionären zusammengestellt, die sich unter dem Kommando von Gardeoffizier Marcus Livius auf einen langen Marsch ins Ungewisse macht. Dass das Ganze nur bedingt ein Erfolg werden wird, ahnt der Leser, der zu Beginn Zeuge der Ankunft eines weiteren Schiffes mit einem tätowierten, dem Wahnsinn nahen Deserteur an Bord wurde. Marcus Livius? Die in der Rückblende erzählte abzählreimartige Dezimierung der Truppe ist genretypisch vorgegeben, aber spannend und düster-effektvoll inszeniert. Exzellente Colorierung bei dieser interessanten Dargaud-Übernahme - Richard Marazano (u.a. Eco Warriors), Moebius-Protégé, hier als Autor (im Team mit dem Argentinier Marcelo Frusin - u.a. X-Men Unlimited), hat zudem mehr im Sinn als eine reine Abenteuergeschichte, wie das vorangestellte Kultur-Imperialismus- Zitat des senegalesischen Ägyptologen & Afrozentrikers Cheikh Anta Diop andeutet.  

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Manara Werkausgabe - Band 16 - Mann Aus Papier - Der Schneemensch - Flucht von Piranesi  
Milo Manara - Panini  
 
Höhepunkt dieses Bandes mit drei kurzen Stories ist wohl dieser Western von 1982: Der "Mann aus Papier", ursprünglich bei Dargaud erschienen, aber leider nie fortgesetzt, verdankt seinen Namen der eigentlichen, tragisch-attraktiven Hauptfigur "Weißer Hase". Die langbeinige Indianerin wickelt im Laufe der 46 Seiten natürlich nicht nur den Cowboy-Protagonisten, sondern auch (insbesondere den männlichen) Leser um den Finger - umso abrupter trifft diesen der tragische Schluss. "Der Schneemensch" (1991 bei Feest), eine mit Autor Alfred Castelli realisierte Geschichte über eine Himalaya-Expedition und der 2002 von Manara geschriebene und getextete, bei Moebius Anleihen machende Sci-Fi-Comic "Flucht von Piranesi" fallen dagegen ab. Die vorangestellten 8 Seiten mit einordnenden Texten und weiteren Illustrationen sind einmal mehr das Salz in der Suppe der Milo Manara-Werkausgabe bei Panini. Rotbraunes Hardcover, schwarzglänzender Schutzumschlag.
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Red Skin - 1 - Welcome To America

Xavier Dorison & Terry Dodson - Splitter
Wenn diese Kehrseite, pardon Frontseite, nicht verkaufsfördernd wirkt...Genossin Vera Jelnikowa, Codename Red Skin, steht als sowjetische Speznas-Agentin im Mittelpunkt dieser neuen Splitter-Serie. Doch auf rein nackte Natsachen spekulierende Leser werden dann doch nicht bedient - im Innenteil zieht Comrade Vera weniger blank als erwartet, ihre realsozialistischen Rundungen bleiben meist bedeckt. Ab Seite 35 ist sie immerhin quasi eingenäht in einen hautengen thermoregulierten Titangarn-Superheldinnen-Anzug, in dem sie sich, bewaffnet mit Spezial-Hammer & Extra-Sichel, daran macht, dem mysteriösen 'Zimmermann' das sadistisch-kriminelle Handwerk zu legen. Zeichner Terry Dodson (Wonder Woman, X-Men) zeichnet dynamisch gegen die (nur einmal für die anfängliche Unfallszene aufgebrochene) Starre der Panels an, während Xavier Dodsons Story nicht allzuviele Überraschungen bietet. Brutal zu Anfang & am Ende gibt es zwischendrin immer wieder humoristische Einlagen - was insgesamt noch etwas unentschieden wirkt.
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