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  • Reviews Pop - Rock 02-2016

Reviews World 02-2016

Letour 8  
Various Artists - Local / Alive  
 
Das Album war fertig, als in Paris die Ausgehkultur des Westens ins terroristische Visier geriet. Esist ausdrücklich ok, wieder Parties, gerade mit french touch zu feiern. Allez-y! Die Tour de France-Partyreihe erfreut sich weiter großer Beliebtheit, auch wenn die siebte Ausgabe der begleitenden, verdienstvollen Letour-Compilation-Reihe zuletzt (das war Ende 2013) etwas schwächelte. Nun wird die längste und beste Folge Numero acht angekündigt - 22 Titel, fast 80 Minuten Spielzeit. Macht's die Menge? Rein ins Laufwerk - der Einstieg mit Boulevard de airs geht schon mal ok, dann folgen zwei eingängige Klassetracks: Alines La Vie electrique und Hey, tu ne me manqueras plus der jungen angesagten Band Duel. Mit Black Ms Sur Ma Route folgen dann der unmaßgeblichen Meinung der Redaktion nach eine Reihes schwächerer, aus French Rap-, Dancehall- , Maghreb-& Balkan-Elementen zusammengebauter Party-Schunkel-Tracks. Un Homme Libre von Dimone geht wieder in Ordnung, Scarecrow verfolgt die gelegte Spur noch bluesiger - und gar mit teils englischem Gesang! La Feline versucht sich im Mylene Farmer-Modus, sonst fallen noch Carrousel & das sanfte Indie-Ensemble Orwell positiv auf. Mit der 22-jährigen Folk-Sängerin Alma Forrer endet der Querschnitt durch das frankophone Musikschaffen fast verträumt. Die beste Letour aller Zeiten? Für die BB-Remembrance-Aufmachung der CD kommt das hin - der Rest der Party ist eben subjektiv Geschmackssache.
Play Tracks 1-3,9,14,18. 
 
 
 
DJ Vadim presents Dubcatcher II - Wicked Ma Yout!  
Soulbeats / Broken Silence  
Mehr als 70 Minuten neuestes Dub-Programm aus der kosmopolitischen Mix-Werkstatt von DJ Vadim, in der bekanntermaßen Hip Hop, Electronica, Reggae, Dancehall, Ska, Jungle und Soul zum Einsatz kommen. In Fortsetzung zum 2014er, noch auf BBE erschienenen Dubcatcher-Album wartet Vad mit 16 neuen Tracks und einigen Gastvokalisten auf: Gestandene Reggaegrößen wie Max Romeo und Earl 16, Ragga-Profis wie Demolition Man und General Levy, UK-Grime-Artists wie JMan & Metropolis oder Newcomer wie Eva Lazarus und Tman. Dubcatcher II - Wicked Ma Yout! ist bereits Vadims elftes Album und immerhin die Hälfte der Tracks ist richtig gut geraten. Play Tracks 3,4,6,7,11-13. Als CD im Digipack, alternativ als Doppel-LP (180 Gramm-Vinyl) im Gatefold-Cover. 
Im Rahmen der aktuellen DJ Vadim-Tour auch zwei Termine in Deutschland: am 18.3. in Tübingen, am 19. in Kiel.
 
www.djvadim.com
www.soulbeats.fr 
 
 
Quelbe!  
Various Artists - Smithsonian / Folkways / Galileo MC  
 
 African American Legacy, Abteilung Karibik. Von Saint Croix, Saint John und Saint Thomas, den wichtigsten der unter US-Hoheit stehenden Jungferninseln östlich von Puerto Rico also, dringt gemeinhin wenig bis nach Europa. Da ist man unweigerlich interessiert, wenn eine Veröffentlichung originäre Klänge aus dieser Weltecke verspricht. Bandleader & Flötist Stanley Jacobs hält mit seinen zehn in bunten Karo-Hemden angetretenen insomnen Rittern die Quelbe-Fahne hoch. Der regionale Calypso-Ableger wurde 2003 von der Regierung als offizielle Musik der U.S. Virgin Islands deklariert. Die beste scratch band und das profilierteste Ensemble ist das um Jacobs und es feierte gerade sein 40-jähriges Bestehen. Wie im jamaikanischen Mento gibt es gewisse Nachwuchsprobleme für das von afrikanischer Musik beeinflusste, mit den Zutaten Call & Response-Gesang, Güiro-Percussion (ein inseltypisches Kürbis-Schrapinstrument), Flöte, Banjo und Ukulele freundlich dahin swingende musikalische Erbe. Mit Schlagzeug, Conga und E-Bass werden von Stanley & Co. mittlerweile sachte Modernisierungsversuche unternommen. Grammy-Preisträger & Smithsonian Folkways-Produzent Daniel Sheehy gibt eine historische Einführung im 32-seitigen Booklet und erläutert jeden einzelnen Song. Empfehlenswerte Non-Profit-VÖ!
 


 

www.folkways.si.edu

 
 
Soul Sok Sega  
Various Artists - Strut / Indigo  
 
Inselmusik-Hopping. Auf der Tropical-Sounds-Ausgrabungs-Mission, die bereits so verdienstvolle Titel wie Funky Nassau, Haiti Direct oder Calypsoul '70 zu Tage förderte, ist das Strut-Team von der Karibik bis mitten in den Indischen Ozean, nach Mauritius und La Réunion weitergezogen. Für Soul Sok Sega nimmt man sich aktuell den dortigen Sega-Sound zur Brust. Ab dem 18. Jahrhundert als kreolische Mischform europäischer & afrikanischer Sklaven-Kultur von Senegal bis Madagaskar, mit Polka-, Folk- und Quadrille-Versatzstücken entstanden, hielten ab Mitte des letzten Jahrhunderts weitere westliche, karibische & indische Popmusik-Elemente Einzug. Sega funktioniert seitdem als identitätstiftende Live-Musik der Inselbewohner, inklusive spezieller Begleittänze. Die hier dokumentierte Blütezeit der 1970er-Jahre mit Jazz-, Soul-, Funk-, Reggae- und Rock-Anleihen brachte diverse Inselstars hervor: Jean-Claude, Claudio Veeraragoo, Marie Josée oder Roger Clency. Das Booklet incl. Linernotes von Percy Yip Tong sowie Interviews, Fotos lag bis dato leider nicht vor.
www.strut-records.com
 
 
 
Sidestepper - Supernatural Love  
Pias UK - Real World / Rough Trade  
 
Mastermind des Sidestepper-Projekts ist seit 1996 der nach Kolumbien umgesiedelte britische DJ & Produzent Richard `Rich' Blair aus dem Dunstkreis von Peter Gabriel & dessen Real World Label. Auf den Sidestepper-Vorgänger-Alben war kolumbianische Musik schon bestimmend, vollends in Bogotas SanMiguel Studio realisiert wurde erst Supernatural Love, das mit einiger Verzögerung nun auch in Deutschland veröffentlicht wird. Früher dominierende Elektro-Momente sind hier nur noch vergleichsweise sparsam im Hintergrund präsent. Co-Autorin & Sängerin Erika Munoz kann dagegen auf rhythmischen Tracks wie Magangue richtig aufdrehen. Insgesamt ist der Sound weniger lateinamerikanisch und cumbialastig als erwartet - vielmehr klingt es oft unvermutet afrikanisch. Zu den afrokolumbianischen Wurzeln empfehlen wir daher bei dieser Gelegenheit erneut: Afrosound of Columbia I & II .  
Real World - Artist Website
 
 
Oum - Zarabi  
Mdc - Lof Music / Galileo MC  
 
Knapp ein Jahr nach ihrem ersten internationalen Album Soul of Morocco veröffentlicht die marokkanische Sängerin Oumim März schon ihr zweites, auf eine westliche Hörerschaft zielendes Werk Zarabi im März 2016 in Deutschland. Oum El Ghai Benessahraoui hatte alle 10 Tracks selbst komponiert, getextet & arrangiert. Mit einem Quartett an Musikern aufgenommen wurde erklärtermaßen in der marokkanischen Wüste, inspiriert durch die Schönheit der Landschaft, in einer kleinen Oasenstadt im Süden Marokkos, unweit der berühmten Sanddünen des Erg Chegaga. Eine hübsche Geschichte, die, ähnlich wie Oums farbenfroh handgearbeiteter Kopfschmuck auf dem Cover, trefflich geeignet sein dürfte, das Produkt besser zu verkaufen. Es hilft, dass Oum tatsächlich singen kann und auch der instrumentalmusikalische, traditionell bis jazzig-eingefärbte Kern mit Kontrabass, Oud, Trompete und Percussion atmosphärisch dicht und nie überladen wirkt.
www.oum.ma
 

 
 
Aino Löwenmark - Human  
Traumton/ Indigo  
 
Pippi Langstrumpf war Aino Löwenmarks Kindheits-Idol - das glaubt man sofort, blickt man aufs Cover ihrer aktuellen CD. Die schwedische, in Hamburg lebende Sängerin kennt man vom Duo Fjarill , wo regelmäßig Ethno-Elemente in den musikalischen Mix einfließen. Ohne ihr Duo aufzulösen, ist la Löwenmark aktuell auf einem Solopfad zwischen Folk und Pop unterwegs. Der gelegentlich englische oder deutsche, meist aber schwedische Gesang (auch mal mehrstimming und im Booklet deutsch übersetzt) steht im Mittelpunkt der von Klavier, Gitarre, Percussion oder Streichinstrumenten komplettierten Stücke, die Aino mit ihrem Partner & Produzenten, Tingvall Trio-Schlagzeuger Jürgen Spiegel (im heimischen Studio Löwenspiegel) eingespielt hat.
Play Track 1. The Song.

Nächste deutsche Livetermine von Löwenmark & Co: 26.2. in Bordesholm, 10.3. Nürnberg, 11.3. Karlsruhe, 21.4. Hamburg.
 


www.ainoloewenmark.com

 
 
The Gloaming - 2  
Real World - PIAS / Rough Trade  
 

Musikalisch auf den ersten Blick keine typische Real World Studio-Produktion, doch Grenzgänge finden auch hier statt: The Gloaming um den New Yorker Pianisten & Sufjan Stevens-, Rufus Wainwright- & The National-Produzenten Thomas Bartlett legt das zweite Ensemble-Album vor. Die irischen Elemente wie die beiden maßgefertigten Fiddles von Martin Hayes & Caimhin O Raghallaigh und der Gesang von Iarla O Lionaird (Sean Nos) sind dabei prägend, gegeben wird aber keine Folklore in Reinkultur. Pop-, moderne Klassik- & Avantgarde-Elemente finden sich ebenfalls. Der melancholische Charakter der meisten Stücke findet sein optisches Äquivalent im Cover des Foto-Künstler-Duos Robert & Shana Parke Harrison. www.parkeharrison.comwww.thegloaming.net

Gambari Band - Kokuma
Membran

Neues von Ngoni Ba - sort of. Der Kern der neuen Gambari Band aus Mali trat früher mit Ngoni-Virtuose Bassekou Kouyate auf. Seit der Trennung von ihrem Onkel/Cousin/Bruder im Jahre 2012 ist in Bamako ein neunköpfiges Ensemble entstanden, das bereits mit Brian Eno oder Damon Albarn spielte und regelmäßig am Samstagabend in Habib Koites ''Hotel Maya'' auftritt. Die traditionelle Ngoni-Lautei ist auch auf dem Gambari-Debütalbumprägend für den polyrhythmischen Sound. Der ist weiterhin Familiensache: mit dem Gesang von Kankou & Massaran Kouuyate als wichtigster Säule neben Barou Kouyates Ngoni-Solos.Die kontinente übergreifende Zusammenarbeit mit der Produzentin Mell Dettmer aus Seattle (u.a. Femi Kuti, Bill Frisell) ergab ein gut durchhörbares Album - bliebe zu vermuten, wem die Ex-Backing-Band wohl den Titel ihres Albums widmet. 'Kokuma' bedeutet in Malis wichtigster Sprache Bambara soviel wie ''hinter jemandes Rücken lästern".

 

 

 

 



www.gambariband.com

 
 
Strictly The Best / The Biggest Reggae One Drop Anthems
Jacob Miller - Who Say Jah No Dread / Keith Hudson - Tuff Gong Encounter
Augustus Pablo - Original Rockers / Horace Andy - In The Light
 
Various Artists - alle: Greensleeves - VP / Groove Attack  
 
Querschnitt aktueller Compilations & Re-Releases bei VP/Greensleeves.
1 25-jähriges Jubiläum der "Strictly The Best"-Serie! Zur Feier eine Doppel-CD mit je 14 Lovers Rock-, One Drop-, Dancehall- & Modern Reggae-Tracks aus der aktuellen Insel-Produktion mit üblichenVerdächtigen von Jah Cure bis Vybz Kartel oder Gyptian - und neuen Talenten wie Raytid, Devin Di Dakta, Vershon oder Jahmiel. Plus: Eddie Murphy (im Duett mit Beenie Man) und Studio One-Legende Freddie McGregor, 2CD-Set-for-the-price-of-One incl. poppigem fold-out-Booklet.  2 Über 65 Minuten exklusives Classic Reggae- Material aus dem letzten Jahr, alle 13 Tracks produziert von Produzentenlegende Clive Hunt, der hier auch als VP Hit Team das jeweils feine instrumentale Intro & Outro liefert. Highlights von (einer hier verschnupft klingenden) Jah 9, Luciano, Jah Vinci, Richie Spice oder Raging Fyah. Not bad at all!
3 Melodica-Roots-Reggae Galore! Das klassische Jacob Miller-Album plus einige ebenso klassische Augustus Pablo-Sessions aus den Jahren 1974-75, remastered von Kevin 'Soundmaster' Metcalfe. Mit einem Allstar-Cast: Aston & Carlton Barrett, Robbie Shakespeare, Earl "Chinna" Smith - 22 Stücke im Digipak, incl. ausführlichen Liner Notes von Ian McCann (1992) & Harry Wise (2015) . Top! 4 Fast das gleiche Personal war & ist beteiligt am jetzt erstmalig erhältlichen, unveröffentlichten Keith Hudson- Album von 1984! Der Dark Prince of Reggae war vor seinem Tod 1984 ua. mit den Barretts, Junior Marvin & Earl Lindo im Tuff Gong Studio. Die ausführlichen Liner Notes von Hudsons Biograph Vincent C. Ellis erzählen die Story von Hudsons letztem Trip nach Jamaica. Sechs Dub Versions als Bonus in King Jammys Produktion. www.keithhudsonmusic.com 5 Noch ein Pablo-Greensleeves-Klassiker in verbesserter Qualität. Die Original Rockers von 1979 als Deluxe Edition im Digipak mit 16-seitigem Booklet (Liner Notes von Noel Hawks), remastered by Kevin Metcalfe, kommt incl. aller Boni auf über 69 Minut en, von 10 Tracks auf 23 CD-Tracks aufgestockt. 6 Last but not least: die Horace Andy-Wiederveröffentlichung des 1977er Albums In The Light, in Originalcover-Optik & und mit ausführlichen Liner Notes. Andy wurde später durch seine Mitwirkung bei Massive Attack Alben (1991 bis 2010) bekannt. Again: remastered by Kevin Metcalfe, plus zehn Dubversionen von Prince Jammy - parallel als Vinyl.


 

Reviews 12 - 2015 & 01 - 2016 © cinesoundz 2015
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