| Naturkatastrophen und Wirtschaftskrisen – Unsicherheit ist zum Schlagwort unserer Zeit geworden. Das veranlasst viele Architekten, mit temporären Bauten flüchtigere Spuren zu hinterlassen oder sich um ökologische Nachhaltigkeit zu bemühen. Einige der in der jüngsten Folge des Referenzwerks für Entwicklungen in der zeitgenössischen Architektur vorgestellten Entwürfe sind diesbezüglich recht radikal. Auffällig ist der Einsatz traditioneller Materialien in moderner Interpretation. Dennoch vertritt das gewichtige Nachschlagewerk keine spezifischen Trends, sondern präsentiert auf 480 Seiten aktuell herausragende Bauten aus aller Welt, eine Mischung verschiedener Stile und Bautypen. Kurz gesagt: Architektur wie sie heute ist. Zwischen A wie Adhiwira bis Z wie Zumthor finden sich auch einige Architekten und Projekte aus Deutschland: z. B. das ‚Hutznhaisl‘ am Fichtelberg von AFF Architekten oder der Jübergtower von Birk & Heilmeyer. Das Berliner Büro LIN hat die Cité du Design in Saint-Étienne gebaut und Terrain aus München einen Turm in der Steiermark, während die Niederländer Maurer United ihren Indemann Watchtower wiederum in Deutschland platzierten. Text:Gabriela Beck www.taschen.com
Rayk Wieland – Kein Feuer, das nicht brennt Kunstmann
Rayk Wieland nimmt den „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“-Faden von vor drei Jahren wieder auf. Sein Protagonist tut sich immer noch mit Grenzüberschreitungen schwer. Dumm nur, dass W. im wiedervereinigten Berlin lebt und begehrter Reisereporter der „International Geographic Review“ ist. Der schreibt vielleicht gerade deswegen so bildhaft, weil er auf die Mühsal des Unterwegssein nur zu gern verzichtet und seine Reisen ganz wie einst Karl May schlichtweg erfindet – bis eine Irritation aisgerechnet aus dem fernen Nordkorea sein Schreibtisch-Idyll durcheinanderbringt… Diese reizvolle Story-Konstellation nutzt der spürbar philosophisch geschulte Rayk Wieland („Öde Orte“) zu einer gehörigen Portion Medien- und Tourismuskritik und geistreichen Einlassungen darüber, was der Reisende wohl in der Fremde sucht – und zu suchen hat. Angesichts von Globalisierung, Beschleunigung und Monotonisierung nicht nur der „ersten“ Welt fragt Wielands Romantiker – ganz nach Schuberts Wintererreise-Credo „Fremd bin ich ausgezogen, fremd kehr ich wieder heim“ – ob wie in der Liebe auch beim Reisen nicht die Verwirklichung am besten zu vermeiden sei. Erst als W. folgerichtig von seiner Redaktion gefeuert wird, landet er tatsächlich am anderen Ende der Welt – zu Füßen der chinesischen Mauer und vor dem gleichen Kunst-Kaminfeuer wie daheim in der ehemals umzäunten Stadt. Autor Wieland war allerdings diesmal wirklich vor Ort – und das chinesische 5-Sterne Kaminfeuer war, wie er gerade auf der Leipziger Buchmesse zugab – echt…Also gibt es noch Hoffnung für – aus welchen Gründen auch immer – Gernreisende. www.kunstmann.de/
Helge Timmerberg – African Queen
Rowohlt Berlin
Reiseschriftsteller Helge Timmerberg hatte den afrikanischen Kontinent – bis auf seinen langjährigen Hafen Marrakesch – nie so recht auf dem Zettel. Dann schlug die Liebe zu. Und seine juvenile, schwarzhaarige (österreichische) „African Queen“ Lisa hat nunmal gerade einen Vertrag in einer Luxus-Lodge in Malawi unterschrieben. Von dort aus schafft es der mittlerweile 60-jährige, eifersüchtige Ex-Hippie wegen und mit Lisa noch auf die Spuren von General von Lettow-Vorbeck in die tansanische Schweiz, zu rassistischen Affen in die Serengeti und in den Verkehrsstau von Kampala. Selbst ein Solo-Ausflug zu Christoph Schlingensiefs Operndorf in Burkina Faso ist für den Geschichtenjäger zwischendurch noch drin. Timmerberg trotzt im Verlauf der Reise – zwischen Usambara, Ngorongoro und Ouagadougou – Heimweh, African TV, Casamance-Voodoozauber, (Reise-)Beziehungsstreß, Vogelspinnen und schweren Malariaattacken. Das ist wieder mal zumeist geistreich & vergnüglich beschrieben und in Kairo kommt der nach eigener Einschätzung „überreiste“ Autor, mit dem Ende der Tour vor Augen, wieder einmal zum Schluß: Die Reise fängt gerade erst an… Helge T. bei F.Book… |