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REVIEWS BOOKS 06-2017 Music & Art Special

 


 

books 06 17 prince

Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band / It Was 50 Years Ago Today

Edition Olms * Silva Screen / Edel

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"It was 50 years ago today..." Diskographische Angaben zu Sgt. Pepper´s

 TIPP
 

Im Juni 2017 ist es 50 Jahre her, dass die Beatles in ungewohntem Phantasie-Outfit ihre möglicherweise einflussreichste Schallplatte veröffentlichten: Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band. Der vorliegende, von mehr als 150 Fotos und Abbildungen illustrierte Band im EP-Format widmet sich in der ersten Hälfte, der A-Seite, der Band, den Aufnahmen in den Abbey Road-Studios und der Rezeption des letzten von Manager Brian Epstein betreuten Albums. Die B-Seite reflektiert den Umbruch in Politik und Kultur, für den das Jahr 1967 heute steht: `Summer of Love´, Anti-Vietnam-Protest, 6-Tage Krieg, Rassenunruhen in den USA. Auch dass und auch, wie sich Sgt. Pepper gegenüber anderen Großkalibern des Jahres behauptete (Stones, Kinks, Who, Hendrix, Hair). Die Kreativität der Band befand sich auf ihrem Höhepunkt, noch Ende ´67 erschien bereits das nächste, mit dem gleichnamigen Film verbundene Album Magical Mystery Tour. Melody Maker-Autor Brian Southall war neben Jobs bei A&M, Warner & Tamla Motown auch über zehn Jahre EMI-Pressesprecher.
www.edition-olms.com-id=333

Prince - Sein Leben in Bild und Text / Die Biografie

Von Mobeen Azhar/ Edition Olms * Matt Thorne / Edel

books 06 17 prince

TIPP
 

"Dieser androgyne, exaltierte Alien lehrte mich alles über Musik, Sex und Liebe." Das vorliegende, vorsichtshalber als "nicht authorisierte Biografie" bezeichnete, aber gleichwohl stimmige Buch von `Prince-Mega-Fan´ Mobeen Azhar versteht sich als Hommage an `his purpleness´. Der von einem lila Umschlag eingefasste Bildband mit etwa 120 Fotos bemüht sich weniger um kritischen Abstand zu dem am 21. April im heimatlichen Minnesota durch Medikamentenmißbrauch erst 57-jährig aus dem Leben gerissenen Prince Rogers Nelson, sondern feiert den Glamour & die überbordende Kreativität des kleingewachsenen Paisley Park-Stars. Und zwar mittels einer Sammlung von Gesprächen, die Azhar mit diversen Musikern & Mitarbeitern führte. In den 80ern großgewordene Musikfans werden beim Blättern wohl auch das eigene Mixtape von Konzert- oder After-Show-Erlebnissen abspulen. Angehängt eine schmucklose Alben-Diskographie (die angekündigte Auftstellung "der offiziellen und bisher bekannten Stücke auf Singles und LPs" findet sich hier allerdings nicht - sie wäre wohl auch zu unvollständig angesichts eines Riesenarchivs von unveröffentlichtem Material (s.u.) dieses Musik-Prinzen, der "sein Leben als Film lebte". "Prince – nun weinen die Tauben wirklich…Wir werden dich nicht vergessen." (Oprah Winfrey) www.edition-olms.com

Zum ersten Todestag (wohl nicht nur im Urteil von Eric Clapton) "eines der begabtesten Musiker unseres Planeten" erschien auch Prince - Die Biografie von Matt Thorne - vom Verlag als nicht umsonst als "biografische Enzyklopädie" angekündigt. An den über 540 Seiten (incl. zwei Einschüben von jeweils 8 Seiten Farbfotos) arbeitete der Man Booker Prize-nominierte Musikkritiker mehr als sieben Jahre lang, allein die Fußnoten hätten mengenmäßig für einen handelsüblichen Paperback gereicht. Für die deutsche Ausgabe wurde noch ein 25-seitiges Postscript Von HITNRUN Phase One bis zu Prince´Tod erarbeitet. Auch Matt Thorne geht natürlich als Fan durch ("Er gab uns alles, aber wir wollten immer mehr."). Anders hätte der Schriftsteller nicht die immense Fließarbeit leisten können, die ihn auch bis ins Haus des Künstlers führte. Die Fülle an Details entlang der Diskografie wird nur allgemein Interessierte schnell überfordern - dieser Wälzer ist mehr für den ganz harten Fankern geeignet. "Die Musik, die wir von Prince kennen, ist nur ein Bruchteil dessen, was er geschaffen hat." Die Aufarbeitung dieses (schon zu Lebzeiten ausgeuferten) Oeuvres nach Abtritt der Hauptfigur, "des Einzigen, der etwas von meiner Musik versteht" - eine Full-time-Herausforderung für die nächsten Jahre. www.edel.com/de/label/edel-books

 books 06 17 Prince Bio

Monty Python´s Flying Circus

V.A. / Edition Olms

books 04 17 MontyPythonFC

"Something completely nostalgic" - der Brite würde wohl sagen - priceless. Monty Python Live -mostly- auf arte im Juli ´17 u.a. am 14. 07.

 TIPP
 

"All that silly stuff we did, and now they treat you like God incarnate." Mit der opulenten Reunion Show in der Londoner O2 Arena standen die Monty Python-Großmeister 2014 erneut im - weltweiten - Rampenlicht: John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones & Michael Palin. Graham Chapman (seit 1989 `bereft of life´) war schon bei einem 1998 anberaumten Klassentreffen als (im Laufe der Show umgestoßene) Urne präsent gewesen - aus der Asche entwich. Gegen die sich die Runde wahlweise per Sauerstoffmaske wappnete, sie vom Anzug wischte oder unter den Teppich kehrte. Anno 2014 war es weniger böse, was die mittlerweile gesetzteren Gentlemen on stage zelebrierten. Bis 2016 dauerte es noch, bis die englische Originalausgabe von Monty Python's Flying Circus: Hidden Treasures, der die Python-TV-Historie von 1969 bis ´74 abfeiernde Prachtband (um zwei Seiten bzgl. Monty Python Live -mostly- von 2014 ergänzt) bei Carlton erscheinen konnte, prall gefüllt mit seltenen Fotos, Sketch-Scripten und -Korrekturen, Plakaten, Tagebuchnotizen, Eintrittskarten und weiteren Memorabilien, den Spieltrieb der Fans durch teilweise Herausnehmbarkeit befriedigend. Im Frühjahr 2017 veröffentlichte Edition Olms das Werk auch im deutschsprachigen Raum, wo die Pythons seit ihren 70er & 80er-Jahre-Kinofilmen immerhin auch Kultstatus genießen. Pflichtprogramm. www.edition-olms.com

Eine kurze Geschichte mit sieben Morden

Marlon James - Heyne Hardcore

Von wegen kurz. Der neben dem Man Booker Prize 2015 mit weiteren Auszeichnungen überhäufte Kriminalroman des 1970 in Kingston geborenen Marlon James ist ein 850 Seiten starkes, sich langsam aus Dutzenden Monologen im Kopf des Lesers zusammenfügendes Opus Magnum Jamaikas - voller Gewalt und politischer Machtkämpfe. Die Geschichte rund um den Anschlag auf Bob Marley 1976, der die Lichtgestalt außer Landes trieb, bis er zum One Love Peace Concert 2 Jahre später triumphal zurückkehrte, liest sich erst widerstrebend und zäh, dann zunehmend sehr spannend. Die Faszination & Empfehlung an dieser Stelle gilt gleichwohl eingeschränkt, ob der teils haarsträubenden Brutalität einiger Schilderungen. Die TV-Serien-Rechte hat sich bereits HBO gesichert, James schreibt das Drehbuch für die Pilotfolge - da darf man sehr gespannt sein. An der deutschen Ausgabe arbeiteten alleine fünf Übersetzer, die sich durch das Patois der Insel kämpften, das sich nicht 1:1 übertragen lässt (schon gar nicht ins Deutsche). Eben vielmehr eine lange Geschichte - auch eine über Durchhaltevermögen beim Leser - und beim Autoren. Marlon James´ erster Roman John Crow’s Devil wurde über siebzig(!) Mal abgelehnt, dann ebenfalls prämiert - und liegt als Tod und Teufel in Gibbeah auch auf Deutsch vor, anders bisher als sein zweiter Roman The Book of Night Women über eine Revolte jamaikanischer Sklavinnen während der Kolonialzeit. Marlon James lebt offen homosexuell, hat seine Heimat verlassen und arbeitet heute in Minnesota. Interview mit dem Autoren * http://marlon-james.blogspot.de

TIPP
 

books 06 17 Marlon James 7

Der Doctor Bird, Nationalvogel Jamaikas als Cover-Motiv.

frieze - A to Z of Contemporary Art

Phaidon
Das englische Kunstmagazin frieze wurde 1991 von Amanda Sharp & Matthew Slotover gegründet und gilt seitdem als Wegbereiter progressiver Kulturberichterstattung - in (Kunst-)Buchhandlungen weltweit gehört es seit langem zum Standardrepertoire. Der vorliegende - englischsprachige - Sammelband zelebriert das 25jährige Jubiläum mit einer Kollektion von über die Jahre im Heft erschienener Essays zu Themen von `A wie Avant-garde´ bis `Z wie Zeitgeist´. Die Vielseitigkeit des frieze-Themenspektrums, das weit über klassische Kunstthemen hinausgeht, veranschaulichen zum Beispiel der Text By Design (Alice Rawsthorn, 2015), der unter dem Stichwort "Interfaces" das Design von Betriebssystemen untersucht, eine Abhandlung von Kunst im öffentlichen Raum unter dem Oberbegriff "Gentrification" (Steven Stern, 1998) oder die Aufarbeitung von Homophobie in der Kunst Südafrikas unter Q wie "Queer" (Sean O'Toole, 2010). Der renommierte amerikanische Kunstkritiker Peter Schjeldhal ist unter dem Buchstaben `M wie "Museums"´ mit einem Text von 1997 über das damals neue Guggenheim Museum in Bilbao vertreten. Der Hardcover-Band ist übersichtlich gestaltet und mit zahlreichen Farbabbildungen versehen. Das zweispaltige Seitenlayout erinnert berechtigterweise an das Design von Zeitschriften. In ihrem Vorwort plaudern Sharp und Slotover aus dem Nähkästchen und lassen den Leser an den Herausforderungen der Gründungsphase teilhaben. Sie unterstreichen zudem die Rolle von Kunstjournalismus im Zeitalter des Internets und Social Media - "we believe art writing has only become more important, as a way of navigating this abundance." Mittlerweile ist frieze zu einem kleinen Imperium herangewachsen und umfasst zusätzlich zum Heft und der expandiereden Webseite noch den frieze Art Fair, eine jährliche stattfindende Messe für zeitgenössische Kunst in London und New York, sowie die gemeinnützige frieze Foundation. Die deutsch-englische Ausgabe der frieze wurde allerdings 2016 nach fünf Jahren eingestellt. Es bleibt zu hoffen, dass das englische Original die Kunstwelt noch einige Jahre länger bereichern wird. frieze - A to Z of Contemporary Art manifestiert jedenfalls den Anspruch, eine feste Kontrollinstanz im Kulturbetrieb zu bleiben. clc https://frieze.com www.artspace.com/phaidon/frieze-a-to-z-of-contemporary-art

books 06 17 Frieze

 

 

 

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