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Lucky Dube shot in Jo´burg

         
RASTAS NEVER DIE... Der gewaltsame Tod von Lucky Dube in Johannesburg        
       
         
Crime and coruption
Do you ever worry about your house being broken into ?
Do you ever worry about your car taken away from you in broad daylight down highway 54 ?
Do you ever worry about your wife becoming the woman in black ?
Do you ever worry about leaving home and coming back in a coffin , with a bullet through your head ?
So join us and fight this Crime and corruption

Ein Lucky Dube-Text mit prophetischer Note. Die südafrikanische Reggae-Ikone wurde Donnerstag vor einer Woche im Johannesburger Viertel Rosettenville vor den Augen zweier seiner sieben Kinder erschossen. Gegen das für Südafrika erschreckend brutal-normale Hijack-Schema spricht jedoch, dass Dubes Luxuslimousine mit den beiden Kindern unversehrt zurückblieb. Der Tod des Stars hat das Riesenland aufgerüttelt.
In der Lounge des In-Restaurants Bean Bag Bohemia in Durban herrscht am Abend nach dem Verbrechen unter der multikulturellen Künstler-Klientel Fassungslosigkeit, während Rastas als lebende Zeitungstafeln mit der Schlagzeile „Tears for Lucky Dube“ vorbeimarschieren.
Zwei Tage später in einer der unzähligen Shebeens von Soweto, dem mittlerweile geradezu ruhigen Millionen-Township im Südwesten von Johannesburg, vermutet nicht nur Solomon Matagkhe aka DJ Solly einen privaten Hintergrund. Dube werden einige rasta-untypische Affären nachgesagt. Auch stand der Anhänger der vor allem im Osten des Landes populären Shembe-Kirche bei orthodoxen Rastas wegen seiner allzu sauberen Dreadlocks und Statussymbolen wie dem Auto, das ihm nun möglicherweise zum Verhängnis wurde, in der Kritik. Auf Jamaika selber war er allerdings durchaus erfolgreich, wie auch in West- und Zentralafrika sowie Europa. Seit dem Cricket-Weltcup im März des Jahres hatte das unermüdliche Live-Energiepaket bereits über 80 (!) weitere Konzerte gegeben.
Auch Verschwörungstheorien werden von Solly & seinen Nachbarn bei Kwaito-Beats und Billard im Shebeen-Hinterzimmer gewälzt. Dube hatte möglicherweise einen mächtigen Feind im eigenen Land, schließlich wurde er trotz seiner Popularität kaum im Radio gespielt...

Südafrika ist trotz enormer Potentiale und Fortschritte weiterhin ratlos angesichts der offenbar nicht einzudämmenden Kriminalität im Land. Der gestrige, aus dem hoffnungslos überfüllten „Bassline“ in Newtown per Großleinwand auf die große Freifläche des Cultural Precinct Parks übertragene Memorial Service geriet zum Spiegelbild einer wütenden Nation. Zunächst benutzte Ivor Haarburger, der weiße Chef von Dubes Plattenfirma Gallo Records, die Gelegenheit, die TV-Anstalten für Ihre mangelnde Unterstützung anzugreifen. „Only now that he is dead, we see Lucky Dube on TV!“ Den meisten Beifall aus der ca. 5000-köpfigen Crowd.erhielten in der gleissenden Sonne nicht der mahnende Zeremonienmeister Sipho „Hotstix“ Mabuse, die aufgelösten Töchter Dubes oder der Bob Marley´s „Redemption Song zitierende Skipha Shabalala aus Dubes Band (..how long shall they kill our prophets, while we stand aside & look..“), sondern die Todesstrafe wiedereinfordernde Redner wie der Zulu-Musiker Bhekumuzi Luthuli und eine sich in Rage redende Hilda Tloubatla von den Mahotella Queens, die bezugnehmend auf zwei Verdächtige aus Mozambique ins Mikro donnerte: “why are we still being ruled by foreigners in our country?”.
Ein rauer Ton herrscht in der 6-Millionen-Metropole Jo´burg oder Jozi, wie die „City of Gold“ im Volksmund heißt, noch immer, auch wenn man sich als Weißer inzwischen wieder in die architektonisch interessante Innenstadt wagen kann. Die am Memorial Service teilnehmende African-Soul Queen Simphiwe Dana, selber Mutter zweier Kinder, möchte dennoch nur hier leben. „Nirgendwo sonst in Afrika gibt es diese Energie und diese Möglichkeiten, Dich künstlerisch weiterzuentwickeln - wenn Du dich behaupten kannst.“
Urban Afro-Producer Rantoboko will anlässlich des Mordes an Lucky Dube spontan mit einem Remix einer Wyclef Jean/Mary J. Blige-Nummer die Creme der modernen südafrikanischen Musikszene versammeln, „to create awareness for our biggest issue: crime!“...Die Nummer wird den Titel „Ten Triple One“ tragen – die Notrufnummer der Polizei von Johannesburg. Laut deren Bericht starben am gleichen Tag wie Luky Dube 17 weitere Menschen eines gewaltsamen Todes.
Der Funeral Service für den Reggaestar in Newcastle (SA) am 28. Oktober findet unter Ausschluß der aufgebrachten Öffentlichkeit statt. Die Gerichtsverhandlung vor dem Jo´burger Magistrate´s Court gegen vier hauptverdächtige Gangmitglieder wurde angesichts heftiger Publikumsreaktionen auf den 30. Oktober verschoben. Man darf gespannt sein, welche Kreise das Dube-Drama („Daily Sun“) noch ziehen wird.

Stefan Rambow, Johannesburg
text & fotos © cinesoundz 2007